Archiv für den Monat Februar 2014

Die Revolution nach Rana Plaza

Meine Tage sind gerade viel zu voll. Zwar nicht massiv stressig, aber einfach voll. Was mich voll müde macht – und was zu solchen Blogbeiträgen führt. Fotos posten und pfoah sagen. War keine meiner Meisterleistungen, tschulligung. Aber weil ich heut genauso müd bin wie gestern, lass ich heut einfach den Lars von der Grünen Mode bei mir plaudern. Er hat nämlich gestern gepostet:

Fashion Revolution Day: Mitmachen am 24.04.2014

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Am 24.4. ist der Jahrestag des Fabrikeinsturzes am Rana Plaza (Bangladesh), bei dem 1127 Menschen getötet und 2438 schwer verletzt wurden. Es ist der wohl schwerste Fabrikunfall in der Geschichte der Textilindustrie.

Anlässlich dieser Katastrophe hat FairTrade-Fashion-Pionierin Carry Sommers den Fashion Revolution Day ins Leben gerufen. Auf der ganzen Welt soll an diesem Tag für faire Arbeitsbedingungen demonstriert werden, in Gendenken an die Opfer dieser und unzähliger anderer Katastrophen in der Textilindustrie. Fashion Brands, Händler_innen, Designer, Aktivisiten, Bildungszentren und Privatpersonen sind aufgerufen, an diesem Tag ihre Unterstützung für einen globalen Wandel zu zeigen. Inzwischen sind bereits Aktionen in mehr als 40 Ländern geplant.

Der Fashion Revolution Day wurde von einer internationalen Gruppe bestehend aus UnternehmerInnen, AktivistInnen, PressevertreterInnen und AkademikerInnen sowohl aus dem Modebusiness als auch darüber hinaus initiiert, welche die Tragödie des Rana Plaza in Bangladesch als Anstoß verstehen, endlich etwas zu unternehmen. Er soll ein jährliches Ereignis werden, das Mode als positiven Einfluß auf unsere Gesellschaft und jene, die das möglich machen, feiert.

Das Thema für den ersten Fashion Revolution Day lautet, “Wer stellt deine Kleidung her?”  Mit einer simplen Geste, das Kleidungsstück mit der Innenseite nach aussen zu tragen (Hashtag #insideout), sollen die Menschen dazu angeregt werden, sich die Frage zu stellen, wer ihre Kleidung herstellt.
Jede(r) kann mitmachen und je mehr Menschen an diesem Tag InsideOut tragen, je stärker wird die Wahrnehmen sein. Auf Instgramm, Facebook und Twitter werden an diesem Tag Selfies mit dem Hashtag #insideout gesammelt, sodass die Aktion auch in den sozialen Netzwerken präsent sein wird.

Die internationalen Organisatoren hoffen, dass diese Initiative helfen wird, die öffentliche Aufmerksamkeit ein Jahr nach dem Fabrikeinsturz erneut auf die textilen Arbeitsbediungen zu lenken.

HändlerInnen, Brands und DesignerInnen weltweit werden Aktionen organisieren, indem sie ihre Ladenflächen, Schaufenster und Ausstellungsräume nutzen, um mit ihrer Kundschaft in Austausch zu treten. Mögliche Ideen sind:

• Schaufenster mit dem Thema “Triff die MacherInnen” dekorieren. Das können Bilder sein, oder tatsächlich Menschen, die etwas ‘live’ produzieren. Oder alle Kleidungsstücke könnten mit der Innenseite nach aussen ausgestellt sein. Online könnte es auch ein spezielles PopUp #insideout für den Fashion Revolution Day geben.

• Alle MitarbeiterInnen tragen ihre Kleidung an diesem Tag verkehrt herum und verbreiten Fotos davon über soziale Netzwerke.

Für Deutschland hat Magdalena Schaffrin (Green Showroom, Ethical Fashion Show) die Koordination der Aktionen übernommen und bittet alle, die etwas machen wollen, sie per Mail darüber zu informieren, damit sie die Aktionen auch auf der Kampagnen-Website eintragen kann. Ihr erreicht Magdalena unter fashionrevolution@magdalenaschaffrin.com
Zudem gibt es bereits eine Facebook-Gruppe für den gegenseitigen Austausch.

