Dreimal anziehen, weg damit!

Ich darf euch mal wieder ein Buch vorstellen – vor wenigen Tagen ist „Dreimal anziehen, weg damit“ von Heike Holdinghausen erschienen. Wieder ein Buch über die Fetzenthematik, könnt man sich denken, ja wird ja auch nix Neues drin stehen. Weit gefehlt. Wobei, nein, nicht ganz so weit. Ja, es sind alle Themen, die es rund um Textilproduktion gibt, behandelt – soziales, ökologisches, konsumistisches. Aaaaaaber: Die Frau Holdinghausen hat fulminant recherchiert. Sie hat mir neue Zahlen recherchiert, blattlt den Textilschweden auf, spricht eine sehr klare Sprache – und trotzdem muss man manchmal auch ein bisschen grinsen aufgrund einiger „gfernster“ Formulierungen.

(c) Westendverlag.de

(c) Westendverlag.de

Best of Fakten:

  • In Österreich stagniert der Textilverkauf derzeit (weil – oh Überraschung – eine Sättigung eingesetzt hat) bei rund 4,5 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Von diesem gesamten Umsatz entfallen siebzig Prozent auf Händler mit mehr als fünf Filialen.
  • Verkaufstrick von Zalando: „Ein abgebildeter Schuh zum Beispiel muss angeblich nach links zeigen, weil er dann häufiger gekauft wird.“
  • Zum Thema Altkleidersammlung erlaube ich mir, ausführlich aus dem Buch zu zitieren: „…Pro Tonne Altkleidung (Anm: Der Textilschwede nimmt Altkleidung von KundInnen entgegen und gibt dafür Warengutscheine aus) spendet der Handelskonzern nämlich 20 Cent an eine Wohltätigkeitsorganisation, in jedem Land an eine andere. (…) Das klingt ehrenwert und entspricht dem Wunsch der Kunden, ihre alten Kleider sinnvoll zu verwenden. Laut Umfragen wollen sie nämlich mehrheitlich, dass sie gemeinnützigen Zwecken zugute kommen. Die Spendenaktion von H&M lässt sich also großartig und öffentlichkeitswirksam darstellen. Eine Tonne alter Kleider wird allerdings derzeit zu 350 bis 400 Euro gehandelt, zu Beginn der H&M-Sammelaktion waren es bis zu 500 Euro. 20 Cent für einen wohltätigen Zweck sind da schon mal drin. Würde sich H&M an die Transparenzregeln der „Fairwertung“ halten, würde sie den Kunden mitteilen, dass es nicht nur um Altruismus geht, sondern auch um ein dickes Geschäft.“ Ich kommentier das jetzt nicht weiter, meine geschätzten Leserinnen können sich meine Gedanken dazu wahrscheinlich eh vorstellen. Allerdings – von Greenpeace-Seite gibts verhaltenes Lob (gut, sehr verhalten, aber ein bissl halt).
  • Fun Fact am Rande. „Bis ins 18. Jahrhundert hinein geschah die Wäsche (von Wolle), etwa in Österreich, übrigens noch mit dem Urin aus öffentlichen Latrinen, der wegen des Harnstoffs ein gutes Waschmittel für die fettige Wolle war.“
  • Was ich noch gar nicht wusste, aber sehr super finde (auch wenn die USA ein Land des Konsumismus sind, manchmal haben sie tolle Ideen): „Die US-Regierung macht es Verbrauchern, die nachhaltige Kleidung tragen wollen, leichter. Seit 2011 dürfen in den USA nur noch Hosen, Röcke, Shirts, Strümpfe als „bio“ verkauft werden, die nach den Standards des GOTS zertifiziert sind.“
  • Allerdings, eine Zahl für Deutschland: „Laut Umweltbundesamt tragen erst 0,02 Prozent aller Textilien und Kleider das GOTS-Siegel.“
  • Ein Beispiel für eine Formulierung, bei der ich kurz aufgelacht habe: „Bill Clinton (das ist der Mann von Hillary)…“ 😉

Kurz: Ein spannendes Sachbuch, für „Insider“ steht teilweise auch wirklich Neues drin (und wenns nicht neu ist, ist es prägnant und gut formuliert zusammengefasst), „Neulinge“ bekommen gleich mal eine volle Breitseite Tatsachen. Spannend. Nur ein kleines Mimimi gibts: Auf den letzten Seiten geht die Autorin selbst einkaufen. Das Ergebnis überrascht, und ich versteh auch, dass das wohl Kalkül ist, ich find halt trotzdem, dass es eine falsche Message rüberbringt. Was es ist? Selbst lesen! 😉

Danke an den Westend Verlag fürs Leseexemplar!

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Ein Gedanke zu „Dreimal anziehen, weg damit!

  1. Nina sagt:

    Das klingt wirklich interessant!
    Beim Tital dachte ich ja zuerst, dass ich dort bestimmt nichts Neues und Interessantes finden könnte. Deine Rezension hat mich aber vom Gegenteil überzeugt.
    Meine Leseliste ist um ein Buch reicher geworden.
    Da ich kaum noch Bücher kaufe, werde ich es bei meiner Bibliothek als Neuanschaffung vorschlagen. Hoffentlich klappt das.

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