Go #insideout

Heut gibts zwei Themen.

Erstens: Zwei Jahre Rana Plaza. Morgen. Und um in den sozialen Medien da jetzt mal ein bissl Aufmerksamkeit zu erzeugen, spielen wir wieder das #insideout-Spiel. Kleidung verkehrtrum tragen, damit man die Nähte sieht – und somit die Arbeit der Näherinnen zeigt und wertschätzt.

In Wien durfte ich mit einigen tollen Frauen, darunter Laura vom Ebenberg und Kathrin vom Green Ground, aber auch der beeindruckenden Ulrike von b.dressed, den diesjährigen Fashion Revolution Day organisieren. Es wurde ein ganz schönes Programm auf die Beine gestellt, das man hier nachlesen kann.

Bei #insideout kann wirklich jede/r mitmachen. Ich hab das gestern schon erledigt, und die liebe Laura hat mich fotografiert. Und hat eh mit mir gschimpft, dass ich nicht lachen soll.

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In dieser Weste wohne ich übrigens im Moment, beste Investition seit langem – bio, fair und mit lustigen Erinnerungen verbunden. Der Schal ist Second Hand aus London, ach, die Charity Shops dort, ein Traum…

Ich weiß, eigentlich sollt ich betroffen dreinschauen. Ging nicht. Mir spülte es gerade Unmengen an Glückshormonen durchs System. Warum? Weil ich mir endlich einen Ruck gegeben hab und mein Fahrrad ausgewintert hab. Zum Nachbarn in die Werkstatt aufpumpen und dann im Hof mitm Gartenschlauch gscheit drüber, nja, könnt auch gewissenhafter geschehen, aber hey, es tut einwandfrei, meine kleine persönliche Straßenbahn mit Transportkorb und Dynamo. Happy Nunu! Erste Ausfahrt war unmittelbar vor obigem Foto, daher mein adrenalingestütztes Breitmaulfroschgrinsen.

Und warum ich das jetzt hier schreib? Weil ich anhand des Radfahrens mal was erklären möchte. Wenn mir Menschen sagen, ich sei so auf Nachhaltigkeit und Öko und überhaupt fokussiert, dann denk ich mir oft: „Hey, das ist net öko, das ist Hausverstand.“ Beispiel Radfahren: Man bringt körperliche Bewegung in den Alltag, anstatt in der Ubahn zu hocken. Durch die Bewegung in der Früh kommt man gleich mal motivierter zur Arbeit (wobei ich zugeben muss, besonders bei meinem letzten Job, als ich eigentlich nur bergab rollen musste, war ich manchmal dann im Büro nicht sicher, ob ich am Weg eigentlich wirklich aufgewacht bin). Man spart sich im Sommer stinkende, dampfende Ubahnen und Bims und aufgrund von akuter Überfüllung derselben unangenehmen, weil ungewollten Körperkontakt. Und mein Killerargument: Man ist wirklich schneller damit in der Stadt. Egal, ob mit den Öffis oder mit dem Auto: Innerhalb meiner persönlichen Dunstkreise und Trampelpfade bin ich ausnahmslos überall schneller mitm Fahrrad.

Dass Radfahren auch noch wirklich ökologisch ist, weil die einzige eingesetzte Energie die eigene ist und der einzige Ausstoß möglicherweise einer, über den ich hier nicht schreiben werd, ist klar. Voll öko sogar. Aber ganz ehrlich: Das ist mir wirklich dulli. Ich mag schnell wo ankommen und in keine gelangweilten Gfrieser dabei schauen müssen. Nachhaltig oder Hausverstand?

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Ach du meine rettungslos uncoole, aber große, große Liebe….

Mir fallen da noch einige Beispiele ein, wo ich mir oft denke: Des is net öko, des is Hausverstand. Was soll ich mir jedes Mal im Supermarkt ein blödes Plastiksackerl kaufen, das dann zuhause erst recht herumliegt und Platz verbraucht, wenn ich mir einfach eine Stofftasche einstecken kann (oder, noch besser, meinen Fahrradkorb bis obenhin anfüllen kann)? Wieso sollt ich mir eine Wohnung komplett möbelschwedisch einrichten, wenns bei Eltern oder Großeltern jede Menge zu holen gibt, das sich herrlich integrieren lässt und sowieso qualitativ um Längen gscheiter ist als das Schwedengraffl? Oder wenns doch ein Schwedengraffl sein soll (bin ja bekennender Expedit-Fan und hab ihnen „Kallax“ noch immer nicht so ganz verziehen): Wozu neu, wenns dir auf Willhaben eh nachschmissen wird? Warum brauch ich eigentlich jedes einzelne Haushaltsgerät, wenn ich alle meine Nachbarn kenn? Die Großmama im ersten Stock hat die Wärmelampe, wenn ich verkühlt bin, der Marco im zweiten ist von Superkleber bis Navi komplettausgerüstet, ich borg dafür Stabmixer oder Nähmaschine her, und die riesige Leiter steht eh für alle entlehnbar im Keller. Haha, mein letztes Beispiel bringt „Haus-Verstand“ auf ein neues Level 🙂 Aber ihr wissts, worauf ich raus will? Es muss nicht gleich alles mit „öko“ oder „nachhaltig“ betitelt werden, manchmal ists einfach nur … praktisch.

Eigentlich wollt ich noch mehr übern Fashion Revolution Day schreiben, aber mir war grad so sehr nach meiner Hausverstandsrede – und vom FRD bekommt ihr in den kommenden Tagen hier noch so einiges zu lesen!

Getaggt mit ,

Ein Gedanke zu „Go #insideout

  1. dcf sagt:

    Haha… ich hab keinen Fernseher – ich bin doch so öko und kulturelll…. nee, ich wüsst nur nicht wohin damit. Kein Platz.
    Auto hab ich auch nicht – bin aber nicht öko, sondern das Gehalt ist zu klein.

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