Warum der Textilschwede doch um keinen Deut besser ist als andere

Auf ZDF ist vor kurzem eine halbstündige Doku über den Textilschweden gelaufen. An sich gleichen sich diese Diskussionen ja immer sehr: Wir fahren ins Herstellerland, hui, wir finden grausliche Zustände, wir konfrontieren das Textilunternehmen, die putzen sich ab oder reagieren gleich gar nicht, und wir zeigen hübsch widersprüchliche Bilder zwischen supersauberer Filiale voller Style und Herstellerfabrik im Slum. So auch diese Doku – jedoch mit zwei Unterschieden. Erstens disqualifiziert sich die Nachhaltigkeitssprecherin vom Textilschweden ohne Ende. Und zweitens: Die letzten zwei Minuten. Da geht nämlich eine neue Bombe hoch, die in vergleichbaren Dokus bisher so nie gebracht wurde (aber im Endeffekt sehr logisch ist). So, dass ich, die solche Dokus aufsaugt wie ein Schwamm und sich alles Entsprechende anschaut, gerade ein lautes „Bist du deppert!!“ von mir gegeben habe.

Bisher hab ich oft gesagt, der Textilschwede sei wenigstens ein bissl weiter als andere in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement. Und dass es viel Schlimmere als den gebe. Das ziehe ich hiermit zurück. Sie sind doch immer noch eine Baggage, alle zusammen.

Hier gehts zur Doku: Viel „Vergnügen“ und unbedingt bis zum Schluss schauen. Ich schreib deswegen so kryptisch, weil ich wirklich will, dass möglichst viele Leute sich diese halbe Stunde nehmen und das Video anschauen. Ist eh Sonntag und neblig und kalt….

Screenshot (c) ZDFzoom - Dieser Typ hat viel mit meinem Ausruf zu tun. Uaaah...

Screenshot (c) ZDFzoom – Dieser Typ hat viel mit meinem Ausruf zu tun. Uaaah…

 

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9 Gedanken zu „Warum der Textilschwede doch um keinen Deut besser ist als andere

  1. Gratuliere Dir für Dein Durchhaltevermögen. Was den ZDF-Film anlangt, ist doch noch etwas zu sagen. die giermultis bilden ein angebotskartell. das heißt: sie geben preise vor. wer nicht zu diesen preisen produzieren kann, ist aus dem spiel. die gewinnchargen für die örtlichen unternehmer sind minimalst, schon bei kleinen problemen machen die minus. das weiß ich aus eigener erfahrung.

    Also: All diese giermultis vergeben ihre aufträge in den ländern nach dem motto: du kriegst z.B. für ein T-shirt 0,50 $. wie du das tust um zu diesem preis liefern zu können ist deine sache. und – genauso wichtig: wer das lieferdatum versäumt muss per luftfracht liefern.

    daher sind überstunden die logische, absolut brutale konsequenz des preisdiktats, kombiniert mit pönnalezahlung in form von luftfracht.

    hier sollte einmal in den recherchen angesetzt werden. aber – ich weiß – es ist schwer, einem dieser klamottenvereine das nachzuweisen.

    dir alles gute. ich bin froh dass es diesen blog gibt.

  2. alpensalamander sagt:

    Danke für den Hinweis auf die Doku!

    Die Tatsache, dass Schweden in Bangladesch keine Steuern zahlt, hat übrigens eine schwedische NGO im Jahr 2010 schon einmal kritisiert. Den Report dazu gibt’s meines Wissens leider nur in schwedischer Sprache, aber man findet im Internet noch einige Artikel darüber, z. B. http://www.industryweek.com/software-amp-systems/hm-evades-taxes-bangladesh-organization-says

    Das Problem dabei ist unser Steuersystem, deshalb wird das Thema auch nur selten angesprochen: Es gibt keine steuerrechtliche Grundlage für die Besteuerung von H&M in den Produktionsländern, deshalb auch die etwas überhebliche Reaktion des H&M-Steuerheinis. Abgesehen davon würde H&M dann sicher wieder ein „legales“ Steuerschlupfloch finden. Die Körperschaftssteuer in Schweden wurde nämlich erst letztes Jahr auf 22% gesenkt – im Vergleich zu (schnell im Internet gefundenen und hoffentlich korrekten) 27,5% in Bangladesch…

    Wenn ich mir jedoch die Jahresberichte von H&M der letzten Jahre ansehe, kommt mir das Kotzen: Der Konzern macht jährlich Gewinne in Milliardenhöhe und die Näherinnen riskieren täglich ihr Leben. Die könnten locker zumindest einen kleinen Anteil davon den Menschen zukommen lassen, die die größte Wertschöpfung für das Unternehmen schaffen, und es würde immer noch genug übrigbleiben…

    Ein großer Anteil der Aktien und die Mehrheit der Stimmrechte dürften sich noch immer im Besitz eines der reichsten Menschen der Welt befinden. Der hat’s doch nicht notwendig, andere auszubeuten. Ich verstehe einfach nicht, worum solche Leute so gierig sind und auf Kosten anderer immer noch mehr und mehr und mehr wollen… Und genau diese Leute haben großen Einfluss auf die Gesetzgebung, und da wird sich so schnell nichts ändern. In den Produktionsländern sind die Politiker sowieso korrupt. Deshalb liegt’s alleine an uns Konsumenten, hier endlich etwas zu ändern!

  3. MarieAnn sagt:

    Danke für den Beitrag. hoffentlich haben sich die Doku viele angesehen!

  4. „Interessantes“ Interview mit Helena Helmersson (H&M Chief Sustainability Officer, d.h. deine o.a. „Nachhaltigkeitssprecherin“) unter http://www.greenbiz.com/blog/2014/04/29/hms-helena-helmersson-most-powerful-sweden !!!

    Tja, so klaffen Schein und Sein in der CSR weiterhin seehr weit auseinander.
    Es gibt viel zu tun… 🙂

  5. […] weil er so viele Projekte in Sachen Nachhaltigkeit präsentiert, aber seit den letzten paar Minuten dieses Videos find ich ihn wieder endlos scheiße (wobei er sich da eh null von anderen Konzernen unterscheidet) […]

  6. rromy sagt:

    Ich habe mir die Doku angesehen.. Vielen Dank für den Link…. Bin echt erstaunt….. 😮

  7. […] das ja immer wieder in der Kritik steht, in Billiglohnländern produzieren zu lassen (und dort keine Steuern zu zahlen, und das auch noch stolz in die Kamera zu sagen), sollte man genau dort vor Ort helfen. Das Argument, dass sie dort eh schon viel machen, lass ich […]

  8. Ina sagt:

    Weißte nicht mehr was du glauben sollst. Warum ist die Else denn so begeistert? Dachte das wäre mal ne anständige Bank. http://www.fr-online.de/wirtschaft/-ich-bin-grosser-fan-von-h-m-,1472780,29771792.html

  9. […] anderes Beispiel, das mich echt rasend gemacht hat: Der globale Steuerbeauftragte des Textilschweden setzt sich vor eine Kamera und betont, dass völl…. Das führt doch sämtliche sozialpolitische Verbesserungsversuche ad absurdum! Das ist klassisches […]

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