Armed Angels: Warum es gut ist, nachzufragen

Letztens komm ich bei der lieben Laura ins Ebenberg reinspaziert, und sie war grad richtig wütend. Armed Angels hatte ihr eine Jacke geliefert, auf der kein Zertifikat drauf war, und dann auch noch „made in China“ drin stand. Gut, da schaute ich auch erstmal blöd. Made in China? Armed Angels? Echt? Sie bewegen sich produktionstechnisch schon immer weiter weg, aber China? Ohne Gütesiegel? Puh!

Mein erster Impuls war: Na, da reiß ma mal einen kleinen Shitstorm an, das geht doch gar nicht! Aber erst fragen wir mal nach bei den Engeln.

Was dann folgte, ließ mich feststellen: Oidaaa, ist das alles dynamisch in dieser Szene. Man muss aufpassen wie ein Haftlmacher, dass man dranbleibt und sich auskennt, was ok ist und was nicht. Also. Dass Armed Angels ein gütesiegelfreies Teil made in China ausliefert und das ok ist, liegt an folgenden Punkten:

  • es ist aus Lyocell (=Tencel), und das ist ökologisch ein Superdupertextil, allerdings nicht bio im Sinne von GOTS, daher ist kein GOTS-Siegel (wie sonst auf allen Armed Angels Baumwollteilen drauf) nicht möglich.
  • Die Produktion findet in einem Betrieb statt, den die beiden Gründer von Langer-Chen (ein Deutscher, eine Chinesin) aufgebaut haben, um zu beweisen, dass ökofaire Produktion auch in China möglich ist.
  • LangerChen hat übrigens qualitativ fulminante Mäntel.
  • Die Fabrik ist GOTS-zertifiziert. Das heißt allerdings nicht automatisch, dass jedes Kleidungsstück aus der Fabrik das Siegel tragen darf. In diesem Fall ist es nicht so, weil eben Lycoell nicht GOTS-zertifizierbar ist.

Aber einen Haken hat das Ganze trotzdem: Wie erklärt man das der sich nicht so auskennenden Konsumentin? Dass da einfach nur Made in China drinsteht und sonst nix? Für die unterscheidet sich diese Lycell-Jacke um 120€ (oder 100, habs vergessen) um nix von einer Tenceljacke vom Textilschweden, wo sie dann wahrscheinlich 60€ kostet. Diesen ganzen Wulst zu erklären, machts kompliziert. Liebe Armed Angels: Nix für ungut, aber bitte erklärt solche Sachen besser auf euren Produkten. Und genaugenommen dürfte euer rundes „organic“ Zeichen da auch nicht drauf sein, oder? (Da bin ich mir jetzt aber auch nicht ganz sicher)

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8 Gedanken zu „Armed Angels: Warum es gut ist, nachzufragen

  1. Mia Kitsch sagt:

    Danke für diese Aufklärung! Kaufe selber gerne Armed Angels Stücke und wäre beim nächsten Erwerb sicher überrascht gewesen!!!

  2. xiane sagt:

    ich finde es so eigentlich besser. dem GOTS-siegel immer blind vertrauen ist auch nicht die beste lösung. aufmerksam zu bleiben ist wichtig! danke für den artikel 🙂

  3. Christina sagt:

    Danke für den Beitrag! Es ist ein schwieriges Thema. Die richtige Kommunikation des Labels, Transparenz für alle Beteiligten, Produktion in Asien.
    Ich habe selbst einen Laden für eco Fashion in Berlin und bin der Meinung, dass wir als EinzelhändlerInnen die Schnittstelle zwischen KundInnen und Label sein sollten, die über Produktion und Materialien aufklären. Es ist schwierig alle Informationen auf ein Etikett zu bringen und dann noch individuell für jedes Teil. Da müssen wir beratend zur Seite stehen und so viele Informationen wie möglich weiterleiten. Das ist nicht immer leicht, weil auch wir nicht immer alles wissen können und nicht jeden erreichen. Aber dass Armedangels bisher immer sein Bestes gegeben hat, davon bin ich überzeugt. Fragen werden umgehend beantwortet und Kritik ernst genommen. Ich arbeite sehr gern mit ihnen zusammen.

    Bei mir gibt es auch Labels, die nicht durchzertifiziert sind bis oben hin. Aber mir ist der persönliche Kontakt zum Label und den GründerInnen wichtig. Dabei entsteht meist der erste Eindruck, ob Ökologie und Fairness ernst gemeint sind oder nicht. Und wenn Zweifel bestehen, hilft ein Siegel meist auch nicht weiter.

    Alex Bohn schrieb zu dieser Thematik (made in China) übrigens auch einen aufschlussreichen Artikel in der Berliner Zeitung:
    http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/nachhaltige-textilproduktion-in-china-im-reich-der-schnitte,10808230,32956870.html

    Viele Grüße aus Berlin,
    Christina von Loveco

  4. gretchenstelltfragen sagt:

    Das finde ich bei den Braintree Bambus-Socken auch immer schwierig zu erklären. Versteh dich total!

  5. Lars sagt:

    @gretchenstelltfragen: Wurde ich auch schon öfter gefragt, was ich davon halte. Ist das nicht einfach Bambusviskose und damit ökologisch recht unschön? So stehts zumindest auch in deren eigenem Shop.

  6. Sim sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag – ich frage mich aber, warum Langerchen qualitativ fulminante Mängel aufweisen soll, die Aussage kommt mir doch etwas zu pauschal daher – oder hast du noch nähere Infos, das würde mich dann sehr interessieren. Ich habe mehrere Jacken für jedes Wetter, bin von Design, Fukntion und Qualität noch immer schwer begeistert. Die ersten Kollektionen waren teils was verschnitten, das ja, aber seitdem war mir nichts Negatives mehr untergekommen.

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