Der Plastikstrand oder: Wie wir uns selbst vergiften.

Was ich heute gesehen habe, wird mich wohl noch lange verfolgen. Überschattet davon, was derzeit auf der Welt so passiert und von ziemlichem Schlafmangel war meine Laune sowieso schon eher mau, als wir zur sogenannten Freedom Insel am Rand von Manila fuhren. Diese Freedom Insel war mal ein Naherholungsgebiet, schöne Strände, wunderbare und fürs Ökosystem lebenswichtige Mangrovenwälder. In Manila gibt es das Sprichwort, dass die Stadt zwei Flughäfen hat, einen für die Menschen, den anderen – Freedom Island – für die vielen Zugvögel, die auf ihrer Reise in den Süden hier Station machen. Doch die Strömungen, kommend von der Manila Bay, hatten da was dagegen. Was ich dort sah, brachte mich zum Heulen.

Unglaublich viel Mist, und so gut wie ALLES aus Plastik. Unzählige Verpackungen, Strohhalme, Plastiksackerl in unterschiedlichen Stadien der Verwesung. Neben mir sagte dann plötzlich der Kampagnendirektor von Story of Stuff: „Ach, ich bin jetzt das dritte Jahr hier, und es ist schon viel besser geworden, damals stand man bis zur Brust in Plastiksackerln.“

Ich habe lange überlegt, welche Bilder ich posten soll. Und hab mich dann für ALLE entschieden. Vielleicht erregt die Masse der Bilder bei euch den gleichen Impact, den die Livebilder auf mich hatten. Es war wirklich, wirklich hart.

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Viel besser? Das Problem ist ein endloses: Die bewunderswerten freiwilligen Helfer können ihr Leben lang Müll sortieren, es wird immer neuer nachkommen, wenn die asiatischen Länder nicht ihre Abfallwirtschaft in den Griff bekommen und wir weltweit nicht beginnen, über unseren Konsum von Plastikprodukten nachzudenken. Denn das, was wir hier sehen, ist auch in unsichtbarer Form eine Gefahr. In dreihundert bis vierhundert Jahren zersetzt sich beispielsweise ein Plastiksackerl bis runter zu Nanogröße, das Plastik ist aber immer noch da und geht nie ganz weg. Im Gegenteil, in dieser Nanogröße ist es sogar noch gefährlicher für uns als das, was ich heute auf diesem Strand gesehen habe.

Ich habe im Bus noch lange darüber nachgedacht, wer für diese Katastrophe eigentlich verantwortlich ist. Und dass dieser Strand nur ein minifurzkleiner Teil des Gesamtproblems ist, in unseren Ozeanen schwimmen ganze Plastikinseln, so groß wie Russland und größer.

Nein, ich kann nicht diese Bilder zeigen und sagen: Das sind wir. Wir in Europa sind das nicht. Diese Bilder können aufgrund massiver Misswirtschaft und einer komplett anderen Mentalität in Sachen Umweltschutz in den asiatischen Ländern entstehen. Andererseits sind das aber dann doch auch wir, da auch wir in Mitteleuropa Teil dieser Wegwerfgesellschaft sind. Wir kaufen Fertigprodukte in Plastik verpackt, transportieren sie im verknoteten Plastiksackerl heim, reißen das Sackerl zuhause auf und verschwenden in dem Moment, in dem wir die Verpackung in den Müll werfen, nicht mehr einen einzigen Gedanken daran. Ja, in Österreich und Deutschland und auch in anderen Ländern gibt es ein Deponieverbot, es wird so gut wie alles verbrannt oder recyclet. Dennoch: Wir sind Teil dieser Kultur. Und das darf so nicht weitergehen.

Was mir besonders auffiel an diesem Strand: Unmengen an Plastikschuhen.

