Schlagwort-Archive: Konsumwahnsinn

Ernsthaft?

Ich weiß, ich übertreibe. Und ich weiß, ich hab grad ein geschärftes Bewusstsein für das große Problem, dass wir allesamt viel zu viel konsumieren. Dass wir Shopping als Hobby betrachten und nicht als Nötigkeit, weil was Neues gebraucht wird. Und hin und wieder ist genau das ja auch völlig in Ordnung – sich belohnen, sich ablenken, sich trösten. Natürlich darf man das, aber bitte nicht andauernd (so wie ich damals). Aber. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAber.

In einer Zeitschrift bin ich kürzlich über folgendes Bild in einer Modelinie gestolpert:

Foto Myself S. 88

Foto Myself S. 88

Ich mein ja nur….ist das nicht ein bissl gar oarg? „Shoppen ist der neue Lunch“ – und in der Hand hat sie obendrein Kindermode, damit ja die das lesenden Jungmamis auch drauf abfahren. Aber ich weiß, ich weiß, ich reg mich da viel zu sehr auf, und objektiv gesehen ist das im Grunde nur ein Ausdruck dessen, was man in so ziemlich allen Magazinen dieser Art jeden Monat neu vorfindet. Aber. AAAAAAAAAAAAAber.

Kerstin Weng, die Dame, die mich zu meiner Shoppingabstinenz inspiriert hat, indem sie selbst eine solche im November 2011 begann, arbeitete bis vor kurzem bei diesem Magazin. Nur so nebenbei.
Und noch nebenbeier: Es ärgert mich eigentlich sehr, dass Frau Weng nach ihrem Jobwechsel nicht weitergemacht hat. Nicht das Jahr fertig-nichtgeshoppt und fertig-gebloggt hat. War wohl doch mehr redaktioneller Auftrag als persönliche Überzeugung…. schade. Tut aber nix zur Sache. Ich wollt das nur mal rausraunzen. Tschulligung. Ab morgen wieder bessere Laune 🙂

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Der Textilschwede nervt

Ok, der Textilschwede ist nicht nur oft böse und meine Ansicht nach aus den falschen Beweggründen bemüht, nein, seit kurzem NERVT der Textilschwede extrem. Und der Grund ist dieses Entenschnäbelchen: Lana del Rey. Der folgende Post hat – schriftliche Garantie, Siegel und Indianerehrenwort – nix damit zu tun, dass ich frustriert bin, weil ich nicht shoppen kann. Denn: Der Textilschwede ist sowieso auch nächstes Jahr so gut wie Geschichte.

ABER: Kennt ihr diese unsäglichen TV-Spots, in denen obendrein ein eigentlich recht netter musikalischer Klassiker verunglimpft wird?

Screenshot Youtube.com

Screenshot Youtube.com

Die Werbung soll witzig sein: Ist sie nicht.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, und ich bin mir sicher, Leggings und Achtzigerjahrekuschelpulli in Blasspfirsichfarben gefallen irgendjemandem auf dieser Welt: Mir nicht.

Aber das allerschlimmste ist das Gesicht, dass die Dame versucht zu ziehen: Offen gestanden ist diese Werbung die erste, die es jemals geschafft hat, dass ich mich jedes einzelne Mal, wenn ich sie sehe, unwohl fühle. Zombieface, künstlich.

Der Freund findet sie auch fürchterlich, aber der soll ja auch nicht von der Damenmodewerbung angesprochen werden. Nur: Geht es irgendwem da draußen auch noch so?

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Styleblogging – unreflektiert?

Ok, Fashioncamp also. Zweiter Tag. Ich muss ja zugeben, mit meinen Outfits, die weniger auf Style und mehr auf Wohlfühlen gehen, bin ich mir bissl fehl am Platz vorgekommen. Es war eine Konferenz von Fashionbloggerinnen, also nona war es optisch ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Fashionbloggerinnen, die, die bis zu täglich ihre Outfits posten.

Ich tu mir grad wahnsinnig schwer mit diesem Beitrag, daher schieb ich ihn auch seit einem ganzen Tag vor mir her. Ich surfe seit gestern über verschiedenste Blogs, und ich schaffe es nicht, mir eine Meinung zu bilden über die Damen. Einerseits finde ich schon allein den Trend des Bloggens an sich etwas wirklich Wunderbares. Auch die Macht in Sachen Marketing, die die Blogosphäre inzwischen genießt, ist – solange die BloggerInnen ehrlich bleiben und nicht auftragsweise gute Reviews abgeben! – eine Art der Demokratisierung der Werbewelt. Andererseits tut es mir inzwischen fast schon körperlich weh, dass die Damen komplett unreflektiert von diversen Textilgroßhändlern kaufen und auf bestimmte Marken abfahren, ohne sich auch nur ansatzweise mit der Herkunft der Produkte zu beschäftigen. Nur um das klarzustellen, mir gehts nicht um die Oberflächlichkeit, jedes Blog hat seinen eigenen Stil und seine eigene Thematik – und wenn jemandem Nagellack und farblich passende Schuhe wichtig sind, dann ist das komplett in Ordnung – ich bin gestern auch eine halbe Stunde auf der betreffenden Seite pickengeblieben. Aber: Es geht mir ums Nachdenken über die Herkunft der Produkte – no na net seh ich dann ein einfaches „boah schauts mal wie schön mein neuer Rock/Nagellack/Mantel“ als sehr oberflächlich an.

Gestern war dann eine Podiumsdiskussion, die eigentlich unter dem Titel „Konsumsucht“ stand. Ich war sehr gespannt, wie diverse BloggerInnen, die wirklich eindeutig Fashion Addicts sind, sich zu diesem Thema äußern würden. Und da war ich dann plötzlich im falschen Film:

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Fashion Camp Vienna 2012

Mein Körper hat sich nun also anscheinend glücklicherweise doch dazu entschlossen, nicht krank zu werden. Welche Erleichterung. Das Wochenende ist nämlich schon wieder schwer verplant – unter anderem mit dem Fashion Camp Vienna 2012.

Ich bin leider erst sehr spät drübergestolpert (oder genauer: glücklicherweise doch noch vorher von einem Kollegen drauf hingewiesen worden), habe mich aber doch noch für den einen oder anderen Workshop anmelden können. Ich freu mich bereits, hier dann davon berichten zu können!

 

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Elitäre Sauferei

Gestern war ich elitär. Ich habe mich ins Museumsquartier und elitären Leuten beim Diskutieren über Mode zugehört. Etwas, was ich früher niiiiie gemacht hätte. Podiumsdiskussion – gäääähn!! Modetheorie – bitte ich mag einfach shoppen gehen und nicht drüber reden! Laaangweilig. Ja, so ändern sich die Zeiten. Aber leider: Es wird immer die Podiumsteilnehmer geben, die strunzeinfache Aussagen (-> Frauen tragen Männeranzüge, damit wirken sie stärker) so unglaublich geschwollen ausdrücken, dass die ganz die üblen Uni-Erinnerungen von Vorlesungen, bei denen man sich in die erste Reihe zwingen muss, damit man sich aus Angst vor der Peinlichkeit vorm Einschlafen bewahrt. Ironie des Ganzen: Die Dame, die so redete, war wirklich Uniprofessorin.

Das bahnbrechende Fazit der Diskussion: Die Mode ist immer ein Spiegel der Zeit, darum wird man, egal wie sehr man einen vergangenen Stil nachstellen will, nie herumkommen. Aber eine neue Erkenntnis hat es gebracht – eigentlich eh logisch, aber noch nie drüber nachgedacht:

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Wiedereinstieg

Mein Körper ist ja nie so wirklich entscheidungsstark, wenns ums krankwerden geht.  Ich kränkle dann immer so drei, vier Tage halbert vor mich hin, bis ich entweder wieder fit bin oder die Verkühlung wirklich Vollgas ausbricht. Ich bin seit vorgestern in diesem blöden Zwischenstadium. Was hilft: Ab nachhause, direkt aufs Sofa, einkuscheln, kübelweise Tee und Metavirulent quasi intravenös. Und: Magazine. Zeitschriften. Bling. Ich brauchs einfach. Und man lernt dabei so viel! (Ok, der Satz funktioniert ohne meine Mimik schlecht, also: ich wedle mit der Ironiefahne…)

Wie bereits im Interview gesagt, fällt es mir im Herbst schwerer, nicht einzukaufen, als im Sommer. Den zweiten Teil der Erklärung, warum das so ist, haben sie aber rausgeschnitten. Es sind nicht nur die Herbstfarben, es ist dieses Neuanfangs-Gefühl, das ich seit Schulzeiten mitschleppe. Im Spätsommer und Frühherbst, da ging es immer um neue Buntstifte, neue, unbeschriebene, glatte Hefte, ev. eine neue Schultasche, neue Jeans und Pullis für die Schule usw.

In einem der Magazine hab ich jetzt gelernt: Weiterlesen

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Vor 100 Jahren…

Gestern war ein laaaaaaaaaaaanger Tag. Beginnend um halb sieben mit Handwerkern und einem hungrigen Hund, endend um Mitternacht mit einem schlafenden Hund und der Aussicht auf viel Stress und Arbeit in den kommenden Wochen. Dementsprechend war ich spät des Abends nur noch semikreativ und ehrlich gesagt zu faul, mir einen Beitrag zu überlegen. Stattdessen auf Facebook herumgesurft und eine Seite mit lauter alten Fotos aus Wien gefunden.Und da fand ich folgendes Foto – ich musste sofort grinsen: Seit hundert Jahren dasselbe. Frauen. Lieben. Shopping. Nur dass es damals noch brav „einkaufen“ geheißen hat.

(c) Imagno/Austrian Archives, gefunden auf facebook.com/vintagevienna

Auslagenbummel anno 1910 (c) Imagno/Austrian Archives, gefunden auf facebook.com/vintagevienna

Ich find das Bild so wahnsinnig nett, wie sie dasteht mit ihren Päckchen und den Schmuck in der Auslage anstarrt…

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Markendodel Nunu (13)

„Meine Güte, warst du ein Markendodel“, meinte der Liebste ganz entsetzt, als ich ihm die folgende Geschichte erzählte. Vorgeschichte: Damals, frischpubertierend, wollte ich unbedingt eine echte L. haben. Ich war eifersüchtig ohne Ende auf die Theresas, Lucies und Andreas in meiner Schule, die in den echten L. herumliefen.

Meine Mama, glücklicherweise seit jeher mit einer sehr sehr sehr großen Portion Hausverstand ausgestattet, fand folgenden Kompromiss: „Kind, eine L. ist absurd teuer. Aus der bist auch gleich wieder rausgewachsen. Aber du bekommst eine L. Irregular.“ Also trug ich die gleiche Marke, aber eben zweite Wahl. Um weniger als den halben Preis. Und der einzige Unterschied: Ein winziges Fähnchen an der linken Popschtasche.

 

Bei den Zweitwahlhosen waren diese Fähnchen abgeschnitten, damit auch wirklich jeder sehen konnte, dass es keine „echte“ war. Also, sie war schon echt, aber eben mit irgendeinem kleinen Fehler. Ich trug die L. irregular mit viel Stolz, immerhin war es eine L. Aber den Fähnchenträgerinnen gegenüber fühlte ich mich immer noch unterlegen.

