Wann das mitm Nicht-Shopping echt schwierig ist – und wann watscheneinfach

Das mitm Nicht-Konsumieren ist unfassbar einfach, ist mir soeben wieder klargeworden.

Nur zur Warnung, dieser Beitrag könnte unter Einfluss einiger sehr genossener Achterl Wein mit einigen sehr lustigen, spannenden, interessanten und im Falle einer anwesenden Freundin sehr sehr seeeeehr liebgehabten Menschen entstanden sein.

2014-12-14 21.13.58 

Also. Die Rechnung ist watscheneinfach und ich hab sicher schon mehrmals darüber geschrieben. Aber trotzdem muss ich da jetzt nochmal drauf eingehen. Es ist so easy, dass man sich ans Hirn klatschen könnt. Ich geh jetzt mal davon aus, dass ich kein Wesen von einem anderen Planeten bin, das völlig anders tickt als alllllle anderen Menschen auf diesem Erdball: Gehts mir nicht gut, würd ich mir gern neue Sachen kaufen, um mir dieses „hey ich gönn mir was, mir gehts super“-Gefühl zu geben. Gehts mir gut, is mir Shopping – zugegeben: inzwischen – soooooooooooooowas von wurscht! Leute, ich bin wirklich das beste Beispiel dafür!

Einigen wirds in den vergangenen Wochen und Monaten aufgefallen sein: Ich hab grad nicht zwingend ein Hoch. So eher gar nicht. So eher wirklich umgekehrt. So eher alles ziemlich scheiße grad. Um mein Bruderherz #1 zu zitieren: „Elftes Gebot: Du sollst dich nicht täuschen!“ (oder wars das zwölfte und das elfte war „Du sollst deinen großen Bruder nicht frotzeln“?). Was hab ich mich getäuscht, in mir selbst und in anderen. Wui! Doch irgendwie wird grad alles gut. Es zwar zwischenzeitlich schon immer wieder ziemlich gut, aber inzwischen kann man streckenweise das „ziemlich“ streichen. Es ist gut.

In den vergangenen Wochen habe ich ungelogen Stunden auf Dawanda verbracht, einfach nur schauen, wo es was geben KÖNNTE, das mir gefällt. Schwach geworden bin ich nur bei einem Rock und einem Shirt aus Biobaumwolle, die ich demnächst hoffentlich sehr stolz hier präsentieren werde. Am Feschmarkt hab ich ja sogar sowas wie eine „drauf geschissen, heut wird Geld ausgegeben“-Laune gehabt (und bisher keinen meiner Käufe bereut, im Gegenteil). Ich hab fast jeden Abend vorm Schlafengehen auf Pinterest nach Inspiration für neue Stylings gesucht. Und was ich denn noch so stricken könnte, wenn diese ver….ten Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke endlich fertig sind. Ich hab auch ein bissl frustgeshoppt. Acht-Zentimeter-Absätze-Stiefel auf Kleiderkreisel um 30 Euro, in denen ich überraschend gut den ganzen Tag gehen kann (es geschehen noch Zeichen und Wunder!). Meine innigst, heißest, intensivst geliebten und fast täglich getragenen Softclox. Ich lieb diese Schuhe wirklich ohne Ende. Sie sind soooo toll, dass ich mir jetzt schon überleg, wie ich es am besten vor mir selbst und vor euch argumentier, dass ich auch Sommersandalen von Softclox brauche. Was natürlich völliger Holler ist, ich brauch die genau gar nicht. Aber ich lieb sie echt gewaltig. So tolle Schuhe! Mein Stil, zum Erfrieren cool, meine Passform, lässig bis dorthinaus, nachhaltige Produktion, auf Langlebigkeit gebaut, nachhaltige Materialien, ich bin jeden Tag in der Früh vorm Schuhregal verliebt in die Dinger (die ich inzwischen in meiner wirklichen Größe und grau hab, danke, liebe Firma Softclox, ich konnte sie umtauschen!).

Aber eigentlich gehts ja um was ganz was anders, wär ja ziemlich traurig, wenn ich mein persönliches Glück auf zwei Paar Schuhe und etwas Wohn-Deko aufbaute (dieses Wenn-Sätze sind würde-los werd ich mein Leben lang nicht ausm Hirn und den Fingern kriegen, dann schreib ich sogar solche seltsamen, niemals im gesprochenen Wort benutze Sachen wie „aufbaute“. Danke, Frau Deutschprofessorin Aubault!). Nein, mir gehts aus ganz anderen Gründen gut. Und: Seit ich das Gefühl habe, hui, hallo Leben, du hast mich wieder, seither hab ich sowas von null Lust auf irgendwas Neues, es ist echt schon bilderbuchartig. An mir kann man echt die Gleichung festschreiben:

Nunu gehts scheiße = Nunu hat sehr große Lust auf Shoppen. Ja, die Konsumgesellschaft ist pervertierter Mist, aber diese Schuhe da….

Nunu gehts wieder gut `= Shoppen? Wozu? Hab doch eh genug! Bah, Shoppen nervt! Blöde Konsumgesellschaft, geh dich brausen!

