Plan A – auch nicht mehr als ein sehr kreativer Name

Sorry für die lange Stille. Es ist in den letzten Tagen viel passiert, das meine Aufmerksamkeit erfordert hat, von arbeitstechnischen Herausforderungen über Freizeitstress über emotionale Wickel anderer bis hin zu eigenen emotionalen Wickeln (bei deren Entwicklungen – oh, wieder so ein Wortspiel, dass ich erst während des Schreibens feststell, jööö – gerade in der Stunde mehr passiert als normalerweise in durchschnittlichen zwei Wochen 🙂 ).

Außerdem hat mein Laptop zuhause einen festen Spinner, und die Tastatur vom kleinen Reiselaptop macht mich jedesmal total wuggi. Lösung ist gefunden (danke, Steph), Zeit ist auch gerade da, also hol ich jetzt mal die versprochenen London-und-Paris-und-überhaupt-Beiträge nach.

Jetzt muss ich ein bissl ausholen. Also: Ich bin ja neben meinem Campaigner-und-Kommunikations-Dasein für Greenpeace auch noch akademisch zertifizierte CSR-Managerin (hab mich übrigens grad vertippt und NGO-Managerin geschrieben. Wie einfach man sich doch selbst zum Lachen bringen kann…). In der Ausbildung wurden uns mal die Nachhaltigkeitsprogamme einzelner Unternehmen vorgelegt und wir mussten sie analysieren. Ich war in der Gruppe Marks & Spencer. Die haben den sogenannten Plan A. Plan A heißt das Programm, weil sie sagen: Wir haben keinen Plan B. Es MUSS so funktionieren. Sie haben sich in den unterschiedlichsten Bereichen Nachhaltigkeitesziele gesetzt – bei Marks & Spencer in England gibts ja vom Mangochutney über die Buchstütze bis hin zum Tennisoutfit und den Kaschmirpullover alles. Daher auch viele Ziele in vielen unterschiedlichen Bereichen.

In meiner Klasse war ich ein bissl als die Fundi verschrien. Das war immer recht lustig, wir saßen immer im U da, und ich saß am unteren Ende vom U. Immer, wenn Vortragende etwas sagten, das schon drei Kilometer gegen den Wind nach Greenwashing roch, drehten sich die meisten, die an den Seiten des Us saßen, automatisch um und schauten mich an, noch bevor ich etwas sagte. Gut, ich sagte auch meistens was. Der Lehrgangsleiter hatte das ziemlich schnell durchschaut, der reichte mir schon quasi bildlich die Palmen, auf die ich auch verlässlich hochkletterte 🙂

In meiner Klasse und auch in der damaligen Analysegruppe war Barbara. Ich liebe Barbara. Barbara ist eine Naturgewalt. Ich kenne wirklich niemanden, auf den diese Beschreibung mehr zutrifft. Barbara kam verlässlich immer zu spät, ist eine unglaublich schlaue und auch mitfühlende Frau mit sehr, sehr klaren Ansichten (versucht mal, Barbara von etwas zu überzeugen. Das ist harte Arbeit, kann ich euch sagen. Aber macht Spaß!), die sie sehr, und ich betone, SEHR laut vertritt. Immer. Und wenn ich mal sag, dass jemand laut ist in ihrem Auftreten, dann heißt das was. Ach Barbara. Du bist mir – wie passend zu unserer Ausbildung – nachhaltig ans Herz gewachsen.

Gut, Barbara saß also mit mir in der Gruppe, und ich meinte: Naja, Plan A, das ist ja gar kein so schlechtes Konzept! Die haben sich brav ihr Kerngeschäft angeschaut und sich Zwischenziele gesetzt. Barbara starrte mich mit riesigen Augen an. ¨Sag mal spinnst du jetzt? Das ist doch alles nur Wischiwaschi, das ist doch genau gar nicht wesentlich, die habens auf keinen Wandel aus, und schau, sie geben sogar zu, dass sie ihre eigenen Ziele nicht einhalten können!¨ Ich kam also damals in den Geschmack eines berühmten Barbara-Donnerwetters. Und seither ließ mich Plan A nicht los. Irgendwie jaaa, sie hat recht, so richtig super ist das nicht alles, aber sie haben mehr Ziele als andere vergleichbare Unternehmen, schauen auf mehr Details und haben teilweise recht ambitionierte Zeitpläne.

Ich hatte vor meine Zugfahrt nach Paris am letzten Tag noch zwei Stunden Zeit, ging ein bisschen spazieren und stieß in der Oxford Street (DER Einkaufsstraße von London) auf eine sehr große Marks & Spencer – Filiale. Nachdem ich erst vor kurzem gehört hatte, dass die eine neue Schuhlinie rausbringen, die toll und nachhaltig sein soll, wollte ich mir die Schuhe mal anschauen. Also rein, rauf zu den Schuhen, auf den ersten Blick nix zu sehen. Weiter zur Verkäuferin. Ich sagte, ich würd mir diese Schuhe gern anschauen, ob sie welche da hätten, nannte den Markennamen, zeigte den Artikel her. Ich verbrauchte drei VerkäuferInnen, niemand hatte eine Ahnung. Als ich dann sagte ¨Plan A¨, gab es leicht wissende Gesichter (so ein dawardochwas), und ich wurde zur Information geschickt, die da hinten nach den Rolltreppen links und dann am Ende des Ganges rechts bei den Pfannen vorbei und schleichen Sie sich bitte. So in etwa.

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Ich dorthin, Information verwaist, daneben ein Info-Touchscreen. Gab den Brandnamen der Schuhe ein – nix. Kein einziges Ergebnis. Dann gab ich einfach mal ¨Plan A¨ ein, schaltete alle Produktfilter weg und war gespannt, was mir wohl alles gleich entgegenscheinen würde. Das Ergebnis: DREI Produkte. DREI. Ein Sessel, ein SportBH und irgendein Kindergwand. Ich befand mich in einem riesigen, mehrstöckigen Marks & Spencer und es waren genau DREI Produkte da, die mit Plan A gekennzeichnet waren. Ich mein, echt jetzt??? Die Verkäufer wissen nicht Bescheid, und im riesigen M&S auf DER Einkaufsstraße schlechthin nur drei Produkte und sonst null Infos? Das ist echt, echt, echt schwach. Nachhaltigkeit im Konsumbereich muss auch bei den KonsumentInnen ankommen. Klar freut mich, wenn die Filialen mit Ökostrom betrieben werden (zum Beispiel, wobei ich mich, ohne mir den Plan A jetzt grad nochmal genauer angeschaut habe, drauf wetten traue, dass dem nicht so ist, in UK steht immer noch eine ganze Menge Atomkraftwerke herum) – aber als Unternehmen, das Konsumprodukte anbietet, muss das das Kernthema sein: Wie gestalte ich meine Produkte nachhaltig, und wie bring ich sie an den oder die KonsumentIn.

Darum hiermit einmal und für immer verschriftlicht und ich geb das nur mit großer Überwindung zu, mimimimimi: Liebe Barbara, du hattest recht.

Ein Gedanke zu „Plan A – auch nicht mehr als ein sehr kreativer Name

  1. […] heut muss ich weitermotzen, im Anschluss an mein Mimimi gestern über Marks & Spencer kommt jetzt eines über Jigsaw, ebenfalls ein großes britisches Label. Und den Titel konnt ich mir […]

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