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Nein, dieser Beitrag ist immer noch nicht vorbei: Nach den Schockbildern am Strand machten wir eine Tour in das Naturschutzgebiet direkt dahinter – das massivst in Gefahr ist. Abgesehen von er Tatsache, dass ich glaub ich wohl noch nie so geschwitzt habe wie in diesen feuchten, dampfenden Mangrovenwäldern: Dieses Paradies zerstören wir gerade im Eiltempo. Und mit ihm die Fauna und Flora, die Lebensgrundlage von uns selbst. Wir machen uns durch diesen unreflektieren Konsum unsere Welt selbst kaputt. Es graust mir vor uns. Wir ruinieren diesen Planeten. War ich früher plastikkritisch und hab mir aber doch regelmäßig meine Heidel- und Himbeeren im Plastikbecher gekauft, bin ich jetzt definitiv noch strenger. Mit mir selbst. Man kann nämlich nur bei sich selbst anfangen.

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15 Gedanken zu „Der Plastikstrand oder: Wie wir uns selbst vergiften.

  1. zauberweib sagt:

    „Gefällt mir“ stimmt zwar _so_ nicht in dem Fall, aber es ist ein sehr wichtiger Artikel – vor allem die Bilder zeigen drastisch, dass es eben _doch_ auf _jede_ Plastiktüte ankommt. Und wie du selber ja auch sagst – es ist leider nur die Spitze des Eisbergs. Wird höchste (!) Zeit, dass die Menschheit endlich zur Vernunft kommt!

  2. Lisa sagt:

    Wow. Ich bin echt nicht öko oder Bio oder sonst irgendwas aber ich mache mir schon seit einiger Zeit Gedanken über meinen Plastik Verbrauch. Jetzt werde ich mir wohl noch mehr Gedanken machen. …
    Toller Beitrag!

  3. Vielen Dank für diesen sehr traurigen, aber mega wichtigen Beitrag! Hab heut schon zog Menschen deine Fotos gezeigt – alle waren entsetzt. Ich hoffe, das sie sie auch dazu bringen, über ihr Konsumverhalten nachzudenken und es auch zu ändern.

    LG Sabrina

  4. christiane sagt:

    beschämend, den dreck hier zu sehen. wahnsinn. frozen-flip-flop… all dieses plastik…

  5. Hat dies auf lebendig werden … rebloggt und kommentierte:
    Off topic?

    Ufert es aus, wenn ich es als Gewalt gegen mich/uns selbst bezeichne, die wir eben auch vererbt bekamen, wie wir unsere Natur und damit auch uns selbst vergiften?

    Dieser Beitrag trifft mich tief, weil ich wohl in letzter Zeit immer mehr über Zero Waste lese und dachte, o.k. ich hab andere Sorgen. Ich kann mich ja nicht um alles kümmern.

    Das Zitat von Thodor W. Adorno

    „Es gibt kein richtiges Leben im falschen!“,

    gilt wohl auch in diesem Fall. Kann ich glücklich werden und heilen, wenn ich nicht über jene Probleme hinausgehe, die mein Leben so bestimmten, aber ich glücklicherweise so weit genesen zu sein scheine, dass ich Kraft für den Blick über meinen eigenen Tellerrad habe.

    Wo beginnt die als Kinder gelernte Gewalt gegen uns selbst und wo hört sie auf?

    Ich möchte hier niemals Vergewaltigungen gegen Kinder und Folter beschönigen. Niemals! Dazu weiß ich zu genau, wie groß das Leid ist – über Jahrzehnte, vielleicht lebenslang. Aber ich frage mich, ginge diese Gewalt in einer Welt, in der die Menschheit die Natur und letztendlich sich selbst liebt und respektiert? Ist es nicht ein globales System der Gewalt, das in einander greift und Übergriffe gegen andere Wesen (Menschen, Tiere, Pflanzen, Ökosystem) so erst ermöglicht?

  6. Vielen Dank für`s Teilen Deiner Eindrücke …

    … und das wichtige Erinnern, dass Plastik auch nicht nach 400 oder 500 Jahren weg ist, sondern weiter und weiter da, wenn auch in Nanogröße (dieser Fakt wird so oft vergessen ) …

    … und auch wenn wir recyceln oder verbrennen oder … wiewiel Müll wird auch um uns herum einfach in die Gegend geworfen … völlig gedankenlos …

    … aus verschiedenen Reportagen weiß ich, dass auch an den deutschen Küsten durchaus ein „Plastikproblem“ besteht … nur wird hier oftmals der Strand (noch) regelmäßig gesäubert, denn welcher Urlauber will das schon gern sehen …

