Schlagwort-Archive: Baumwolle

Seitenweise Abgründe

Für meinen Job bastle ich seit gestern an einem Hintergrundpapier zur konventionellen Kleiderproduktion. Wahrscheinlich ist es eh das siebenundachtzigste im deutschsprachigen Raum, aber es ist mir ein Anliegen, all die Punkte, über die ich in diesem Jahr gestolpert bin, mal selbst kurz und knackig zusammenzufassen.

Es ist mal wieder so unglaublich – allein die Kapitelauflistung, nur die Überschriften, war fast zwei Seiten lang. Als ich ca. die Hälfte fertig hatte, waren es 12 Seiten. Unfassbar, wieviel kriminelles, umweltzerstörerisches und sozialkritisches Potential die Fetzen, die uns kleiden, haben….

Das Paper werde ich, so es irgendwann mal fertig ist, hier auf dem Blog zur Verfügung stellen.

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Point of no return

Zwischen meinem Innendrin und der Welt da draußen ist grad ganz viel Schleim – metaphorisch, aber auch wirklich buchstäblich. Zwischen Ingwertee, heißer Zitrone und der verzeifelten Suche nach der neuen Flasche Metavirulent, die ich erst vor kurzem gekauft und umgehend verschmissen hab, beginne ich schön langsam, mich wieder auf die Shoppingerlaubnis einzustellen (hab mich übrigens grad wunderbar vertippt und -erlaubnix geschrieben 🙂 ). Am Heimweg schnell noch in die Auslage von dem einen Schuhgeschäft geschaut, ob diese Strickstulpenstiefel noch da sind (ja, sind sie, und ja, ich denk mir dann auch jedesmal, dass ich ein Paar alter Stiefel einfach zopfstulpig aufmotzen könnte), und außerdem zwar nicht reingegangen, aber einen Blick reingeworfen beim Textilschweden.

Festgestellt, dass ich im vergangenen Jahr genau ein einziges Mal da drin war – um einen Biobaumwollbabybody zu kaufen – was für ein schönes Wort, BioBabyBaumwollBody… Und beim kurz einen Blick im Vorbeigehen reinwerfen wurde mir schlagartig klar, dass das, was ich gestern im Brustton der Überzeugung einer sehr netten Redakteurin ins Aufnahmegerät (eins mit Kassetten! Ich war das gesamte Interview begeistert in meine Kindheit rückversetzt…) geschwafelt hatte: Der Textilschwede, der sieht mich so bald nicht mehr von innen. Dieses sterile, diese Massenabfertigung, diese unglaublich vielen Produkte, dieses Bigger-Better-More-BlingBling, näh. Danke. Und sogar durch meinen Schnupfen durch konnte ich diese seltsame Sterilität des Ladens riechen. Diese Massenabfertigungsware ist mir wirklich unsympathisch geworden.

 

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Neunzig Prozent

Das Ding mit der Wolle als das klimaschädlichste Produkt beschäftigt und nervt mich massiv. Jetzt kann ich wieder anfangen, Ausreden zu suchen, warum Stricken mit Wolle doch besser ist als mit Kunstfaser (Ist es. Glaubt mir.) und warum es im Vergleich zu anderen Hobbies noch echt ein ökologisches eines ist. Raunz. „Gegenargument“, das eigentlich überhaupt keines ist: Konventionelle Baumwolle ist bekanntermaßen auch richtig gack (wobei, viel Wasser verbraucht Biobaumwolle auch). Wahnsinn, das war grad wohl mein schlechtester Übergang ever…

Doch jetzt ist es doch wirklich soweit gekommen – mir ist in den letzten Tagen die Energie fürs Bloggen ausgegangen. Beruflich ist grad so viel Verschiedenes zu tun, dass mir keine Zeit bleibt, drüber nachzudenken, worüber ich denn morgen so bloggen will. Am Abend zuhause bin ich so k.o. im Kopf, dass ich eigentlich den Laptop gar nimmer aufklappen mag.

Drum mach ichs mir heute einfach – und gelobe baldige Besserung: Googlet bitte „ARALSEE UND BAUMWOLLE“. Das war mein „Spaß“ in der Mittagspause gestern. In der Schule noch gelernt, dass der Aralsee „wohl in einigen Jahrzehnten nur noch halb so groß sein wird“, und jetzt weiß man: Es sind grade mal maximal eineinhalb Jahrzehnte vergangen (ich hab natürlich in der Unterstufe davon gehört, hüstelhüstel), und es sind bereits neunzig Prozent der Fläche versandet. Und warum? Es warat wegen der Baumwolle…

 

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Bessere Baumwolle, my ass…

Dauernd denk ich, boah, die Ökomodeszene, die ist ja riesig! So viele kleine Designer, die auf Bio setzen, so unglaublich viele Marken! Nur halt keine Riesenmarke a la Textilschwede dabei. Doch immerhin auch der hat in den letzten Jahren auf den Ausbau seiner Organic Fashion Linie gesetzt.

Bis jetzt. Gestern les ich: Der weltweite Biobaumwollanbau nimmt derzeit ab und nicht zu.

Seltsam, denkt man sich, wo doch der Öko-Trend auch die Mode erreicht hat, sogar bis rauf zur High Fashion a la Stella McCartney. Doch leider – die wahre Macht am Markt haben die Textilriesen aus Schweden, Spanien, Deutschland und den USA. Und die setzen derzeit auf in meinen Augen ziemlich verlogene Konzepte wie etwa die Better Cotton Initiative. Hört man und denkt man sich: Cool, bessere Baumwolle, nachhaltig, leiwi.

Falsch. