Fair Fair: Was ist passiert?

(c) Fairfair.at

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Früher war nicht alles besser, und auch die Mode war nicht automatisch fairer. Die Sklaven auf kolonialen Baumwollplantagen, Kinderarbeit am Beginn der Industrialisierung, davor und bis heute, die Weberaufstände der europäischen Geschichte – das alles spricht dafür, dass es zu jeder Zeit unfair zuging bei der Produktion von Textilien. Der hohe Personalaufwand in der Bekleidungsindustrie machte sie seit jeher zu einer Branche mit viel prekärer Arbeit. Schließlich sind es auch die Personalkosten, die einen Großteil der europäischen Textilindustrie seit den 70er Jahren nach Asien weiterziehen ließen. Näherin – das war in vielen Gegenden Europas ein Beruf, in dem Millionen von Frauen arbeiteten, und das noch vor wenigen Jahrzehnten. Es war die Textilindustrie, die als erste Branche zum Produzenten günstiger Massenware wurde, nachdem die industrielle Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts ihren Lauf nahm und lange bevor die Grüne Revolution der vergangenen Jahrzehnte die Landwirtschaft in eine Agrarindustrie verwandelte.

Ach, ich mag das, wenn ich, obwohl ich mich schon so lang mit dem Thema beschäftige einen „Eigentlich komplett logisch nur hab ichs noch nie so gesehen“- Hirnklatsch – Moment hab. Denk ich an „früher“, denk ich an europäische Textilindustrie mit Menschen, die von ihrer Arbeit leben konnten. Da denk ich aber wahrscheinlich ans deutsche Wirtschaftswunder in den Fünfzigern oder ähnliches. Da mag es wirklich in Ordnung gewesen sein. Aber es ist sonnenklar und logisch, dass es davor wahrscheinlich vielerorts noch prekärer zugegangen ist und von Arbeitsrecht noch nicht viele Ahnung hatten. Schön, da mal so drauf hingewiesen zu werden, damits mir die Perspektiven wieder gerade rückt.

Dieser Text, dem ich diese Sätze frecherweise entnommen habe, steht im aktuellen Biorama. „Was ist passiert“ ist ein Zwischentitel der Geschichte – eine Frage, die ich mir gerade nach „Genuss“ dieses Videos in den letzten Tagen öfter gestellt habe. Geschrieben von dem mir unbekannten Thomas Stollenwerk, muss ich ihm auch in seinem Fazit zustimmen:

Unsere Mode konnte nur deshalb so unfair und unnachhaltig werden, weil vieles an der Mode so unfassbar austauschbar erscheint. Will man faire und nachhaltige Mode, muss man sich die Frage stellen, was man gerne anziehen möchte und die Antwort nicht einer schnelllebigen Industrie mit großem Werbeetat überlassen. Nimmt man Mode ernst, dann kann man Kleidung nachhaltig und fair kaufen. Betrachtet man sie als ein wechselhaftes, launisches und stets verfügbares Kunsprodukt, dann wird es schwer mit dem Bioregal im Textilgeschäft.

Das Biorama ist nicht nur eine Zeitschrift, die ich jedesmal von vorne bis hinten zerlese, die Bioramas sind auch die Veranstalter der ab heute startenden Messe FAIR FAIR, wo es feine Stoffe, feines Bappi (für Nichtwienerinnen: Feines Essen) und tolles nachhaltiges Design gibt. Und einen Stand von meinen lieben Buchkontoristinnen. Die Messe geht bis Sonntag, und so sehr ich hoffe, dass es rund ums Museumsquartier nicht regnen wird, kann ich garantieren: Im Museumsquartier wirds nicht regnen. Ich bin heute Nachmittag dort, freu mich auf bekannte Gesichter!

faifair3

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Ein Gedanke zu „Fair Fair: Was ist passiert?

  1. Stadtpflanze sagt:

    Zum historischen Aspekt kann ich dir auch empfehlen, das Weberlied von Heine (nochmal?) zu lesen. 🙂 Es ist immer noch erschreckend treffend.

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