Jetzt neu: Bikinis im Sommer, Daune im Winter!

Textilzeitung – das österreichische Branchenblatt. Ich les das ja leidenschaftlich. So auch gestern wieder, die Vorweihnachtsausgabe. Diesmal hats mir einen echten Lacher entlockt, bereits beim Editorial. Die Fachmenschen im textilen Handel haben nämlich was Bahnbrechendes herausgefunden:

„Die Hersteller bieten endlich Mode „ready-to-wear“ an. Daune im Winter und Bikinis im Sommer. Wie einfach. Wie normal. Die Kunden werden das Zurück zur Normalität zu schätzen wissen.“

Aha.

Wow.

Was für eine Erkenntnis.

Im Blattinneren geht’s noch weiter. Der Fast Fashion Handel stellt fest, was Slow Fashion seit Jahren lebt, und stellts gefühlt als wissenschaftlichen Durchbruch dar:

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„Neben dem dominanten Ready-to-wear-Gedanken (…) ist grundlegend die Erkenntnis gereift, dass die Konsumentin mehr Zeit braucht. Zeit, um sich an neue Trends, innovative Qualitäten, an den Silhouettenwandel zu gewöhnen. Setzt die Industrie – und damit verbunden der Handel – ihr jede Saison den neuesten letzten Schrei vor die Nase, reagiert sie mit Orientierungslosigkeit. Und rettet sich in Bedarfskäufe (Anm.: Das ist ja mein Lieblingssatz. Ich muss mich also in eine Situation hineinretten, in der ich nur noch das kaufe, was ich brauche. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.). Oder gar keine Käufe. Die Hersteller haben erkannt, dass es einen längeren Atem braucht, um der Kundin die Zeit zu geben, Trends aufzuspüren. Der Silhouettenwandel hat sich gerade erst vollzogen, nun müssen die Silhouetten verfeinert werden (…) die Kundin ist gerade erst auf den Geschmack gekommen, da wäre es fatal, schon wieder auf ein anderes Pferd zu setzen. „Es muss nicht jedes Thema nach einer Saison fallen gelassen werden wie eine heiße Kartoffel“, bringt es Iheart-Inhaberin und Designerin Alexandra Kiefermann auf den Punkt.

So. Und jetzt darf ich auf Konzepte von Slow Fashion hinweisen: Göttin des Glücks hat neben regelmäßigen Novitäten auch immer wieder gleiche Schnitte über mehrere Saisonen im Angebot. Cora Kemperman designt die Kollektionen bewusst so, dass verschiedene Saisonen kombinierbar sind (über Jahre!). Es geht schlicht um stilistische Langlebigkeit. Gut, wenn der Fast Fashion Handel jetzt draufkommt, dass man Trends verlangsamen sollte, dann bin ich sicher die Letzte, die da was dagegen hat. Aber „ready-to-wear“ und mehr Zeit für die Konsumentin als was Neues darzustellen, puh, da stellts mir schon ein bissl die Nackenhaare auf.

3 Gedanken zu „Jetzt neu: Bikinis im Sommer, Daune im Winter!

  1. madameflamusse sagt:

    ..und das hinter der Daune übelstes Tierleid steckt..daran denken Sie auch nicht…..der Modezirkus ist ein Zirkus …

  2. Ich sag dazu nur: Kopf auf Tisch. Mehr fällt mir dazu grad nicht ein.

  3. Rabin sagt:

    Dass ist doch mal hübsch ausgedrückt und auch kaum fachchinesisch. Was flüchten wir uns auch in Bedarfskunden anstand jedem Modetierchen hinterherzujagen. 😉
    Aber vielleicht wird man dann im Oktober nicht mehr angeguckt wie eine …., wenn man auf die Wahnsinnsidee verfällt Winterstiefel kaufen zu wollen. Das wär’s doch mal.

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