Schuhe. Europa. Nicht ok.

Vor ein paar Tagen veröffentlichte die Clean Clothes Kampagne in Kooperation mit meiner hochgeschätzten Ex-Kollegin von GLOBAL 2000 eine neue Untersuchung, zur Schuhproduktion in Europa. Ganz abgesehen, was gerade sonst noch so in Europa abgeht (ich mag nur noch weinen…), ist es einfach heftig. Ich kann mich echt nur permanent wiederholen: Schuhe kann man auch am Kleiderkreisel kaufen, oder woanders Second Hand, oder tauschen. Echt jetzt. Und dann: so lange wie möglich tragen. Und die Schuster in eurer Umgebung nicht sterben lassen.

Ich zitiere hier aus der Presseaussendung, und habe mir erlaubt, ein paar Facts, die mich echt umhauen, zu markieren:

Über 24 Milliarden Paar Schuhe wurden 2014 weltweit hergestellt. Die ÖsterreicherInnen kauften davon im Durchschnitt pro Kopf sechs Paar. Der größte Teil wird in Asien produziert, doch gerade bei hochpreisigeren Lederschuhen ist auch der europäische Anteil bedeutend. Rund 120.000 Menschen sind in den Studien-Ländern Albanien, Bosnien-Herzegowina, Polen, Rumänien, Slowakei und Mazedonien in der Schuhindustrie beschäftigt.

Die arbeitsintensivsten Schritte der Schuhproduktion werden oft in mittel- und südosteuropäischen Ländern durchgeführt. Der Bericht „Labour on a Shoestring“ zeigt die Realität in den Schuhfabriken von sechs europäischen Ländern. „Das Hauptproblem sind die viel zu niedrigen Löhne“, erklärt Kathrin Pelzer von der Clean Clothes Kampagne. Der gesetzliche Mindestlohn in Albanien, Mazedonien oder Rumänien liegt mit 140 Euro, 145 Euro und 156 Euro pro Monat sogar noch unter dem von China. Die Löhne müssten vier bis fünf Mal höher sein, damit Albanerinnen, Mazedonierinnen oder Rumäninnen – die Beschäftigten in Schuhfabriken sind vorwiegend Frauen – und ihre Familien davon leben könnten. Weil viele Arbeiterinnen pro Stück statt pro Arbeitsstunde bezahlt werden, leisten sie zudem unbezahlte Überstunden oder verzichten aus Produktivitätsgründen auf Sicherheitsmaßnahmen, die sie vor Chemikalien und Unfällen schützen würden. In vielen Fabriken ist es im Winter sehr kalt und im Sommer so heiß, dass immer wieder Arbeiterinnen kollabieren. Eine Familie zu gründen scheint für viele ArbeiterInnen nicht finanzierbar. „Meine Frau und ich arbeiten beide in einer Schuhfabrik. Wir sind froh, dass wir eine Arbeit gefunden haben, aber mit unseren niedrigen Löhnen können wir keine Kinder großziehen“, erzählt ein rumänischer Arbeiter im Interview.

Grafik_HowManyHoursForMilk_Source_LabourOnAShoestring

„Unsere Unternehmensbewertung macht deutlich, dass sich Schuhunternehmen zu wenig Gedanken über die Menschen machen, die ihre Schuhe fertigen“, so Elisabeth Schinzel von der Clean Clothes Kampagne. Das gilt auch für die sieben österreichischen Unternehmen unter den 29 Firmen, die im Auftrag der AK Wien und AK OÖ befragt wurden. Erhoben wurde unter anderem, ob existenzsichernde Löhne für ArbeiterInnen vorgesehen sind und welche Arbeitsschutzmaßnahmen vorausgesetzt werden. Die befragten Firmen wurden in fünf Kategorien eingeteilt: Nichts zu sagen, Zögerliche erste Schritte, Kommt in die Gänge, Auf gutem Weg, Im Laufschritt voraus. Von den 29 Unternehmen konnte keines der besten Kategorie „Im Laufschritt voraus“ zugeordnet werden. Die Marken El Naturalista, Eurosko und Adidas schafften es zumindest in die zweitbeste Kategorie. Bei den in Österreich ansässigen Unternehmen schnitt die Firma Legero am besten ab, die mit ihrem Think! Chilli Schnürer einen Schuh mit dem Österreichischen Umweltzeichen im Angebot hat.

„Transparenz in der Zulieferkette ist bei Schuhunternehmen noch eine Seltenheit“, analysiert Elisabeth Schinzel. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in Europa lieferten Information über ihre Maßnahmen für faire Arbeitsbedingungen. „Konsumentinnen und Konsumenten haben einfach kaum eine Chance, sich für einen nachhaltig produzierten Schuh zu entscheiden, da die Hersteller und Händler einfach kaum Informationen veröffentlichen“, erläutert Schinzel das Problem für die KonsumentInnen und meint weiter „Wir hoffen aber mit dieser ersten Bewertung, Firmen dazu motivieren zu können, Konsumenten und Konsumentinnen besser über die Herstellung ihrer Schuhe zu informieren, denn für viele Konsumenten zählen auch die ‚inneren Werte‘.“

Aber eine Anmerkung hätt ich da schon: Birkenstock produziert eigenen Aussagen zufolge den Großteil seiner Schuhe an eigenen Standorten in Deutschland. Gut, rückmelden hätten sie sich schon können, aber ich find die in dem Ranking ein bissl unfair bewertet. Dafür fehlt mir Tamaris mit seiner teuren Werbekampagne und den Kampfpreisen in der Liste. 

Grafik_bersichtFirmenbewertung_Source_TramplingWorkersRightsUnderfoot

aktualisiert auf Hinweis der AK OÖ:

Faire_Schuhe_Grafik

3 Gedanken zu „Schuhe. Europa. Nicht ok.

  1. Tanja sagt:

    Was ist mit Waldviertler? Die wurden wohl nicht gefragt… soweit ich weiß produzieren sie in Österreich und wollen dafür sorgen, daß die heimische Schuhindustrie erhalten bleibt, bilden auch aus. Aber sie sind halt nicht sehr groß.

    • Hanna sagt:

      Die sind eh auch auf der zweiten Liste angeführt. Haben sich anscheinend ebenfalls nicht zurück gemeldet. Hätte mich auch sehr interessiert, wie sie eingestuft worden wären.

  2. Luna sagt:

    Waldviertler produzieren schon länger teilweise in den angrenzenden Nachbarstaaten, allerdings zu fairen Konditionen.

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