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Der gordische Knoten

Auf Facebook hat sich gerade eine spannende Diskussion entwickelt, die ich gerne auch am Blog spiegeln würde. Ich habe den hervorragenden ORF.at-Artikel gepostet. User M.D. postete:

Wenn wir Konsumenten mit Kauf-Boykott von Kleidung aus Bangladesh reagieren, nehmen wir den Textil-ArbeiterInnen dort ihre einzige Verdienstmöglichkeit. Die Textilindustrie in Bangladesh erzielt nahezu 80% der Export-Einnahmen des Staates und bietet 4 Millionen ArbeiterInnen eine Arbeitsstelle mit geregeltem Einkommen am Ende des Monats. 80% dieser ArbeitnehmerInnen sind Frauen – Menschen, die in ihren Dörfern überhaupt keine Perspektiven vorfinden. Im Gegenteil: ohne die Möglichkeit, eigenes Geld in der Stadt zu verdienen, sehen sich Frauen mit früher Heirat (oft schon mit 12J) konfrontiert, was eine solide Ausbildung verhindert und den Wohlstand verhindert. Ausserdem unterstützen gerade diese jungen Frauen, die in der patriarchalen Gesellschaft Bangladeshs noch immer als ‚Bürde‘ betrachtet werden, ihre Familien finanziell, wodurch ihre Brüder und Schwestern die Schule besuchen können… Wir Konsumenten sollten Druck auf die Textil-Multis ausüben und sie zur Einhaltung ihrer Versprechungen zwingen, die arbeitsbedingungen ihrer Zulieferer verbessern zu wollen !!

Das Thema ist so ziemlich das Schwierigste in dem gesamten Bereich: Einerseits denke ich – ja, ich als Konsumentin kann jeden Tag frei wählen, und mir jeder Konsumtätigkeit von mir ein (politisches?) Statement setzen. Dieser Gedankenweg führt einen direkt in Richtung Boykott der konventionellen Massenmodeanbieter. Logisch. Aber andererseits ist da die Argumentation von M.D., die dem irgendwo entgegensteht. Ja, es ist besser für die Frauen, irgendeinen Job zu haben als gar keinen. Aber wir als KonsumentInnen haben die Verpflichtung, uns für mehr Sicherheit und bessere Bezahlung für die Näherinnen einzsuetzen. Nur scheitert zweitere Überlegung von mir immer wieder an der Realität: Wie viele von uns gehen wirklich zur Verkäuferin in der Filiale und sagen „Ich möchte bitte bessere Zustände für die Näherinnen, kaufe aber gleichzeitig jetzt mal den Unterhosensonderpack um 10 Euro“. Oder noch unrealistischer: Wie viele kontaktieren die relevanten Player im Konzern mit den Worten :“Ich bin euere Kundin, will aber, dass sich was ändert!“? Das ist leider bereits eine Hürde, und außerdem ein Widerspruch. So lange es den Konzernen finanziell einfach nicht weh tut, werden die auch nix an der Situation ändern, im Gegenteil (ich finde es ja immer noch sowas von einem unmoralischen PR-Zug vom Textilschweden, den CEO brav zur Ministerpräsidentin von Bangladesch zu schicken, damit er ihr sagt, sie soll bitte höhere Mindestlöhne und mehr SIcherheit und was weiß ich einführen, und gleichzeitig munter zum Mindestlohn in hunderten Fabriken vor Ort weiterzuproduzieren. Die Aktion hat nix gebracht außer ein Foto, das um die Welt gegangen ist, und gezeigt hat, „wie engagiert“ die schwedischen Habschis nicht sind. KOTZ.) Außerdem denk ich mir oft: Konzerne wie der Textilschwede, die verstehen nur Zahlen. Also: Gewinnrückgang, Umsatzrückgang. Hoffentlich verstehen sie auch Zahlen wie 390 (Tote des letzten Unglücks). Es ist einfach eine Krux – mein Ansatz einer Lösung: Die, die es sich leisten können, wirklich mehr in ihre Kleidung zu investieren, die sollen bitte Textilschwede und Co. boykottieren – es gibt so viele, die sich auch hier schlicht nix Teureres als Kik oder so leisten können. Aber jenen Menschen muss man klar machen, dass sie zwar weiter kaufen können, aber bitte Verantwortung übernehmen sollen. So, und wie kommuniziert man das jetzt öffentlich? Das teilt dann die KonsumentInnen hier in zwei Klassen, was ich schwachsinnig finde. Und sorry, die breite Masse ist nun mal nicht politisch und schon gar nicht engagiert. Die schreien nur auf, wennst ihnen ihr Schnitzel und ihr Billigshirt wegnimmst.

