Die fünf Wahrheiten, die uns die Modeindustrie nicht wissen lassen will

Bei der Jasmin bin ich heut über einen Beitrag in der Huffington Post gestolpert, den ich gekürzt und übersetzt hier wiedergeben will. Einfach, weils so wahr ist. Nichts davon ist mir und LeserInnen dieses Blogs neu, dennoch, gehen wirs mal an, was die Huffington Post da so schreibt. Achtung: Das ist keine wörtliche Übersetzung dieses Beitrags, sondern auch von mir ein bissl in freien Worten kommentiert.

Also.

Die fünf Wahrheiten, die die Fast Fashion – Industrie uns nicht wissen lassen will

  • Die Modeindustrie hat das Ziel, dass du dich nach einer Woche bereits „out“ fühlst. Früher gabs mal zwei Saisonen, Frühling/Sommer und Herbst/Winter. Jetzt gibt’s einmal die Woche eine neue „Mikro-Saison“ – mit dem Ziel dahinter, dass die KundInnen so viele Kleidungsstücke so oft wie möglich kaufen. Ich hab da grad so eine kleine Beobachtung auf der Website des Textilschweden laufen. Echt fast täglich neue Stücke drauf.
  • „Sonderangebote“ sind selten wirklich welche. Das gilt besonders für die USA, wo es Läden gibt, die Fetzen mit Designerlabels drin um quasi kein Geld verkaufen. Doch haha, das Zeug ist noch nie vorher in einem Laden gehangen und einfach nicht gegangen, sondern sind oft gaaaanz wo anders produziert als die restlichen Stücke der jeweiligen Designer. Der Kniff: Sogenannte Outlet Broker (Halsabschneider nach dem Vorbild der Börsen) BEZAHLEN Designer dafür, dass sie deren Labels in sturzbillig produziertes Zeugs nähen können. Da wundert mich das potthässliche Michael-Kors-Kleid, das ich mal in Phoenix gesehen hab, echt gar nimmer.
  • Es sind immer noch Blei (!) und gefährliche Chemikalien WEIT über der Nachweisgrenze in Kleidung vorhanden. Jo eh, das ist jetzt wirklich nix neues – und mein Job, sowas aufzudecken.
  • Kleidung ist entworfen, um auseinanderzufallen. Eh klar, wenn das einzige Ziel der Fast Fashion Unternehmen die Maximierung der Verkaufszahlen ist. Dann produziert man halt so, dass die Teile nach ein, zweimal Tragen auseinanderfallen, und schon muss der/die KundIn was Neues kaufen. Und das Ergebnis sind irre Müllberge und noch irrerer Verbrauch von endlichen Ressourcen. In dem Artikel steht mal wieder eine neue Zahl: Der Durchschnittsamerikaner wirft pro Jahr durchschnittlich 68 Pfund (fast 31 Kilo) an Textilien weg. Und da sind jetzt Stücke, die an Kleidersammlungen oder Charity o.ä. gehen, nicht mit einberechnet, sondern nur das, was wirklich auf den dortigen Deponien landet.
  • Aufgenähte Perlen- oder Paillettenmuster sind ein Zeichen von Kinderarbeit. Ist so. Je mehr blingbling hier in Mode ist, desto beschissener für die kindlichen ArbeiterInnen in den Billiglohnländern. Es gibt zwar Maschinen, die das leisten können, die sind aber meist so teuer, dass sie die diversen Arbeitskräfte nicht aufwiegen.

Ja, so ist das alles. Nicht mehr neu, aber immer wieder aufs neue schockierend. Ich hab beschlossen, mir viiiiiiel mehr selbst zu nähen. Erstens, weil Übung den Meister macht, und zweitens, weil dann wenigstens nur ich leide. Gestern hab ichs, blöder Zippverschluss am Tascherl.

