Ohrenschlackern gefällig? Selbige hab ich nämlich gewaltig angelegt, als ich den Greenpeace-Bericht „Giftige Garne“ las. Die NGO-Kollegen kauften in 29 Ländern 141 Kleidungsstücke und testeten sie auf Nonylphenolethoxilate (böse) und Phthalate (sehr böse). NPE wandelt sich nämlich im Abbau zu NP ab, einer giftigen, hormonell aktiven und persistenten Chemikalie. Die in der von Greenpeace getesteten Kleidung gefunden Phthalate – Weichmacher – gelten laut europäischer Chemikalienverordnung als „sehr gefährlich“ – und wenn bereits eine Behörde das sagt, dann hats das in sich.
Und jetzt kommt der Oberschmäh: Ein getestetes Shirt bestand zu 37,6% aus Phthalaten. Mehr als ein Drittel des Gesamtgewichts eines Shirts besteht aus sehr gefährlicher Chemie. Absurd, oder?
Und damits wirklich schlackert: Das Shirt war erstens von Tommy Hilfiger – haha, immer noch der Meinung, dass teurer gleich besser ist? – und zweitens in Österreich gekauft.
Ich hab den Report gestern zum Glück nach dem Abendessen fertiggelesen. Neben der Giftshirtstory bleibt man auch bei kleinen Nebensätzen hängen:
…hat Greenpeace mal wieder Outdoorkleidung auf Schadstoffbelastungen getestet. Das Ergebnis ist mal wieder recht grauslich. Mal wieder.
Kleiner Vorgeschmack gefällig?
Getestet wurden 14 Outdoor-Textilien, darunter auch zwei in Österreich gekaufte Kinderjacken der Marken Northland und Seven Summits. Die untersuchten Jacken und Hosen enthalten einen erschreckenden Chemie-Cocktail. In jedem Produkt konnten hormonell wirksame Stoffe nachgewiesen werden. Diese Substanzen können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib schädigen. Sie sind so langlebig, dass sie sogar schon im Blut von Neugeborenen oder in der Muttermilch nachgewiesen werden konnten.
…
Per- und polyfluorierte Chemikalien sind chemische Verbindun gen, in denen die Wasserstoffatome am Kohlenstoffgerüst vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt wurden. Die künstlichen Bindungen aus Kohlenstoff und Fluor kommen in der Natur nicht vor und sind so stabil, dass sie sich kaum oder gar nicht mehr aus der Umwelt entfernen lassen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass diese Chemikalien mittlerweile weltweit nachgewiesen werden: vom Schnee in den Alpen bis in die Tiefsee. Auch Blut von arktischen Eisbären und Dung von Pinguinen aus Feuerland ist mit PFC belastet.
Mahlzeit. Hier gehts zum kompletten Report.
Meistens schreib ich ja über die sozialen Grauslichkeiten, die bei der Kleidungsproduktion so abgehen. Aber natürlich gibts da auch noch die ökologischen. Kleine Zusammenfassung gefällig? Bitteschön. Der ZDF war mit der von mir sehr bewunderten Kirsten Brodde mal auf Einkaufstour…
Großen Respekt (und aus beruflicher Sicht auch ein bissl Neid 🙂 ) an Greenpeace für diese wirklich coole Kampagne.
Und übrigens: Auf den alten Apothekerschrank bei Minute 23.30 bin ich wirklich neidig. Wobei ich eh genau gar keinen Platz mehr dafür hätte…. Auf dem Schrank oder in der Nähe des Schranks oder so ist übrigens wahrscheinlich dieses anfängliche Wunsch-Shirt von mir entstanden… Feines Label, diese Slowmos!
Nur so nebenbei, falls das miese Wetter wiederkommt – und ich will da nix verschreien, das Gewitter letzten Samstag im Salzkammergut hat mir echt gereicht…. Gift in Regenmänteln – auch so eine Sache, über die ich noch nie wirklich nachgedacht habe, dabei liegt es sowas von auf der Hand, dass das Zeug echt nicht gut sein kann….
Vorsicht vor giftigen Chemikalien!
Mit dem Herbst beginnt für Kinder die Saison der Regenjacken, Gummistiefel
und Matschhosen. Denn warme und trockene Kleider sind bei nasskaltem
Wetter die beste Vorsorge gegen Krankheiten.
