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Primark – akut richtig, latent falsch

Die beiden Fotos in diesem Beitrag sind Screenshots von der Website von Primark. Ich war noch nie bei Primark, und ich habe nicht vor, dorthin zu gehen – zu billig erscheinen mir die Preise, zu unsozial die Strukturen – trotz einer sehr ausführlichen Ethical-Trading-Seite von Primark. Ich habe diese Seite durchgeklickt – und beispielsweise beim Thema „Audits“ kein einziges Mal gefunden, welche ISOs, SAs und sonstige Richtlinien überprüft werden, oder beim Thema „Baumwolle“ zwar dauernd das Wort „nachhaltig“, aber nie das Wort Biobaumwolle. Hmpf. Ich bin mehr als nur misstrauisch, ich glaub denen nicht. Die scheinen ein bißchen zu tun, das sehr ausführlich zu kommunizieren, und wirklich viel ist nicht dahinter.

Screenshot Primark.at

Screenshot Primark.at

Wie man auch jetzt wieder gemerkt hat. Beim Fabrikseinsturz in Bangladesch – mit inzwischen über 400 Toten und immer noch 100 Vermissten – hat man gesehen, wie einzelne Firmen auf die Tatsache, dass Produkte von ihnen in den Trümmern gefunden wurden, reagieren.

Diese Agenturmeldung hat mich wütend gemacht:

„Nach dem Gebäudeeinsturz in Bangladesch hat die Kleidermarke Primark Hilfe für die Opfer zugesagt. Mango und Benetton haben sich dagegen von der früheren Zusammenarbeit mit der illegal geführten Fabrik distanziert.“ (Quelle)

Liebe Mangos, liebe Benettons: Das ist mies, niederträchtig und verachtenswert. In dem Moment, in dem es mehr als nur ein Verdacht ist, dass man dort produziert hat, muss man reagieren, nicht sich gleich mal wehleidig distanzieren. Schon klar, wenn da wirklich keine Aufträge mehr waren, muss man das auch sagen. Ich finde leider die offizielle Stellungnahme von Mango nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass die wirklich null Konsequenzen ziehen werden. Dumm. Sorry. Die KiKs haben sich auch zuerst distanziert, und jetzt? Hoppala! Produkte gefunden! Ui, Blöd. Bin neugierig, ob das den Mangos auch noch passiert.

Primark – und ich bleibe bei meinem zweifelnden, ablehnenden Zugang zu denen – hat folgendermaßen reagiert: Am 26.4. veröffentlichten sie folgende Pressemeldung:

Das Unternehmen ist erschüttert und tief betrübt über den entsetzlichen Zwischenfall in Sabhar bei Dhaka und spricht allen Betroffenen sein Beileid aus.

Primark bestätigt, dass einer seiner Lieferanten im zweiten Stock des achtstöckigen Gebäudes untergebracht war, in dem mehrere Lieferanten der Textilindustrie Kleidung für verschiedene Marken herstellten.

Primark engagiert sich seit einigen Jahren mit NGOs und anderen Anbietern in der Überprüfung des Umgangs lokaler Produzenten mit Fabrikstandards in Bangladesch. Primark wird darauf drängen, die Integrität der Gebäude in diese Überprüfung mit einzubeziehen.

In der Zwischenzeit arbeitet das Ethical Trade Team von Primark daran, Informationen zusammenzutragen, die Herkunftsgemeinden der Arbeiter zu ermitteln und Unterstützung zu leisten wo möglich.

Da sind mal viele Versprechen und Verpflichtungen drinnen. Und drei Tage später gab es schnell noch einen Seitenhieb an die anderen:

Das Primark Team in Bangladesch hat Sofortmaßnahmen und langfristige Hilfe für Opfer dieser Katastrophe initiiert.

In Partnerschaft mit einer lokalen Nichtregierungsorganisation kümmern wir uns um die dringenden Bedürfnisse der Opfer, darunter auch Notfallrationen von Lebensmitteln für die betroffenen Familien. Diese Arbeit hat begonnen, sowie das Ausmaß der Katastrophe klar wurde.

Primark wird auch Entschädigungen für die Opfer der Katastrophe zahlen, die für seinen Lieferanten gearbeitet haben. Das schließt langfristige Hilfen für Kinder ein, die ihre Eltern verloren haben, sowie finanzielle Hilfen für Verletzte und Zahlungen an Familien von Verstorbenen.

Wir werden unser Engagement laufend überprüfen, um sicher zu stellen, dass wir dem Bedarf der Opfer über den gesamten Verlauf der Tragödie gerecht werden.

Primark stellt fest, dass sein Lieferant das Gebäude gemeinsam mit den Lieferanten anderer Anbieter teilte. Wir sind uns unserer Verantwortung absolut bewusst. Wir fordern die anderen Anbieter auf, auch ihrerseits Verantwortung zu übernehmen.

Komplett abgesehen von der Tatsache, dass sie per se von Produktionsweisen in Bangladesch profitieren, keine ökologischen Standards einhalten und auch ansonsten sehr sehr blaaah sind und sich damit null von anderen Textilkonzernen abheben, die verbal und aus Imagegründen einen auf nachhaltig machen – SO reagiert man auf eine solche Katastrophe. Man distanziert sich nicht. Man sagt Hilfe zu.

Was sie nur leider nicht machen werden: Sich überlegen, wie man ökologische und sozial faire Produktion in der gesamten Lieferkette durchsetzen kann. Das interessiert die nämlich genau gar nicht. Dabei sind die so groß, die haben zumindest das Potential dazu. Aber nicht, wenn man sich zum Ziel setzt, Kindershirts um zwei Euro und Bikinis um vier Euro zu verhökern. Damit erreicht man genau das Gegenteil. Verdammte Geiz-ist-Geil-Mentalität.

Screenshot Primark.at

Screenshot Primark.at

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Der gordische Knoten

Auf Facebook hat sich gerade eine spannende Diskussion entwickelt, die ich gerne auch am Blog spiegeln würde. Ich habe den hervorragenden ORF.at-Artikel gepostet. User M.D. postete:

Wenn wir Konsumenten mit Kauf-Boykott von Kleidung aus Bangladesh reagieren, nehmen wir den Textil-ArbeiterInnen dort ihre einzige Verdienstmöglichkeit. Die Textilindustrie in Bangladesh erzielt nahezu 80% der Export-Einnahmen des Staates und bietet 4 Millionen ArbeiterInnen eine Arbeitsstelle mit geregeltem Einkommen am Ende des Monats. 80% dieser ArbeitnehmerInnen sind Frauen – Menschen, die in ihren Dörfern überhaupt keine Perspektiven vorfinden. Im Gegenteil: ohne die Möglichkeit, eigenes Geld in der Stadt zu verdienen, sehen sich Frauen mit früher Heirat (oft schon mit 12J) konfrontiert, was eine solide Ausbildung verhindert und den Wohlstand verhindert. Ausserdem unterstützen gerade diese jungen Frauen, die in der patriarchalen Gesellschaft Bangladeshs noch immer als ‚Bürde‘ betrachtet werden, ihre Familien finanziell, wodurch ihre Brüder und Schwestern die Schule besuchen können… Wir Konsumenten sollten Druck auf die Textil-Multis ausüben und sie zur Einhaltung ihrer Versprechungen zwingen, die arbeitsbedingungen ihrer Zulieferer verbessern zu wollen !!

Das Thema ist so ziemlich das Schwierigste in dem gesamten Bereich: Einerseits denke ich – ja, ich als Konsumentin kann jeden Tag frei wählen, und mir jeder Konsumtätigkeit von mir ein (politisches?) Statement setzen. Dieser Gedankenweg führt einen direkt in Richtung Boykott der konventionellen Massenmodeanbieter. Logisch. Aber andererseits ist da die Argumentation von M.D., die dem irgendwo entgegensteht. Ja, es ist besser für die Frauen, irgendeinen Job zu haben als gar keinen. Aber wir als KonsumentInnen haben die Verpflichtung, uns für mehr Sicherheit und bessere Bezahlung für die Näherinnen einzsuetzen. Nur scheitert zweitere Überlegung von mir immer wieder an der Realität: Wie viele von uns gehen wirklich zur Verkäuferin in der Filiale und sagen „Ich möchte bitte bessere Zustände für die Näherinnen, kaufe aber gleichzeitig jetzt mal den Unterhosensonderpack um 10 Euro“. Oder noch unrealistischer: Wie viele kontaktieren die relevanten Player im Konzern mit den Worten :“Ich bin euere Kundin, will aber, dass sich was ändert!“? Das ist leider bereits eine Hürde, und außerdem ein Widerspruch. So lange es den Konzernen finanziell einfach nicht weh tut, werden die auch nix an der Situation ändern, im Gegenteil (ich finde es ja immer noch sowas von einem unmoralischen PR-Zug vom Textilschweden, den CEO brav zur Ministerpräsidentin von Bangladesch zu schicken, damit er ihr sagt, sie soll bitte höhere Mindestlöhne und mehr SIcherheit und was weiß ich einführen, und gleichzeitig munter zum Mindestlohn in hunderten Fabriken vor Ort weiterzuproduzieren. Die Aktion hat nix gebracht außer ein Foto, das um die Welt gegangen ist, und gezeigt hat, „wie engagiert“ die schwedischen Habschis nicht sind. KOTZ.) Außerdem denk ich mir oft: Konzerne wie der Textilschwede, die verstehen nur Zahlen. Also: Gewinnrückgang, Umsatzrückgang. Hoffentlich verstehen sie auch Zahlen wie 390 (Tote des letzten Unglücks). Es ist einfach eine Krux – mein Ansatz einer Lösung: Die, die es sich leisten können, wirklich mehr in ihre Kleidung zu investieren, die sollen bitte Textilschwede und Co. boykottieren – es gibt so viele, die sich auch hier schlicht nix Teureres als Kik oder so leisten können. Aber jenen Menschen muss man klar machen, dass sie zwar weiter kaufen können, aber bitte Verantwortung übernehmen sollen. So, und wie kommuniziert man das jetzt öffentlich? Das teilt dann die KonsumentInnen hier in zwei Klassen, was ich schwachsinnig finde. Und sorry, die breite Masse ist nun mal nicht politisch und schon gar nicht engagiert. Die schreien nur auf, wennst ihnen ihr Schnitzel und ihr Billigshirt wegnimmst.

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Allwetterschaliges…schales….schal

Huiuiuiuiuiui, ich hab schon lang nimmer vom Allwetterschal berichtet…was daran liegen könnte, dass ich derzeit im Wochenrhythmus stricke. Aber bitteschön, hier mal wieder ein Foto, langsam schaut es wirklich schon nach Schal aus… Und was die hässlichen Ränder angeht – die waren dazu gedacht, dass sich der Schal nicht komplett einringelt. Tut er jetzt trotzdem, ist aber eh praktisch – so sieht man die hässlichen Ränder nicht 🙂

(c) Nunu Kaller

(c) Nunu Kaller

Und vor allem: Endlich macht die Strickerei keine schlechte Laune mehr – das Wetter passt, ab jetzt werdens wohl Blockstreifen 🙂

(c) Nunu Kaller

(c) Nunu Kaller

Den heutigen Regen, den strick ich erst morgen ein 🙂

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Es Flohmarktet…

Herrlich, Sommer, Sonne, Sonnenschein, Gräserallergie! Das Leben ist grad richtig gut! Wenn jetzt nur noch das Shirt auch wieder auftauchen würde – noch immer Fehlanzeige, dabei würde es soooo gut zu meiner grauen Hose passen!

Aber eigentlich mag ich über was ganz anderes schreiben: Am Freitag und Samstag ist mal wieder Neubaugassenflohmarkt. Und wenn Maronski schreibt:

Aufgepasst!
Der Neubaugassen-Flohmarkt mit Schnäppchen aller Art kündigt sich pünktlich zum heiß ersehnten Jahreszeitenwechsel an!
Auch wir sind selbstverständlich dabei und bieten T-shirts, Kleider, Hosen und vieles mehr aus vergangenen Kollektionen zu Tiefpreisen an. Teilweise sind natürlich lediglich noch Einzelstücke vorhanden, deshalb: stürmt Euch bald ins Getümmel! Denn wie sagt man so schön? Der frühe Vogel fängt den Wurm!

Freitag, 03.Mai und Samstag, 04. Mai von 9-19h

Einen schönen Feiertag Euch allen.

Dann bin ich schon sehr in Verführung, da mal zu schauen, was es so gibt. Vielleicht ein weites, ockerfarbenes Shirt?

In meine früheren Stammgeschäfte vom Textilschweden bis zum bunten Spanier hab ich auch bald eineinhalb Jahre nach Beginn meiner Auszeit keinen Fuß mehr gesetzt – aber Flohmärkte, uiuiui. Ich liebe sie, bereits anerzogen von meiner Frau Mama, die sich unseren halben Hausrat dort ertandelt hat (lustigerweise die wertvolle Hälfte). Welch Treppenwitz es eigentlich ist, dass der Liebste FLO heißt, haben mir bereits einige Freunde vorgehalten. Jaja, haha, hab ich den vom Flohmarkt? Hamma glacht… Trotzdem, hach, Leute, Neubaugassenflohmarkt! It doesn´t get better than that! See u!

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Offizielle Werbeeinschaltung in eigener Sache

Ich darf mich kurz vorstellen: Mein Name ist Nunu, und ich bin auf der kommenden WearFair & mehr verantwortlich für die Pressearbeit sowie Social Media. Es freut mich ungemein, Teil der bekanntesten und vor allem größten aller Fair-Fashion-Messen Österreichs zu sein. Schön, dass sich aus meinem privaten Nichtkauf-Projekt beruflich eine so produktive und sinnvolle Möglichkeit entwickelt hat.

www.wearfair.at

Nicht nur, dass ich nach dem Hosenkauf (und einem Nicht-aus-Plastik-Flipflop-Kauf) damit anfangen muss, bereits zu sparen, hey, die Messe wird dieses Jahr grandios. Wir haben uuuuuuuuuuuunglaublich viel Ausstellungsfläche für hoffentlich uuuuunglaublich viele AusstellerInnen. Und noch viel cooler: Diesmal gehen wir es ganzheitlich an – nicht „nur“ Mode wird vorgestellt (wobei das definitiv der Schwerpunkt bleibt, schließlich heißts ja auch WEARfair), sondern auch Produkte in Sachen nachhaltige Mobilität vom E-Bike bis zum grünen Urlaub und Bio-Ernährung.

Ich freu mich schon sehr darauf, (fast) alle meine neuen Lieblingsmarken auf einem Fleck zu haben 🙂

Oh, und nur mal noch so nebenbei die Facts: 27.-29. September, Linz, Tabakfabrik (türkisfarbene Fenster!!!).

Und sollten Redakteure, Journalisten oder sonstwer das lesen: Ihr erreicht mich unter nunu.kaller@wearfair.at!

Werbeeinschaltung Ende. 🙂

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*fast* richtige Teile

Gestern beim Bloggen ist mir die Idee gekommen – warum nicht mal ganz dezitiertes Tauschen a la Kleiderkreisel, nur halt hier am Blog? Jede von uns hat sie wahrscheinlich, die Teile, die *fast* richtig sind.

Ich habe zum Beispiel die bereits gestern genannte Jacke, grün, Parka-Style, aber ohne Kapuze, sondern mit riesigem Kragen. An sich eh super, nur halt Jacke und nicht Parka. Ich hätts gern länger. Gr. L.

(c) Nunu Kaller

(c) Nunu Kaller

Oder: Die grauen Chucks im schmalen Damenschnitt. Ich finde den Schnitt ganz fantastisch hübsch, nur leider passen meine Quadratlatschen da nicht rein. Gr. 41. „Normale“ Chucks sind viel gescheiter für mich, ich muss es einsehen.

(c) Nunu Kaller

(c) Nunu Kaller

Idee: Vielleicht hat ja jemand zufälligerweise genau das Teil im Schrank, das ich gern hätte, und mag es nicht – und stattdessen gefallen meine Jacke und meine Chucks viel besser?

Übrigens: Tauschen ist in den Massenmedien angekommen. Nie hatte ich orf.at lieber als am vergangenen Wochenende. Es gab Schwerpunktgeschichten zu Bangladesch, zum Tauschen, zum Saatgut und zu den Bienen (die letzteren beiden sind mir ein berufliches Anliegen – übrigens: wer will, wer hat noch nicht?).

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I did it

Der Klassiker ist eingetreten – es ist Wochenende, Vormittag, der Liebste schläft noch, und ich habe im Internet was bestellt. Schlecht. Aaaaber: Ich habe etwas bestellt, was mir seit Wochen im Kopf herumgeistert, kein Impulskauf also. Gut.

Ich habe bereits damals über diese Hose geschrieben – also vor über zwei Monaten. Und sie ist mir seither nicht aus den Kopf gegangen. Früher hätte ich sie wahrscheinlich binnen einer Woche bestellt. Deerberg produziert nur in Europa und achtet auf faire Zustände, eine Tatsache, deren Relevanz durch diese Katastrophe wieder einmal vorgeführt wurde.

Ganz abgesehen von dem sozialpolitischen Umfeld des Kleiderkonsums : Ich habe eine Hose (und ein paar in den Pyrenäen hergestellte Espandrilles *hüstel*) bestellt, und ich freue mich auf dieses eine Teil, hoffe, dass sie mir passt, und werde sie sicher viel tragen.

Jetzt finde ich noch diesen Parka sehr schön, aber… Hessnatur, geht einfach nicht. Wobei: Liebe LeserInnen, ich habe so etwas in kurz, als Jacke mit großem Kragen, vielleicht hat ja jemand einen Parka und will tauschen? Gr. L 😉

Und: Pause? Welche Pause? 🙂 Was eine Nacht ordentlich Ausschlafen so alles mit der persönlichen Stimmung anstellen kann….

Edit Mitte Juli: Hose zurückgeschickt, passte nicht. Ich sah aus wie ein Clown.

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Trauerspiel Bangladesch

Ich melde mich doch aus meiner selbstauferlegten Pause zurück – ich muss da einfach auch meinen Senf dazu geben: In Bangladesch ist inzwischen die höchste Opferzahl seit Jahren zu melden, und was da jetzt abgeht, bringt mich zum Kochen. Die ArbeiterInnen und Angehörigen sind wütend, sehr wütend. Sie verweigern die Arbeit und protestieren stattdessen – und in diesem Fall verstehe ich sogar, dass die Protest teilweise gewalttätig wurden. Ganz ehrlich, wie würdet ihr reagieren, wenn ihr um einen Hungerlohn arbeitet, wenn ihr die Fabrikschefs bereits letzte Woche auf die Risse in der Wand aufmerksam gemacht hattet, und ihr nun trotzdem nur verletzt aus den Trümmern geborgen werdet? Und viele eure Kollegen gleich mal tot? Ich wär da auch rasend, definitiv. Und bei solchen Sätzen wird mir ziemlich schlecht: Ein TV-Team des „Channel 24“ erzählte, dass die Retter sich oft nur kurz im Gebäude aufhalten könnten, da der Gestank der Toten bereits unerträglich sei.

Wie gesagt, ich verstehe, dass die Arbeiter jetzt mal auszucken, sie tun das völlig zu recht. Allerdings hoffe ich, dass sich das Blatt nicht bald gegen sie wendet. Hier geht es um sehr viel, nicht nur um einen Aufstand, der von der Polizei niedergeknüppelt werden muss, damit wieder „Friede“ herrscht. Die Idee der ArbeiterInnen, Fabriken anzuzünden, ist eine weniger gute. Die Idee, in einem Gewerkschaftszusammenschluss in Streik zu gehen, ist hingegen eine sehr gute, meiner Meinung nach (überhaupt ist das Tool „Streik“ viel zu unterbewertet finde ich… wobei, wenn der ÖGB das Budget für Streiks in der Karibik verspekuliert, dann bekommt die Sache Schlagseite. Aber das ist eine andere Geschichte).

Was mir gerade wenigstens ein bißchen Hoffnung gibt, dass die Situation sich vielleicht ein bißchen ändern könnte, sind die Reaktionen der Massenmedien und der InternetuserInnen. Dass ein solcher Gebäudeeinsturz und die Folgen weltweit so thematisiert werden, ist ein Zeichen, dass das Thema „angekommen“ ist, es ist im Journalistensprech „a Gschicht“. Es scheinen sich nun doch schon etwas mehr Leute Gedanken darüber zu machen, dass diese Produktionszustände für ihre neuen Frühlingsoutfits nicht so ganz fair sind.

Auf Standard.at heißt es zum Beispiel:

Das ist ein Wahnsinn, so sieht Wirtschaft und Frieden nicht aus!! Einfach unglaublich, warum unternehmen hier internationale Organisationen nichts?!? Wieviel unserer aller Kleidung wird unter solchen Umständen produziert??? Welche Konzerne und Interessen stehen dahinter? Gibt es auch fair produzierte Kleidung aus Indien, Bangladesh, Viet-nam…?!?
oder:
 ….und schauen sie sich bitte die wahlergebnisse an. die grünen fordern z.b. eine gerechtere und sozialere welt. werden sie gewählt? ES IST AUFGABE des Konsumenten, den Vertriebsweg jedes produkts zu hinterfragen. und es WÄRE möglich, wenn mehr konsumenten sich bei den firmen beschweren. drohen sie, die waren von unternehmen, die die herkunft ihrer produkte nicht dokumentieren können, nicht mehr zu kaufen.
oder:
warum gibt es hier kein neues EU-Gesetz, dass nur noch Importe von zertifizierten (nach arbeits-/sozial-rechtlich kontrollierten) Produzenten zulässt!?! Solange die europäischen Textilketten (vor allem die Diskonter..) immer nur bei den billigst produzierenden Fabriken kaufen – und damit diese ja auch weiter unterstützen!!- wird sich wohl kaum etwas ändern können. So wie bei diesem Unglück wird man halt einfach auf die nächste Billigfabrik ausweichen, an dem Elend der dort arbeitenden Frauen kann sich also gar nichts ändern!! Man muss also auf der Kundenseite reagieren, und wenn es die Einkäufer der Handelsorganisationen oder auch die Konsumenten selbst nicht schaffen bewusster einzukaufen müsste man also die entsprechenden Rahmenbedingungen dazu schaffen!? Und wenn dadurch vielleicht die Preise für Importe in die Höhe schießen sollten, wäre doch eine Produktion in Europa die beste Lösung!

Was meine Hoffnung dann doch wieder schmälert: In Wahrheit haben die doch alle nix zu melden. Wenn es nicht endlich zu einem Zusammenschluss der großen Textilkonzerne kommt, die gemeinsam für eine Verbesserung der Sicherheit und Bezahlung der Billiglohnarbeiter eintreten, wird nichts passieren außer der Zusicherung, dass künftig mehr Fabriken auditiert werden. Obwohl ich mich gerade sehr viel mit ISOs und sonstigen Richtlinien beschäftige: Die Sicherheitsrichtlinien sind genau zum in die Haare einmagarieren, da kommt nix raus außer einem Stempel auf einem Zertifikat. Die Konzerne müssen gemeinsam auftreten und sagen: „Leute, wir ALLE haben beschlossen, nur noch unter diesen Bedingungen Aufträge zu verteilen.“ Nur so kann es zu keiner Konkurrenzsituation kommen, bei der einer der Konzerne als Preisdrücker fungiert.

Wahrscheinlichkeit dessen? Zero. Null. Nada.

Aber man wird ja noch in Utopien schwelgen dürfen. In denen die Herstellung unserer Kleidung nicht so derartig viele Leichen als Nebenprodukt ergibt.

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Auf Pause

Leute, nix geht mehr. Im Job überrollt mich grad die Arbeit aufgrund der Saatgut-Petition – was sehr super ist -, ausbildungstechnisch ist gerade sehr viel zu tun und auch meine sonstigen Projekte sind wirkliche Zeitfresser. Daher hat der Blog jetzt mal bis Montag Pause und geht ins Wochenende!

Ich wünsch euch wunderschöne, sonnige Tage!

Suchspiel

Ja bin ich denn jetzt komplett wuggiwuggi? Ich habe es geschafft, ein Shirt zu verlieren! Ja, verlieren! Ich habe keine Ahnung, wie. Hauptsache, ich kaufe grad fast nix neues, keine neuen Basics. Dann verlier ich auch noch mein derzeitiges Lieblingsshirt? Für Blogleserinnen: Es war das, das ich von Ena geschenkt bekommen habe. Das beige, unten runde, gemütlich weite.

Ich habe heute drei Schmutzwäschekübel in zwei Badezimmern ausgeleert (und festgestellt, dass wir dringend wieder Bettwäsche waschen müssen) – nix. Ich habe den gesamten Mount McWäscheberg, der schon wieder bedenkliche Höhen angenommen hat, abgeräumt  – nix. Man lese und staune, ich habe sogar IN DIE LADE MIT DEN SHIRTS geschaut – nix. Das war aber auch zu erwarten. Die vielgetragenen Teile schaffens selten zwischen Wäscheleine, Nunukörper und Mount McWäscheberg auch mal in den Kleiderschrank.

Aber echt jetzt, wo ist dieses Teil hin? Aus Amsterdam habe ich es wieder zurückgebracht, das weiß ich noch. Danach verliert sich die Spur. Zunächst dachte ich, ich hätte es mal als Ersatzshirt wo mitgehabt, stimmt aber nicht, da hatte ich das graue und nicht das beige mit. Trotzdem jede einzelne Handtasche von mir durchgeschaut – nix.

Shirt, ich vermisse dich. Wo bist du? Bitte melde dich!

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