Primark: Been there, done that, eeeew.

Primark. Oft hab ich schon drüber geschrieben, noch nie war ich bei einem. Glaube ich jedenfalls. Ich bin mir nicht ganz sicher, was das für ein Laden damals 2002 in Irland war, wo ich mir mein Fleecepyjama gekauft habe, ein noch schlimmerer Liebestöter als die Verhütungshose. Aber jedenfalls, seit der Primark-Trend um sich gegriffen hat, war ich nie in einem. In Wien gibt es die derzeit (zum Glück) auch nur am Stadtrand in Einkaufszentren – und weder das G3 noch die SCS haben mich jemals derartig angezogen, dass ich unbedingt hin musste.

In Köln hatte ich heute dann etwas Zeit, bevor mein Zug zurück nach Wien ging. Und sah am Neumarkt: Primark. Da musste rein. Schließlich reg ich mich so oft drüber auf, das will ich mit eigenen Augen gesehen haben. Gedacht, getan.

Drinnen: Voll. Und stinkend. Nach Kunstfaser, nach Lösungsmitteln, nach Menschenschweiß. Aber im ersten Moment war ich gar nicht so schockiert. Sah auch nur aus wie ein etwas größerer Textilschwede, so auf den ersten Blick. Und es hingen sogar ein paar ganz nette Teile herum.

Kurz wunderte ich mich über mich selbst, warum ich nicht gleich in einem Anfall von Ekel und Abscheu den Laden wieder verließ (gut, in der Schuhabteilung, in der es nach Lösungsmitteln stank, als ob ich mitten auf einer Sondermülldeponie wäre, war mir kurz danach). Im Gegenteil, ich sah sogar das eine oder andere Stück, das gar nicht so übel aussah – rein optisch. Besonders ein Pulloverkleid mit einem langen Zippverschluss am Rücken um 15 Euro löste in mir sogar ganz kurz einen „Soll ich?“-Effekt aus. Aber sorry, ein Teil von Primark kaufen: Ausgeschlossen. Angegriffen waren die Sachen alle einfach nur grauslich. Leider nicht fotografiert: Ein Wollmantel, auf dem „enthält Wolle!“ draufstand – der Blick aufs eingenähte Label zeigte: 87% Acryl, 10% Polyester, DREI PROZENT Wolle. Und mit den drei Prozent machens Werbung…. und wieder zeigte sich: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

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Nett“ auch die Kleider, die in Dutzenden da hingen: Gleich mal komplett zerrissen. Hammerqualität. Wirklich die Augen haute es mir bei den Jeansgilets raus: DREI EURO? Für ein Jeansgilet?!?! Und vor allem: Hey! Jetzt nur drei Euro! Statt vorher….drei Euro!! Ich wage jetzt mal die Theorie: Es gibt Leute, die auf sowas wirklich reinfallen. Unfassbar.

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Ich fing ziemlich schnell an, mehr auf die Leute als auf die Produkte zu schauen. Und ja, Leute waren echt genug da. Mit riesigen von Primark zur Verfügung gestellten Einkaufssäcken oder -wägen. Was sich mir zeigte: Eine Art des Einkaufens, wie ich sie eigentlich nur von Lebensmitteldiskontern kenne. Den Wagen vollmachen, das Zeug ist eh so billig. Die Quantität steht hier im Vordergrund, weitaus ärger, als es bei Textilschwede und Co. der Fall ist. Die Umkleidekabinen: Abgedunkelt. Das Angebot: Maaaaassseeennweise. Die Leute: Von Hartz 4 bis Audi A4 war alles vorhanden.

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Mein Fazit: Es ist gar nicht so sehr die Optik oder das Angebot von Primark, das ich so abstoßend finde. Es ist die Einkaufsphilosophie, die sich hier zeigt. Kleidung kann man nicht so schnell verbrauchen wie Lebensmittel, Kleidung ist einfach kein Wegwerfprodukt!!

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11 Gedanken zu „Primark: Been there, done that, eeeew.

  1. Stadtpflanze sagt:

    Die Fotos finde ich sehr eindrucksvoll…

    Ich achte in Textilläden auch immer mehr auf die Menschen. Mir will es nicht in den Kopf, wie sorglos manche Menschen einkaufen (nicht nur in Textil-Discountern). Mit brauchen oder auch „echtem“ Modeinteresse hat das weniger zu tun, als mit „haben wollen“. Rational verstehe ich das natürlich schon, immerhin lebt ein ganzer Industriezweig davon, solche „Bedrüfnisse“ zu erwecken. Aber vom Gefühl her kann ich es trotzdem nicht nachempfinden… Und ich finde es gruselig.

    Deine Bilder sind natürlich extrem, aber ich kann mir vorstellen, dass es auch an anderen Tagen und an anderen Standorten so aussieht.

