Es ist Zeit, DANKE zu sagen.

Seit bald sechs Jahren schreibe ich hier auf ichkaufnix. Und im Laufe dieser unpackbaren sechs Jahre (schon sechs Jahre!!! Oida!) habe ich viele tolle Menschen getroffen, allein das macht mich schon sehr dankbar. Immer noch und immer wieder bekomme ich Mails oder Nachrichten, wie sehr ich die jeweilige Absenderin inspiriert hätte, ob zum Nixkaufen, Anderskaufen oder Selbstnähen. Und mich freut jede dieser Nachrichten aufs Neue. Ich wehre mich dagegen, auch nur eine einzige dieser Nachrichten abzutun oder Gedanken in Richtung „Ma liab, wieder eine..“ zu haben. Ich find es auch nach sechs Jahren bei jeder einzelnen Person, die ich durch mein Geschwafel beeinflusse (pfoah, ich bin Influencer! Verdammt, ich hass das Wort aber!), unglaublich.

Vor langer Zeit hatte ich mal einen Job im Marketing. Dunkle Seite der Macht und so. Damals war „Buzz Marketing“ und „WOM – Word of Mouth Marketing“ gerade der neueste heiße Scheiß. Die Idee dahinter: Man glaubt viel eher Leuten, die einem persönlich was andrehen, als irgendwelche anonymen, auf Masse spielenden Werbungen und Anzeigen. Revolutionärer Gedanke, oder? Früher hat mans halt Mundpropaganda genannt…. Als Marketingtool find ichs jetzt so ja eher….nüm? Aber ich denk trotzdem ganz oft dran,  wenn mir wieder jemand schreibt, ich hätte inspiriert: Ich erzähl was, und Leute sagen: Ja, is leiwand, mach ich auch. Und ich denk mir: Wie bitte? Nur weil ich da grad lustig von anderem Konsum und Stricken und schalalala schreibe? Echt jetzt? Geil. Echt geil. Ich beweg was. Und wenn die, die ich beweg, dann auch noch andere bewegen, und die wiederum dann auch noch welche, dann ist eine Bewegung da. Keine „Wir waren mal eine Partei, aber Partei hört sich so uncool an, deshalb simma jetzt eine Bewegung“-Bewegung (noch dazu in Türkis. Türkis! Echt jetzt??). Sondern eine echte. Jede Person mehr, die kritisch konsumiert, die diese ganze Fast-Fashion-Plastik-Konsumismus-Scheiße nicht unterstützen will, ist eine gewonnene Begleiterin am Weg in eine bessere Welt. Und ich hab ein paar dieser Frauen zum Begleiten motivieren können. Geiler Scheiß. Immer wieder aufs Neue.

Aber manchmal passieren dann Dinge, die mich komplett aushebeln. Zum Beispiel die Geschichte von Silke. Echt jetzt, die Frau hat mein Buch gelesen, und es war ein erster Tritt in Richtung  selbst Nähen – mit dem Ergebnis, dass sie ihren Job aufgegeben hat und jetzt als Rockdesignerin selbstständig ist. Ich mein, wie bitte? Echt jetzt? Jedes Mal, wenn ich nur an die Geschichte denk, bin ich fassungslos und demütig und freu mich, dass ich anscheinend eines der kleinen Zahnräder war, das eine Frau dazu gebracht hat, ihr Leben umzukrempeln.

Oder heute. Ich war wie jedes Jahr – ich kann halt nicht anders, auch wenn ich eigentlich momentan kaum Zeit für solche Aktionen habe – auf der WearFair. Und es war leiwand wie immer. So tolle Menschen dort. Herrlich.

Als ich meine erste Runde durch die Messe machte, traf ich auf Ruth Gold. Wir quatschten kurz, ich bedankte mich lachend für die Grüße, die sie mir über eine Freundin von mir hatte zukommen lassen letztens. Ruth hat ihr Label ruthgold im Burgenland, und ich freute mich extrem zu hören, dass es ihr gut geht, dass sie langsam wachsen, dass es sie jetzt auch online gibt. Ich freute mich wirklich extrem. Ich kenne sie nämlich schon lange, ich glaube, es war 2012 oder 2013, als ich ihre tollen Teile auf der edelstoff-Messe in Wien sah und sie fragte, ob sie nicht auch auf der WearFair ausstellen wolle, sie müsste halt mit Biostoffen produzieren. Und als sie dann wirklich ausstellte, war sie bereits am zweiten der drei Tage so leergekauft, dass sie nur noch Musterstücke herzeigen und Bestellungen entgegennehmen konnte. Heute meinte sie plötzlich „Ich muss mal Danke sagen, ohne Dich wär ich nicht, wo ich jetzt bin, du hast mir damals von der WearFair erzählt, und das hat mich damals mit dem Label so weit vorwärts geworfen…“ und drückte mir eines ihrer Kleider in die Hand.

Ich war sprachlos. Unglaublich, wie arg meine Pappm andere beeinflussen kann (und ich weiß noch, wie ich sie auf der edelstoff niedergetextet hatte, ich fand ihre Teile soooo cool und wollte sie unbedingt auf der WearFair haben)!

Ruth ist übrigens die grauhaarige Schönheit auf diesem Bild – das ich übrigens endgeil finde: Ein Modeplakat, in dem die Macherinnen in ihren eigenen Sachen einfach mal mit Wein und Zigarette dastehen. Dazustellen mag man sich 🙂

ruthgold

Aber jetzt muss ich mal Danke sagen. Danke, dass ich so respektvolle und tolle LeserInnen habe. Danke, dass ihr mich auch immer wieder mit konstruktiver Kritik antreibt. Danke, dass ihr überhaupt mal meine Sachen lest und euch dem Themen Konsum, Slow Fashion und dem ganzen Kosmos drumherum öffnet. Danke, dass ihr mir  verzeiht, dass ich so wenig schreibe seit einigen Monaten (den Grund präsentiere ich eh bald 🙂 ).

Danke, dass ihr MEIN Leben beeinflusst habt – ohne dieses fast durchgehend positive Feedback und schlicht diesen Erfolg von Blog und Buch würd auch mein Leben heute komplett anders aussehen. Ich hätte wohl nicht das ganze Konsumthema zu einem meiner persönlichen Leitthemen entwickelt, würde nicht leidenschaftlich bei Greenpeace zu dem Thema arbeiten, hätte unzählige Möglichkeiten, meine Message zu trommeln, nicht gehabt, und würde vor allem ganzganz viele wertvolle Menschen nicht kennen.

Kitsch Ende, aber das musste grad raus.

Danke. Nochmal.

2 Gedanken zu „Es ist Zeit, DANKE zu sagen.

  1. Wolf sagt:

    Mir fiel grad auf, dass du hauptsächlich Antworten von Leserinnen erwähnst. Denkst du, die Männer reden nur weniger, oder sind sie weniger an fairer Mode interessiert?

    • nunette sagt:

      Ich freue mich sehr über männliche Leser, aber meine Erfahrung aus sechs Jahren zeigt: 95% meiner LeserInnen sind weiblich. Mode und ganz allgemein Konsum ist ein weiblich besetztes Thema, das ist erwiesen. 80% aller Konsumhandlungen weltweit sind weiblich. Aber erst gestern hat mich auch ein männlicher Leser angesprochen, stimmt, einige hab ich 🙂

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