Ich bin ja total begeistert von der Idee, werd euch an dem Tag jedoch wahrscheinlich ein Inside-Out-Foto aus irgendeinem Nationalpark in Utah oder Arizona schicken. Aber ich würd mich total freuen, wenn ein paar österreichische Modefans ein Zeichen setzen wollen!

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Wenig Text, viel Pfoah…

Heute ist eine Premiere: Ich stehle schamlos Fotos aus dem Netz und gebe die Quelle nicht an. Wobei, doch: Pinterest. Alle Fotos: (c) Pinterest. Und sorry – ich bereite meine Beiträge ja oft am Vorabend vor. Und jetzt, also am Vorabend, bin ich erst gegen Mitternacht vom mütterlichen Geburtstagsfeiern nachhaus gekommen. Daher: Wenig Text, viel pfoah heute: Ich find Upcycling einfach so toll!!! Unendlich viel Inspiration:

Weiß nicht, ob ichs tragen würde, aber die Idee find ich witzig

Weiß nicht, ob ichs tragen würde, aber die Idee find ich witzig

Wer erkennts?

Wer erkennts?

Für die Apple-FanatikerInnen unter euch. Ich bin keine davon. Aber das Teil ist cool :)

Für die Apple-FanatikerInnen unter euch. Ich bin keine davon. Aber das Teil ist cool 🙂

Eigentlich ein Klassiker, aber diesen Klassiker hier find ich echt extrem hübsch.

Eigentlich ein Klassiker, aber diesen Klassiker hier find ich echt extrem hübsch.

Und mein absoluter Favorit: Eine Jacke, genäht aus Herkunftsetiketten und Waschanleitungen. Ich würd ja wahnsinnig werden beim Nähen. Umso toller find ich das hier grad.

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Ich weiß, es sind automatisierte Werbebanner, und die zeigen dir genau das, was du dir kürzlich angeschaut hast (auf die Tour haben mich mal Sandalen wochenlang verfolgt), und ich hab mir die Overlock auf der Hoferseite angeschaut vor ein paar Wochen. Aber die Positionierung des dieswöchigen Angebotes auf einer Seite, die sich nur mit Eco Fashion beschäftigt, ist dann doch ein gröberes Hoppala, oder? Zynisch, aber ich musste grinsen.

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Von der Zeichnung zum Kleid

So, und jetzt mal in aller Öffentlichkeit: Danke, liebe Frau Alltagsschön, dass du meinen Alltag verschönerst. Nämlich damit:

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So in der Art hatte ich mir das nämlich vorgestellt, damals, als mir das Kleid in der Zeitschrift so gut gefiel. Getragen hab ichs auch schon, aber ihr wisst ja, ich bin mies in Sachen Tragefotos…

Ich finds toll, wie aus so was

Das soll ein roter Zipp sein, am Rücken, von oben bis unten.

Das soll ein roter Zipp sein, am Rücken, von oben bis unten.

… ein Kleid auch wirklich entsteht. Und was für eins! 🙂

Bin übrigens selbst massiv auch im Nähfieber. Demnächst versuche ich mich an selbstgenähten Leggings. Ja, wirklich. Ich bin gespannt, wie es ausgeht, aber ich halt euch am Laufenden…

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Kofferpacken – Horror oder Gelegenheit?

April und Mai begeben der Liebste und ich uns ja auf Reisen – zwei Monate Auszeit, zwei Monate Reisen, und das ganze in den USA (der Mann darf in Kalifornien Mustangs und Cable Cars bewundern, ich werd mich in den Städten mal nach der dortigen fairen Modeszene umschauen). Falls es noch nicht bekannt ist: Ich hasse packen. Ich hab echt fast eine körperliche Abneigung gegens Packen. Denk ich an Packen und an den damit verbundenen Stress, an was man alles denken muss, krieg ich Instant-Kopfweh und -Darmgrummeln. Wäh. Ich haaaassee Packen. Und der Gedanke, zwei Monate ausm Koffer, der ist zwar per se jetzt nicht stressig – das hab ich schon mal für drei Monate gespielt -, aber das Überlegen, was dann alles reingehört in den Koffer, eben damit ich nicht gestresst bin – das ist schwierig. Das ist wirklich richtig schwierig. Einerseits hab ich immer noch genug anzuziehen, um locker ein paar Jahre durchzukommen, und bin komplett überfordert, da eine Auswahl zu treffen, andererseits freu ich mich auf die zwei Monate, wenn meine Auswahl auf ein Minimum reduziert ist.

Aber was soll dann rein in den Koffer? Temperaturtechnisch wirds ja spannend, zwischen zwei Grad (ok, in der Nacht) und zwanzig Grad ist im April in Kalifornien alles möglich. Mit ein bissl klimawandlerischem „Glück“ auch mehr. Danach gehts rauf in den Norden. Seattle und Vancouver Anfang Mai, das wird nochmal zwei, drei Grad kühler. Und dann, ja, ich glaubs noch gar nicht: zehn Tage Hawaii (und dann komplett pleite zurück, aber das ist eine andere Geschichte). Sehr warm. Sommer.

Am Wochenende hab ich mich wieder an diese Geschichte erinnert, die auch im Buch vorkommt. Ein Monat lang nur sechs Teile aus der Garderobe anhaben – und schauen, obs wem auffällt. Bei zwei Monaten würd ich auf 10 bis 12 Teile aufrunden. Damit ist der Koffer immer noch leicht genug, um nicht in Übergepäck-Zahlungs-Gefahr zu kommen.

Eine andere Idee: Die von Meike Winnemuth. Die hat sich von der Designerin vom kleinen Blauen eine so fantastische Garderobe schneidern lassen, dass sie mit wenigen Teilen wirklich immer gut angezogen war. Hier die Beweisfotos, alles Screenshots ihres Blogs der Weltreise (aus dem übrigens ein fantastisches Buch entstanden ist):

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Gut, wenn man genau hinschaut, sind es gar nicht sooo wenige Kleidungsstücke, ich habe beim ersten Durchschauen folgendes entdeckt: Skinny Jeans dunkelblau, weite Hose dunkelblau, Jogginghose, Trägertops blau, weiß, mittelblau, kurzärmlige Bluse, langärmlige Bluse blau und weiß, Langarm Jerseytop blau, weiß, Blaue Bikerjacke, grauer Schal, Blauer Rock, Wickelrock Jeansartig, Jeansjacke, Jeansbluse, Blazer, türkis Tunika, türkis Bluse, Das kleine Blaue, dunkelblaues Ballonkleid, Blaues Trägerkleid. Uff, doch gar nicht so wenig, aber es passte doch anscheinend alles in ihren 23kg schweren Koffer.

Ich werd mich wohl irgendwo dazwischen ansiedeln. Ich werd mir diese „Mit wenigen Teilen-durchkommen“-Challenge geben. Ist doch schließlich die perfekte Gelegenheit dafür, oder? Nur dass ich grad keine Ahnung hab, welche Teile es bei mir werden sollen.

Und wie es sich anfühlen wird, nach den zwei Monaten wieder nach Wien zu kommen, zu meinem immer noch vollen, aber verschließbaren (war nicht immer so!) Kleiderschrank. Wahnsinn, das wird dann wahrscheinlich die Ausmisterei des Jahrhunderts 🙂

Ps: Und falls die Frage aufkommt: Ja, ich werde weiterbloggen. Aber ich werd keinen „Schauts wo ich auf Urlaub bin, liebe Dahimgebliebene“-Blog draus machen. Urlaub ist Urlaub ist privat. Sondern ich werde weiterhin themenbezogen schreiben – nur wie oft das sein wird, das kann ich noch nicht sagen.

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Linz, Lesen und aus den Latschen kippen. Also fast.

Also eigentlich wollt ich heut ja über mein neues Kleid schreiben. Das Kleid, das aus einer Idee, geschenktem Stoff und mit Hilfe von Twitter entstanden ist. Eine mir zu dem Zeitpunkt noch Unbekannte bot an, mir beim Nähen zu helfen. In Wahrheit hab ich genau den Stoff geschnitten, den Rest hat sie erledigt. Das Ergebnis: Sehr, sehr sehr nah an meinen Vorstellungen, sehr warm und gemütlich, und immer gut angezogen mit dem Teil. Genial. Danke nochmal an die Frau Alltagsschön!

Leider hab ichs bis heute nicht geschafft, gscheite Fotos davon zu schießen. Aber hier ein Beweistragefoto:

(c) Stern und Kringel

Ja, ich habe meine Hände in Rocktaschen. Gemütlichen, weichen, weiß getupften roten Taschen. Herrlich! Ansonsten sieht man nicht viel vom Kleid….dafür die Janna vom Xiling, den Flo vom Eco-Store und die Dame von Natürlich Baby, deren Namen ich vergessen hab, sssssssoooorrryyyy!!!!  (c) Stern und Kringel

Fairhandeln, insbesondere die liebe Janna vom Xiling (liebe LinzerInnen: Wenn ihr in diesen wunderbaren Laden in der Rainerstraße geht, dann schaut beim Reingehen gleich nach rechts. Da hängt die neue Kollektion von Hypnosis. Sabber.), hatten mich nämlich zur Lesung nach Linz geladen. Ich also ins Auto (der letzte Zug wär um neun gegangen, das war mir angesichts meiner Linzer Bekanntschaften eindeutig zu früh) und ab zur Lesung. Die Lesung fand unmoderiert statt, was aber egal war, holla, ich war in Form. Die Linzerinnen (und ganze vier Linzer! Von denen ich drei persönlich kannte 😀 ) hab ich erfolgreich niedergequatscht. Aber es war wirklich, wirklich, wirklich spaßig (ich hoff, den Zuhörenden hat es genauso viel Spaß gemacht wie mir).

Eine halbe Stunde vor der Lesung kam es übrigens zum Hoppala. Ich hatte keine Bücher zum Verkauf mit, Janna keine organisiert. Also ab zum Thalia und ein paar Stück auf Lieferschein mitnehmen. Wir erklären die Situation, war alles kein Problem, und die Verkäuferin meinte: „Wieviel Stück brauchts ihr denn?“ Ich: „Wieviele habt ihr denn auf Lager?“ Sie: „Siebenundzwanzig. Die gehen wie die warmen Semmeln.“

Alter Falter. Dann zeigte sie auf das Regal hinter ihr, das ich vorher komplett ignoriert hatte:

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Whooooow…. noch so ein Skurril-Moment.

Kurz: Es war ein wunderbarer Abend der Art, wie sie ruhig öfter stattfinden dürften. Und wenn ich nicht noch nach Wien hätte müssen, hätts auch ruhig ein längerer Abend werden können! 🙂 Liebe LinzerInnen, die ihr in der Stadt wohnt, in der Ökomode einfach ganz weit vorne ist: Auf bald wieder!

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Nachtrag zum Frustlesen

Ich möcht nochmal auf meine Nachdenkerei von vorhin eingehen: Ich hab dieses Frustgefühl hin und wieder. Aber was in dem Beitrag nicht wirklich herauskam: Ich bin überzeugt, dass wir alle was tun können – und dass kritischer Konsum wichtig ist. Nur wusste ich nicht, wie ich das richtig in Worte fassen kann.

Das hat Isabelle auf Facebook für mich übernommen:

Doch, der Kunde hat es in der Hand. Es mag etwas länger dauern, aber die Industrie will verdienen. Sie wird ihre Prokuktion ändern, wenn sie gezwungen wird. Es ist einfach zu sagen, wenn ich nicht konventionell einkaufe geht es den Menschen noch schlechter. Kurzfristig ja, langfristig nein. Bei Kinderarbeit wird meist genauso argumentiert: so hat die Familie aber genug Geld für Lebensmittel, usw. Kinder haben aber ein Recht auf Freizeit und Schulbildung. Die Näherinnen ein Recht auf eine angemessene Entlohnung und Sicherheitsstandards. Davon ab kann keiner die Welt retten, das ist leider so. Man kann sich nur bemühen, sie ein wenig zu verbessern.

Danke für diesen Kommentar.

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Man kann nix richtig machen

Ich hab mich komplett in „Where am I wearing“ festgelesen – und wiedermal sind meine mühsam aufgebauten Wertigkeiten durcheinandergeschüttelt worden. Ja, es gibt das Argument, dass man doch bitte weiterhin konventionelle Mode kaufen soll, denn so haben die ArbeiterInnen wenigstens einen Job. Ich hab das bisher immer kritisch gesehen, weil ich mir dachte: „Aber dann ändert sich ja nix! Irgendwie muss man als kritischer Konsument hier im Westen doch ein Zeichen setzen können!“

Kelsey Timmerman hat sein Buch 2007 recherchiert und geschrieben – danach kam die Wirtschaftskrise. Die wir in Österreich zwar wenn, dann wirklich nur marginal gespürt haben. In den USA hat sie jedoch voll zugeschlagen. Und dementsprechend ging dort der Konsum signifikant zurück. Die US-Amerikaner kauften weniger, nutzten ihre Eigentümer länger.

