Vom Weltschmerz zum Kulturschock

Zugegeben, es hat mir gut getan, mir da gestern die Überforderung von der Seele schreiben zu können. Wie viele Leute mir da zugestimmt haben, hat mich fast erschreckt – und mich dazu gebracht, meine Motivation wieder zu finden. Was bringt es uns, uns gegenseitig zu bestätigen, dass alles scheiße ist und die Welt sowieso bald untergehen wird? Mein Bruder hat schon recht: Dieser Blog hat eine gewaltige Reichweite erreicht, genauso wie das Buch in meinen Augen echt eingeschlagen hat, weitaus mehr, als ich mir das jemals gedacht habe. Und ich habe Menschen dazu gebracht, umzudenken und ihr Einkaufsverhalten mal kritisch zu betrachten. Eine Tatsache, die ich immer noch unglaublich finde.

Na gut, dann mach ich halt weiter damit, euch immer wieder zu erzählen, wie wichtig es ist, ökologisch und fair zu konsumieren, zu tauschen, selbst zu produzieren, und euch außerdem zu vermitteln, wie viel Spaß das machen kann. Gern. Das Thema hat sich so sehr zu meinem persönlichen roten Faden entwickelt, dass ich eh nimmer anders kann. Damit trage ich meinen Teil dazu bei, dass sich im Kleinen doch was bewegt. Denn wenn alle Kleinen sagen, sie können ja eh nix tun, dann wird sich auch nix ändern.

Apropos Kleine. Bei dieser Kleinen würd ich mir wohl dennoch die Zähne ausbeißen. 12 Jahre alt, Shopaholic, 300 Pfund (knappe 380 Euro) Taschengeld. Pro WOCHE.

Screenshot (c) Metro.co.uk, Copyrightangabe unter dem Foto: (c) Channel 5

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Ich hab grad versucht, in mich reinzuhorchen, um draufzukommen, was mich am wirklich dran stört? Ist es Neid, weil die Kleine in fünf Wochen mehr Geld ausgeben kann, als ich verdiene (jetzt fangts grad zum Rechnen an, oder? 🙂 ). Nein. Wirklich nicht. Ist es dieses nagende Gefühl, das ich seit der zynischen und trockenen Aussage einer Verwandten („Hochkulturen gehen unter. War schon immer so.“) nicht mehr los lässt? Naja, vielleicht. Was es ganz sicher ist: Stinkende, rauchende Wut auf Eltern dieses Kindes. Die Kleine tut mir eigentlich nur leid.

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13 Gedanken zu „Vom Weltschmerz zum Kulturschock

  1. Uta sagt:

    Wie heißt es so schön: Wenn viele kleine Leute viele kleine Dinge tun, kommt Großes dabei heraus!
    Und Du hast recht, die Kleine kann einem leid tun und die Eltern? Die sollte man…..

  2. EriksMama sagt:

    Das Mädchen kann einem sehr leid tun…Geld für Klamotten statt Liebe…

  3. Stadtpflanze sagt:

    Das Mädchen tut mir auch leid. Das Geld muss irgendwoher kommen – und die Eltern sind in dieser Zeit logischerweise nicht für das Mädchen da.Da nützt es auch nichts, wenn der Stundenlohn der Eltern in Taschengeld für das Kind umgewandelt wird… Finde ich.

    • diealex sagt:

      Frauen zurück an den Herd ist aber auch keine Lösung, oder?

      • nunette sagt:

        ???? Was hat das damit zu tun?

      • Stadtpflanze sagt:

        Nein. Das hab ich auch gar nicht geschrieben, das hast du darin gelesen. 😉 Eltern (auch Väter) müssen für ihre Kinder da sein. Abgesehen davon macht es auch die Eltern selbst kaputt, wenn sie keine Work-Family-Balance haben.

        Wenn die Eltern gut genug verdienen, müssen nicht beide Vollzeit arbeiten. Beide Teilzeit (z.B. 30 Std) wäre ideal. Die Praxis, dass Frauen zu Hause bleiben oder Frauen halbtags arbeiten, während Männer in Volzeit arbeiten, halte ich für daneben und (sry) bescheuert. Deshalb ärgert es mich auch ein bisschen, dass du mir so eine Ansicht unterstellst. 🙂

      • diealex sagt:

        Okay, das fände ich auch für uns am sinnvollsten. Aber ich denke eigentlich, das muss jedes Paar so machen, wie es es für richtig hält. In dem Artikel steht ja, dass die Mutter zu Hause ist. Die Kinder sind also nicht sich selbst überlassen. Ich denke, es gibt viele Arten, Kinder großzuziehen. Aber nicht falsch verstehen, ich finde es prinzipiell auch nicht gut, den Kindern so viel Geld für Markenklamotten zu geben, bin mir aber darüber bewusst, dass es einfach Leute mit mehr Geld gibt. Das ist doch schön für die.

  4. Tja, diese Diskussion hatte ich erst letztens mit meinem (16jährigen) Sohn, weil viele seiner Freunde zwischen vier- bis fünfhundert Euro im Monat Taschengeld bekommen. Kleidung ist da nicht inkl., die bekommen sie natürlich noch dazu. Für mich als Elternteil ist es schwer da, das richtige Maß zu finden, denn einerseits sollen sie lernen mit Geld umzugehen, andrerseits will man sie ja verwöhnen, aber nicht zu sehr. Und wer bestimmt, was das richtige Maß ist? Wieviel Geld ist richtig für einen Sechzehnjährigen? Antworten, Meinungen, Anregungen sind sehr willkommen!!

    • nunette sagt:

      ich hab mit 50 euro auch überlebt. hab mir halt immer was dazuverdient, babysitten, nachhilfe, usw.

    • nunette sagt:

      Wobei halt, das war sogar noch weniger, noch VIEL weniger, fällt mir grad auf. ich glaub, bevor ich ausgezogen bin, warens 250 Schilling im Monat. Danach mehr, weil meine Eltern mit die Kinderbeihilfe weiterüberwiesen haben.

      • EriksMama sagt:

        Was ? 500 € Taschengeld? Ich habe ab 16 damals 200 DM im Monat bekommen, Klamotten inklusive. Wenn ich mehr wollte habe ich gejobbt. Da wächst eine Generation heran, die sich gar nicht mehr anstrengen muss um sich was zu leisten. Sehr bedenklich
        Ich bin auch viel auf Flohmärkte gegangen als ich Teenager war. Was für mich mehr zählte waren Kreativität und Individualität. Das geht durch diesen Überfluss immer mehr verloren.

      • nunette sagt:

        250 Schilling sind bisschen über zwanzig Euro.

      • nunette sagt:

        Und ich habe von meiner Mama Flohmärkte lieben gelernt 🙂

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