Fashion Revolution: Warum nix besser geworden ist

Am Dienstag ist es mal wieder so weit: Es ist Fashion Revolution Day: Vor fünf Jahren stürzte die mehrstöckige Textilfabrik außerhalb von Dhaka in sich zusammen, über 1300 Menschen starben, über 2500 wurden verletzt.

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Damals gab es dann – mir viiiiiiiel Schubsen und Druck von diversen NGOs und Gewerkschaften – einerseits Zahlungen der dort produzierenden Firmen in einen Topf für die Hinterbliebenen, andererseits ein Brandschutzabkommen zur Erhöhung der Sicherheit in den Fabriken. Abgesehen davon (und selbst das war kein Happy End, denn ohne Totenschein konnte man keine Entschädigung beantraten, und sehr viele Leichen wurden nicht identifiziert) wurde aber genau nichts besser.

Im Gegenteil, es wurde schlimmer. Ein Artikel von Elizabeth L. Cline in der L.A.Times bringt es auf den Punkt: H&M ist zwar in der Krise, Fast Fashion im Allgemeinen geht es jedoch leider wirklich blendend. Cline hat wie immer fantastisch ausführlich die Zahlen für die USA recherchiert, doch ich trau mich wetten, dass Europa da nicht mehr weit dahinter ist:

„Clothing purchases dipped during the Great Recession, but by 2015 U.S. shoppers had returned to almost pre-recession peak. That year we bought on average more than 68 garments and eight pairs of shoes — more than any other nation. (The average price? Just $19.) Retail industry analysts lament that this number of purchases isn’t growing, but perhaps we have nowhere left to stuff another sweater. Our closets, charity shops and landfills are overflowing with last season’s fads.“

Das ist mal wieder so eine Zahl, die mich nachhaltig aus den Socken geworfen hat: 2015 hat die Textilproduktion mehr CO2 ausgespuckt als alle internationalen Flüge (von den USA aus, nehm ich mal an). Wenn man weiß, wie extrem viel CO2 ein einziger Flieger von sich gibt, dann ist das echt die Härte:

In 2015, greenhouse gas emissions from global textile production outstripped those of all international flights. And clothing waste generated in the United States has doubled in 15 years.

Und weils immer NOCH schneller werden muss (H&M, Erfinder von Fast Fashion, hat den Übergang ins Onlinegeschäft verschlafen, meint Cline, während andere Brands voll drauf setzen und damit höchst erfolgreich sind – zum ganzen Artikel gehts übrigens hier), werden die Zustände immer schlechter:

While safety is improving, real wages are in decline and forced overtime is on the rise according to the report by Penn State’s Center for Global Workers‘ Rights. Factories are under increasing pressure by brands to speed up production and lower prices.

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Das Fazit ist nüchtern:

„Don’t be fooled into thinking that if H&M fails, fast fashion will soon follow. The fashion industry isn’t slowing down. Alas, it’s still speeding up and its toll on workers and the environment grows by the day.“

Also: Nur weils dem Textilschweden grad nicht wirklich blendend geht, heißt das nicht, dass ab jetzt nach und nach alle anderen Hersteller auch in die Krise geraten und Fast Fashion zu Slow Fashion wird. Nö, es wird sogar zu Faster Fashion, mit all seinen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt.

Warum ich darauf hinweise? Weil wir nicht aufgeben dürfen. Weil es leiderleider wirklich bei uns KonsumentInnen liegt, ein klares Zeichen gegen Fast Fashion zu setzen. Und weil wir uns nicht denken dürfen, dass in den Jahren, seit das ganze Thema wirklich in den Mainstreammedien angekommen ist, bereits einiges besser geworden ist.

Nein, ist es nicht. Wir müssen stur bleiben. Für eine echte Fashion Revolution. Das fängt bei kleinen Schritten an. Per Greenpeace hab ich heute ein paar Tipps  für einen nachhaltigen Kleiderschrank zusammengestellt, die man ausführlicher auch im neuen Textilgütesiegelguide nachlesen kann. Es sind nur kleine Schritte, aber wir können sie alle gemeinsam in die richtige Richtung gehen. Oder ums weniger pathetisch zu formulieren: Tauschts eure Sachen, das macht echt Spaß!

2 Gedanken zu „Fashion Revolution: Warum nix besser geworden ist

  1. portapatetcormagis sagt:

    Ich kaufe Oberbekleidung aus Prinzip nur Second Hand.
    Wenn ich sehe, welche Auswahl ich da habe! Zum Teil auch nagelneue Sachen noch mit Etikett dran.
    Einerseits freut mich das natürlich für mich persönlich. Andererseits ist das aber ganz schön erschreckend.

  2. Agnes Lugmayr sagt:

    Danke Nunu, für deine klare und kompakte Aufarbeitung,

    und die Aussage, dass wir weiter dran bleiben müssen: am bewussten und minimalen Konsum von Luxusgütern.

    Mit lieben Grüßen, deine Mitstreiterin Agnes

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