2007 traf Timmerman in Kambodscha zwei Näherinnen, die beide vom Dorf kamen, und als Jeansnäherinnen in der Stadt ihr halbes Gehalt nachhause schicken mussten, um ihre Familie zu ernähren. Die eine wollte unbedingt einen Schönheitssalon eröffnen, die andere träumte von einem fixen Vertrag – zum damaligen Zeitpunkt kontne sie jederzeit rausgeschmissen werden. Er begleitete sie in ihre Heimatdörfer, lernte ihre Familie kennen, lies sich von den Brüdern der einen auslachen, als er bemerkte, dass er in einem Ameisenhügel stand.

Als die Krise zuschlug, wirkte sie sich auch auf Kambodscha aus. Signifikant viele Fabriken schlossen, die NäherInnen wurden schlagartig arbeitslos. Timmerman recherchierte, wie es den beiden Mädels (deren Namen ich vergessen hab, aber das Buch liegt zwei Zimmer weiter, ich kann so unglaublich faul sein, sorry) ging. Sie hatten „Glück“, die eine war inzwischen Mama und verkaufte Beautyprodukte in und vor ihrem Haus, die andere hatte eine Anstellung in einem Hotel gefunden. Anstrengend, aber angestellt.  Viele andere jedoch hatten nicht so viel Glück, auch hier gibt es eine erhebliche Dunkelziffer, was Prostitution oder sogar Selbstmorde angeht.

Es ist doch wirklich teuflisch. Einerseits haben wir Westeuropäer und US-Amerikaner den globalen Süden quasi versklavt, sehr pauschal gesprochen und dennoch auf die Textilindustrie gemünzt. Und jetzt müssen wir dieses System erhalten, damit die Sklaven nicht komplett verhungern? Das ist ein Form der Co-Abhängigkeit, die sicherlich keiner der beiden Parteien (den reichen, kaufenden Westlern und den Arbeit suchenden Kambodschanern) eingefallen wäre. Das ist auf dem Mist einiger, weniger, verabscheuenswürdig geldgeiler Menschen gewachsen und außer Kontrolle geraten. Aber halt, so einfach ist es nicht: Wir sind auch gewaltig mit Schuld daran, dass es so weit gekommen ist, indem wir über 25 Jahre das günstige Angebot mehr als nur genossen haben und nicht weiter darüber nachgedacht haben, wo es herkommt und wie es hergestellt wurde.

Nur, was machen wir jetzt? Ja, ich stehe da draußen für einen einjährigen Konsumboykott, den ich aus persönlichen Gründen begonnen habe. Ich bin auch überzeugt, dass man „gut“ konsumieren kann und so die bessere, faire Form der Produktion unterstützen kann. Ich hab halt immer noch keine Lust auf konventionelle Mode, das ist auch im letzten Jahr nicht wiedergekommen. Ich denke oft darüber nach, was die Kollegin mir mal gesagt hat – dass es vielleicht doch besser wäre, würden die Mädchen nicht in die Stadt gezwungen, sondern würden arm zwar, aber am Land und in der Landwirtschaft bleiben – und kann mich immer noch nicht entscheiden, ob ich ihr rechtgeben oder entschieden widersprechen soll. Ich weiß nur für mich persönlich: Ich weiß, wie gesegnet ich allein durch den Ort meiner Geburt bin. Ich weiß, dass ich nicht komplett gedankenlos durch die Gegend gehen will, und ich weiß, dass ich so gut wie möglich sozial und ökologisch verträglich Produziertes kaufen möchte.

Vor allem dieser Gedanke, dass wir hier es wahrscheinlich kurzfristig dort schlimmer machen, weil wirs besser machen wollen für die ArbeiterInnen, der nervt. Aber konsequent durchgedacht bin ich eine von denen, die – wenn sich der von uns proklamierte „gute Konsum“ durchsetzt, die Jobs einiger KambodschanerInnen auf dem Gewissen haben, plakativ gesprochen. Es ist doch gemein, dieses Gefühl, dass man nichts richtig machen kann.