Regenbekleidung kann jedoch der Gesundheit und der Umwelt schaden, wenn
sie giftige Stoffe enthält. Bei Tests enthielten einige Regenjacken so
viele giftige Chemikalien, dass sie eigentlich als Sondermüll
gekennzeichnet werden müssten. Sehr verbreitet sind zum Beispiel
zinnorganische Verbindungen, die die feuchten Jacken vor Schimmel schützen
sollen. Diese Schadstoffe haben eine hormonelle Wirkung.
Auch Weichmacher und polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) verstecken
sich häufig in Regensachen. Diese Chemikalien können durch Schwitzen und
Reibung freigesetzt werden. PAK sind krebserregend, Weichmacher können das
empfindliche Hormonsystem des Menschen aus dem Gleichgewicht bringen. Für
die Umwelt stellen sie ein großes Problem dar.
Regenbekleidung besteht häufig aus giftigem PVC. Der BUND empfiehlt
Produkte aus gewachster Baumwolle oder aus unschädlicheren Materialien wie
Polyethylen oder Polyester. Bei Gummistiefeln ist man mit Produkten aus
Naturkautschuk auf der sicheren Seite. Übrigens: Kinder sollten die
Stiefel nie barfuß anziehen. Socken aus reiner Wolle vermindern die
Schadstoffaufnahme und halten die Füße trocken. Ökologisch unbedenkliche
Kleidung gibt es im gut sortierten Fachhandel sowie in Öko-Versandhäusern.
Weitere Informationen unter www.oekotest.de, Stichwort: „Regenjacke“.
Die BUND-Ökotipps sind kostenlos zum Abdruck freigegeben. Der BUND muss
als Quelle erkennbar sein.
Flipflops aus Plastik – ich hab Unmengen davon. Gabs mal bei Old Navy in New York um zwei Dollar das Paar. Das besondere: Sie sind einfärbig. Keine Muster, Blümchen, gar nix drauf. Herrlich. Ich besitze sie in schwarz, braun, pink, weiß, grün. Hab mir schon länger gedacht, dass sie nicht gut sein können – vor allem, wenn ich drin schwitze. Dennoch trag ich seit locker 10 Jahren gerne Plastikflipflops. Sie sind im Zweifels (=36Grad)-Fall einfach superbequem und zum Badengehen auch genial.
Und jetzt bin ich gewaltig gestresst, weil ich bei Wiki über einen einzelnen Absatz gestolpert bin:
Flipflops werden aus Kunststoffen (PVC/PVDC/chlorierten Kunststoffen) hergestellt. Um diese normalerweise harten und spröden Materialien weich und biegsam zu machen, werden ihnen Weichmacher zugesetzt. Wie die Zeitschrift Öko-Test feststellte, können bestimmte Weichmacher durch Schweiß gelöst werden, durch die Haut in den Körper gelangen und dort die Leber, die Nieren sowie das Hormon- und Immunsystem schädigen.
Das bedeutet, ich sollte dieses Plastikzeugs nie wieder anziehen. Aber im Sommer halt ich es in was anderem als Flipflops oft nicht aus – und ich habe noch nie ein Paar Lederflipflops oder Stoffflipflops gefunden, die mir gefallen UND gepasst hätten (Stichwort Quadratlatschen mit hohem Rist…)
Was mach ich jetzt im Sommer?! Meine alten Sandalen zerfallen, die Espandrillos sind schon zerrissen, die Birkenstocks sind für mein Fußbett kontraproduktiv, in den Ballerinas schwitz ich wie Sau (ach ja, DAS war das Problem an den schwarzen Ballerinas…), und den ganzen Sommer über Converse pack ich nicht.
Watt nun?
Ich glaube, ich hab grad den ersten wirklichen Vorteil meiner Menge an Kleidung vom Kleiderschweden und sonstigen Anbietern herausgefunden – und jetzt nicht lachen bitte: Ich muss extrem selten waschen. Seit ich mit 19 von zuhause aus und in unmittelbare Nähe zur Mariahilferstraße zog, führte ich die Politik „Alles schmutzig? Nachkaufen“ ein. Statt Sockenwaschen gabs einen neuen Fünferpack um sieben Euro. Selbiges bei Unterhosen. Und ganz ehrlich? Diese Verhaltensweise hat erst kurz vor Beginn des Boykotts geendet. Erstens, weil ich die Socken dann einfach meinem Freund aus der Lade mops(t)e, zweitens, weil ich auch ohne Nachkauf locker durch geschätzte sechs Wochen komme.
