Norwegen vs. Kambodscha: Schocktherapie gegen Rassismus

Ach ich liebe Norwegen. Nicht nur, weil Norweger, die deutsch sprechen, auf mich eine endorphinöse Wirkung haben wie auf andere weibliche Wesen ein chice Jaques mit Baguette und Camembert in die ‚and und me oui, franggsösische` Aggsont, sondern, weil sie auch echt gute Ideen haben, die Norweger.

Meine nämlich. 🙂

Seit ich mich mit Modeblogs beschäftige, die genau null auf Nachhaltigkeit geben (und in meinen Augen bedenkliche Namen wie etwa „Chic on the cheap – never sacrifice style for savings“ tragen), wünsch ich mir abgesehen von der Tatsache, dass ichs selbst gern mal mit eigenen Augen sehen würde, dass genau diese Mädels, die stolz ihre PrimarkTextilschwedenwasweißich-Teile wöchentlich neu vorführen, mal sehen, wie es in den Textilfabriken in den Billiglohnländern wie Bangladesch, Kambodscha oder Vietnam zugeht.

Ein norwegisches Medienhaus hat das jetzt organisiert und drei BloggerInnen, eine davon süße 17 und anscheinend die Erfolgreichste in Norwegen mit einer gewaltigen Leserinnenzahl, nach Kambodscha geschickt.

Die kurzen Episoden dieser Miniserie sind Ende November letzten Jahres erschienen, und gestern plötzlich in meiner Timeline gelandet – geschätzte 15 Mal posteten es Bekannte, sah ich es auf Seiten einschlägiger Blogs, und vier Mal wurde es mir gleich direkt geschickt, einmal davon sogar mit „Sagmal das war doch deine Idee“ kommentiert.

Ich hatte gestern tagsüber keine Zeit, mir die Videos anzuschauen, und hab sie mir am Abend zu Gemüte geführt. Vorher wollte ich sie auch nicht kommentieren – damit bin ich jetzt einen Tag hinter den anderen Bloggerinnen und anderen hinterher, aber ich wollt da weder loben noch kritisieren, bevor ichs nicht komplett gesehen hatte. Warum? Weil ich ordentlich Bammel hatte, dass das wieder zu so einer klassischen Arm-gegen-Reich-Doku wird, und die BloggerInnen einfach nur happy sind, wieder zuhause zu sein, und der Lerneffekt eher Richtung Mitleid als in Richtung Hilfe zur Selbsthilfe geht. Die NäherInnen dort brauchen kein Mitleid, denen bringt das nichts, von jungen, blonden Mädchen angeweint zu werden, weil sie deren Schicksal nicht packen – die brauchen, dass genau diese jungen, blonden Mädchen bei sich zuhause den Leuten erklären, wie man auch in den reichen Ländern helfen kann. Das erste Video bestätigte mich da leider, da kamen Argumente wie „Die kennen es doch eh nicht anders“ und „Die haben halt nur einen Auftrag im Leben“ hervor, die so von Rassismus und Kolonialismus trieften, dass mir schlecht wurde.

Doch ich bin wirklich froh, die zwei Mädels und der Bursche checkten durch diese Schocktherapie, dass sie reich sind, WEIL andere arm sind. Und sie zogen fast richtige Schlüsse. Die letzte Folge dieser Serie lege ich all jenen ans Herz, die über wenig Zeit verfügen. Fast richtig, weil mir ein Fazit abgeht. Ich habe aus dieser letzten Folge einige Screenshots gemacht (alles geshottet auf (c) http://www.aftenposten.no):

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Bleibt nur zu hoffen, dass die drei jetzt wirklich diesen „Task“ erfüllen und ihre Verantwortung, die sie durch ihre große Leserschaft haben, auch wirklich nutzen, um anderen Menschen von ihren Erfahrungen zu berichten. Die kleine, erfolgreiche, 17-jährige (!!) Blondine hat sich zumindest gleich mal mit dem Medienportal angelegt, die sie nach Kambodscha geschickt haben, weil sie ihr in Bezug auf den Textilschweden einen Maulkorb verpassen wollten. Coole Sache. Zum modischen Umdenken hat es sie leider noch nicht ganz gebracht, auf ihrem Blog preist sie weiterhin Fast  Fashion an. Dieser Umdenkschritt hat sie leider nicht ereilt: dass es unglaublich viele tolle und modische Alternativem zum Textilschweden gibt, die fair produziert wurden. Schade, sehr schade.