2014-08-21 01.04.57

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11 Gedanken zu „Die fünf Wahrheiten, die uns die Modeindustrie nicht wissen lassen will

  1. Melli sagt:

    Bei uns hat ja vor kurzem ein zweiter Primark aufgemacht (Berlin) und ich möchte mich jedes mal übergeben, wenn ich die Leute sehe, mit ihren riesen Primark-tüten (ich nenne sie gerne Mülltüten). Da wird regelrecht hin gepilgert, es ist ein richtiges Touristenziel 😦
    Ich bin wahrscheinlich zu naiv, aber ich frage mich immer, wie man guten Gewissens noch was kaufen kann dort (und bei ähnlichen Konzernen).
    Daher bin ich froh, dass ich nähen kann und dass ich liebend gerne auf dem Flohmarkt in alten Sachen wühle, ich wünschte, mehr Leute sähen das so.

  2. Den Verdacht, dass es möglichst schnell wieder out sein soll habe ich ja schon länger. Insbesondere bei manchen „Modefarben“, die für sich genommen einfach nur hässlich sind. Und das mit den Perlen und Pailetten ist für mich neu. Dem Textilschweden habe ich zwar schon abgeschworen, aber da ich aus eigener Erfahrung weiß, was Perlenstickerei für eine Plackerei ist, werde ich das jetzt auch grundsätzlich im Auge haben.

  3. Friederike sagt:

    Auch ich habe vor einiger Zeit beschlossen, mir möglichst viel selber zu nähen. Aber auch da stehe ich beim Stoffkauf vor dem Problem, dass ich ja eigentlich auch hier auf fair produzierte Stoffe zurück greifen sollte, sonst ist das Ganze ja relativ witzlos.
    Passt jetzt zwar nicht ganz zu diesem Post, aber wie händelst du das denn?

    • nunette sagt:

      Ich kaufe meine Stoffe entweder auch in Bioqualität, oder ich kaufe bei Textil Müller – ein Händler, der europaweit Restbestände aufkauft und weiterverkauft. Für den Müller wird nix neu produziert, er hat wirklich nur Reste. Das machts für mich auch ökologisch sinnvoll.

  4. Jessica sagt:

    Oh wow, das erklärt echt Einiges, vielen Dank für den Link! Gerade gestern war ich im hiesigen TK Maxx (übrigens das erste Mal seit Monaten, dank deinem guten Einfluss 😉 ) und hab mich über die Michael-Kors-Lederjacken gewundert, die qualitativ wirklich nicht viel hergemacht haben und auch ein „Made-in-China“-Label trugen. Punkt 2 liefert dafür ja eine mögliche Erklärung, die mir auch noch völlig neu ist. Also noch einmal danke dafür! Bin wirklich verblüfft.

  5. bianca sagt:

    dass alles schnell wieder „out“ sein muss bzw. ist beobachte ich auch immer wieder an mir selbst in diversen schwedischen und spanischen ketten. am anfang der Saison hängt alles hübsch dort, ich schau den preis an und denk mir mal „oha“ und nach einem kurzen blick auf das Etikett dass dann zunehmend öfter 100% Polyester verrät wird’s ohne auch nochmal dran zu denken wieder zurück gehängt. im sale sind dann diverse stücke zu hauf ja wieder zu finden und nicht mal um 10€ würd ich manche „fetzen“ nehmen, auch wenn sie nicht 100% poly wären.
    da bleib ich lieber meinem schwarz und weiß farbcode treu, brauch ich weniger neues kaufen, weil vieles einfach nicht „out“ wird und mir ewig gefällt und trendfarben brauch ich nicht umgehen, weil ich sowieso nicht anziehen würd.

    und zu dem perlen- und pailettenkäse – noch ein „Vorteil“ für die Textilindustrie: wenn man beim waschen nicht aufpasst und es einfach so in die Maschine haut zerstörts andere Kleidung und im kleidersack zerstörts zumindest sich selbst mit hübschen kleinen löchlen… „praktisch“ wenn es sich selbst beim ersten mal waschen selbst zerstört.