Ja, ich weiß, aus mir sprudelts grad gewaltig opportunistisch heraus (und ja, ich weiß, dass mich die Tatsache des wenig Waschens fußabdrucktechnisch nicht wirklich rausreisst), aber andererseits ist das grad ein guter Moment, um diese gruselige Kampagne nochmal vorzustellen (gruselig aufgrund der Tatsachen, nicht aufgrund der Kampagne selbst): Schmutzige Wäsche von Greenpeace. Da kann man sowohl über die komplette Vergiftung chinesischer Flüsse durch die Textilindustrie lesen, als auch mehr darüber erfahren, welche doch ziemlich bedenklichen Chemikalien beim ersten Waschen in unseren Waschmaschinen in unseren Abwässern landen.
Ganz ehrlich, ich hab mir nicht alles durchgelesen – schon bei den Zusammenfassungen wurde mir schlecht. Ich hab in letzter Zeit irgendwie Schiss, dass doch nur noch das Feigenblatt übrigbleibt, und da fehlt mir dann doch die Figur dazu.
Ps: Martin meldet, dass beide Links nicht gehen. Ich kann Sie derzeit nicht korrigieren, da unterwegs und nur per Handy im Netz, aber geht doch einfach auf die Homepage von Greenpeace Österreich und sucht dort nach „schmutzige waesche“. Sorry für die Umstände! Schönen Feiertag!
Und wiedermal schlägt die Wahrheit der Verdrängung einen rechten Haken ins Gesicht. Bin gestern über diesen Bericht gestolpert. Ja, es ist keine Überraschung, dass es auf Lederfarmen so zugeht. Wir alle haben Lederschuhe (ok, Hella, fast alle…) – es sind Bekleidungsgegenstände, die aus den Kleiderkästen der Menschen kaum wegzudenken sind. Ich kann mich natürlich für den Gedanken erwärmen, darauf zu verzichten – ich mag Lederschuhe und -jacken, zugegeben. Wenn ich nicht darüber nachdenke, aus was sie gemacht sind.
Ich trage oft auch Alternativen zu Lederschuhen. Dazu gehören bei mir sechs Paar Chucks, von superverlatscht über bissl zu klein bis hin zu selbstdesignt. Doch auch von den Produktionsstätten von Converse liest man nichts gutes. Außerdem glaube ich, dass bei dieser massiven Plastik/Gummi-Produktion sich die die Fabriken umgebende Umwelt auch nicht wirklich freut. Oder die optische Seuche namens Crocs – die meisten der Billigkopien haben sehr hohe Schadstoffrückstände im Material..und Crocs-artige Schuhe trägt man bekanntlicherweise ja meist barfuß….
Es gibt Alternativen. Es gibt vegane Schuhe, die gar nicht mal so sehr nach Öko ausschauen wie gedacht. Es gibt Waldviertler – die mir persönlich aber dann doch wieder zu Öko ausschauen. Außerdem bin ich schlicht überfordert. Genauso, wie im Biogemüse der EHEC-Keim nachgewiesen wurde, im Biohendl die antibiotikaresistenten Keime, oder man auf dem Gemüse und Obst Spritzmittelrückstände hat, dass es einer Sau graust, oder Hühner in der Freilandhaltung kaum mehr Platz haben als solche in normaler Bodenhaltung, kann ich nicht wissen, was eigentlich bei der Produktion meiner Schuhe oder Kleider abgeht. Ich bin dem Produzenten im Grunde ausgeliefert.
Leute, ich bin überfordert. Was kann ich eigentlich noch anziehen, essen, trinken und ganz schlicht kaufen? Selbst wenn ich mich noch so bemühe, es wird immer etwas geben, das ich in sozialer oder ökologischer Hinsicht falsch mache. Ist es dann eine Lösung, auf gar keinen dieser Aspekte mehr zu achten, drauf zu pfeifen und einfach zu kaufen, was ich will? Schade ich damit nicht mir selbst am meisten (siehe „Schmutzige Wäsche“ von Greenpeace)? Oder soll ich aufs Land ziehen, in einem Hochbeet meine eigenen Karotten und Zucchini anbauen, fünf Hendln herumlaufen haben, meine Schuhe selbst herstellen, meine Kleidung aus selbst gewobenem Stoff selbst nähen, unbedingt noch ein paar Schafe haben – wegen des Käses und wegen der Wolle? Wo ist der Mittelweg, den ich gehen kann, ohne – vorsicht, ums Eck gedacht – mir dabei bewusst sein zu müssen, dass ich gerade verdränge?