C&A berichtet, nur die Tatsachen fehlen

C&A also. Sie haben einen neuen Nachhaltigkeitsbericht draußen. Und ich war nicht blöd und verkatert, nein, es gibt keinen gesamten Report zum Download, nur die Zusammenfassung. Der Rest ist aufgeteilt auf viele, viele Klicks auf ihrer Website. Ich lese wirklich viele Berichte. Und ich kann nur sagen: Boah, sowas nervt. Interessiert mich nicht, alles am Bildschirm zu lesen, dauernd hin und her zu klicken und riesige Bilder hinter ein bissl Text zu sehen. Nein, ich will die Fakten lesen, dazu sind solche Berichte da.

Wobei, an Fakten ist der Bericht von C&A sowieso etwas arm. Ich hätts mir ja nicht gedacht, aber es gibt Berichte, die sind schlechter als die vom Textilschweden früher (der neueste ist ja nicht gar so schlecht). NUR Ankündigungen, nur „Wir werden dies, wir werden das“. Liebe Leute, wie wäre es, wenn Berichte nur dann gemacht werden, wenn auch wirklich was getan wurde, worüber man berichten kann?

Lustig find ich, dass sie gefühlt auf jeder Page schreiben, dass sie der weltgrößte Abnehmer von Biobaumwolle sind. Das ist etwas, was der Textilschwede auch für sich beansprucht. Also wer jetzt. Könntets ihr das mal klären bitte? Edit: Frau Sellner von H&M hat es geklärt, sie meinte, für 2015 gibt es noch keine Zahlen, daher definiert sich der Textilschwede als einer der größten, nicht der größte Abnehmer von Biobaumwolle. Ok.

Nicht so lustig find ich, dass sie trotzdem davon schreiben, bis 2020 zwar komplett umstellen zu wollen, aber nur auf „nachhaltigere“ Baumwolle. Da ist es schon wieder, dieser Komparativ. Zum Kotzen, vor allem, weil die Leute so leicht drauf reinfallen und glauben, das sei jetzt superbio. Ist. es. nicht.

Auch spannend: Das Unternehmen ist Detox-committed bei Greenpeace. Aber in ihrem Report findet man kein Wort dazu. Man findet zwar ihre MRSL (die Liste an Chemikalien, die nicht – mehr – verwendet werden sollen), aber kein Wort über Greenpeace. Interessant…

cunda

screenshot

Und das Lieblingswort der Unternehmen scheint ja grad „circular economy“ zu sein. Nur, liebe Fast Fashion Hersteller: Solange euer Kerngeschäft darin besteht, den Leuten immer schneller immer mehr immer billigere Mode unterzujubeln, könnt ihr das schlicht vergessen! Das geht sich schlicht nicht aus ohne eine massive, radikale Verlangsamung eurer Produktionsrhythmen – und davon steht aber nirgends auch nur ein Wort.

Nachdem ich mich duch einige der Seiten durchgeklickt hatte (ich muss zugeben, ich hab die Nerven weggeschmissen, es war einfach zu anstrengend), muss ich sagen: Wow, wahnsinnig viele Zahlen und Daten – nur Fakten werden relativ wenige geschaffen.

Kurz: Diesen Bericht, auch wenn er den internationalen Berichtsstandards nach GRI4 entspricht, kann man sich getrost in die Haarwurzeln massieren. Nicht falsch verstehen, natürlich finde ich jeden einzelnen Schritt, den sie Richtung ökologische Nachhaltigkeit und soziale Fairness setzen, gut und wichtig – aber darüber berichten sollte man halt erst, wenn diese Schritte bereits getan sind. In diesem Report: viel zu viele Ankündigungen.

Aber wenn ichs mir genau überlege: Ich freu mich fast schon auf die Berichte für das Jahr 2020 in ein paar Jahren. Da werden sie nämlich alle komplett kleinlaut zugeben müssen, was sich nicht ausgegangen ist….

 

 

 

Ein Gedanke zu „C&A berichtet, nur die Tatsachen fehlen

  1. Ruhrstyle sagt:

    Oh je, die armen Haarwurzeln. 🙂 Ne im Enrst, diese Augenwischerei, die diese Labels betreiben, sollte verboten werden. Es ist im Grunde doch nichts anderes als Betrug.
    Einfach zum kotzen!

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