Warum wir wahrscheinlich unsere eigenen Fleecepullover essen….

So. Seit etwas über einer Woche bin ich wieder ein Rainbow Warrior und arbeite als KonsumentInnensprecherin für Greenpeace. Meine erste öffentliche Tat: Eine Presseaussendung zur Textilkampagne Detox. Eh klar. Greenpeace Deutschland brachte Anfang Juli ein sehr spannendes Hintergrundpapier zu einem meiner Herzensthemen heraus, das wir heute auch in Österreich veröffentlicht haben. Es ist sooooo ein spannendes Ding, ich konnte mir das nicht entgehen lassen… (heute nachmittag red ich übrigens auch auf FM4 in Reality Check drüber)…

stella

Haller & Kaller @ work….

Den zugehörigen Blogbeitrag hat meine wunderbare Früher-bei-GLOBAL2000-jetzt-bei-Greenpeace-Kollegin Stella Haller geschrieben (wir haben uns gerade darauf geeinigt, dass wir demnächst Handys tauschen, um dann mit „Haller für Kaller“ oder „Kaller für Haller“ abheben zu können 🙂 ) – und ich kopiere ihn hier einfach mal unverschämterweise hinein:

 Synthetik-Mode bedroht die Weltmeere

Kaum zu glauben: Von unserem Kleiderschrank soll eine Gefahr für die Weltmeere ausgehen? Ist aber so! Denn ein Großteil unserer Kleidung besteht heute aus Kunstfasern, vor allem aus Polyester. Und diese Textilien verlieren beim Waschen winzige Plastikfasern, die bis ins Meer gelangen können.
Wie eine Greenpeace-Studie zeigt, enthalten 60 Prozent der Kleidung weltweit bereits Polyester, Tendenz steigend. Zwischen 2000 bis 2016 stieg der Polyester-Einsatz für Bekleidungszwecke von 8,3 auf 21,3 Millionen Tonnen weltweit. Gleichzeitig hat sich die gesamte Textilproduktion verdoppelt: 2014 waren das unglaubliche 100 Milliarden Kleidungsstücke weltweit. Polyester ist der Treibstoff für das moderne Phänomen der „Fast-Fashion“: Die sehr billig produzierbare Kunstfaser hat den Konsumentinnen und Konsumenten ermöglicht, jedem noch so kurzweiligen Modetrend zu folgen und Kleidung für die Mülltonne zu kaufen.

Plastikfasern sind im Ozean allgegenwärtig

Der schnelle Konsum von billigen Textilien aus Kunstfasern gefährdet das Leben in unseren Gewässern. Beim Waschen lösen sich winzige Plastikfasern aus der Synthetik-Kleidung. Winzig bedeutet jedoch nicht gleich harmlos: Eine Fleece-Jacke kann bis zu einer Million Fasern pro Waschgang verlieren. Insgesamt 30.000 Tonnen Mikroplastik spülen allein Europas Waschmaschinen jährlich ins Abwasser. Weder ist die Technologie von Waschmaschinen noch die von Kläranlagen weit genug gediehen, um diese Fasern aufzuhalten. Das herausgewaschene Mikroplastik landet direkt in unseren Flüssen und Meeren. Dort wird Mikroplastik von Meereslebewesen mit Futter verwechselt und bahnt sich den Weg über die Nahrungskette bis auf unsere Speisekarten – in Form von Muscheln und Fisch. Wie sich das Mikroplastik auf Meereslebewesen und den menschlichen Körper auswirkt, ist bislang noch nicht ausreichend erforscht.

Kunstfaser adé?

Können wir das Problem durch einen Boykott von Kunstfasern lösen? Leider nein! Kunstfasern durch natürliche Fasern wie etwa Baumwolle zu ersetzen, würde das Problem nur verlagern. Baumwolle ist extrem durstig und stellt in vielen Anbaugebieten ein Problem für die regionale Wasserversorgung dar. Außerdem wird beim herkömmlichen Anbau eine Unmenge an Pestiziden eingesetzt. Auch andere Textilien wie Viskose stellen angesichts des Massenkonsums von Kleidung keine nachhaltige Lösung dar.

Stattdessen empfehlen wir, weniger, hochwertige und umweltverträgliche Kleidung zu kaufen, wie etwa aus Biobaumwolle. Zudem wirkt es entspannend, nicht jedem Trend nachzujagen. Ja, es kann sogar richtig Spaß machen, für ein neues Modeverständnis einzutreten; mit Kleidertauschpartys und selbst „gepimpten“ Kreationen.

Hier geht es übrigens zum Hintergrundpapier….

Der obige Beitrag ist ursprünglich hier erschienen.

6 Gedanken zu „Warum wir wahrscheinlich unsere eigenen Fleecepullover essen….

  1. Lisa sagt:

    Wir waschen seit kurzem mit dem Guppy Friend (u.a. von Patagonia), bin gespannt wie sich das verhält. Ich steh dem noch ein bisschen kritisch gegenüber, weil ich nicht weiß, wieviel Mikrofasern es wirklich auffängt und weil es selbst aus Plastik gemacht wird. Aber vielleicht ist es ja einer dieser kleinen Schritte in die richtige Richtung.

  2. Danke für den Hinweis auf den Guppy Friend. Sinnvoller als dieser Wäschesack erscheint mir, dieses Material als Filter zwischen Waschmaschine und Wasserablauf zu installieren.

    • nunette sagt:

      Guppy Friend ist nicht die Lösung schlechthin und kann auch nicht alles aufhalten. Was spannend ist: Die Waschmaschinenhersteller geben sich alle recht bedeckt, aber ich bin mir sicher, dass da schon einige Patente in der Lade liegen….

  3. „Keine Macht den Trends, alle Macht den Basics!“ ist mein Leitspruch bei Mode. Deshalb hab ich meine Kleidung zum Teil schon seit 15 Jahren. Manche trendy Teil, die ich besitze, waren damals im Trend und sind es für mich heute immer noch. Ich liebe sie alle! Pfeif drauf, was sich die anderen darüber denken.

    Lg Sabrina

  4. Petra sagt:

    Auch ich nehme seit kurzem den guppyfriend-Beutel zum waschen.
    Es beruhigt mein schlechtes Gewissen etwas. Aber natürlich ist das nicht DIE Lösung.
    Kleidung möglichst lange tragen, umstylen, hochwertige Biobaumwolle, recyceln…
    Gott sei dank, kann ich mit der Nähmaschine umgehen und bin nicht auf die Bekleidungshersteller angewiesenen. Selbstgenähte Kleidung wird nicht so schnell entsorgt.

  5. Elisabeth sagt:

    Toller Beitrag! Ich versuche auch gerade langsam auf nachhaltige und ethische Kleidung umzusteigen. 🙂
    Ganz liebe Grüße.
    https://www.akindmind.de

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