Bitte pfeifts auf den Sale.

Ich hab momentan ein bisschen Tagesfreizeit und bin letztens mal wieder die Mariahilfer Straße runterspaziert. Überall geht bereits der Ausverkauf los.

Ich rede auf einem Geburtstagsfest einer Kollegin mit einer mir unbekannten Freundin von ihr, die meint, meinen Blog gelesen zu haben, das Thema fände sie spannend und sie schaut auch auf ihren eigenen Konsum, aber beim Ausverkauf kann sie noch nicht widerstehen.

Online blinken mich auf Facebook und sonstwo Werbungen an (ich gebe zu, ich hab keinen Ad-Blocker installiert) und überall sehe ich durchgestrichene „vorher“-Preise.

Eine gute Gelegenheit, wieder ein paar Informationen auf diesen Blog zu stellen:

  1. Vorher-Preise bei großen Ketten sind illusorisch. Gutes Beispiel: Ich habe letztens ein Sofa gekauft. Neu, weil willhaben mich stilistisch echt im Stich lassen hat diesmal. War ein leicht lädiertes Ausstellungsstück vom Leiner. Ein Nicht-Lädiertes stand ein paar Meter weiter, ausgeschrieben mit 350 Euro. Am Zettel vom Ausstellungsstück stand „140 statt 500 Euro!“ Als ich den Verkäufer fragte, was da los sei, warum da 500 und am gleichen neuen Sofa ein paar Meter weiter 350 steht, meinte er: „Die 500 sind der vom Produzenten vorgeschlagene Verkaufspreis.“ Als ich meinte, dass sie aber schon ziemliche Ferkeln sind, beim Ausstellungsstück den vorgeschlagenen Originalpreis hinzugeben, während genau fünf Meter weiter ein neues Teil um einen geringeren Preis steht, kam nur ein lapidares „Wir dürfen das.“ Und Modehändler „dürfen“ das auch. Die vertikalen überhaupt, die können selbst beliebig die „Vorher“-Preise festsetzen, damit wir ja glauben, wir haben ein super Geschäft gemacht.
  2. Warum das geht? Weil die betreffende Kleidung oft niemals „vorher“ zum „Originalpreis“ im Laden gehangen ist. Für den Ausverkauf werden inzwischen bei fast allen Fast Fashion Herstellern EIGENE KOLLEKTIONEN ENTWORFEN. Die es eben direkt nur im Ausverkauf gibt, aber dafür in allen Größen. Oder habt ihr euch noch nie gewundert, warum der Textilschwede im Winterausverkauf Fleecejacken und im Sommer Tops immer in allen Größen UND Farben da hängen hat?
  3. Beim Ausverkauf geht ein wunderbarer biochemischer Prozess im Gehirn los: Man ist nicht spezifisch auf der Suche nach einem Teil, aber man findet einen recht hübschen Rock, der plötzlich nur noch zehn statt fünfzig Euro kostet, man denkt sich: „Vierzig Euro gespart!“ – und es regnet einem das Adrenalin ins Hirn. Es ist aufregend, weil man glaubt, man hat ein besonders gutes Geschäft gemacht. Im Endeffekt hat man aber einfach nur 10 Euro für ein Teil ausgegeben, von dem man vor fünf Minuten noch nicht mal wusste, dass man es braucht. Dank Biochemie aber: Ein wunderbarer Kick.
  4. Bittebitte pfeifts doch auf Ausverkaufs-Shoppingtouren. Die Wahrscheinlichkeit, dass genau diese Sachen zu Schrankleichen werden, ist ungleich höher als bei Kleidung, die ihr euch gekauft habt, als sie euch den „Originalpreis“ wert war.

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PS: Gilt für große Fast Fashion Ketten. Bei kleinen, inhabergeführten Boutiquen, die faire Mode verkaufen, geht es darum, Lagerplatz zu schaffen für neue Ware/neue Saisonen. Was ja der eigentliche SINN von Ausverkauf ist. Doch diejenigen, die dich mit leuchtendroten SALE-Buchstaben anschreien, denen würd ich nicht zwingend vertrauen….

4 Gedanken zu „Bitte pfeifts auf den Sale.

  1. leichtundroh sagt:

    Danke. So sehe ich das auch. Erstens ist es immer Preisverarsche, zweitens braucht man es doch sowieso nicht, wenn man in den eigenen Schrank schaut.
    Bei kleinen Läden ist es in der Tat was anderes. Ob man das dann trotzdem braucht sei mal so dahin gestellt.

  2. blaupause7 sagt:

    Das mit den Vorher-Nachher-Preisen hat mein Papa zu meiner Teenie-Zeit schon Beschiß genannt – Mondpreise, mit denen die Kundschaft angelockt und hinters Licht geführt wird – danke, dass Du es noch einmal anschaulich erklärt hast.

  3. […] effektiv das Geld aus der Tasche zu ziehen, ohne dass du es merkst. Mehr dazu kannst du auf ichkaufnix.com […]

  4. kolrabi sagt:

    Der Fakt, dass es extra eine Kollektion Ausverkauf gibt, knallt grad mega rein – auch wenn ich nur mehr Bummlerin beim Textilschweden bin. (Mir passt figurtechnisch nix, außer aus der Männerabteilung oder wenns schon getragen wurde. Eigentlich lustig)

    Ganz „amüsant“ finde ich es ja, wenn bei höherpreisigen Geschäften Sale ist – da kostet dann eine Hose statt 325 Euro grad mal 50 Euro. Vorher hätt ich also nur für den Namen gezahlt. Uäh. Ganz grauslich.

    Ich hab schon etwas im Sale gekauft diesmal, ein neues Lieblingskleid – aber ich werde es auch definitiv im Winter tragen.
    Ansonsten hab ich eh kein Geld dafür und das ist mir eigentlich ganz recht.

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