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Die nächsten 25 Toten in Bangladesch

Es ist mal wieder soweit. In Bangladesch ist in der Nähe der Hauptstadt Dhakar ein Fabriksgebäude eingestürzt. Seit Tagen gab es Panik aufgrund der Risse in den Wänden. Derzeit spricht man von 25 Toten, mindestens 100 Menschen werden noch in den Trümmern vermutet.

Edit: Ich hatte den Beitrag gerade fertig, da hieß es bereits, dass 85 Tote befürchtet werden.

Ist doch zum Kotzen, wie mit der Sicherheit der Menschen umgegangen wird. Wie kommen die dazu? Wir sprechen hier nicht von einem Land, in dem es den Leuten grundsätzlich gut geht und Textilarbeiterin halt ein Job von vielen ist, der einen über Wasser halten kann – nein, wir sprechen von einem Land, in dem sich viele Menschen trotz eines anstrengenden Jobs mit einem Stundenausmaß, bei dem ich zum Raunzen gar nicht mehr aufhören würde, kaum ihr Dach über dem Kopf und ihr Essen leisten können! Und dort wird für hier produziert. Für die Mädels, denen heute mal nach einem nudefarbenen Top zu puderfarbener Hose ist, und bitte um drei Euro noch einen Schal mit Blümchenmuster dazu, draußen scheint ja so schön die Sonne…

Inzwischen liefer ich meine Wutanfälle über die konventionelle Textilindustrie im Wochenrhytmus ab. Seit ich mich bewusst mit dem Thema beschäftige, sind in Pakistan 125 und in Bangladesch 325 (and counting) Menschen, die unsere Kleidung nähen, in den Fabriken gestorben. Ziemlicher Blutzoll, würd ich mal sagen.

In Pakistan hieß es: Aber die Fabrik war SA 8000 zertifiziert, die haben die Sicherheitsstandards eingehalten! Oh, dass sie versperrte Ausgänge und vergitterte Fenster hatten, das haben die Auditoren leider nicht gesehen.

Jetzt heißt es: Aber es gibt doch Bauvorschriften für mehrstöckige Gebäude! Ja, nur dass die in Bangladesch kaum jemand einhält – jeder Dollar, der mehr in den Fabriksbau fließt, macht die Aufträge teurer. Und das kann man sich ja nicht leisten, teurer produzieren, die Ware nimmt einem doch niemand ab, da bekommt man doch keine Aufträge der großen Textilunternehmen! Na da bauen wir lieber im Pfusch, und pfeifen auf die Sicherheit der Leute.

Und jede Wette, jetzt heißts bald von seiten der produzierenden Konzerne: Aber wir hatten doch Sicherheitszertifikate eingefordert, sonst hätten wir die Fabrik ja gar nicht beauftragt! Selbst dort waren wir nicht, nein, wir haben die Fabrik zuerst nicht selbst angeschaut. Wieso denn auch? Wir können doch nicht in jedes Fabriksgebäude weltweit fahren, weißt du denn, wo wir überall produzieren?

Doch, ihr könnt, und ihr müsst. Liebe Konzernchefs, dass ihr auf Seiten der Globalisierungsgewinner steht, ist einfach nur der Gnade eurer Geburt zu verdanken, und keinem einzigen Faktor mehr. Nur wer von euch auch nur Reste von ethischem Verständnis im Hirn hat, der nutzt das nicht aus, indem er die Verlierer der internationalen Entwicklung auch noch schamlos ausnutzt. Wünsche eine geruhsame Nacht für all die europäischen und US-amerikanischen Auftraggeber, die nun eine neue Fabrik zur Produktion ihrer Billighosen suchen müssen.

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KiK, einfach nur KiK

Ich häng immer noch komplett in den Seilen, zwischen meinem Hirn und der Außenwelt ist eine Wand an Schleim. Und so spannend es ist, den Wahnsinnigen in Schladming sechs Stunden beim Rennenverschieben zuzuschauen, irgendwann wird auch das fad (den grauslichen Sturz von Vonn hab ich verschlafen, aber zum Glück wurde er danach bis spät in die Nacht in jeder einzelnen Nachrichtensendung mehrfach und aus allen Perspektiven gezeigt. Danke auch.).

