Aber ich bin noch nicht fertig!

Für die, die sich veilleicht insgeheim gefreut haben, dass ich mit einem fertigen Kleiderschrank auch endlich aufhöre, täglich so viel Blabla von mir zu geben (dass der Bezirksvorsteher vom siebten Bezirk meinen Beitrag mit einem „like“ markiert, hat mich diesbezüglich etwas nachdenklich gemacht 😀 „Endlich gibts a Ruah!“, oder wie?): Da muss ich euch leider enttäuschen. Denn da draußen gibt es erstens noch viel zu viele Dinge, die man wissen sollte, und aus denen man Konsequenzen ziehen sollte, und auch noch superviele Menschen, die nicht den konventionellen Weg gehen, sondern auf bio und fair setzen, und die ich hier vorstellen möchte.

Was mich beispielsweise in letzter Zeit beschäftigt, ist Sumangali. Dieser  so nett klingende Name steht für ein ganz schreckliches System im der Textilbranche: In Indien werden junge Frauen quasi an die Textilbranche verkauft. Sie werden mit dem Versprechen, am Ende der drei oder fünfjährigen Vertragsdauer ine hohe Auszahlung zu bekommen, in die Fabriken gelockt. Diese Auszahlung brauchen sie, da eine junge Inderin (oft aus der Kaste der Unberührbaren) ohne hohe Mitgift keinen Mann findet. In den Fabriken werden sie dann ausgebeutet bis dorthinaus. Ich zitiere aus einer Aussendung der Clean Clothes Kampagne:

„12-Stunden-Schichten, 7-Tage-Woche, kein Urlaub, ständige Überwachung, Gewalt und Demütigungen, unzureichender Arbeitsschutz, notdürftige medizinische Versorgung. Das durchschnittliche Monatsgehalt liegt bei 22  Euro, rund 100.000 – 150.000 Frauen sind betroffen.“

Nicht nur, dass in vielen Ländern Frauen mehr oder minder freiwillig (ok, eher minder) für einen solchen Job entscheiden, weil sie ihre Familie ernähren müssen und keine ordentliche berufliche Alternative haben – bei diesen jungen Inderinnen wird obendrein noch mit ihren Gefühlen gespielt. Sie glauben, danach bessere Ausganspositionen auf ein etwas besseres Leben zu haben (und hier muss ich mir immer wieder in Erinnerung rufen: Es ist alles andere als selbstverständlich, als unverheiratete Frau selbstbestimmt leben zu können).

Übrigens: Man kann sich vorstellen, wie fair das System ist. Diese Zahlungen am Schluss finden oft nicht statt. Mich macht das Thema echt extrem nachdenklich: Auf einem Kleidungsstück kann ich nicht sehen, wer es genäht hat, ich kann also nicht wissen, ob es aus Zwang entstanden ist. „Made in India“ boykottieren ist wahrscheinlich in etwa so sinnvoll wie „Made in Bangladesh“ boykottieren. Man kann hier eine Petition unterschreiben, aber de facto kann man nix machen, von hier aus – und auch direkt in Indien ist die Arbeit dagegen sicherlich massiv schwer, die werden einem die Fabrikstüren dort nicht unbedingt aufhalten. Die einzige Option, die ich für mich festgestellt habe: Egal, ob Made in India, made in Bangladesch oder made in Hintertupfing: Fair Trade. Nur da kann man sich zumindest ein bisschen sicherer sein, dass es kein Sumangaliprodukt ist, das man da in Händen hält.

Ach, ich find das manchmal so frustrierend.

Getaggt mit , , , ,

2 Gedanken zu „Aber ich bin noch nicht fertig!

  1. Mäh! sagt:

    Auf Ö1 gab es gestern einen Beitrag dazu – unter anderem mit Interview einer Arbeiterin.
    –> http://oe1.orf.at/programm/366108

  2. Stadtpflanze sagt:

    Boykott ist auch in meinen Augen keine Lösung…ABER ich finde es schon wichtig, mehr oder weniger regionale Hersteller zu unterstützen – als folge davon kauft man auch weniger aus Bangladesh, Indien etc.. Kein Boykott, aber die selbe Wikrung?

    Aber verwerflich finde ich das nicht unbedingt, im Gegenteil, weil man auch mit seinem Verhalten zeigen „muss“, dass man als „Konsument“ auch Alternativen haben kann und sie vor allem auch annimmt.

    Zum Beispiel manomama – bezahlbare Kleidung aus sozial fairer Fertigung in Deutschland, aus Biobaumwolle aus der Türkei. Oder Cradle2Cradle Konzepte… so wird zwar AUCH in Asien hergestellt, aber in der Mehrzahl der Fälle doch in Europa, weil es „dazugehört“, dass man „einfache“ Arbeiten nicht an „Billiglohnländer“ ousourced.

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