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

  7. Rabin sagt:

    Da rollen sich einem wirklich die Nägel. Trotzdem oder gerade deswegen danke für`s Zeigen.Selbst wenn man schon um die wahnsinnige Plastikverschwendung, Plastikinseln, Nanoteilchen etc. Bescheid weiß – eine Ahnung macht man sich trotz aller Artikel von Campact, etc nicht – geht gar nicht. Es geht weit über jedes Vorstellungsvermögen hinaus! Deswegen sind Bilder immer noch die beste Weise, sich etwas begreiflich zu machen.

  8. Uta sagt:

    Die Bilder wirken… mir fehlen erst mal die Worte, danke fürs zeigen

  9. […] 1. Im Brief in der letzten Woche hatte ich es schon geschrieben: Plastiktüten sind – egal wie man es dreht und wendet – einfach nicht gut. Auch nicht, wenn man sie mehrfach benutzt. Welchen Schaden Plastik anrichten kann, hat Nunu auf ihrem Blog diese Woche sehr anschaulich dokumentiert: Mit Bildern aus Manila. […]

  10. Renate sagt:

    Am Ende v Nachrichtensendungen … Taeglich… Auf Titelseite jeder Tageszeitung… Da gehoeren diese Fotos hin, denke ich … Ob’s hilft wird sich zeigen … Es dauert ca 100 Jahre bis eine Plastiktuete sich endgueltig „aufloest“ … Sagt man …

  11. Es fällt mir schwer, mich für diesen schockierenden Beitrag zu bedanken… Trotzdem ist er wichtig und es gehört auch viel Mut dazu, diese Bilder zu posten. Danke für Deinen Mut.

    Ich glaube übrigens nicht mehr daran, dass irgendeiner an den Hebeln der Macht – ob Politik oder Wirtschaft – ein Interesse hat, den Wahnsinn zu stoppen.
    Die Wissenschaft ist doch eh dabei, den Erdlingen (den großkopferten jedenfalls) irgendwann eine Evakuierung auf einen fernen Planeten zu ermöglichen, denn die Klimaveränderung läßt sich auch durch noch soviel Umweltschutz nicht aufhalten.
    Ich will hier der Umweltsauerei nicht den Freifahrtschein erteilen – im Gegenteil, aber was die Erde in ihrer Entwicklung erlebt hat – denkt doch nur daran: Wo heute die Alpen sind, war einmal ein Meer. – und erleben wird, kann von Menschenhand nicht beeinflusst werden.

  12. Mir fehlen die Worte bei diesen Bildern!
    Liebe Gruesse Monika

  13. […] Und dann sehe ich wieder Bilder von zugemüllten Stränden, wie die von Nunette, die in ihrem Blog Bilder vom Strand in Manila zeigt. Das schockiert mich sehr! Zeigt mir aber gleichzeitig, wie wichtig es doch ist, Bewusstsein […]

  14. Melanie sagt:

    Ich bin sehr, sehr traurig über das, was ich da sehe. Es müsste viel mehr publik gemacht werden und zum umdenken aller appelliert werden. Das ist das Ergebnis unserer Konsumwelt und mehr als beschämend…

  15. […] Ich mag halt Plastik nicht. Gar nicht. Auf der Haut schon überhaupt nicht. Ich mag keine reinen Polyesterprodukte (da schwitzt man eh nur wie Sau drin), ich mag keine Sommerschuhe aus Plastik, weil mir einfach davor graust, dass die ganzen Chemikalien und Weichmacher im Plastik direkt auf meiner Haut sind (auch wenn die meisten der in Europa erhältlichen Produkte chemikalientechnisch unter den Grenzwerten liegen. Wobei, Fake-Crocs im Ein-Euro-Shop würde ich nienienienienienienienienienie anziehen. NIE!). Und übrigens: Wer Plastikschuhe als veganes Leder bezeichnet und damit glaubt, Umweltschutz zu betreiben, sollte sich dringend brausen gehen. Plastik ist eine der schlimmsten Umweltgefahren überhaupt. […]

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