Über die neuigkeitentechnisch so verlässliche Nicole über die neue KiK-Story gestolpert. Und daran gedacht, dass ich doch schon länger, seit dem letzten Fabriksbrand, eine eigene Story über KiK schreiben wollte.

KiK ist scheiße, kein Thema. Und verkauft billigen Scheiß. KiK ist auch in Deutschland und Österreich selbst ein mieser Arbeitgeber (gewesen?) – kann mich da an Diskussionen von Mitarbeiterüberprüfung und keine Gewerkschaft und so erinnern.

Nur mit einer Sache tu ich mir schwer: Dass so exklusiv KiK angeschossen wird. Gut, die werden ihren schlechten Ruf nicht irgendwoher haben. Das Billigimage, mit dem sie arbeiten, ist angreifbarer als beispielsweise das vom Textilschweden, der proaktiv einen auf nachhaltig macht (und dabei so manche Aktion liefert, die in meinen Augen wirklich nichts, aber auch gar nichts mit Nachhaltigkeit zu tun hat, sondern mal wieder nur der Gewinnmaximierung dient). Ich kenne genügend Leute, die mit einem Textilschwedensackerl in der Hand meinen, sie würden niiiiiemals und nie und nimmer zu KiK gehen – was ja nichtmal ein schwerer Verzicht ist, die Optik der beiden Anbieter ist verschieden, und die Zielgruppe des Textilschweden ist einfach die „coolere“.

Aber das böse „die produzieren in Bangladesch, in ihren Fabriken brennts“-Image, das klebt so richtig nachhaltig nur an KiK. Und ich denk mir dann jedesmal: Haaaaalllooo, die Näherinnen dort nähen – diversen Reportagen und Berichten zufolge – mal das eine, mal das andere. Vormittags KiK, nachmittags Textilschwede, irgendwann dazwischen schnell mal für den anderen (Deutschen) mit zwei Buchstaben. Da herrscht kein Unterschied, nur bessere Unternehmenskommunikation. Und NIE vergessen werde ich die Aussage von Ulla, die meinte, einer alleinerziehenden Supermarktregalschlichterin, die aufgrund galoppierender Inflation sowieso nur noch mit Strohalm über Wasser halten kann, wird sie niemals vorwerfen, dass sie das Kindergwand beim KiK kauft. Ich muss ihr da wirklich recht geben! Es zeigt sich wieder: Ja, die ganze Diskussion um ökofaire Kleidung ist eine Luxusdiskussion, in einer kleinen Sparte zuhause. Aber da landen wir jetzt wieder bei der Qualität – Kleidung von KiK kann man nicht weitergeben, die ist nach einem Kind kaputt.

Ich will KiK wirklich nicht in Schutz nehmen, nur sicherstellen, dass das Negativimage von KiK sich positiv auf das Image anderer Textilanbieter auswirkt. Nur weil DIE die Bösen sind, sind die anderen noch lange nicht die Guten.

Leider kann ich mir den neuen Beitrag nicht ansehen, würde mich seeehr interessieren, aber der Stream hängt sich immer auf, sobald Verona Pooth ins Bild kommt (ein Zeichen? Ich dreh auch immer ab, wenn die auftritt 😀 ) …

Hier mal die Story von 2010, die damals viel auslöste und die ganze öffentliche Diskussion lostrat. Trotz meiner obigen Bedenken: wichtige 29 Minuten. Anschauen.

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Von der Verantwortung

Ich weiß, saublöder Widerspruch, weil meine neuen Stiefel konventionell hergestellt wurden. Das Spannende ist: Konventionelle Mode, also von den diversen Textilketten, ist für mich dennoch inakzeptabel geworden. Bei Schuhen muss ich wohl noch ein paar Meter am Weg in die Richtung gehen…

Der Widerspruch, vor dem ich immer öfter stehe, je mehr ich mich damit beschäftige: Einkaufsboykotts von Fast-Fashion-Marken mag den Unternehmen VIELLEICHT wehtun (wenn viele auf einmal boykottieren), aber den Näherinnen, denen tut das WIRKLICH weh. Weil die ihren Job verlieren. Andererseits: Das sind derart schlecht bezahlte und gefährliche Jobs, dass es keine Entscheidung zwischen „Haben sie ihren Job“ oder „haben sie ihren Job nicht“ sein darf, sondern eine klare Forderung nach „sie müssen einen sicheren, gutbezahlten Job haben“ sein muss.