Es ist mir schon paarmal in den letzten drei Jahren aufgefallen: Liebe Mädels (vor allem), natürlich löst Shopping in uns einen Kick aus. Adrenalin fließt, Endorphine fließen, Serotonin stömt gleich mal literweise, die ganzen blöden Gedanken sind weit weg, tirili, alles wird gut und außerdem, überhaupt, so gaaaaaaaaaaaaaanz nebenbei, in DEM neuen blauen Kleid hau ich ihn sicher um. Quasi. Ach ihr Lieben, das ist völliger Bullshit. Natürlich kann man sich mal was gönnen, und ich habs selbst gemerkt, manchmal macht Frustshopping auch wirklich Sinn, weil es Akut-Schmerzen betäubt. Aber es löst genau nix.  Es löst kein einziges Problem, das in uns drinnen an ganz anderer Stelle sitzt. Es löst nur in der Bekleidungsindustrie folgende Schlußfolgerung aus: „Mädels shoppen gern, wenns ihnen scheiße geht. Diesen Impuls müssen wir verstärken, um mehr Umsatz zu machen! Am besten ziehen wir unsere ganze Werbelinie drauf auf, Frauen zu erklären, dass es erstens voooooolll ok ist, frustzushoppen, und zwar bitte täglich für drei Monate lang, und zweitens, dass ihr ganzes Leben plötzlich wieder total ok und in Ordnung ist und alles gut wird, wenn sie sich jetzt dieses eine blaue Kleid kaufen, das wir billigst in Bangladesch produzieren und bei dem wir 500 Prozent Gewinnspanne draufschlagen können.“ Hand aufs Herz, ihr habt euch das alle schon mal in irgendeiner Form und bei irgendeinem Teil gedacht. Und wenns ein Hometrainer gewesen ist, den ihr euch geleistet habt und der jetzt Handtuchhalter ist *hüstel*…

In diesem Sinne, und ich will das endlich mal so richtig öffentlich niederschreiben: Allen voran liebe Familie – auch wenn ich mir euch nicht ausgesucht hab, hab ichs doch irgendwie (auch wenn mans manchmal nur mit der Lupe erkennen kann) recht gut getroffen mit euch. Liebe Gina, du bist – seit inzwischen über 10 Jahren, alt werma, wir beide! – die größte (höhö), tollste, liebste, wunderbarste, bewundernswerteste, zu mir gegenteiligste und trotzdem und wahrscheinlich deshalb unverzichtbarste und einfach beste Freundin der Welt. Liebe Freunde, die ich euch ebenfalls seit bald einer zweistelligen Zahl an Jahren kenne, sei es durch besoffene Fachschaftsfeste vor 100 Jahren, durch gemeinsame Studentenjobs, durch Nachbarschaft, durch Studium, durch Festln in Kellern, in denen schon mein Opa gefeiert hat, durch gemeinsame Arbeitszeit, durch doch nie gemeinsame Arbeit, aber immer fast, oder durch Festl als Minderjährige, in denen ich mir fremde Männer mit Schokolade gefüttert hab (unschuldigst!! Bis zum heutigen Tag durch und durch unschuldigst!!), durch viele gemeinsam konsumierte blaue Flaschen (und daraus entstehende durchs Bild schwappende Metaebenen), durch was auch immer: Für jede/n von euch würd ich die Softclox hergeben! Mit Seufzen, aber hey, ich würde! Liebe Freunde, die ich erst in den vergangenen Jahren (wieder) kennengelernt hab und die gerade für echte Lacher sorgen, zum Beispiel die Kaiserin, der Schweizerin, die Piratin oder der Kapitän: Das mit den Softclox würd mir noch überlegen, aber super seid ihr trotzdem grad! Wer braucht schon neue Sachen, wenn man alte Freunde hat. Wobei ich das Gefühl hab, dass die Kaiserin mir den letzten Satz im vorigen Absatz ziemlich bald ziemlich um die Ohren hauen wird …..

Ich weiß, höchst sentimental, aber das musste echt auch mal öffentlich raus. Und ich lach wirklich in einer Tour über mich, dass ich SO einfach gestrickt bin („gestrickt“…. wenn Treppenwitze mir selbst erst beim zweiten Durchlesen auffallen…).

Wenns im Leben läuft, dann braucht man sowieso nix. Schon gar keine neuen Kleider. Oder Iphones. Oder Autos. Oder Schallplatten. Frohe Weihnachten übrigens 😀 😀 😀

PS: Das mit dem zerfetzen Saum und der Oma hat übrigens prima geklappt. Was hat sie sich aufgeregt. Gnihihihi!

Getaggt mit , ,

3 Gedanken zu „Wann das mitm Nicht-Shopping echt schwierig ist – und wann watscheneinfach

  1. Jessie sagt:

    Also, jetzt weiß ich, warum Menschen Gala und Bunte lesen: würde mich ja tierisch interessieren, was bei dir so los war, bei sovielen Andeutugen 😉 Sei’s drum, eine durchzechte Nacht mit der besten Freundin hat bei mir krisentechnisch auch schon Wunder gewirkt…ich wünsch dir alles Gute!

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