Deutsche sehen Kleidung als Wegwerfware

Ach wie wunderbar. Da überlegt man einen halben Sonntag und auch heut früh, was um Himmelswillen man denn heute bloggen soll – es stehen zwar ein paar ganz spannende Sachen an, aber die werde ich erst in den kommenden Tagen „verbraten“. Was also heute? Und zack, nimmt mich Greenpeace Deutschland mal wieder an der Hand und zeigt mir: Schau mal, wir hätten da was, eine Studie! Es steht zwar nix weltbewegend Neues drin, aber trotzdem find ichs immer wieder gut, sich das mal vor Augen zu führen. Erschienen ist sie bereits an mehreren Stellen, und auch die APA hat sie den österreichischen Redaktionen schon ins System gespült, ich wurde zuallererst beim Weser Kurier fündig und zitiere hiermit: 

Greenpeace-Umfrage: Deutsche sehen Kleidung als Wegwerfware

Bekleidung ist einer Umfrage im Auftrag von Greenpeace zufolge zum Wegwerfartikel geworden. Von den 5,2 Milliarden Kleidungsstücken in deutschen Schränken würden 40 Prozent sehr selten oder nie getragen, teilte die Umweltschutzorganisation am Montag mit.

Laut Greenpeace behandeln Deutsche Kleidung oft wie Wegwerfartikel. Von den rund 5,2 Milliarden Kleidungsstücken in den Schränken würden 40 Prozent sehr selten oder nie getragen.

Jeder Achte trage seine Schuhe weniger als ein Jahr lang. Kaum jemand lasse Kleidung ausbessern. Mode sei zum Wegwerfartikel wie Einweggeschirr verkommen, kritisierte Greenpeace-Expertin Kirsten Brodde.

Für wichtig werde gehalten, den schnell wechselnden Trends zu folgen. Kleidungsstücke würden daher rasch aussortiert und landeten im Kleidercontainer oder im Müll, so Brodde. Mehr als Tausend Menschen zwischen 16 und 69 Jahren waren für die Analyse im September befragt worden.

Demnach besitzen Frauen im Durchschnitt 118 Kleidungsstücke (ohne Strümpfe und Unterwäsche), Männer 73 Teile. Frauen aus dem Westen Deutschlands haben am meisten Kleidung im Schrank. Mehr Bildung und mehr Einkommen gehe mit deutlich mehr Anziehsachen einher, teilte Greenpeace zu den Umfrageergebnissen mit.

Zum Bild der Wegwerfmentalität passt, dass die Hälfte der Befragten noch nie Kleidung zum Schneider gebracht hat. Mehr als die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen war noch nie beim Schuster. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten sortieren Kleidung aus, weil sie ihnen nicht mehr gefällt. 83 Prozent der Befragten haben noch nie Kleidung getauscht, über die Hälfte noch nie welche verkauft.

Wenn die Befragten Kleidung aussortieren, wandere sie oft in den Müll, hieß es von Greenpeace weiter. Fast die Hälfte der Befragten hat demnach in den letzten sechs Monaten Kleidung weggeworfen. „Das geht zulasten der Umwelt und der Gesundheit, denn die Kleidung wird mit Hunderten giftiger Chemikalien produziert“, sagte Brodde.

Bei der Frage nach Gütesiegeln klaffen Wunsch und Wirklichkeit der Verbraucher auseinander. Jeder zweite Befragte gab an, dass Siegel für nachhaltig, umweltverträglich und fair hergestellte Kleidung sehr hilfreich seien. Zugleich achtet aber nur jeder Vierte beim Kauf auf nachhaltige, umweltverträgliche oder faire Produktion. (dpa)

Nicht neu, und trotzdem so traurig, find ich.

flohmarkt

Und zack, der Standard hats auch schon!

8 Gedanken zu „Deutsche sehen Kleidung als Wegwerfware

  1. ruhrstyle sagt:

    Immer wieder unfassbar! Da habe ich doch die Tage selbst so eine Erfahrung mit einer Wegschmeißerin gemacht; und zwar habe ich mich ja vor einiger Zeit dazu entschieden, dass jedes Teil, welches NEU sprich in einem Bekleidungsgeschäft gekauft wird, fair und vegan sein muss. Jetzt sagte da tatsächlich eine freundin zu mir: na dann musst du wohl erstmal deine alten Klamotten in die Tonne hauen, sonst ist das irgendwie ganz schön scheinheilig. Schließlich ist da auch die ein oder andere Ledertasche etc dabei.