  2. Maike sagt:

    Also, ich finde, Primark bekommt oft einen „Arschtritt“ zu viel. Sie haben es (teilweise mehr, teilweise weniger) echt verdient, keine Frage. Aber mir werden viele andere Labels die genau die selbe „Scheiße“ produzieren viel zu oft zu sehr geschützt. Bei A&F dürfen in manchen Geschäften zB keine Menschen mit Behinderung einkaufen – passt nicht zum Label. Das finde ich genauso unter aller Sau wie Kinderarbeit, Zwangsarbeit, etc. Aber sowas wird einfach totgeschwiegen.
    Ich persönlich gehe bei Primark einkaufen – wenn mir ETWAS (also nicht der halbe Laden) gefällt oder ich etwas brauche. Mir passen zB nur die BHs von Primark, ich kann mit meinen Formen nicht bei Triumph, Hunkemöller oder wie sie alle heißen einkaufen, es ist einfach immer etwas, was nicht passt.
    Auch was die Qualität angeht kann ich persönlich mich nicht beklagen, die Sachen halten genauso lange wie die von Zara, H&M oder Tommy Hilfiger – meine Erfahrung.
    Diese Art „Ach es kostet drei Euro, kauf ich mir“ habe ich an mir selbst eine zeitlang gesehen. Bis ich umgezogen bin und mir über das Ausmaß meiner „Drei Euro Shirts“ klar geworden bin. Ein ganz schön großer Schock, seitdem kaufe ich nicht nach Preis, sondern nach Gefallen.
    Liebste Grüße
    Maike
    http://www.xblondecouture.blogspot.de

  3. spreemieze sagt:

    viel erschreckender finde ich, dass wenn man nach einem Primark besuch zu anderen Läden geht und dort das gleiche Teil aber zum dreifachen Preis hängt. Da finde ich Primark schon fast „ehrlich“, da die eben sich kein Marketingbudget von 25 Mio. leisten etc…

  4. Ich muss gestehen, ab und zu gehe ich auch zu Primark… allerdings habe ich mir angewöhnt die Teile mit der Hand zu waschen, damit sie länger halten 😉 Bin halt eine arme Studentin die aufs Geld achten muss… Obwohl auch das eigentlich keine Entschuldigung ist.
    Aber in die Umzugskabine würde ich nie nie wieder… sie ist zwar abgedunkelt, das Licht dort allerdings gnadenlos. Dort sehe ich aus wie ein Elefant im Miniformat… dann ist der Einkauf bei Primark nicht nur schlecht fürs Gewissen… sondern auch schlecht fürs Selbstbewusstsein.

  5. Selina sagt:

    Kein Wunder, das Geschäftsstrategien wie die von Primark so gut gehen. „Billig – billiger – am Billigsten“ lautet der Schlachtruf der Konsumenten von heute.
    Nichts für ungut, aber wenn der Kleiderschrank schon fast aus allen Nähten platzt sollte ich mir vielleicht echt mal Gedanken über mein Konsumverhalten machen. Da habe ich lieber drei teurere, dafür qualitativ hochwertige Hosen im Schrank (die dann auch für lange Zeit tragbar sind) als zehn billig, von denen mir eigentlich eh keine so richtig gefällt. Und ist vielleicht doch eine billige dabei, die meinen Geschmack optimal entspricht, ist sie nach spätestens drei Monaten verwaschen, aufgerissen oder ausgedehnt.
    Nein danke kann ich da nur sagen…

  6. […] ihr habt selbst Verantwortung. Ihr könnt in eurer Produktion, in eurer Lieferkette, in eurem Verkaufskonzept ansetzen! Meinetwegen auch in kleinen Schritten, aber Hauptsache, mit der richtigen […]

  7. Stephi sagt:

    OMG, ich bin 28 Jahre und war noch nie in meinem Leben in meinem Primark. Ich habe mir den Laden immer komplett so vorgestellt, wie du ihn hier beschreibst. Überfüllt, stinkend und einfach nur billig. Muss ich echt nicht haben.

  8. […] ihre Käufe ein bissl überdenken, kann sich was ändern. Und genau das ist der Grund, wieso ich Erlebnisdiskontershoppen wie bei Primark sehr sehr sehr sehr sehr kritisch sehe. Weils damit einfach in die falsche Richtung […]

  9. Holg sagt:

    Es ist doch eine Katastrophe was da passiert. Gibt es noch etwas schlimmeres als Primark? Ich glaube nein. Grundsätzlich bekomme ich beim Anblick der braunen Tüten in der Stadt schon extrem schlechte Laune. Liebe Leute, das kann doch nicht wahr sein – nur Schund, schlimmer als in den tiefsten Vorstellungen. So etwas gehört definitiv verboten. Schöne Grüße vom Hautarzt nach tragen dieser „Lumpen“. Bitte, bitte überlegt was ihr tut und boykottiert so ein Handelsunternehmen, wo gar nichts „passt“, sonst geht es wirklich bergab. Gegen Primark sind alle anderen Billigketten á la KIK und Co. ja schon Designerlabels.

  10. […] Aber ich bin nicht beleidigt. Ich finds nur lustig: Wenn ich irgendwo das kleine Wörtchen “Primark” einfließen lass… wui, dann gehts ab! Ich hatte noch NIEMALS so viele Klicks am Blog wie an dem Tag, an dem ich diese Geschichte postete.  Oder gestern, so völlig nebenbei postete ich auf Facebook ein Bild, das es mir in die Timeline gespült hatte. Badaaaaammm –  binnen weniger als 24 Stunden über 220 Likes. Oder mein Lokalaugenschein letztens, der kam auch sehr gut an. […]

  11. […] ob schädlich oder nicht, stinken. Und belasten damit die MitarbeiterInnen. Hab ich auch so erlebt, pfuigrauslichwäh riechts da […]

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