Wer wirklich will, soll auch bei den klassischen Textiketten einkaufen gehen. Aber bitte nicht auf diesen Fast-Fashion-alle-drei-Wochen-shoppen-gehen-Wahn reinfallen. Been there, done that. Nix gut. Aber einen Haken hat die Sache in meinen Augen: Kauft man bei jenen Ketten, steht man direkt in der Verantwortung derer, die die Stücke produzieren (wir wissen, dass sie nicht fair bezahlt und gut behandelt werden, sondern dass unser Geld in der Werbung der Konzerne landet, oder?). Klingt naiv, und wirklich helfen geht von hier aus schwer, denkt man da schnell. Ein Schritt hier wäre, den Ketten zu beweisen, dass man bereit ist, für faire Mode mehr zu zahlen. Ein Euro pro Shirt mehr, und die Gehälter in Bangladesch würden signifikant steigen. So eine internationale „Bitte ich will mehr bezahlen“-Petition fänd ich angebracht (oder gibts die schon? Clean Clothes arbeitet in die Richtung, aber nicht mit dem Claim, wenn ich mich richtig erinnere). Weg von dieser „ich bin doch nicht blöd“ und „Geiz ist geil“-Mentalität…

Aber was wirklich jeder kann: Teilt das Video, ob auf Facebook oder sonst wo. Dass öffentlicher Druck einiges bewirken kann, beweist sich mir auch in meinem Job immer wieder. Je mehr Menschen Druck auf die Verantwortlichen machen, dass sich die Zustände in den Fabriken der Billiglohnländer ändern müssen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich langsam, sehr sehr langsam, aber doch etwas bewegt für die (größtenteils) Frauen, die unsere Kleidung nähen. Ich mag den Gedanken nicht, dass ich Kleidung trage, die in sklavenartigen Situationen entstanden ist – und diese Kleidung wird hierzulande auch einfach nicht wertgeschätzt, nach einer halben Saison weggeschmissen. Das muss doch verdammtnochmal auch anders gehen! Himmelnochmal! So kann man Menschen doch nicht behandeln!

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Ein ganz normaler Sonntagvormittag

Es ist traurig, wenn man am Sonntagvormittag aufwacht und beim ersten Nachschauen auf ORF.at, ob die Welt eh noch steht, dieses Bild sehen zu müssen:

In Bangladesch ist wieder eine Fabrik abgebrannt. Und wieder waren unzählige NäherInnen eingeschlossen. Lasst mich raten: Natüüüürlich war die Fabrik ISO 8000 zertifiziert, natüüüüürlich haben die Audits keine großen Kritikpunkte ergeben! Mindestens 115 Tote und über 200 Verletzte. Und diesmal darf C&A reagieren, an die wurde nämlich geliefert.

Es macht mich inzwischen einfach nur noch stinkesauer, dass alle naselang sowas passieren kann (erst vor wenigen Wochen hatten wir das Spiel ja in Pakistan), und dass sich hier die meisten Menschen nicht betroffen fühlen. Leute, wir zu einem großen Teil schuld daran, dass die Verhältnisse in den Fabriken so scheisse sind, weil wir die Fünfeuro-Shirts als selbstverständlich erachten, und weil wir einfach überhaupt nicht mehr drüber nachdenken, wo das Teil, das wir in Händen halten, eigentlich gemacht wurde, durch welche Hände es gegangen ist.

Das Ziel kann nicht darin bestehen, nie wieder etwas zu kaufen, was in Bangladesch produziert wurde – darum kämpfen sogar die dortigen Gewerkschaften, damit schlicht und einfach Jobs erhalten bleiben. Aber das Ziel muss darin bestehen, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, einen gerechten Lohn für diejenigen einfordern, die für uns produzieren, keine Zwangsüberstunden, die entstehen, weil westliche Auftraggeber alle fünf Minuten eine neue Kollektion in den Laden hängen wollen, und eine Erhöhung der Sicherheit am Arbeitsplatz.

So, und ich geh jetzt mal frühstücken. Wobei, mir ist grad ziemlich schlecht.