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Die Nunu und der Müller

Ich habe ein verdammt unvorteilhaftes Foto von mir gemacht, so richtig peinlich mit Hausbatschen und Bauch raus und das Gsicht hab ich sicherheitshalber gleich abgeschnitten. Da ist noch der Mascara von gestern drauf.

Aber egal. Hier mal wieder ein Bildbeweis, wie sehr mich das Jahr 2012 verändert hat. Abgesehen von den Socken und dem Shirt untendrunter, das man aber eh kaum sieht, ist alles, was ich anhabe, selbstgemacht (oder selbstverändert). Und das ist nicht absichtlich zusammengestellt, das war Zufall heute vormittag, als es schnell gehen musste, weil ich katastrophal verschlafen hatte (in der Nacht in Regen und Nebel von Linz nach Wien im Auto ist gscheit anstrengend, hab ich feststellen dürfen, vor allem, wenn man so selten autofährt wie ich). Der Pullover ist derzeit meine ultimative Zuhause-und-Wochenend-Uniform. Herrlich.

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Das hätt ich mir vor zwei Jahren echt nicht vorstellen können (aber auch nicht, mal ein Foto von mir im Schlafzimmer ins Netz zu stellen. …).

War übrigens heute beim Müller im zweiten, und hab den Herren mal drauf angeredet, wo sie ihre Stoffe herbekommen. Er meinte, sie kaufen nur Restbestände. Nie irgendwas aus neuen Kollektionen, nie werden extra Farben oder so bestellt, es werden nur Reste gekauft. Auf meine Frage, ob sie auch Bio-Stoffe dabei haben, meinte er nur: „Ja, haben wir manchmal, aber sehr selten – und wenn, sind die sofort weg.“ Ja, es ist nicht bio, und ich versuche, so oft wie möglich mit Biostoffen zu arbeiten (bastel grad an einem Rock aus Biojersey ausm Stoffsalon), aber für meine Anfängerversuche – auch nach zwei Jahren fühl ich mich nähtechnisch immer noch wie eine Anfängerin – sind mir dann Müllerstoffe, die schlicht und einfach Bestandsware sind, die ansonsten quasi industriell weggeschmissen würden, doch lieber. Klingt das jetzt nach Ausrede? Ich mag nur ehrlich sein….

 

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Where am I wearing?

Nein, kein böser grammatikalischer Fehler (so gut Englisch kann ich dann doch), sondern ein Buchtitel.

Ok, also mein Buch hat vor ein paar Tagen die 10.000er-Grenze durchbrochen. Hammer, oder? Ich finds immer noch unglaublich, ich hätte nie damit gerechnet, dass das Ding SO einschlägt. So sehr, dass ich sogar mal in RTL Punkt 12 und RTL aktuell (!) vorkomm, unfassbar, oder? Und ich? Ich bin gedanklich schon bei den weiteren Schritten. Zum Beispiel bei einem weiteren Buch. Seit Beginn meines Projekts vor über zwei Jahren hab ich einen Wunsch: Ich will mal die Produktionsstätten von konventioneller Kleidung mit meinen eigenen Augen sehen. In den letzten Wochen keimte eine Idee in mir – nach Bangladesch und mit eigenen Augen sehen, wie meine ungetragene grüne Hose produziert wurde, nach Kambodscha und sehen, unter welchen Bedingungen meine Textilschwedenlongsleeves, die nach jahrelangem Tragen am Auseinanderfallen sind, genäht wurden, und dann noch nach China, auf der Suche nach den Herstellungsorten meiner Trekkingschuhe und Flipflops. Sicher eine sehr anstrengende Reise, aber mein Herz und mein Bauch haben in den letzten Wochen permanent meinem Kopf erklärt, dass ich mir langsam mal was überlegen sollte, wie ich das Geld dafür aufstelle.

Doch so wie bei der Shoppingdiät bin ich auch in diesem Fall nicht diejenige, die das Rad quasi erfunden hat. Die Idee hatten schon mehrere. Und einer, der hat das auch durchgezogen.

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Ich entdeckte sein Buch und dachte mir: Lesen. Vielleicht ist das Buch ja ganz langweilig geschrieben und ich schreib das sicher viiiiel besser. Doch leider …
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