Private Momente und Sexismus in der Werbung

Es ist der Beginn des Blogbeitrags, denn ich schnell noch hinschlonze, ich hab grad genau noch eine Viertelstunde Zeit, bevor ich zur Familienfeier abgeholt werde (Bruderherz und ich blödeln schon die ganze Zeit, ob ich assymetrisch oder nicht lieber doch zerfetzt anziehen soll, in jedem Fall wirds die Oma reparieren wollen. Legendär ihr Gesicht, als Mama mit einem SEHR assymetrischen Top mal auftauchte – „Komm zieh das aus, ich schneids dir ab und mach dir einen gscheiten, graden Saum!“). Aber die Viertelstunde will ich zu etwas nutzen, was mich schon länger aufregt.

Was soll dieser komplette Quargel bitte?! Ein Designer bringt eine Denim-Linie raus, lässt eine Top-Fotografen die Werbung dafür fotografieren. Raus kommt eine komplett nackte Frau, die auf einem Fauteul halb sitzt, halb liegt, Augen zu, eine Position, als wären ihr gerade K.O.-Tropfen verabreicht worden, und die Jeans UM DIE ES EIGENTLICH GEHT (!) schlattert ihr um die Knöchel. Das könnt jetzt echt auch eine Achtziger-Jahre-Mommy-Karottenjeans sein, es würd net auffallen.

Gut, ja, ich schwimm ja auch nicht auf der Nudelsuppe dahin, natürlich gehts da mehr um die Marke und deren Image als um das Produkt. Aber mich nervt einfach dieser Sexismus, dieses Frauenbild! In meinen Augen hats nix mit Befreiung der Frau zu tun, wenn sie sich nackt von einem Mann ablichten lässt, dessen Idee zum den Bild in seinem Kopf entstanden ist und nicht in ihrem.

Ich sag jetzt nicht, ich hätt bitte gerne mehr nackte Männer in der Werbung. Genausowenig, wie das Bild der Frauenkörper in der Werbung der Realität entspricht, ist das auch bei den Männern. Und auf stark ausgeprägte Brustwolle, Gössermuskel und …. naja, lassen wird das…hab ich eher wenig Lust. Wobei, doch, Bier könnten sie so anpreisen und verkaufen. Ob ichs dann jedoch kaufen würd… 😀

Nein, es geht mir schlicht darum, wie oft und viel mit Frauenkörpern geworben wird, und damit in unser Hirn ein sehr abstruses Körper(selbst)bild gepflanzt wird, und wie absurd das manchmal echt schon ist. Ich find sie leider nicht, YouTube hat sie nicht erfasst, aber da gabs ca. 2006 diese legendäre Werbung: Eine Frau in einem weißen Raum zog sich Schritt für Schritt aus. Rock weg. Top weg. Splitterfasernackt. Die Werbung war für? Riiichtig geraten. Joghurt!

Oder das hier, das hing die letzten Wochen riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesengroß an einer Baustellenfassade am oberen Ende der Mahü:

Wenn ich mit drei anderen zuhause bin, spiel ich auch am liebsten Schach in Unterwäsche....

Wenn ich mit drei anderen zuhause bin, spiel ich auch am liebsten Schach in Unterwäsche….typische private moments halt… 

Ich mein, gehts noch absurder? Ja, in der oberen Werbung gehts wenigstens um Unterwäsche, aber die ganze Situation….. hä?!

So, ich wollt mich da nur mal drüber aufregen, bitte, weil mir das immer stärker auffällt. Bin gespannt, was ihr dazu sagt! Und jetzt fahr ich zur Oma. Im selbstgenähten Rock mit offenem Saum und Löchern. 🙂

Getaggt mit

7 Gedanken zu „Private Momente und Sexismus in der Werbung

  1. ylvie sagt:

    Bei Unterwäschewerbung kann ich ja Frauen in Unterwäsche auf dem Plakat ja nachvollziehen, aber die Szenerie ist schon sehr merkwürdig … Ich hab fast das Gefühl, die Werber wollten NICHT sexistisch sein und lassen die beiden deshalb Schach spielen. Oder ist das vielleicht ironisch-lustig gemeint? Ist jedenfalls in die Hose gegangen ….

  2. ich weiß gar nicht was ihr habt 😉 Ich spiele auch immer in Unterwäsche mit einem Freund Schach…

  3. Bei Alexander Wang geht es meiner Meinung nach eben nicht nur um die Jeans; das ist schon mehr Fotographie-Kunst als reine Werbung (im Sinne von Produktpräsentation). Dass Mode und Sex irgendwie zusammengehören ist ja auch nichts neues (z.B. Terry Richardson für Sisley, Mario Testino für Gucci – diese Kampagnen sind ja schon fast legendär) und auch okay. Mir gefallen die Bilder – nicht weil ich ein Mann bin und „boah Titten“, sondern weil sie doch wirklich gelungen sind, oder?

    Das „private moments“ Plakat hingegen ist einfach nur schlecht. Grenzt ja schon an die sehr, sehr schlechte Hirter Bier Werbung von vor ein paar Jahren. Interessant finde ich übrigens auch die Römerquelle Werbungen, die seit Ewigkeiten schon mit „menage à trois“ Szenerien werben. Ist bei Wasser jetzt auch nicht gerade naheliegend. 😉

  4. […] Das mit dem zerfetzen Saum und der Oma hat übrigens prima geklappt. Was hat sie sich aufgeregt. […]

  5. […] in letzter Zeit beschäftigen mich auch noch weitere Themen sehr intensiv, beispielsweise dieser unglaublich grindige Sexismus in der Werbung oder warum wir Frauen gerade echt in alte Rollenbilder zurückfallen. Hausfrauen […]

  6. Petra sagt:

    Ehrlich gesagt, ich habe nicht nur die nackten (hübschen, jungen) Frauen satt sondern überhaupt jede Werbung mit (jungen, hübschen) Frauen! Ich kann es einfach nicht mehr
    sehen. Fällt denen nichts Besseres ein?
    Für jeden Quatsch wird das Versprechen gegeben: Kaufst du das, dann bekommst du eine hjF.
    Und bei an Frauen gerichteter Werbung: Damit wirst du (wieder) zu einer hjF.
    Kein Wunder, dass jeder Mann glaubt, ihm steht so hjF zu, egal wie alt und unhübsch
    er selbst ist. Aber für die Werbefritzen und Entscheider bei den Auftraggebern klappts vielleicht noch am ehesten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: