Schlagwort-Archive: Textilschwede

Böse Schweden?

Mehr und mehr komm ich drauf: Es bringt nix, den Textilschweden so zu verteufeln. Denn erstens ticken sie ALLE so und zweitens scheint der Textilschwede immerhin Ameisenschritte in Richtung grün und nachhaltig zu gehen. Das bedeutet, sowohl die Textilschweden als auch andere gleichermaßen anzusteigen und ihnen zu unterstellen, dass alles, was sie da pro forma für die Nachhaltigkeit tun, sowieso schlecht ist, ist unfair. Lassen wir die Textilschweden mal machen und schauen wir uns an, was rauskommt. Sie haben echt mehr Initiativen draußen als andere.

Ob diese Initiativen auch wirklich gut sind, muss man sich Punkt für Punkt überlegen. Es ist so, der Textilschwede ist der größte Käufer von Biobaumwolle weltweit, und will noch mehr ankaufen. Wie sich das ausgehen wird und was das bringt, dazu fehlen mir derzeit noch die Recherchen für ein klares Statement.

Aber ich will hier nicht den Textilschweden von all seiner Schuld freisprechen, ganz im Gegenteil. Die gehören trotzdem eindeutig zu den Bösen. Die machen auch gewaltig viel Schwachsinn. Weiß nicht, ob ich es schon gebloggt habe, aber beispielsweise die „Waste Collection“ hat mich echt narrisch gemacht.

(c) Hennes und Mauritz via Glamour.de

(c) Hennes und Mauritz via Glamour.de

Das Besondere an der Kollektion: Sie ist aus Stoffresten genäht, die bei der Herstellung einer anderen Kollektion entstanden sind. Und das nennen sie dann „Waste“? Jeder Schneider früher hob sich Stoffreste auf und hätte sie nie im Leben als Abfall bezeichnet – oder wie glaubt ihr, sind Quilts entstanden? Da wird aus einer Sache, die selbstverständlich sein sollte, was „Besonderes“ gemacht und ebenso vermarktet. Wargh.

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H&M 2011 – Nachhaltigkeitsreport. Na. Ja!

Der H&M Nachhaltigkeitsreport 2011 ist erschienen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen beeindruckt und entsetzt sein. Die haben wirklich viel in Nachhaltigkeit investiert – aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob sie das wirklich für die Umwelt oder fürs Geldtascherl tun. Die Schweden sind die zweitgrößten Textilproduzenten der Welt – das bedeutet, die könnten sehr wohl was verändern, würden sie es ernst meinen. In Ansätzen liest sich der Report echt gut:

  • H&M verwendet mehr Bio-Baumwolle als jeder andere Produzent weltweit. Wie viele  Tonnen 2011 verarbeitet wurden, konnte ich allerdings nicht finden. Immerhin geben sie eine Prozentzahl an: 7.62% der gesamten verwendeten Baumwolle ist Bio. Nicht so viel…. Die 15.000 Tonnen, mit denen sie sich im Jahr 2010 brüsteten, fand ich lächerlich wenig. Allerdings: Bis 2020 sollen alle Produkte aus Bio-Baumwolle oder recycelten Rohstoffen sein. Bin gespannt.
  • Insgesamt gab es über 3600 Stunden „Nachhaltigkeitstraining“ im vergangenen Jahr.  „To offer more sustainable products to our conscious customers, our buyers and designers who decide what products we offer, have to be well informed about the sustainability value of different items. We provide dedicated internal and external training courses for these colleagues“ klingt mir etwas zu allgemein…
  • Auch bei der Schuhproduktion wollen sie jetzt ganz brav werden und wasserbasierte anstatt chemiebasierter Klebstoffe verwenden. Die Zahl klingt ja ganz beeindruckend: Sieben Millionen Paar sollen es 2012 sein. Und wieder fehlt die Gesamtzahl. Beim Leder geben sie wirklich Gas und wollen 2010 eine halbe Million Paar Schuhe mit Leder aus zertifizierten Gerbereien verwenden. Ähm…im Sinne der Nachhaltigkeit: Wieso nicht die Anzahl der Lederschuhe reduzieren?
  • Es gab anscheinend sehr viele Überprüfungen von den Lieferanten oder Produzenten, 78% davon unangekündigt. Find ich gut. Punkt.
  • Aber: Konsequenzen aus diesen Besuchen?
  • Den CO2-Ausstoß konnten sie reduzieren, vor allem durch die Verbesserung der Energieeffizienz in den Filialen. Hui, das riecht nach Energiesparlampen. Wer von euch kennt Bulb Fiction? 😉 Aber trotzdem: Auch in diesem Bereich sind große Bemühungen und messbare Ergebnisse zu erkennen.
  • Für die Polyesterprodukte haben sie das Äquivalent von 9,2 Millionen „post-consumer“ (schwer zu übersetzen) Plastikflaschen verwendet. Das dürfte genau die Fleeceproduktion sein. Als Fleecefan freuts mich.
  • Plastiksackerl. Schwiiiiiieriges Thema. Sie sagen, dass sie nur recycletes Material verwenden. Aber warum verwenden sie es überhaupt? Versuche möglichst oft, die Sackerln zu vermeiden. Zugegeben, beim Kleiderkauf ist das schwer. Die Umstellung auf Papiersackerl ist auch nicht so einfach – da diese in der Produktion viel größere Energiefresser als Plastiksackerl sind. Cholera oder Pest, würd ich mal sagen.
  • H&M kooperiert in Sachen Chemikalien mit Greenpeace. Freut mich sehr, die Kampagne „Schmutzige Wäsche“ von denen ist beeindruckend, interessant und aufrüttelnd. Auch in Sachen Sandblasting hat H&M damals ja sehr schnell reagiert. Allerdings: Gebracht hat es wenig, wie die Clean Clothes Campaign aufgedeckt hat.
  • Weitere Punkte sind die Reduktion des Pestizideinsatzes (was ich etwas seltsam finde, das als eigenen Punkt im Nachhaltigkeitsreport zu bringen, wenn sie gleichzeitig sagen, sie sind voll in Richtung Biobaumwolle gepolt), die Reduktion des Wasserverbrauchs und der Kampf um faire Löhne in den Produktionsländern. Ganz ehrlich, letzteres nehme ich ihnen nicht ab. Never. Ever. Die werden das prüfen lassen und irgendwelche Studien zum perfekten Durchschnittslohn in Auftrag geben, und dann wird’s heißen: „Sorry, das ist Länder/Fabrikssache, da können wir nix machen.“

Zusammenfassend: Schöne Ansätze, aber ich hab den ganzen Report bereits unter der Prämisse „Na, was wollens uns dieses Jahr erzählen von Weltrettung?“ gelesen. Es stellt sich einfach die Frage: Kann ein derart riesiger Konzern, einer der weltgrößten, komplett auf Nachhaltigkeit umstellen und dabei wirtschaftlichen Gewinn machen? Ist das realistisch?

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Jeans und Abnehmen

Ja, stimmt, es ist keine gute Idee, Chemikalien auf Jeans zu sprühen – und dieselben Chemikalien danach einfach nach draußen zu leiten. Interessante Doku über Jeans (von H&M…) und deren Produktionsmethoden. Und wieviele Paar Jeans habt ihr so im Schrank? Mein Stapel ist relativ hoch – doch passen nur die Hälfte davon…. Abnehmen statt neukaufen, die neue Devise!

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Von Kindern und der Great American Apparel Diet

Eine mir sehr wichtige Freundin steckt grad im klassischen Working-Mum-Dilemma. Sie hat nach der Karenz wieder zu arbeiten begonnen, und nun fehlt ihr eines: Zeit für sich selbst. Das Resultat: Krach mitm Liebsten. Und wie tröstet sie sich nach einem der Streits? Sie geht einkaufen und gibt 120 Euro aus (die sie eigentlich auf die Bank tragen wollte).

Der Clou: Nicht für sich, sondern für ihre Kleine. Erinnerte mich sofort an die Beginne der Great American Apparel Diet. Eine der Gründerinnen dieser Bewegung stellte fest, dass sie ihre kleine Tochter durch ihr eigenes Shoppingverhalten – für sich und für die Kleine – zu einer Person erzog, die sich über Kleidung definieren würde. Das wollte sie verhindern. Finde ich einen tollen Ansatz für den Beginn eines Shoppingboykotts.