PS: Aber großes Lob an die Redaktion von ORF.at, wenigstens bringen sie die Geschichte groß und nicht nur unter „ferner liefen“ in der Chronologie….

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Abercrombie, the Bitch!

Weil gestern die Diskussion drauf kam und gefragt wurde, ob Abercrombie und Fitch eigentlich zu den Guten gehören (einfache Antwort: NEIN), hab ich mal reinrecherchiert. Zugegebenermaßen gleich mal vorbelastet – auf Google gleich mal nach „Abercrombie Fitch Kritik“ gesucht 🙂

Das Ergebnis war auf seine eigene Art und Weise doch wieder überraschend. A&F wurde nämlich mal wegen Rassendiskriminierung angeklagt.

Abercrombie & Fitch wurde 2003 wegen Rassendiskriminierung angeklagt. 2005 endete das Verfahren und Abercrombie & Fitch zahlte den 10.000 Betroffenen insgesamt 40 Millionen Dollar. Jene Personen wurden bei ihrer Bewerbung benachteiligt, weil bei Abercrombie & Fitch fast ausschließlich Weiße arbeiteten. Zu dem Gerichtsurteil gehören auch noch weitere Gleichberechtigung fördernde Auflagen. Außerdem ist bekannt geworden, dass Abercrombie & Fitch ihre Kleidung durch Kinderarbeit auf den Philippinen für einen unmoralisch niedrigen Lohn und unter menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen herstellen lassen. (Wikipedia)

Na, mal was Neues! Die Abgründe werden immer tiefer…

Und sowas ist grad die ultimative Modemarke….. das einzige, was mir an denen gefällt, ist dieses in sozialen Netzwerken immer wieder auftauchende Foto:

 

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Ich kauf euch das immer noch nicht ab

Es hat eh nur drei Monate gedauert, aber ich habe es geschafft (durch die Kombination von Warten auf Braunschlag und zu müde für Outdoor-Aktivitäten): ICH KAUF EUCH DAS NICHT AB ist aktualisiert – dort findet ihr gebündelt all die Beiträge über die bösen Gemeinheiten da draußen, ganz frei von meinen diversen Shoppingwunschanfällen oder anderen Hirnwixereien…. alles böse!

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Jeans. Ihgitt.

Die Doku ist zwar nicht so neu, wie jetzt getan wird, aber es ist ja nicht schlecht, wenn einem immer wieder aufs neue die Kleidung vergällt wird…. das mit den Jeans ist echt deppert. Ich liebe sie nämlich.

Hier gehts zur Doku

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Das Heimtextiliendilemma….pah….das Heimtextiliendrama!!

Meine Freunde wissen: Ich liebe meine Wohnung und bin total deppert auf Einrichtung. Stundenlang könnte ich mir überlegen, ob und wie ich noch Details in der Wohnung austauschen könnte, damit es noch schöner wird. Mach mir ein Kompliment über meinen Einrichtungsstil, und ich schließe dich in mein Herz. Ich kombiniere Stile und alte und neue Möbel quer durcheinander, von Jahrhundertwende über Fünfziger und Siebziger Jahre bis hin zu ganz neu ist alles vorhanden.

Dabei darf auf Textilien natürlich nicht vergessen werden. In anderer Kombination beispielsweise würden sie wie frisch ausm Puff geliefert wirken, aber auf meinem alten Sofa liebe ich meine beiden riesigen roten Plüschkissen heiß. Oder das andere Sofa, ein wirklich gräßliches, aber bequemes und praktisches Teil mit Muster im Augenkrebs-Look der Neunziger, das ich mit einer billigen Überdecke ansehnlich gemacht habe. Nun ja, gedämmert hats mir ja schon vor langem – eigentlich unmittelbar nach Start meines Projekts – dass die ganzen Home-Kollektionen der Textilanbieter jetzt nicht unbedingt anders produziert würden als deren Kleidung. Und beim Textilschweden hab ich mich da ja auch schon mal drüber auslassen.

Außer einer ausgesprochenen Kissen-Manie – vom Liebsten unlängst kommentiert mit „Wenns um Kissen geht, hast echt böse Verstandsaussetzer, meine Liebe“ – und der Liebe zu schöner Bettwäsche gibts bei mir eh recht wenig Stoffiges. Keine Vorhänge, keine Tischtücher (bei uns zuhause gabs früher das Spiel: „Wer patzt als erster das Tischtuch an“ – und die unvermeidliche „Das muss ich wieder büüüüügeln“-Tirade von Mama. Inzwischen hat sie aufgegeben. Keine Tischtücher mehr.).

Und obwohl mir das alles klar ist, möchte ich hier mal feststellen: Ich finde es fetzengemein, dass inzwischen so unglaublich viele Modehäuser einen auf Heimtextilien machen.

Mir so einfach meine nächste Shoppinglust zu nehmen, blöde Welt. Am besten gar nicht mehr nachdenken. Und jaaaaaa, liebe Leute, ich weiß….selbst nähen. Werd ich auch machen. Aber so ein Fake-Schaffell fürn Fake-Eames-Schaukelstuhl hätt ich schon gern….

Übrigens, für Inspirationswillige: Auf Solebich könnt ich stundenlang kleben bleiben, und ohne meine regelmäßige abendliche Ration Designsponge oder Freshome fehlt mir was – ist sowas wie meine persönliche Gutenachtblogroll.

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Der neue Katalog vom Textilschweden

Auch bei mir ist er im Postkastl gelandet: Der große Herbstkatalog vom Textilschweden. Und ich genieße es grad ungemein, zuhause am Sofa zu lümmeln und ihn durchzuschauen, und in Ruhe den Urlaub ausklingen zu lassen (nur halt erstmals ohne Katzi am Schoß – den ich noch mehr vermisse, seit ich die Katzenwelt von Kroatiens schönster Urlaubsinsel wahrscheinlich kollektiv vorm Verhungern gerettet habe. Ein halbwüchsiges Würschtl hats mir mit einer Kratzwatschn gedankt, undankbares Gfrast. Ok, vielleicht hätt ich sie auch nicht gar so viel frotzeln sollen…).

Nach erster Durchsicht des Katalogs einige Feststellungen:

  • Es gefällt mir so gut wie kein einziges Outfit. Vieles, weil es einfach nicht meinem Stil entspricht. Die Dinge, die zwar stilistisch gut passen würden, schauen mir – hey, Fortschritt, die Denkweise ist wirklich auch in meinem Bauch angekommen – viiiiel zu sehr nach austauschbarer Massenware in schlechter Qualität aus (Bsp: Ich würde liebend gerne mal meinen Dufflecoat aus dem Jahre 1994 gegen einen neueren, etwas taillierten austauschen – aber ich weiß jetzt schon: der da im Katalog ist zwar fesch, aber sicher nur halb so warm und vor allem viermal so schnell hin wie mein aktueller).
  • Ich habe mir den Katalog unter der Prämisse: „Wenn ich was seh, überleg ich, ob ichs nachnähen kann – mit heftiger Unterstützungen von den Freundinnen, die auch wirklich nähen können“ durchgeschaut. Immer noch: Nix.
  • Ein einziger Strickpulli ist nett. Was mich wieder daran erinnert hat: Bis Ende 2012 habe ich mir einen Pullover gestrickt. Darauf freu ich mich. Bin eh schon ganz heiß aufs Stricken, so sehr, dass ich in der Ferienwohnung fünf Nadeln und ein Wollknäuel aus Omas Handarbeitskiste rausgefischt hab und losgelegt habe. Bin leider nicht fertig geworden mit dem Haubi, wird nächstes Jahr beendet 🙂
  • Ein paar Seiten des Kataloges sind jedoch so super, dass ich jeeede Menge Geld dort lassen könnte: Die Home-Abteilung. Hach, so hübsche Sachen. Und ich habs doch so gern stimmig und schön zuhause…. Aber das Zeug kommt wahrscheinlich exakt aus der gleichen Ecke der Welt wie die Kleidung, und ist noch dazu noch viel einfacher nachzunähen. Nur wo krieg ich so coole Stoffe her?!

 

 

 

 

 

 

 

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Bangladesch

Weil ich so viel drüber schreib, hier mal ein bissl Hintergrundinfo, über die ich in einer Studie der Clean Clothes Kampagne gestolpert bin (über die ich demnächst gesondert schreiben werde…): Achtung, da kommt jetzt einiges an Text, ich habe jeweils Auszüge abgetippt. Bei den meisten Punkten werden viele denken, sie wüssten das eh, aber wirklich vor Augen führen sich das nur wenige. Nochmal, ich selbst war eine der größten Anhängerinnen der Möglichkeit, sich alle fünf Minuten durch Kleidung neu ausdrücken zu können (weil man sichs leisten kann), aber inzwischen denke ich: Pfuh, wenn das der Preis ist, sind die fünf Euro fürs Shirt aber verdammt teuer…

… Die Bekleidungsindustrie ist der größte Devisenbringer Bangladeschs, rund 78% seiner Exporterlöse stammen aus diesem Bereich. Seit 1990 hat sich der Sektor stark entwickelt. Lag der Wert der Exporte 1990 noch bei 600 Mio. US-Dollar, nahm er einen rasanten Aufstieg bis 2010 auf 15 Mrd. Dollar (laut einer Studie von McKinsey)…

…Bangladesch hat kürzlich Indien als zweitgrößten Strickwarenexporteur der Welt nach China überholt. …

…Seit Januar 2011 gibt es nicht mehr die Auflage, dass ein bestimmter Anteil an Vorprodukten der Kleidung auch aus dem exportierenden Land stammen muss. Da Bangladesch selber wenig Baumwolle anbaut und verarbeitet, sondern den Stoff häufig (aus Cina und Indien) importieren muss, gab es hier bisher Beschränkungen, die nun weggefallen sind. Zudem gehört Bangladesch zu der Gruppe der ärmsten Länder der Welt und darf ohnehin zollbegünstigt Kleidung nach Europa und in die USA ausführen….

…Wenn Bangladesch seine Mindestlöhne erhöhen würde, was dringend nötig wäre, dann würde es immer noch mit Abstand das Land mit den niedrigsten Löhnen weltweit in der Bekleidungsindustrie bleiben….

…Laut Statistischem Bundesamt kamen im Jahr 2008 über die Hälfte aller nach Deutschland einführten Jeans aus China und Bangladesch (…) Die Jeans aus China kostete 6,93 Euro, die aus Bangladesch nur 4,72 Euro….

(In den Fabriken sind 87% junge Frauen angestellt) …. Frauen über 30 Jahre werden als zu alt betrachtet, da sie den ungeheuren Arbeitsdruck oft nicht mehr aushalten können … Trotz größtenteils miserabler  Arbeits- und Sozialstandards bietet die Bekleidungsindustrie für die Frauen oft die einzige Möglichkeit, ein Einkommen zu erzielen…

… Wenn sich die Frauen gewerkschaftlich organisieren wollen, werden sie entlassen (ein Vorgehen, das mir übrigens in Österreich auch schon mal begegnet ist, nur so nebenbei). …. Die Angst, die Arbeit zu verlieren, ist groß, und zudem bleibt bei 13-16-Stunden-Schichten plus Überstunden kaum Zeit für gewerkschaftliche Organisierung…

… Die Regierung erhöhte (…) den monatlichen Mindestlohn auf 3000 Take (30 Euro), die Gewerkschaften verlangten allerdings 50 Euro als Minimum zum Überleben. Laut Asia Floor Wage ist allerdings gar ein  Grundlohn von 116 Euro in Bangladesch nötig, um eine vierköpfige Familie zu ernähren…

… Im Mai 2009 wurde aufgedeckt, dass in einer Fabrik, in der Metro produzieren lässt, eine 18-jährige Frau wegen Erschöpfung starb. Eine beantragte Krankschreibung war ihr vom Fabrikmanagement verwehrt worden. In dieser Fabrik mussten Näherinnen sieben Tage und bis zu 97 Stunden pro Woche arbeiten….

…Die rechtliche Situation in Bangladesch ist nicht einmal schlecht: Die Rechtsordnung enthält eine Vielzahl von Schutzmaßnahmen. Das Land hat sieben der acht Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ratifiziert (….) Gleichzeitig enthlt es noch Schwachstellen im Hinblick auf Mindestalter und Niedrigstlöhne. Das Problem liegt vor allem in der mangelnden Durchsetzung von Recht durch die Behörden und einem fehlenden wirksamen Rechtsschutz für die Betroffenen….

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