Britische Schizophrenie namens Burberry

Dieser Beitrag ist an Schizophrenie nicht zu übertreffen. Sagt am Ende nicht, dass ich euch nicht gewarnt hätte. Ja, auch ich hab meine nicht ganz so logischen Phasen. Doch, echt!

Und was mich so schizophren macht: Burberry. Als ich ein Kind war, rannte meine Mama grundsätzlich von September bis November und von März bis Mai im Trenchcoat herum. Er war nicht von Burberry, die Trenchs von denen waren nämlich schon damals unbezahlbar.

Aber ich wusste, sie hätte schon immer gern einen echten gehabt. Und für mich sind diese wadenlangen, beigen Mäntel zwar kein Höhepunkt für mein Stilbewusstsein, aber meine Sentimentalität „kommt“ beim Anblick solcher Mäntel verlässlich (jaaa, ok, der war echt schlecht grad, ich weiß). Aber etwa 1500 Euro pro Mantel ohne den geringsten Hinweis auf faire Produktion vergehts mir ganz schnell wieder… 

Burberry ist ein Weltunternehmen für Luxustextilien. An sich find ich das ja echt absurd. Man weiß ganz genau, dass ein riiiiiiesiger Teil des Preises für so einen Mantel direkt in den Gewinn und ins Marketing der Firmen rennt. Textile Produktion selbst kann schon so teuer sein – wenn sie in Handarbeit und mit den besten Materialien, die es am Markt gibt, durchgeführt wird (ich empfehle hierzu dieses Buch…). Aber Greenpeace konnte Burberry nachweisen, dass sich in ihren Textilien (für Kinder!!) Chemikalien befinden, die da erstens nur bei einer Produktion in Fernost reinkommen können, weil die Produktion in der EU mit ihnen verboten ist, und zweitens die gleichen Chemikalien sind, die man auch in Produkten von Primark oder Zara gefunden hat. Hm! Das macht ein bissl nachdenklich, oder?

Aaaber: Burberry detoxt. Im Jänner dieses Jahres veröffentlichten wir nämlich die entsprechenden Testergebnisse, und Burberry unterzeichnete das Detox-Committment, das besagt, dass sie bis 2020 elf verschiedene Chemikaliengruppen aus ihrer Lieferkette komplett eliminiert haben werden.

Aber dafür gibt’s jetzt was neues. Mein ehemaliger Arbeitgeber Vier Pfoten (unglaublich, aus wie vielen Perspektiven ich schon versucht hab, die Welt zu retten…) ist ziemlich sauer auf Burberry, und das schon eine Weile. Die britische Traditionsmarke verwendet nämlich traditionell Pelze. Das ist nicht ok. Über Lederproduktion können wir gern diskutieren, aber bei Pelz hört sich jeder Spaß auf (ein Satz, für den mich meine veganen LeserInnen jetzt sicher lynchen werden. Ich weiß. Ich sag ja, Schizo!). Es ist einfach unnötig. Einen Pelz will ich an einem schnurrenden Tier dran haben. Optimalerweise auf meinem Schoß, während ich am Sofa liege und lese. Und außerdem an all den Tieren da draußen, die nicht für ihr Fell gezüchtet und danach gleich wieder umgebracht werden. 

Und jetzt kommt der Ober-Schizo-Moment: Ich habe auf Kleiderkreisel einen getragenen Burberry-Trench um heiße 35 Euro gekauft. Second Hand ist einfach definitiv die bessere Alternative: Nichts neues wird produziert, des einen Abfall des anderen Schatz, niemand musste extra für mich bei der Produktion leiden, keine Rohstoffe wurden verbraucht, und Burberry selbst hat auch nix von den 35 Euro. Warum ich ihn gekauft hab? Weil ich hoffe, dass er meiner Mama passt 😉 

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Ein Gedanke zu „Britische Schizophrenie namens Burberry

  1. diegrosse sagt:

    Guten Abend 🙂

    Ich finde das überhaupt nicht shizophren und kaufe auch gerne second hand „Markenklammotten“. Einfach weil ich bei einigen Marken den Schnitt und die Farbkombi so schön finde und mich (abgesehen von den Produktionsbedingungen) wohl in der Kleidung fühle. Ich würde diese Sachen sofort woanders kaufen – wenn ich sie denn so nochmal finden würde. Meine Entschuldigung ist genau die, die du auch aufgeführt hast: Die Firma bekommt von dem Geld nichts mehr und Chemikalien sind raus.

    Allerdings bin ich auch hier sensibler geworden. Denn ich trage dann ja schon Kleidung spazieren bei der andere sagen könnten „Sieht hübsch aus – will ich auch.“ (Wobei das ja heutzutage dann schon alles alte Saisonware ist und im Laden nicht mehr zu finden). Und wahrscheinlich kaufen sich die Leute mit dem Geld für die verkaufte Kleidung wieder Markenkleidung. Aber es geht leider nicht immer alles 100% – denn im Wald in der Holzhütte wil ich nicht leben – da gibt es Spinnen! Also muss ich einen Kompromiss finden und ich finde ab und zu second hand kaufen bei Sachen bei denen Kopf, Herz und Bauch ja schreien ist absolut okay!

    Und wenn der Mantel nicht passen sollte, so einen Burberry Mantel sollte man aufjedenfall kleiner/ enger machen lassen können und bei den meisten teureren Mänteln ist in den Ärmeln und am Saum Puffer eingeht um ihn länger machen lassen zu können.

    Grüße

    P.s.: Dennoch gibt es zwei, drei Marken bei denen ich Schnitte und alles sooooo toll finde aber die haben mich in der Vergangenheit so geägert, dass ich diese selbst second hand nicht kaufe!

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