Um die 120 Euro wurden 6 Kleidungsstücke gekauft. Das finde ich wirklich schockierend. Das Zeug passt der (übrigens unfassbar herzigen!) Kleinen genau einen Sommer lang und kostet bei H&M genauso viel wie Produkte für Erwachsene. Wobei, wenn man sichs genau überlegt: Viele tragen ihre „Erwachsenenkleidung“ ja auch nur eine Saison. Was keine Entschuldigung, sondern auch absurd ist.

 

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Trost?

Und wieder eine Beobachtung: Seit zwei Tagen beutelt es mich privat ziemlich her, weil mein heißgeliebter Kater eine ganzganz üble Prognose vom Tierarzt erhalten hat. Der gestrige Tag hat aus regelmäßigem Tränenvergießen bestanden, heut gehts schon viel besser, weil der Kleine sich auch schon fürs Erste sichtbar erholt hat.

Gestern Abend dann gedankenlos bei ebenso gedankenlosem Fernsehen im Internet gesurft und plötzlich – also ich weiß gar nicht, wie das geschah, also wirklich 🙂 – war ich im Onlinestore von H&M und bei Etsy bei den Kleidern.

Ja, ich wollte mich ablenken durch Shopping. Zum Glück die Reißleine gezogen. Bzw. das Stromkabel….

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Erleichterung

Hin und wieder landen Bestellkataloge in meinem Postkasten. Oft ist es H&M, manchmal La Redoute, hin und wieder andere Anbieter. Diese Kataloge blättere ich gern durch, lande dann aber meistens in den Onlineshops und schau mir dort nochmal alles an. Insofern kann man sagen, ich bin relativ katalogimmun. Dennoch: Heute im Postkasten ein ziemlich dicker Katalog. Und ziemlich große Erleichterung meinerseits, dass er an meinen Freund adressiert war und voll von Sportprodukten ist, die mich weniger interessieren.

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Gib Stoff!

Am vergangenen Wochenende habe ich auf einer Party Ena getroffen. Ena ist eine Bekannte von mir, die extrem toll nähen kann, und mit der ich ausgemacht hab, dass sie gemeinsam mit mir einen Rock oder ein Kleid näht (also ausverhandelt war ein Rock, jetzt bild ich mir aber grad ein Kleid ein, weil ich aus meinem Lieblingskleid in den vergangenen sieben Jahren etwas rausgewachsen bin und noch so eins haben möcht).

Was ich in Bezug auf meinen Einkaufsboykott und das immer intensiver einsetzende Nachdenken über die Sachen, die ich da täglich trage, im Gespräch mit ihr wahnsinnig spannend gefunden habe: Stoffe sind sauteuer (und ich meine RICHTIG sauteuer). Mit hier gekauftem Stoff ist man bereit bei einem Laufmeter Jersey über dem Kaufpreis eines Jerseyshirts im Fetzenladen nebenan. Ohne „Zutaten“ wie Faden oder Maschinenverschleiss, und vor allem ohne Arbeits- und Zeitaufwand. Na gut, kann man sagen, aber bei der Massenproduktion findet doch vieles maschinell statt. Ja, sag ich, vieles, aber nicht alles. In Bangladesch gibt es laut ARD-Doku „Der H&M-Check“ eigens angestellte Personen, die die überstehenden Fäden von den eingenähten Labels abschneiden  – den ganzen Tag.

Aber, und damit werd ich jetzt übermoralisch – es ist ja nicht nur die Massenkleidungsproduktion, in der vieles schief läuft. Es fängt ja schon bei der Stoffproduktion an. Das Fazit: Ich werd mich wohl nie wirklich ohne schlechtes Gewissen anziehen können, selbst wenn ich meine Sachen selbst nähe. Und trotzdem tu ichs jeden Tag. Verdrängung rockt. Und das grüngemusterte Kleid aus der Marni for H&M-Kollektion wäre sowas von meins, würd ich einkaufen dürfen. Ja, ich bin mir der Ironie des letzten Absatzes bewusst. Grummel….

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