Schlagwort-Archive: Konsumwahnsinn

Und ihr so?

Ich bin vor wenigen Minuten aufgewacht, der Holde schläft noch, bin ins Wohnzimmer gegangen, knotze vor mich hin, vor mir steht ein Tee, der Rückenteil des Pulliprojekts wird bald fertig, und es ist einfach nur gemütlich – und ich plane, daran in den kommenden sechs Stunden nichts zu ändern. Die paar Geschenke sind besorgt, und allein schon beim Gedanken, was heute in den Einkaufsstraßen und -zentren los sein wird, kringeln sich mir die Zehennägel hoch.

Und ihr so?

 

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Ernsthaft?!

(c) nunette colour

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Also wenn mich das Jahr eines gelehrt hat, dann, dass ich auf schreiende Ausverkaufsschilder nicht mehr achte und meinen Einkäufen eine andere Wertigkeit zukommen lasse. Vor einem sich Anstellen und dann mit Massen durch ein Geschäft drängen hat es mir aber wirklich immer schon gegraust.

Gestern Nachmittag, Mariahilferstraße: Der Stiefelkönig macht zu, alles 50 Prozent, und musste einen Security engagieren, der die Leute nur tropfenweise reinlies. Der Rest wartete bei drei Grad im Regen draußen.

Ernsthaft?

Oh du fröhliche…

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Gefahr im Verzug

Das neue Jahr wird einen unerhofften und für meine Verhältnisse ziemlich fetten Geldsegen bringen. Ich bin zwar sonst eh auch (zumindest ansatzweise) sparsam unterwegs und werd wohl viel davon aufs Konto legen, aber ein Gedanke lässt mich seit der Neuigkeit (gestern) nicht mehr los: Ich darf wieder shoppen und ich bekomm vielviel Geld. Gleichzeitig. Hui. Gefäääährlich.

Aber offen gestanden: Momentan äußert sich die Vorfreude aufs Geld eigentlich nur in der Tatsache, dass ich mich drauf freu, beim Wollekaufen ein, zweimal nicht auf die Kohle schauen zu müssen….

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Point of no return

Zwischen meinem Innendrin und der Welt da draußen ist grad ganz viel Schleim – metaphorisch, aber auch wirklich buchstäblich. Zwischen Ingwertee, heißer Zitrone und der verzeifelten Suche nach der neuen Flasche Metavirulent, die ich erst vor kurzem gekauft und umgehend verschmissen hab, beginne ich schön langsam, mich wieder auf die Shoppingerlaubnis einzustellen (hab mich übrigens grad wunderbar vertippt und -erlaubnix geschrieben 🙂 ). Am Heimweg schnell noch in die Auslage von dem einen Schuhgeschäft geschaut, ob diese Strickstulpenstiefel noch da sind (ja, sind sie, und ja, ich denk mir dann auch jedesmal, dass ich ein Paar alter Stiefel einfach zopfstulpig aufmotzen könnte), und außerdem zwar nicht reingegangen, aber einen Blick reingeworfen beim Textilschweden.

Festgestellt, dass ich im vergangenen Jahr genau ein einziges Mal da drin war – um einen Biobaumwollbabybody zu kaufen – was für ein schönes Wort, BioBabyBaumwollBody… Und beim kurz einen Blick im Vorbeigehen reinwerfen wurde mir schlagartig klar, dass das, was ich gestern im Brustton der Überzeugung einer sehr netten Redakteurin ins Aufnahmegerät (eins mit Kassetten! Ich war das gesamte Interview begeistert in meine Kindheit rückversetzt…) geschwafelt hatte: Der Textilschwede, der sieht mich so bald nicht mehr von innen. Dieses sterile, diese Massenabfertigung, diese unglaublich vielen Produkte, dieses Bigger-Better-More-BlingBling, näh. Danke. Und sogar durch meinen Schnupfen durch konnte ich diese seltsame Sterilität des Ladens riechen. Diese Massenabfertigungsware ist mir wirklich unsympathisch geworden.

 

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Geschenkt!

Liegts daran, dass ich merke, ich werd grad so richtig bäääh krank und ich kanns nimmer aufhalten? Oder warum hab ich heut so elendiglich schlechte Laune? Mein Weg ins Büro führt mich durch DIE Einkaufsgegend von Wien. Und nicht nur am vergangenen Samstag, auch heute standen bereits Menschentrauben vor den diversen Geschäften, noch bevor diese geöffnet hatten. Egal, ob Thalia, Müller, Sewa, Promod, der Textilschwede oder oder oder.

Ich mein, ich verstehs ja, Weihnachten, Geschenk und so. Aber warum kaufen die Leut so viel Schrott? Damit von Jänner bis April die Schuldnerberatung wieder Hochkonjunktur hat (wenigstens eine Konjunktur in diesem Land)?

Ich frag mich immer wieder: Wozu das Ganze? Mit Grauen erinnere ich mich an meine Nichte, die letztes Jahr zu Weihnachten nach dem Auspacken von gezählten 24 Geschenken zehn Minuten danach in einem Berg von Papier und Geschenken saß und meinte: „Mir ist fad!“

Natürlich ist es super, Geschenke zu bekommen, und ich freue mich unglaublich darauf, welche Augen der Liebste machen wird, wenn er mein Geschenk bekommt (und ich bin brutal neugierig auf das von ihm, diesmal geb ich nämlich keine so subtilen Hinweise wie letztes Jahr, als da doch diese Stehlampe grad im Angebot und diese Stehlampe und herst ich seh so schlecht beim Stricken am Sofa und diese Stehlampe würd so gut reinpassen vom Stil her und hast du diese Stehlampe gesehen, Liebster?). Ich freu mich aber noch viel mehr darauf, mein Nichten und Neffen quer durch die Wohnung zu jagen, indem ich ihnen sage, ich hätte da Christkind grad im Schlafzimmer/Wohnzimmer/Küche/Bad gesehen und wenn sie sich nur wirklich beeilen, dann… Oder darauf, meinem Vater (der im Rollstuhl sitzt), die heißgeliebten Windringerl so an den Baum zu hängen, dass er sich strecken muss – was gut für ihn ist, zu meiner Verteidigung. Oder Weihnachtslieder absichtlich falsch zu singen, um nicht in das kollektive Wir-sind-so-rührselig-Geplärre meiner Familie einzusteigen…

Worauf ich mich nicht freue, sind diese vielen Sinnlosigkeiten, die mal wieder verschenkt werden. Besonders der Sewa ist echt ein Anbieter solcher Sinnlosigkeiten, die ich meine. Und vorm Sewa ist die Schlange jedes Jahr am längsten….

Edit: Ich muss mein Gewissen bereinigen: Ich war kürzlich auch im Sewa drin. Türkisfarbene Filzwolle, ich war schwach. Aber ich finds trotzdem zum Speiben da drin..

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I love Shopping

Kann es sein, dass ich doch moralisiere und immer spießiger werde? Oder anders gefragt: Wie ginge es euch (insbesondere die Eltern unter euch), wenn in einer Auslage eines Spielzeuggeschäfts kleinen Mädchen erklärt wird, wie super Shopping ist?

(c) nunette colour

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Lauter Plastik-Blingbling und neben einer Schultasche ein Stoffbeutel:

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We love Shopping? Ok, wundern tuts mich nicht, und das hier ist nur eine sehr plakative Ausformung der Werbung und Denkweise, der wir sowieso tausende Male am Tag ausgeliefert sind. Aber gleich so plakativ? In einem Spielzeuggeschäft? Oder bin ich jetzt echt zu spießig? Shopping macht Spaß, aus den diversesten Gründen, und viele kleine Mädels werden da jede für sich schon noch draufkommen. Aber muss man sie von vorneherein dort hinerziehen?

