Kann mir wer den Wahnsinn rund um Balmain erklären?

Es ist so unglaublich krank. Der Textilschwede hat wieder eine Designkooperation draußen, und die Leute werden schier wahnsinnig. Diesmal: Balmain.

Von einem anderen Blogger beschrieben, ist Balmain „sozusagen ein “Ed Hardy” für die wirklich reichen Menschen auf diesem Planeten…aber (und das ist jetzt wichtig) die ohne Stil. Ketzerisch? Ach was! Man schaue sich doch nur den Balmain Kosmos einmal genauer an. Mittelmäßigkeit prägt das Bild. (…)“ Echt jetzt, das Zeug ist einfach wirklich hässlich. Und ein wunderbarer Beweis für verdammt gutes Marketing. (Neu)reiche Leute ziehens an, und plötzlich haltens alle für Stil. Fürchterlich! Er schreibt weiter (und ich finds so passend): „Wer trägt Balmain? Nur noch die, die wollen, dass man es auch sofort sieht. Reiche Proletinnen mit ultra reichen Männern. Um nicht zu sagen Hobby-Escort Ladies mit Ambitionen und geschickten Hüften. D-Prominenz mit doppel D obenrum. Gleiches ist übrigens auch dem Modelabel “Hervé Leger” gelungen, wo ein hautenges Schlauchkleid nun die unvorteilhaften Kurven einer Kris Jenner unterstreicht. Und mit ihr tragen es hunderte glitzernder Society Ladies, die sich darüber freuen, dass selbst eine Hausfrau aus Bottrop Boy erkennt, dass es sich um einen 5000,00 Dollar Fetzen handelt.“

Ich bin sonst wirklich eine Verfechterin von „Geschmäcker sind halt verschieden, jeder/m sein/ihr Style, Hauptsache, man fühlt sich wohl und authentisch“. Aber Balmain bringt mich diesbezüglich an die Grenze. Das Zeug ist echt reines „Schau, wie reich ich bin“-Design. Und das find ich fürchterlich.

hmbalmain

Screenshot hm.com   ich find, es hat was von Russian Hooker.

Doch was noch fürchterlicher ist: Dieser Konsumwahnsinn, der darum entstanden ist. Es gab eine nicht unwesentliche Menge an Leuten, die vor der größten Filiale in London übernachtet haben, um auch ja sicher an ein Teil der Kollektion zu kommen. Da war der Ansturm dann so groß, dass sie erstmal aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht öffnen konnten. Außerdem gibt es inzwischen professionelle Weiterverkäufer – Leute, die sich an die Spitze der Schlange drängen, den Laden sofort halb aufkaufen, und das Zeug dann um den fünf- bis zehnfachen Preis auf Ebay verhökern. All das wird wunderbar beschrieben in diesem sehr empfehlenswerten Artikel im Guardian.

Ich find das Ganze so absurd, dass es sich für mich anhört wie ein Sozialexperiment. Erschaffe mit etwas Potthässlichem einen Wahn, der aufgrund komplett verquerer Gedankenmuster in den Leuten einen regelrechten Wahn nach Habenhaben auslöst (und wo es längst nicht mehr um das Produkt geht), und dokumentiere die Auswirkungen. Dann zeig das ganze vielleicht noch einem indigenen Volk irgendwo im Amazonas, und die werden sich denken: Pfoah. Extraterrestrisches Leben existiert also. Nur bissl spinnen tuns, die Außerirdischen.

Jetzt mal ganz ehrlich: Man liest das ja immer wieder, auch diese Irren, die die Nacht vorm Release des neuesten Iphones vorm Apple Store übernachten – bitte kann mir das wer erklären? Diesen Wahn? Ich verstehs einfach nicht (und um ehrlich zu sein: Ich habs sogar in meinen schlimmsten Shoppingphasen früher nicht verstanden). Und ich finds traurig.

