Zwei Buchrezensionen. Beide spannend.

So. Ich habe jetzt genau eine Dreiviertelstunde Zeit, zwei Bücher zu rezensieren, dann gehen die freizeitlichen Verpflichtungen weiter. Gut, gehen wirs an. Gleich vorweg, das soll jetzt bittebitteBITTE nicht arrogant rüber kommen, aber: Ich kenne beide AutorInnen, die Rezensionen von mir könnten auch mit der Person verknüpft sein … 

  1. Frau Jona&Son: ReDesign.

redesign

Sonja, so heißt die Frau nämlich wirklich, hat Ausbildung und Hintergrund im Design und lebt überzeugt und sehr „sortenrein“ ökologisch. Man merkt das im Umgang mit ihr (positiv!), aber definitiv nicht an ihrer Optik. Sie widerlegt den „Jutesack-Ökoschlapfen-Vorwurf“ auch immer wieder ganz brilliant, hauptsächlich das Upcycling hat es ihr angetan. Nach einigen Infokapiteln zu konventioneller Modeproduktion und ihren Alternativen sowie Nähtechniken kommen in dem kürzlich erschienen Buch die Nähbeispiele. Ich hab grad null Zeit zum Abfotografieren und war auch zu deppert, mir die angebotenen Fotos schicken zu lassen, aber lasst euch gesagt sein: Es sind sehr schöne, inspirierende Teile drin – vor allem ihre Vorschläge, was man aus einem Herrenhemd zaubern kann, haben es mir angetan. Einziges Manko: Wäre ich Anfängerin, wär ich überfordert, so schön das Buch designt ist, so kurz sind teilweise die Erklärungen gehalten. Dennoch: Für die Nähfans unter meinen Leserinnen ist das Buch definitiv einige Blicke wert – vor allem, weil es vom üblichen „du brauchst so und so viel Meter Stoff“ weggeht und hin zu einem „Trau dich mal, die Sachen in deinem eigenen Kleiderschrank umzunähen“ hingeht.

Apropos Öko, Georg Renner, jetzt bei nzz.at, früher ein Arbeitskollege von mir, hat mich letztens mal als „Hardcore Öko“ bezeichnet. Ich war sturzbeleidigt, irgendwie: Das trifft insgesamt definitiv nicht auf mich zu, aus seiner Perspektive wahrscheinlich schon. Aber auf Sonja trifft das zu, auch aus meiner Perspektive. Und ich bewundere sie dafür 🙂

ReDESIGN ist erschienen im Haupt Verlag, man bekommts überall im stationären Buchhandel.

  1. Thomas Weber: 100 Punkte Tag für Tag

100 punkte

Thomas Weber hat den Nachfolger zu „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ geschrieben. Viele unterschiedliche Ideen, wie man seinen eigenen ökologischen Fußabdruck verkleinern kann. Einige Ideen sind so einfach, dass man sich denkt: Jo eh! Aber dann doch wieder sinnvoll, einfach, weils so viele nicht mehr machen. Die gehen dann in die Richtung: Engagiere dich in deinem Umfeld, pflanz dein eigenes Essen an, und um Himmelswillen (ich denks mir sooo oft): VOR ALLEM, wenn du in Wien wohnst, aber auch sonstwo im deutschsprachigen Raum: TRINK LEITUNGSWASSER! Es ist gut wie nirgendwo sonst! Und wenn du es sprudeln lassen willst, kauf einen Sodastream mit Glasflaschen. Das ist zwar jetzt Produktwerbung, weil sie die einzigen am Markt sind, aber ich kanns echt nur empfehlen: Man schleppt keine Flaschen mehr, man verbraucht nicht sinnlos Plastikflaschen, und man hat Wiener Leitungswasser mit Kohlensäure.

Bei einem seiner Tipps ists mir allerdings etwas aufgestoßen; „Bestell online“. Was er damit sagen will: Wir sind die totalen Spontankäufer im Netz geworden. Einfach, weils verfügbar ist, klicken wir auf „In den Warenkorb“, und die Versandhändler unterbieten sich gerade in Sachen Lieferzeiten – diesem Trend sollte Einhalt geboten werden. Aber seine Rechnung, wieso im Internet bestellen besser ist als selbst einkaufen fahren (im Sinne von: Besser ein randvoller Lieferwagen mit Lieferungen als jedes Klumpert selbst mitm Auto einkaufen fahren) hat in meinen Augen zwei große Mängel. Erstens: Bei den ganzen Lieferdiensten geht es arbeitsbedingungstechnisch ziemlich mau zu (ich empfehle dazu die Recherchen von Günther Walraff, der da eine sehr berührende Reportage geschrieben hat), und zweitens: Durch die Retouren geht die Logik in meinen Augen verloren. Es wird alles sinnlos wieder zurückgeschickt, und Zalando hat derzeit 85% Retouren (!!). Ich verurteile Onlinebestellen ganz und gar nicht, es hat wirklich auch vorteile, aber wenn Thomas jetzt davon schreibt, dass es langsamer werden muss und wir uns wieder an Lieferzeiten von mehreren Tagen gewöhnen sollten, ist das in meinen Augen keine Umweltverbesserung, sondern maximal eine Umweltnichtverschlechterung. Ich gebe meine Gedanken hier jetzt mal sehr verkürzt rüber, aber es geht hier nicht darum, zu erklären, was ich von Onlinebestellungen halte, sondern um Thomas Webers Buch. Aber wir diskutieren da gerade eh bei dem Thema, wenns euch interessiert, veröffentliche ich demnächst mal unseren Chat dazu (und wenn ers mir erlaubt, aber nachdem er gemeint hat, er gibt auch gern ein Interview, geh ich davon aus, dass ich darf 🙂 ). Ich freu mich schon auf nächsten Dienstag im Buchkontor, da stellt er das Buch vor, und ich fürchte fast, das wird ein längerer Abend werden.. 🙂

Ich geb zu, bis auf die Kapitel, die mich bei der Inhaltsangabe gleich mal angesprungen sind (sehr leiwandes Kapitel, das mir aus der Seele spricht: Reiß das Styropor aus der Fassade), habe ich das Buch nur quergelesen. Ich empfehle: Wenn, dann beide Bücher von ihm auf einmal lesen, erst „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ und dann „100 Punkte Tag für Tag“, zweiteres ist eine gute Ergänzung, die Basis bekommt man aber bereits im ersten Buch um die Ohren gehauen. Dennoch: Daumen hoch. Erschienen im Residenz Verlag, man bekommts überall im stationären Buchhandel.

3 Gedanken zu „Zwei Buchrezensionen. Beide spannend.

  1. Danke für deine Buchvorstellung. Dazu zwei Anmerkungen: Sortenreiner Öko, oh Nunu, so würde ich mich absolut nicht sehen. Natürlich, ich nähe Kleidung um, ziehe viel Secondhandmode an, fahre mit dem Rad einkaufen und bin -soweit es geht- eine Alltagsradlerin, aber von einem Super-Öko bin ich trotzdem weiiiiiiiiiit entfernt 🙂 Auch bei uns im Haushalt sammelt sich Plastik, auch wir verwenden das Auto, auch ich kombiniere zu meinen Kleidern einige konventionelle Stücke, die ich schon lange habe….mir ist wichtig, möglichst viel zu tun für ein klimafreundliches Leben mit Stil und Freude am Genuss, aber die perfekte Ökofrau….? Nein, das ist sicher eine andere 🙂

    Und zweitens: bisher wurden die Nähanleitungen sehr für ihre Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit gelobt 😉
    Liebe Grüße sendet Dir Sonja alias Frau Jona&son

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