    Na klar, haut man es einfach in die Tonne um dann neu zu kaufen. Unmöglich so etwas. Ahhrrr!

    Ehrlich gesagt, kauf ich auch unheimlich gerne second hand. Da ist zwar dann nicht alles immer fair und vegan, aber wenigstens ist es nachhaltig-finde ich zumindest.

    viele liebe Grüße
    Rebecca

  2. zauberweib sagt:

    Also da bin ich defintiv nicht deutsch 🙂 Das Tshirt, das ich gerade anhabe, habe ich im Urlaub 1991/92 gekauft (Mein Koffer war irgendwie am anderen Ende der Welt gelandet, das war also ein notwendiger Einkauf) und die Leggins is Secondhand. Ich trage meine Klamotten, bis sie mir buchstäblich vom Leib fallen und seit ein paar Jahren (seit ich Kirsten Broddes Buch gelesen hab *g*) kauf ich eh nur noch Secondhand, wenn ichs nicht sowieso selber mach (und die Stoffe, Wolle, etc. aus entsprechend sauberen Quellen beziehe).
    Trotzdem schaff ichs jedes Jahr, mindestens einen Sack voll Klamotten auszumisten (geht dann an die Diakonie o.ä.), was mir immer wieder aufs Neue ein Rätsel ist… 🙂

  3. Sabine sagt:

    Hallo zusammen, da möchte ich doch eine Anmerkung dalassen. In der Großstadt ist es sicher kein Problem, Kleidung zum Schneider oder Schuhe zum Schuster zu bringen sowie seine aussortierte Kleidung im Second Hand loszuwerden. Ich wohne am Land und hier eine ganz gewöhnliche Änderungsschneiderei zu finden, die man auch zeitlich und räumlich erreichen kann, wenn man Vollzeit arbeitet, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Ein richtigen Schuster gibt es wahrscheinlich im Umkreis von 100 km nicht. Und beim Second Hand bekommt man nur Designer- oder Kinderkleidung los. Leider sind online-Alternativen wie Kleiderkreisel auch keine Alternative, zu viel Aufwand dafür dass dann nichts weg geht .. Just my 2 cents .. Liebe Grüße, Sabine

  4. Ich mus ehrlich gestehen, dass ich nicht genau weis wieviele Sachen ich besitze.
    Viele meiner Sachen sind mehrere Jahre alt.
    Da ich jetzt eine neue Stelle habe, muss ich mir neue Sachen zulegen, vorher habe ich auch viele Werbe T-Shirts vom Kino und Paintball getragen. In der Schule geht das nicht mehr. Die meisten meiner Strickjacken haben auch ihre besten Jahre hinter sich.
    Da ich nur noch Biokleidung kaufen möchte, kann ich es mir gar nicht leisten, jeden Monat viele neue Sachen zu kaufen.
    Bis vor einiger Zeit war ich der Meinung dass es einer der Vorteile Erwachsen zu sein ist, nicht mehr jedem Modetrend hinterher zu laufen.
    Mittlerweile stelle ich fest, dass das gar nicht der Fall ist.
    Viele Frauen mit denen ich rede hängen jedem Modetrend nach und schauen in Zeitschriften die aktuellen „Must Haves“. Was für eine unsinnige Kategorie!!!!

  5. nina sagt:

    Hi Nunu, ich folge deinem Blog schon eine Weile und melde mich auch mal zu Wort 🙂
    Ich finde dich sehr cool.
    Meine drei Kinder bekleide ich seit 1 Jahr komplett second Hand bzw. selbstgenäht. Mit der Großen wird das zwar immer schwieriger, aber zum glück haben wir kürzlich einen „coolen“ Second Hand Laden entdeckt, und die hatten genau so eine Jacke, wie sie wollte. Das war natürlich Glück.
    Zweimal im Jahr haben wir einen tollen Kinderflohmarkt im Ort, da kaufe ich alles an Schuhen usw, was sie für die neue Saison brauchen. Einmal im Jahr organisier ich einen Tauschmarkt für meine Kirchengemeinde. Jeder kann Gewand bringen, jeder kann sich nehmen, was er will. Die Masse an Kleidung, die da „umgesetzt“ wird, ganz ohne Geld, ist gigantisch!
    Unterhoserln für die kids näh ich aus den Stoffresten, die von den genähten Shirts abfallen. Das finden sie lustig, wenn das Hoserl zum Leiberl passt. Da fällt mir auf: Socken. Socken kaufe ich nach wie vor. Aber das ist das einzige.
    Ich will mich da nicht selber als so toll hinstellen, ich wollte damit nur sagen: es geht! Auch mit 3 Kindern, ohne Speib-mark und Textilschwede.

    Alles Liebe! Nina.

  6. mukolama sagt:

    „Mehr Bildung und mehr Einkommen gehe mit deutlich mehr Anziehsachen einher, teilte Greenpeace zu den Umfrageergebnissen mit.“
    Dass mehr Einkommen mit mehr Sachen einhergeht, ist irgendwie nachvollziehbar (obwohl ich ja der Meinung bin, dass mehr Einkommen eine Investition in Qualität statt in Quantität bedeuten sollte). Aber wie kommt’s, dass mehr Bildung mit mehr Anziehsachen einhergeht? Sollte es nicht (zumindest sagt mir das meine möglicherweise naive Denkweise) genau umgekehrt sein?

  7. Mina sagt:

    Liebe Nunu

    Bevor ich deinen Beitrag lese stell ich gleich den FAZ link hinein

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/greenpeace-studie-kleidung-ist-so-viel-wert-wie-wegwerfgeschirr-13927563.html

    den habe ich nämlich heute schon beim aufstehen gelesen 😉

    Alles nicht so einfach mit der Kleidung, aber ich muss auch zugeben, ich trag nicht alle meine Kleidung auf – Schuhe schon, vllt auch eher deshalb da ich Schuhe kaufen nicht so gern mag, deswegen trage ich Schuhe bis die Sohle durch ist bzw. die was qualitativ hochwertig genug sind repariere ich so oft bis es da auch nicht mehr geht ^^ – ich gebe öfters Kleidung weg die noch in Ordnung ist ich mich aber daran „sattgetragen“ habe oder die sich als Fehlkäufe entpuppt haben. Ich hab jetzt erst vor kurzem durch eine Ausmistaktion, da ich umgezogen bin, viel Kleidung an einen karikativen Verein (Verein für soziale Betreuung, Weiberwirtschaft Wiener Neustadt) gespendet. Die haben sich wirklich sehr darüber gefreut 🙂 da hab ich mich gleich doppelt gefreut.

    Bei Kleidung versuche ich aber mittleweile schon seit 1-2 Jahren bewusster einzukaufen, wie werden sie produziert und Stichwort „brauche“ ich das wirklich bzw. passt das zu den anderen Kleidungsstücken die ich habe/rglm trage und die Sachen mehr aufzutragen. Alles gelingt nicht immer so einfach.

    Wegwerfen tu ich meine Kleidung aber wirklich nur wenn sie ganz kaputt sind und man sie wirklich nicht weitergeben kann da man sich genieren müsste 😉

    Jetzt wäre wirklich interessant nachzuzählen wieviel Kleidungsstücke ich habe, wobei ich (durchschnittlich) 118 eh nicht schlimm find. Aber das ist eben nur Durchschnitt. Ich glaube mit der „normalen“ Kleidung komme ich ziemlich hin, aber wenn ich dann noch eben (jetzt ohne Unterwäsche und Socken) meine Nachtwäsche, mein Knotzgewand, meine Trachten/Dirndln, Cocktail/Ballkleid und mein ganzes Outdoorzeug (viele verschiedene Sportarten wollen auch ihre Kleidung haben) dazuzähle dann werden das ganz sicher viel mehr als 118 Stück. Noch dazu hab ich als ich gern Schnäppchen gekauft habe und zB ca. 5 weiße Tank Tops daheim (und 5 schwarze Basic Tshirts etc.), wovon 4 jetzt rückgestellt werden bis das eine optisch nicht mehr ansprechend ist ^^

    LG
    Mina

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