Glücklicherweise dauerte meine Fähnchenphase nur vielleicht ein halbes, dreiviertel Jahr. Inzwischen sind mir solche Marken-Statussymbole wurscht wie nur was. Aber bedenklich find ichs trotzdem. Und wenn ich mal wieder groß dahinmoralisiere, wie sinnlos und blöd doch dieser Markenwahn ist, dann werde mich einfach wieder dran erinnern, was für ein Markendodel ich war. Das machts nicht besser, aber nachvollziehbarer.

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Eines hab ich noch, eines hab ich noch!

Ha, doch noch was gefunden, bevor ich fahre (wobei, eigentlich wollt ich das ja in der Früh posten und den andern Beitrag am Nachmittag, hab da aber irgendwie einen Knoten in die Terminspeicherung gemacht…geschrieben hab ich beides in der Früh 🙂 ):

Wiedermal ein neuer Aspekt – ich hab schon ein paarmal drüber gelesen, hier eine interessante Doku: Was passiert eigentlich mit unseren Altkleidern? Und wie absurd viel schmeißen wir eigentlich an funktionaler Kleidung weg? Und dann wär da auch noch das Problem mit der afrikanischen Textilindustrie….

Ich find ja an sich diese Secondhand-Industrie nicht schlecht. Wir gehen da einfach ein bissl von den falschen Vorstellungen aus, wenn wir Kleidersäcke in den Container geben – da steckt einfach eine Industrie dahinter, und der Bedarf in Österreich ist einfach gedeckt. Dennoch glauben wir, dass all unser Gewand bedürftigen Leuten günstig oder gratis zugute kommt. Dieses Bild in den Köpfen der Leute erinnert mich immer an die Bio-Diskussion, die ich mit Kollegen mal hatte. Das Fazit daraus war: Die Menschen sind naiv. Weil die Werbung es vorgaukelt, glauben sie, dass der Bauer Martin seine zwanzig Eier von seinen Hendln aus Freilandhaltung, denen er täglich eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt, in der Früh in der lokalen Supermarkt-Filiale abgibt. Dass da eine inzwischen riesige Industrie dahintersteckt und daher diese Landromantik einfach nicht ist, geht vielen nicht ein (deshalb find ich die Tonalität vom Bio-Schmäh auch ein bissl lächerlich, das ist einfach künstliche Betroffenheit).

Aber dennoch: Der Hausverstand (meiner, nicht der vom Billa) sagt mir, dass ich das Gwand, das ich hergeben werde, entweder zu Tauschparties tragen werde, umnähen werde oder guten Freunden geben werde, die noch viel Tolleres draus umnähen. Damit cooles Neues draus entsteht und meine Lust am Neukauf geringer wird.

Was nicht heißt, dass wir Wohlstandsmenschen Ärmere nicht unterstützen sollten. Aber dann bitte direkt. Kleidersäcke in der Gruft abgeben oder so.

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Zeichen der Zeit

Neulich auf Facebook bei einer Bekannten gefunden:

(c) Petra Gaischin / facebook

(c) Petra Gaischin / facebook

Petra hat Jeans und diverse Markenshirts (Diesel, Killah, Herrlicher, …) gekauft. Der Beweis, dass so ziemlich alles, was wir modetechnisch kaufen, komplett überbezahlt ist – weil unter den Einkaufspreis gehen Shops nie runter. Auch das Fünfeuro-Shirt vom Textilschweden, um die Hälfte runtergesetzt, war im Einkauf immer noch billiger als Zweifuffzig. Ich frag mich nur grad, ob die Petra da extrem schlau eingekauft hat und man es ihr nachmachen sollte – oder ob diese Rechnung mehr denn je ein erschreckendes Zeichen der Zeit ist.

Edit: Korrigiere, Nukimama hats mir erklärt – in bestimmten Situationen ist es möglich, dass man Kleidung unterm Einkaufspreis bekommt. Weitere Details im Kommentar. Ich wage aber dennoch die Vermutung: Die gute Petra hat da sehr sehr viel Geld eingespart, das nicht in die Produktion oder Logistik, sondern direttamente in PR und Marketing der Modemarken gegangen wäre.

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