9 Gedanken zu „Norwegen vs. Kambodscha: Schocktherapie gegen Rassismus

  1. diegrosse sagt:

    Hallo Nunu,

    ich habe mir die Videos jetzt nicht angeschaut, sondern nur deinen Artikel gelesen und den Artikel in „The Nordic Page“ in dem die Blonde sich über den Maulkorb beschwert. Kurzen Ausflug zu ihrem Blog habe dann auch noch gewagt.
    Allerdings verstehe ich das ganze nicht so recht. Ein Medienhaus schickt drei Fashion Blogger nach Kambodscha und dann dürfen/ sollen sie keine Namen nennen? Warum haben sie das sonst gemacht?
    Zudem ist mir ein Mädchen, welches in der Zeitung sagt, dass das alles ganz schlimm ist und dann weiterhin fast fashion mitmacht per se unglaubwürdig. Kann es sein, dass da jemand hoffte als Z- Promi erkannt zu werden? Weißt du was die Medienagentur (habe nur norwegische statements gefunden – da verließen mich meine Sprachkenntnisse) dazu sagt?

    Grüße

  2. Wenn auf Worte keine Taten folgen ist das einfach zu wenig, viel zu wenig!

    lg
    Maria

  3. Michi Ela sagt:

    Die BBC hatte vor einigen Jahren ein ähnliches Konzept – dabei wurden Fashionfans nach Indien geschickt und mussten in der ganzen Produktionskette mitarbeiten.

    http://www.bbc.co.uk/programmes/b00b0xsh

    http://en.wikipedia.org/wiki/Blood,_Sweat_and_T-shirts

  4. Sarah sagt:

    Ich hab die Videos auch gerade angeschaut und weiß nicht wirklich was ich von dieser Doku halten soll. Am Anfang habe ich mich wirklich fremdgeschämt.. diese Modeblogger kommen nach Campodscha und sind irgendwie schon mit ihrem Auftreten, mit ihrer Kleidung und mit ihren Äußerungen so oberflächlich und wenig einfühlsam. Wie kann man so gestyled und sich oberflächlich gebend in ein solches Land reisen? Ich würde mich schämen in ein so armes Land zu reisen und den westlichen Reichtum so offensichtlich nach außen zu tragen. Im letzten Teil der Doku gibt es zwar dann das große Einssehen und sie geloben alle dafür zu kämpfen, aber auf Annikens Blog werden schon wieder Nikes beworben. Es hat sich nichts geändert. Wenn sich schon bei ihr nichts offensichtliches geändert hat.. wird sich dann was bei den Zuschauern ändern? ich bezweifel es.. 😦

  5. […] Kambodscha besuchten, interviewt. Es kam ein sehr langes, interessantes Interview raus, bei dem ich meine anfängliche Kritik etwas runterkorrigieren muss: Die drei haben sehr wohl nachgedacht. Ich finds nur immer noch schade, dass sich das auf dem […]

  6. […] have also started reading the blog called “Ich kauf’ nix” (“I don’t buy anything”) by fellow Vienna-based blogger Nunu Kaller. She started […]

  7. Bettina sagt:

    Warum erwähnst du ständig die Haarfarbe der Mädchen? Hat da jemand Vorurteile? So nach dem Motto die verwöhnten, reichen, blonden Tussis und die schwarzhaarigen Opfer. Du brauchst das tragische Thema Ausbeutung nicht zu benutzen um deine Ressentiments gegen Blonde rauszulassen.

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