Jigsaw: Best of blöd

So, heut muss ich weitermotzen, im Anschluss an mein Mimimi gestern über Marks & Spencer kommt jetzt eines über Jigsaw, ebenfalls ein großes britisches Label. Und den Titel konnt ich mir grad nicht verbeißen, eher war mir bei der Recherche vorhin nach „in den Tisch beißen“…

Bei einer dieser unendlich großen, Labyrinth-artigen Ubahnstationen in London (und oh wie ich sie hassen gelernt habe, die Londoner U-Bahn… überhaupt, London ist eine Stadt, an der man merkt, was passiert, wenn man alles privatisiert. Nicht viel Gutes, nämlich, und verdammt viel prekäres. Und lauter Ubahnen, die nicht gehen.) habe ich folgende riiiiiiiesige Plakatwand gesehen:

2015-03-09 13.16.50 2015-03-09 13.17.06

Kaum war ich wieder bei meiner lieben Steph zuhaus, musste ich sofort googlen, was hinter dieser Kampagne steckt. Sind ja aussagekräftige, massive Bilder bitte.

Das Ergebnis: Uiuiui.

Die Hauptaussage dieser Kampagne ist: Wir machen Kleidung, die länger als eine Saison in ist und hält.

Jo, eh? Davon sollt man doch bitte ausgehen, die Sachen dort kosten jetzt doch ein bissl mehr als billigste Fast Fashion – Teile?

Das Argument: Die Lebensdauer wird durch höhere Qualität verlängert.

Jo! Eeeh! Das ist logisch!

Es ist ja bitte wirklich voll ok, mit dem Qualitätsaspekt zu werben, mit der Langlebigkeit aufgrund höherer Qualität. Und die Idee ist gut, Kleidung zu produzieren, die länger als eine Saison „in“ ist, und genau bei diesen Basic-Stücken oder Klassikern wirklich drauf zu schauen, dass die Sachen gut gearbeitet sind (wobei, das geht aus deren Code of Conduct auch nicht raus, ob Wert auf Qualität gelegt wird und wie die sichergestellt wird, das klingt alles eigentlich nach stinknormaler BangladeschPakistanIndien-Produktion). Aber einen Müllberg dazu zu tun in der Bewerbung, passt da nicht ganz dazu. Ich weiß, ich bin grad überkritisch, aber ich find es einfach etwas zynisch, Mode gleich mal mit den Bildern von Müllbergen zu verkaufen. Eine etwas bedenkliche Kurzfassung des Lebenszyklus eines Kleidungsstücks…

Aber immerhin, mich mal wieder eingelesen in die Nachhaltigkeitsbestrebungen eines neuen Unternehmens, und mal wieder auf einen ganz neuen Aspekt gestoßen. Ach Jigsaw, wenns doch nur so einfach wäre…. das Label schreibt in ihren Sourcing Principles: „Our customers expect working conditions in our supply chain to conform to international labour standards. Where this is not the case, our company and brands face reputational risks. These risks can affect our suppliers too and therefore it is also in the interest of our suppliers to uphold the standards in this Code.“ Das ist schon ein ziemlich hohes Ross, zu behaupten, dass wenn die Arbeitsstandards nicht eingehalten werden, das Label Imageschäden davontragen könnte, und die wirken sich ja auch wieder auf die Lieferanten aus. Und deshalb ist es im Interesse der Lieferanten, die Arbeitsstandards einzuhalten. Soll heißen: Die Lieferanten werden an der kurzen Leine gehalten, und ihnen wird gleich mal prophylaktisch das Messer angesetzt, anstatt dass das Label von vorneherein für bessere Bedingungen jenseits der Einhaltung der ILO-Richtlinien (Arbeitsgesetze)  einsetzt. Ziemlich deutlich, wie es denen nur ums Image geht und nicht um die Menschen. Klingt wie Erziehung aus dem letzten Jahrtausend: Liebes Kind, du musst dich benehmen, sonst fällt das auf mich zurück, und wenn du dich nicht benimmst, liebes Kind, setzt es eine Watschen, dass dir die Ohren noch in drei Tagen scheppern. Ich hab ja schon viel Holler in Nachhaltigkeitsberichten gelesen, aber das ist schon sehr weit vorne in Sachen „Die haben das aber auch nicht so ganz verstanden mit echter Nachhaltigkeit“….

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