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Trauerspiel Bangladesch

Ich melde mich doch aus meiner selbstauferlegten Pause zurück – ich muss da einfach auch meinen Senf dazu geben: In Bangladesch ist inzwischen die höchste Opferzahl seit Jahren zu melden, und was da jetzt abgeht, bringt mich zum Kochen. Die ArbeiterInnen und Angehörigen sind wütend, sehr wütend. Sie verweigern die Arbeit und protestieren stattdessen – und in diesem Fall verstehe ich sogar, dass die Protest teilweise gewalttätig wurden. Ganz ehrlich, wie würdet ihr reagieren, wenn ihr um einen Hungerlohn arbeitet, wenn ihr die Fabrikschefs bereits letzte Woche auf die Risse in der Wand aufmerksam gemacht hattet, und ihr nun trotzdem nur verletzt aus den Trümmern geborgen werdet? Und viele eure Kollegen gleich mal tot? Ich wär da auch rasend, definitiv. Und bei solchen Sätzen wird mir ziemlich schlecht: Ein TV-Team des „Channel 24“ erzählte, dass die Retter sich oft nur kurz im Gebäude aufhalten könnten, da der Gestank der Toten bereits unerträglich sei.

Wie gesagt, ich verstehe, dass die Arbeiter jetzt mal auszucken, sie tun das völlig zu recht. Allerdings hoffe ich, dass sich das Blatt nicht bald gegen sie wendet. Hier geht es um sehr viel, nicht nur um einen Aufstand, der von der Polizei niedergeknüppelt werden muss, damit wieder „Friede“ herrscht. Die Idee der ArbeiterInnen, Fabriken anzuzünden, ist eine weniger gute. Die Idee, in einem Gewerkschaftszusammenschluss in Streik zu gehen, ist hingegen eine sehr gute, meiner Meinung nach (überhaupt ist das Tool „Streik“ viel zu unterbewertet finde ich… wobei, wenn der ÖGB das Budget für Streiks in der Karibik verspekuliert, dann bekommt die Sache Schlagseite. Aber das ist eine andere Geschichte).

Was mir gerade wenigstens ein bißchen Hoffnung gibt, dass die Situation sich vielleicht ein bißchen ändern könnte, sind die Reaktionen der Massenmedien und der InternetuserInnen. Dass ein solcher Gebäudeeinsturz und die Folgen weltweit so thematisiert werden, ist ein Zeichen, dass das Thema „angekommen“ ist, es ist im Journalistensprech „a Gschicht“. Es scheinen sich nun doch schon etwas mehr Leute Gedanken darüber zu machen, dass diese Produktionszustände für ihre neuen Frühlingsoutfits nicht so ganz fair sind.

Auf Standard.at heißt es zum Beispiel:

Das ist ein Wahnsinn, so sieht Wirtschaft und Frieden nicht aus!! Einfach unglaublich, warum unternehmen hier internationale Organisationen nichts?!? Wieviel unserer aller Kleidung wird unter solchen Umständen produziert??? Welche Konzerne und Interessen stehen dahinter? Gibt es auch fair produzierte Kleidung aus Indien, Bangladesh, Viet-nam…?!?
oder:
 ….und schauen sie sich bitte die wahlergebnisse an. die grünen fordern z.b. eine gerechtere und sozialere welt. werden sie gewählt? ES IST AUFGABE des Konsumenten, den Vertriebsweg jedes produkts zu hinterfragen. und es WÄRE möglich, wenn mehr konsumenten sich bei den firmen beschweren. drohen sie, die waren von unternehmen, die die herkunft ihrer produkte nicht dokumentieren können, nicht mehr zu kaufen.
oder:
warum gibt es hier kein neues EU-Gesetz, dass nur noch Importe von zertifizierten (nach arbeits-/sozial-rechtlich kontrollierten) Produzenten zulässt!?! Solange die europäischen Textilketten (vor allem die Diskonter..) immer nur bei den billigst produzierenden Fabriken kaufen – und damit diese ja auch weiter unterstützen!!- wird sich wohl kaum etwas ändern können. So wie bei diesem Unglück wird man halt einfach auf die nächste Billigfabrik ausweichen, an dem Elend der dort arbeitenden Frauen kann sich also gar nichts ändern!! Man muss also auf der Kundenseite reagieren, und wenn es die Einkäufer der Handelsorganisationen oder auch die Konsumenten selbst nicht schaffen bewusster einzukaufen müsste man also die entsprechenden Rahmenbedingungen dazu schaffen!? Und wenn dadurch vielleicht die Preise für Importe in die Höhe schießen sollten, wäre doch eine Produktion in Europa die beste Lösung!

Was meine Hoffnung dann doch wieder schmälert: In Wahrheit haben die doch alle nix zu melden. Wenn es nicht endlich zu einem Zusammenschluss der großen Textilkonzerne kommt, die gemeinsam für eine Verbesserung der Sicherheit und Bezahlung der Billiglohnarbeiter eintreten, wird nichts passieren außer der Zusicherung, dass künftig mehr Fabriken auditiert werden. Obwohl ich mich gerade sehr viel mit ISOs und sonstigen Richtlinien beschäftige: Die Sicherheitsrichtlinien sind genau zum in die Haare einmagarieren, da kommt nix raus außer einem Stempel auf einem Zertifikat. Die Konzerne müssen gemeinsam auftreten und sagen: „Leute, wir ALLE haben beschlossen, nur noch unter diesen Bedingungen Aufträge zu verteilen.“ Nur so kann es zu keiner Konkurrenzsituation kommen, bei der einer der Konzerne als Preisdrücker fungiert.

Wahrscheinlichkeit dessen? Zero. Null. Nada.

Aber man wird ja noch in Utopien schwelgen dürfen. In denen die Herstellung unserer Kleidung nicht so derartig viele Leichen als Nebenprodukt ergibt.

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Die nächsten 25 Toten in Bangladesch

Es ist mal wieder soweit. In Bangladesch ist in der Nähe der Hauptstadt Dhakar ein Fabriksgebäude eingestürzt. Seit Tagen gab es Panik aufgrund der Risse in den Wänden. Derzeit spricht man von 25 Toten, mindestens 100 Menschen werden noch in den Trümmern vermutet.

Edit: Ich hatte den Beitrag gerade fertig, da hieß es bereits, dass 85 Tote befürchtet werden.

Ist doch zum Kotzen, wie mit der Sicherheit der Menschen umgegangen wird. Wie kommen die dazu? Wir sprechen hier nicht von einem Land, in dem es den Leuten grundsätzlich gut geht und Textilarbeiterin halt ein Job von vielen ist, der einen über Wasser halten kann – nein, wir sprechen von einem Land, in dem sich viele Menschen trotz eines anstrengenden Jobs mit einem Stundenausmaß, bei dem ich zum Raunzen gar nicht mehr aufhören würde, kaum ihr Dach über dem Kopf und ihr Essen leisten können! Und dort wird für hier produziert. Für die Mädels, denen heute mal nach einem nudefarbenen Top zu puderfarbener Hose ist, und bitte um drei Euro noch einen Schal mit Blümchenmuster dazu, draußen scheint ja so schön die Sonne…

Inzwischen liefer ich meine Wutanfälle über die konventionelle Textilindustrie im Wochenrhytmus ab. Seit ich mich bewusst mit dem Thema beschäftige, sind in Pakistan 125 und in Bangladesch 325 (and counting) Menschen, die unsere Kleidung nähen, in den Fabriken gestorben. Ziemlicher Blutzoll, würd ich mal sagen.

In Pakistan hieß es: Aber die Fabrik war SA 8000 zertifiziert, die haben die Sicherheitsstandards eingehalten! Oh, dass sie versperrte Ausgänge und vergitterte Fenster hatten, das haben die Auditoren leider nicht gesehen.