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Ockerfarbene Sünde

Ich sag oft, dass die Inspiration zu dem Jahr von einem Zeitungsartikel herstammt. Jedoch eines muss ich auch mal sagen: Gewusst, dass ich ein bissl falsch ticke in Bezug auf Shopping, hatte ich schon länger. Mein Tiefpunkt in Sachen Shopping ereignete sich vor ziemlich genau einem Jahr. Ich war auf eine sehr noble Hochzeit eingeladen und bildete mir ein, kein Kleid zu besitzen, das dem Anlass entprechen würde. Also zog ich los, und landete in einem Geschäft, in dem ich immer wieder mal zugeschlagen hatte….

…und ich kam nachhause mit einem Cordrock und einem Baumwollshirt. Das war mir sogar damals peinlich.

Das Hochzeitsoutfit war dann doch wieder das eine, teure, wunderbare Kleid, das ich mir 2005 in Australien geleistet hatte und das seither ganz wunderbare Dienste tut.

Den Rock hatte ich bisher genau dreimal an – der Grund: Ich hatte exakt diesen Rock in einem wunderschönen Dunkelrot an einer Bekannten gesehen, und musste ihn unbedingt haben. Es gab ihn jedoch nur noch in ocker. Ich kaufte ihn trotzdem.

Der obige Beitrag hat aus heutiger Sicht drei Fehler, die ich in Zukunft hoffentlich nicht mehr machen werde. Erstens: Ich HABE genug anzuziehen, zweitens: Ich sollte keine Ersatzhandlungen beim Shopping tätigen, und drittens: Rot. Nicht ocker. Rot.

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Beziehungsende

Ich hab Schluss gemacht. Endgültig.

Wer kennt es nicht, wer ist nicht schonmal drauf reingekippt: Dinge woanders kaufen, weil sie von woanders kommen, und dann zuhause damit sich ganz besonders fühlen. Weils nicht von zuhause ist, und weil die Wahrscheinlichkeit, dass andere zuhause auch dieses eine Teil haben, geringer ist. Kombiniert mit Markenbewusstsein ists gleich nochmal ein Level schärfer. Pfoah, die hat was von xy? Das gibts in Österreich ja gar nicht im Handel, wo hat die das her, das muss ja schweineteuer bei der Bestellung gewesen sein!

Mir gings mal mit dem bunten Spanier, also mit Desigual, so. Als man die Sachen in Österreich noch nicht kaufen konnte, beneidete ich jede, die vom Urlaub in Spanien zurückkehrte. Die Teile waren so schön bunt, und gleichzeitig doch irgendwie sophisticated (mir fällt ehrlich grad kein deutsches Wort ein, das sophisticated exakt übersetzt). Halb Spanien rannte damit herum, und hier war es exklusiv und passte irgendwie zum Auftreten von Universitätsprofessorinnen für diverse Geisteswissenschafterinnen (sorry Martina: Und passt immer noch…). Irgendwie wie mit den Muratti. Als es die in Österreich noch nicht gab (und ich noch rauchte), war Muratti in Italien das Kraut für den Arbeiter auf der Baustelle abwärts und in Österreich das Kraut für genanntes höhergestelltes Universitätspersonal aufwärts. Und ich war extrem glücklich, dass mein Bruderherz praktischerweise grad auf Auslandssemester in Bologna war….

Aber zurück zu Desigual: Abgesehen von der Tatsache, dass Desigual nicht nur keinen Nachhaltigkeitsbericht, ja nichtmal einen Code of Conduct vorzuweisen hat, sondern auch auf keine einzige meiner vier (!) Anfragen im Frühjahr 2012 reagiert hat, wird mir der bunte Spanier auch optisch immer unsympathischer – einfach, weils jetzt überall verfügbar ist. Ginge ich zu Fuß in die Arbeit (mit kleinem Umweg, zugegeben), hätt ich einen kleinen und einen Riiiiiiiiiiiiesenstore zur Bewunderung. Und in den nächsten Jahren soll es noch weitere dieser Riiiiiiesenstores geben.

