Ich muss Abercrombie&Fitch fressen

Gestern über eine Kurznachricht gestoßen, bei der mir klar war: Die fress ich heut. Schriftlich. Hier. Am Blog. Aber sowas von.

Abercrombie & Fitch – ich darfs kurz in Erinnerung rufen: Ich war sie mal in Hamburg „besuchen“, es mündete in einem Beitrag namens „Aber Biomode ist teuer, nee, ist klar“. Das sind die, bei denen es (miesest produzierte) Damenfetzen nur bis Größe M, für Kerle bis XXL gibt. Wo männliche Models oben ohne am Eingang standen (auch das ist Sexismus, nicht immer nur die nackerten Frauen). Wo es drinnen so dunkel war, dass ich anstatt nach einem neuen Kleid eher versucht war, nach dem Lichtschalter zu suchen. Und deren (übrigens potthässlicher! – sorry, subjektiv, aber echt jetzt, oder?) inzwischen seit ein paar Wochen ehemaliger Chef meinte: Es gibt Frauenkleidung nur bis Größe M, weil sie die „cool kids“ einkleiden wollen, die, die an der Schule der Mittelpunkt sind, die Meinungsführer. Und bei Mädels in dem Alter sind das halt nicht die großen Dicken.

Was für ein …. (Begriff sicherheitshalber rausgenommen), oder? Gut, ich hab jetzt ein Porträt über Jeffries gelesen und denk mir: Ja nö, tauschen möcht ich mit deinem Leben jetzt auch nicht unbedingt, so ohne massive Kontrollzwänge lebt es sich nämlich auch nicht so schlecht. Und der Firma gings nach dem Skandal jetzt auch nicht mehr unbedingt rasend gut, die Quartalszahlen sanken stetig. Und mit 70 zwar ausschauen wie mit operierten 50, dafür aber von einen Tag aufn anderen den Job los sein – nun ja. Auch nicht so das Wahre, nüm?

Gut, denkt man sich: Vielleicht habens ja was gelernt aus der ganzen Sache, vielleicht krempeln sie jetzt zumindest ein bissl ihr Marketingkonzept um (und produzieren trotzdem munter in Bangladesch und Co. ihre qualitativ echt schlechten Fetzen weiter, so weit gehen sie dann doch nicht), oder bei aller Liebe für unschuldige Angestellte: Vielleicht gehen sie krachen und die Welt hat ein Fast-Fashion-Label mit überkonsumistischem Marketingkonzept weniger.

Abercrombie und Fitch macht jetzt in Corporate Citizenship. Das ist sowas wie die Vorstufe zu CSR. CSR bedeutet: Wir produzieren verantwortungsvoll. CC bedeutet: Wir, das Unternehmen, spenden für die gute Sache. Mit einer Biersorte konnte man Regenwald retten, mit einer Hautcreme wurden Kinderdörfer finanziert usw. Dazu kann man stehen, wie man will. Ich finds einerseits gut, weil sich so ganz gute Projekte finanzieren können, andererseits beschi..en, weil Firmen damit einfach nicht vor der eigenen Tür kehren. Sie stellen sich als die Guten da, weil sie ja spenden und so, aber auf die eigene Produktion schauen sie nicht. Was Abercrombie jetzt macht, ist auf den ersten Blick logisch, auf den zweiten Blick so zynisch, dass ich wirklich nur noch dachte: Ich fress euch. Auf.

Die Textilwirtschaft schreibt:

Abercrombie & Fitch setzt sich gegen Mobbing ein

Der US-Moderetailer Abercrombie & Fitch bietet dem Mobbing in amerikanischen Highschools die Stirn. Im Rahmen seiner „Anti Bullying“-Kampagne vergibt das Unternehmen aus New Albany/Ohio bereits seit 2013 gemeinsam mit der Stiftung und gemeinnützigen Gesellschaft „The National Society of High School Scholars“ (NSHSS) den sogenannte Anti-Bullying Scholarship Award. Der Betrag in Höhe von 2500 Dollar (2300 Euro) soll für eine spätere College-Ausbildung eingesetzt werden.

Aus über 1500 Teilnehmern wurden dieses Jahr wieder zehn Gewinner ausgewählt, die sich entweder erfolgreich gegen Mobbing eingesetzt oder trotz Mobbing gute schulische Leistungen gebracht haben. Im Rahmen seiner aktuellen Umpositionierung promotet Abercrombie & Fitch diese Initiativen deutlich stärker als in der Vergangenheit, wo bewusst ein „Bad Boy“-Image gepflegt wurde.

„Umpositionierung“ ist doch süß, oder? Jahrelang dafür sorgen, dass Mädels mit meiner Größe sich in einem kritischen Alter, was Prägung angeht, Komplexe noch und nöcher andenken, mit einer Markenpositionierung dafür sorgen, dass es zu einem regelrechen Markenwahn unter Jugendlichen kam, und dann sagen: He, wir zahlen 2300 Euro für einen Award, wenn du dich aktiv gegen Mobbing einsetzt, liebe Schülerin. Pfwwwooooaaah ist das billig! Und zwar nichtmal nur im übertragenen Sinn – allein das Schalten von Anzeigen in Zeitschriften in einem einzigen Land kostet die locker das zwanzig- bis dreißigfache! Und da ist das Shooting der Anzeige selbst noch nichtmal mit eingerechnet (da fällt mir auf: Eigentlich wärs mal spannend aufzurechnen, um wieviel Geld die billigsten Fetzen eigentlich abfotografiert werden – das steht in genau gar keiner Relation).

Das ist doch so, wie wenn – und diesmal nehm ich ausnahmsweise KEIN eigenes Beispiel her, ehrlich (ich weiß, dass meine Brüder das lesen, nämlich) – der Bruder die Schwester jahrelang bis aufs Blut sekkiert und tyrannisiert, um ihr dann irgendwann zu sagen, sie sei eh super und habe immer so supertolle Sachen gemacht und er war ja nur neidig. Die denkt sich doch auch: „Ja genau, und die Erde ist eine Scheibe. Komm, Bruder, verpfeif dich, hau dich über die Häuser, und red dir das in ein Sackerl, aber mit so einem Topfen brauchst net bei mir ankommen“ (es ist ein Wiener Geschwisterpaar, eindeutig, merke ich gerade).

Abercrombie & Fitch verteilen Preise gegen Mobbing.

Dass denen das nichtmal peinlich ist!

Und damits auch ein Bild gibt: Das ist mein Lieblingsfoto aus dem Laden in Hamburg: Gestatten, Nunu „Elch“ Kaller.

2014-02-15 12.42.32

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7 Gedanken zu „Ich muss Abercrombie&Fitch fressen

    • nunette sagt:

      Die haben ihn bereits gekündigt und er versucht sich anscheinend gerade wieder reinzuargumentieren (reinzuklagen?). Auch spannend, auf alle Fälle.

  1. blaupause7 sagt:

    Wenn ich im Text lese, die Firmenpolitik sei früher so gewesen, das man die sogenannten „cool kids“ als Zielgruppe habe (ja klar, diejenigen, die das große Wort führen und nicht selten die größten Mobber unter der Sonne sind) – und ich davon ausgehe, dass sich dies nicht geändert hat, dann halte ich diese „Abercrombie & Fitch setzt sich gegen Mobbing ein“-Kampagne schlichtweg für Heuchelei und Verarschung pur.

    Dabei frag ich mich, was an simplen Sweatshirts mit Firmenaufdruck in blutarmen Farben cool sein soll. Abercrombie & Fitch bzw. Hollister wird mich als Kunden nie gewinnen können. Auch nicht, wenn ich meinem Patenkind später Klamotten kaufen möchte.

  2. terisha sagt:

    Gegen A&F hat auch eine Muslimin gewonnen, da sie fuer einen Job abgelehnt wurde …
    Hab nur den Header der NY Times ueberflogen ….

  3. Kristiane sagt:

    Eine Frage fernab: Nimmst Du Blogger-Labels eigentlich auch unter die Lupe?: http://www.journelles.de/instalove-shooting-fuer-mein-label-jouur/

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