Jetzt heißt es: Aber es gibt doch Bauvorschriften für mehrstöckige Gebäude! Ja, nur dass die in Bangladesch kaum jemand einhält – jeder Dollar, der mehr in den Fabriksbau fließt, macht die Aufträge teurer. Und das kann man sich ja nicht leisten, teurer produzieren, die Ware nimmt einem doch niemand ab, da bekommt man doch keine Aufträge der großen Textilunternehmen! Na da bauen wir lieber im Pfusch, und pfeifen auf die Sicherheit der Leute.

Und jede Wette, jetzt heißts bald von seiten der produzierenden Konzerne: Aber wir hatten doch Sicherheitszertifikate eingefordert, sonst hätten wir die Fabrik ja gar nicht beauftragt! Selbst dort waren wir nicht, nein, wir haben die Fabrik zuerst nicht selbst angeschaut. Wieso denn auch? Wir können doch nicht in jedes Fabriksgebäude weltweit fahren, weißt du denn, wo wir überall produzieren?

Doch, ihr könnt, und ihr müsst. Liebe Konzernchefs, dass ihr auf Seiten der Globalisierungsgewinner steht, ist einfach nur der Gnade eurer Geburt zu verdanken, und keinem einzigen Faktor mehr. Nur wer von euch auch nur Reste von ethischem Verständnis im Hirn hat, der nutzt das nicht aus, indem er die Verlierer der internationalen Entwicklung auch noch schamlos ausnutzt. Wünsche eine geruhsame Nacht für all die europäischen und US-amerikanischen Auftraggeber, die nun eine neue Fabrik zur Produktion ihrer Billighosen suchen müssen.

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Ein ganz normaler Sonntagvormittag

Es ist traurig, wenn man am Sonntagvormittag aufwacht und beim ersten Nachschauen auf ORF.at, ob die Welt eh noch steht, dieses Bild sehen zu müssen:

In Bangladesch ist wieder eine Fabrik abgebrannt. Und wieder waren unzählige NäherInnen eingeschlossen. Lasst mich raten: Natüüüürlich war die Fabrik ISO 8000 zertifiziert, natüüüüürlich haben die Audits keine großen Kritikpunkte ergeben! Mindestens 115 Tote und über 200 Verletzte. Und diesmal darf C&A reagieren, an die wurde nämlich geliefert.

Es macht mich inzwischen einfach nur noch stinkesauer, dass alle naselang sowas passieren kann (erst vor wenigen Wochen hatten wir das Spiel ja in Pakistan), und dass sich hier die meisten Menschen nicht betroffen fühlen. Leute, wir zu einem großen Teil schuld daran, dass die Verhältnisse in den Fabriken so scheisse sind, weil wir die Fünfeuro-Shirts als selbstverständlich erachten, und weil wir einfach überhaupt nicht mehr drüber nachdenken, wo das Teil, das wir in Händen halten, eigentlich gemacht wurde, durch welche Hände es gegangen ist.

Das Ziel kann nicht darin bestehen, nie wieder etwas zu kaufen, was in Bangladesch produziert wurde – darum kämpfen sogar die dortigen Gewerkschaften, damit schlicht und einfach Jobs erhalten bleiben. Aber das Ziel muss darin bestehen, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, einen gerechten Lohn für diejenigen einfordern, die für uns produzieren, keine Zwangsüberstunden, die entstehen, weil westliche Auftraggeber alle fünf Minuten eine neue Kollektion in den Laden hängen wollen, und eine Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz.

So, und ich geh jetzt mal frühstücken. Wobei, mir ist grad ziemlich schlecht.

PS: Aber großes Lob an die Redaktion von ORF.at, wenigstens bringen sie die Geschichte groß und nicht nur unter „ferner liefen“ in der Chronologie….

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KIK reagiert.

Zu meine großen Überraschung hat KIK wirklich recht zeitnah auf das Unglück in Pakistan reagiert, und zwar so: Sie behaupten doch wirklich, die Fabrik regelmäßig überprüft zu haben. Nach den Aussagen der pakistanischen Aktivisten kann das entweder gar nicht stimmen, oder sie schicken taubblinde Maulwürfe zu den Audits.

Auf orf.at heißt es dazu:

„Grundsätzlich verpflichtet Kik alle Lieferanten auf die Erfüllung und Einhaltung elementarer Arbeitsrechte und Sicherheitsstandards“, hieß es. Externe, unabhängige und zugelassene Zertifizierungsunternehmen hätten die Fabrik in Karachi geprüft.

Über Ali Enterprises würden drei Berichte vorliegen. Nachdem es 2007 noch Hinweise auf mangelnden Brandschutz gegeben habe, seien Nachbesserungen umgesetzt worden. Ein Prüfbericht vom 30. Dezember 2011 habe die Einhaltung bestätigt, erklärte das Unternehmen.

Mag schon sein, dass diese drei Berichte durch etwas Bakschisch zustandegekommen sein könnten – damit der Fabriksbesitzer den potentiellen Auftraggebern aus Europa schriftlich zeigen kann: Passt eh alles! Und sich gleichzeitig drauf verlässt: Da kommt eh niiiiie wer aus Europa zur Überprüfung her. Was interessiert die denn Pakistan. Klingt schon so gefährlich. Natürlich ist es einfach, die Arschkarte jetzt an diese Fabriksbesitzer abzuschieben. Allerdings: Mehr Macht und damit mehr Verantwortung haben die europäischen Auftraggeber wie KIK. Sich einfach drauf rausreden, dass sie eh die Dokumente hätten und ihnen das unerklärlich ist, ist billig. Es ist so ein deppertes Hin und Her: Die ArbeiterInnen dort brauchen die Arbeit, und viele der dortigen Stimmen bringen ein Bild zusammen, das besagt: Sie brauchen die Arbeit egal wie, da sie ihre Familie von dem Hungerlohn ernähren müssen. Die andere Seite ist hinlänglich bekannt: Wir kaufen uns um 15 Euro eine Fleeceweste, für deren Produktion die Näherin 5 Cent sieht. Es reicht also nicht zu sagen, dass gute Überprüfungen her müssen und mei, im Notfall wird die Fabrik halt gesperrt und kriegt keine Aufträge mehr. Sondern – my humble opinion – es muss wieder mehr Geld fließen. Das Beispiel ist alt: Würde H&M seinen T-Shirt-NäherInnen das doppelte Gehalt in Bangladesch zahlen, würde sich das am fertigen Shirt bei direkter Weitergabe aller zusätzlich entstandenen Kosten an den Kunden mit heißen 50 Cent auswirken. Und es macht mich so unglaublich wütend, dass diese Teuerung nicht passiert!! Klar, alles wird teurer grad und mit europäischen Mindestgehältern ist europäisches Durchschnittsleben nicht mehr finanzierbar. Aber haaaalllooo: Eine Dose Red Bull kostet mehr als das Doppelte! Nur für die Relation… Und nicht nur die NäherInnen gehörten ordentlich entlohnt, sondern es gehört mit ebensolchem Finanzaufwand für ihre Sicherheit gesorgt.

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300 Tote weit weg ganz nah

Einige von euch werden letztens sicher über die abgebrannte Textilfabrik in Pakistan gelesen haben, bei der 300 Näherinnen starben. Die meisten verbrannten hilflos, weil nicht nur die Türen zugesperrt waren (von Fluchtweg sowieso keine Rede), sondern weil die Fenster auch noch vergittert waren. Die, die nicht verbrannten, zogen sich teilweise tödliche Verletzungen zu, weil sie auf der Flucht vor den Flammen vom Dach der Fabrik sprangen.

Klingt grauslich, ist aber weit weg – dieses Pakistan. Das war doch das Land, wo vor ein paar Jahren Abertausende BewohnerInnen Opfer einer Jahrtausendflut wurden (Klimawechsel oleole, ich trau mich wetten, in spätestens zehn Jahren haben die dort wieder Gelegenheit zum Ertrinken…).

Ich hatte zwei Jahre lang das Vergnügen, journalistisch arbeiten zu dürfen – bei einem großen Onlineportal im Politikressort. Dort hieß es meistens recht trocken: Je weiter weg, desto mehr Tote brauchma, sonst interessierts keinen hier. Die Klickraten bewiesen diese These regelmäßig recht eindrucksvoll. Gut, 300 Tote ist wirklich viel, aber EINE Fabrik, noch dazu so weit weg in einem Land wie Pakistan – sehr sehr sehr viele LeserInnen wissen sicher: Ja, ist weit weg, drüben im Osten. Aber wo genau, können sicher nicht alle beantworten.

Ein solches Drama kann man aber ganz schnell ganz nah hierher holen:

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