Irgendwie unsexy, oder? Klassisches Prinzip von „Man will immer das haben, das man nicht so leicht haben kann“. Meine Fresse, mir dämmert grad: Mit Männern hab ichs jahrelang genauso gehalten. Wär ich doch besser mal monatelang damals Desigual nachgejagt anstatt dem Tiroler (oder dem Waldviertler oder dem…. lassen wir das), was hätt ich mir Herzschmerz erspart…

Kurzfassung: Ich liebe meine Mäntel und werd sie tragen, bis sie mir vom Leib fallen, aber was Neues vom bunten Spanier wird mich nächstes Jahr nimmer interessieren. Desigual wirkt auf mich inzwischen wie die Eine an der Bar, die es eindeutig nicht auf alleine schlafen gehen abgesehen hat: Zu schrill und viel zu leicht zu haben….

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Stopp mit den Entschuldigungen!

Spannend, wieviele Leute mir derzeit erzählen, was sie sich nicht tolles Neues gekauft haben, und sich direkt im Anschluss dafür entschuldigen. Die einen sagen: „Mah, sorry, ich reib dir das unter die Nase und du darfst ja nicht.“ Das find ich zwar sehr nett, ist aber egal – meistens. Weil was wär ich denn für eine Freundin, würd ich meinen FreundInnen ihre neuen Dinge nicht gönnen?

Die anderen sagen: „Tschulligung, ich weiß eeeeeeeeh, ist vom Textilschweden“ oder von einer anderen konventionell herstellenden Kette. Und entweder sie flüchten sich in Ausreden, warum das eigentlich eh nicht so schlecht ist und sie auf gaaanz andere Sachen schauen und das schon so passt, oder sie meinen mit schlechtem Gewissen, sie wüssten eh, wie es besser geht. Auch das ist wahnsinnig nett mir gegenüber, aber nicht nötig. Ich will hier ja nicht missionieren, sondern nur dokumentieren, wie sich meine Perspektiven verschieben! Sonst nix…

Also: Es liegt bei jedem und jeder selbst, ein kritischer Konsument zu werden. Vor mir, nur weil ich an Logorrhöe leiden und pemanent Bla von mir gebe, gibts nix zu beweisen.

Nur der Evelyn, der hab ich gestern angedroht, dass ich das nächste Mal ein Bühnengewand für sie nähe, bevor sie wieder Massenbestellungen bei Zalando macht 😉 Achja, Blogmissbrauch: Evelyn. Tolle Frau, Wahnsinnsstimme, und endlich mal an der Reihe, durchzubrechen. Oder wie das heißt. Wurscht. Evelyn ist toll – auch mit Zalandokleid. Überzeugt euch einfach selbst.

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Abercrombie, the Bitch!

Weil gestern die Diskussion drauf kam und gefragt wurde, ob Abercrombie und Fitch eigentlich zu den Guten gehören (einfache Antwort: NEIN), hab ich mal reinrecherchiert. Zugegebenermaßen gleich mal vorbelastet – auf Google gleich mal nach „Abercrombie Fitch Kritik“ gesucht 🙂

Das Ergebnis war auf seine eigene Art und Weise doch wieder überraschend. A&F wurde nämlich mal wegen Rassendiskriminierung angeklagt.

Abercrombie & Fitch wurde 2003 wegen Rassendiskriminierung angeklagt. 2005 endete das Verfahren und Abercrombie & Fitch zahlte den 10.000 Betroffenen insgesamt 40 Millionen Dollar. Jene Personen wurden bei ihrer Bewerbung benachteiligt, weil bei Abercrombie & Fitch fast ausschließlich Weiße arbeiteten. Zu dem Gerichtsurteil gehören auch noch weitere Gleichberechtigung fördernde Auflagen. Außerdem ist bekannt geworden, dass Abercrombie & Fitch ihre Kleidung durch Kinderarbeit auf den Philippinen für einen unmoralisch niedrigen Lohn und unter menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen herstellen lassen. (Wikipedia)

Na, mal was Neues! Die Abgründe werden immer tiefer…

Und sowas ist grad die ultimative Modemarke….. das einzige, was mir an denen gefällt, ist dieses in sozialen Netzwerken immer wieder auftauchende Foto:

 

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