8 Gedanken zu „Kann mir wer den Wahnsinn rund um Balmain erklären?

  1. wolfclubblog sagt:

    Jedes Jahr das selbe Spiel bei H&M! Den Hype um Balmain kann ich auch überhaupt nicht nachvollziehen. Ähnliche Gedanken hatte ich letztes Jahr auch bei der H&M X Alexander Wang Kollektion: https://joinwolfclub.wordpress.com/2014/11/07/outfit-fun-sorry-mr-wang/

    Viele Grüße, Lisa

  2. Natalie sagt:

    Unabhängig davon, wie ich die Kollektion finde (nicht schön, habe aber durchaus schon Schlimmeres gesehen) teile ich deine Auffassung total. Das Hypen und Kaufen passiert m. E. oft ohne Abchecken des eigenen Stils („Hauptsache, ich habe mindestens ein Teil aus der Kollektion, damit ich mitreden kann“). Es gibt Leute, die vermutlich Pappkartons kaufen würden, solange es sich um eine Limited Edition und/oder um „Designerware“ handelt. Tu so, als ob etwas küstlich knapp und die Leute reißen es dir aus der Hand. Ich bin auch sehr froh, diesem Konsumkarussell inzwischen entkommen zu sein, aber manchmal wird mir auch vom Zuschauen durchaus noch schwindelig.

  3. Es freut mich, dass ich nicht allein mit der Meinung bin.
    Ich sah nur durch Zufall die Eröffnung im TV und wunderte mich über die Hysterie der Leute. Selten konnter ich wirklich sooooo häßliche Sachen sehen und frage mich wann man das anziehen soll?
    Die Masche des Textilriesen, sich mit Designern zusammen zu tun, scheint ja ein echter Renner zu sein. Die Szenen erinnern mich an die Eröffnungen von Primark.
    Beides keine gute Sache…

  4. Ich kann deinen Beitrag nur unterschreiben! Du hast absolut Recht und dennoch gibt es (leider) noch viel zu viele, die diesen „Lifesytle mit Balmain“ scheibar bitter nötig haben – frei nach dem Motto: Hauptsache das richtige Label angezogen…

  5. blaupause7 sagt:

    diesen rummel hab ich auch nie verstanden – aktuelles beispiel: das marktschreierische „der vorverkauf hat begonnen“. aber nicht etwa für konzerttickets für u2 oder springsteen, sondern für den kinofilm „mockingjay teil 2“. ganz ehrlich? es sind kinokarten; für einen film, der vermutlich so erfolgreich sein wird, dass er noch wochenlang im kino laufen wird. und nur, damit man der erste vor allen anderen ist. wie beim i-phon, bei hasi-und-mausi, bei was auch immer.

  6. Imke sagt:

    Und immer wieder bin ich einfach froh, dass ich meine Kleidung wahlweise aus Secondhandshops oder Plattformen wie dem wunderbaren Avocadostore beziehe. Macht jeden Stadtbummel so viel einfacher und entspannter, weil man sich die verstopften H&Ms und wie sie nicht alle heißen sparen kann. Und sich insebsondere nicht um sog. „Designerkollektionen“ prügeln muss, die bescheidene Qualität haben, mies produziert wurden und im aktuellen Fall auch noch auf ca 100 Meter Entfernung rufen „Huhu, bin komplett stilfrei und geb Geld dafür aus“…

  7. Gerlinde sagt:

    hmmm ist mir zu kurz gegriffen. die faszination der haute couture übt ihren reiz auf reiche proletinnen und arme modeschülerinnen gleichermassen aus. stücke aus einem unerreichbaren handwerksparadies – mit jeglichem glanz und schimmer den man darum nur stricken kann (models boutiquen gekaufte stars). sehr gut hat das der erfahrene mode-dokumentator loic prigent gefilmt.

    ps. leider ist meine beistrichtaste hin.
    pps. habe dort selbst etwas gekauft aber wieder zurückgegeben. war dann doch nur ein ganz normales tshirt. manche träume bleiben träume.

  8. Bibie sagt:

    tja der schwedische Textilriese überlegt sich halt immer wieder solche aktionen. Ich finds irgendwie arg, das die Mädls Stunden vor Öffnung des Ladens dort stehen um in Kleidchen eines bekannten Designers zu niedrigeren Preis kaufen zu können. Dämlich, aber so ist es und ich finde die Sachen schirch. Wann bitte trägt man sowas überhaupt? Zum Banktermin im Glitzermini ala Nobeldomina? Ich weiß nicht…. aber Geschmäcker sind halt…..Komischer Trend mit immer mehr werdenden Konsumenten die hytserisch werden wenn Sie nur die Werbung irgendwo sehen.

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