  6. suze sagt:

    Die Kurzlebigkeit der Textilien sieht man oft schon im Laden, bei Zara sind viele Kleidchen kaputt, weil das Material so schlecht ist, die Perlen viel zu schwer fuer den Stoff usw. und die Ware zusammengepfercht auf der Stange haengt. Da schneiden sich die Verkaeufer dann auch in’s eigene Fleisch.
    Heute morgen an der Bushaltestelle wurde ich von einem Jungen gefragt, ob mein Kind auch neue Turnschuhe haette, weil es am ersten Schultag Brauch ist mit neuen Schuhen und neuem Shirt und neuem Rucksack zur Schule zu gehen? Really? Das bestaetigte mir dann eine Mutter. Die Industrie hat die Leute echt im Griff. Da verwundern dann auch die 31 Kilo nicht mehr, obwohl im Goodwill auch oft ziemlich abgeranzte Kleidung haengt

  7. kaywinnitlee sagt:

    Hat dies auf Kaywinnitlee rebloggt und kommentierte:
    Echt gruselig und ich find das Argument von meinen Nicht-nähenden Freundinnen immer etwas schwierig und anstrengend…das da lautet: wenne selber nähst, kommst du auch nicht günstiger. Neee…aber vielleicht beruhigter…freudiger, unabhängiger, individueller…aber Geld regiert ja leider immer noch die Welt. Manchmal hat man wirklich keine Lust mehr! Danke, dass du das noch mal so anschaulich zusammengefasst hast.

  8. Indhra sagt:

    Die 5 „Wahrheiten“: Die hat HP schön von einem anderen Blog abgeschrieben oder der andere Blog von HP, wie auch immer, macht ja heute jeder ohne jegliche Quellenangabe. Perlen auf Kleidungsstücken bedeuten nicht immer Kinderarbeit das ist schlichtweg Unsinn. Viele erwachsene Frauen in Indien, Pakistan und Bangladesh nähen Perlen oder Pailletten auf Kleidungsstücke und viele Kinder nähen Billigkleidung für Billigketten.
    Ich gebe dir Recht, auch ich finde die Kleidung die es heute zu kaufen gibt ist qualitativ Schrott (auch die meisten sauteuren Designersachen, weil alle in den gleichen Schrottfabriken hergestellt werden) und deshalb trage ich alles auf was ich noch im Kleiderschrank habe (und das ist viel) und kaufe so gut wie nichts, denn das was ich noch habe reicht mir bestimmt noch 20 Jahre, wenn sich meine Figur nicht drastisch ändert. Da ich immer (bis auf wenige Ausnahmen) klassische zeitlose Mode gekauft habe ist das kein Problem. Wenn ich etwas unbedingt brauche (Ersatz) dann nähe ich es selbst.
    Die Modeindustrie kann mich mal. Ich habe besseres zu tun als mich jede Woche mit
    Fast-Fashion-Dreck zu beschäftigen, ich brauche meine Zeit für wirklich wertvolle Dinge.
    Fast-Fashion übrigens z.B. produziert in Prato – dem Bangladesh der Toskana – ist übrigens ein interessantes Thema für alle die noch nichts davon gehört haben. So sehen alle Arbeitsplätze in der Zukunft aus, wenn hirnlose Modeaffen Fast-Fashion kaufen und damit moderne Lohnsklaverei unterstützen. Ein Blick in eine arme Zukunft die gerade beginnt – zurück ins Mittelalter nur dieses Mal unter verschärften Bedingungen.
    Ich verstehe allerdings nicht wieso man beim Nähen leidet. Nähen macht Spaß und man lernt zu schätzen wie viel Arbeit in einem Kleidungsstück steckt, allerdings nur dann wenn man bemüht ist gute Qualität zu nähen.
    Die Menschen die unter „Nähen leiden“ tun dies weil sie oft bis zu 20 Stunden pro Tag ununterbrochen gezwungen werden zu nähen und das zu einem Hungerlohn.
    Da finde ich es unangebracht zu schreiben……“ich leider lieber selbst beim nähen“…………..das sind infantile Äusserungen mit denen man sich lächerlich macht, sorry.

    • nunette sagt:

      wenn man sie nicht mit einem gewissen Augenzwinkern liest, sind sie infantil. Ja. Da geb ich dir recht. Nur, dass ich halt ganz fest mit den Augen zwinkere bei dieser Formulierung 😉

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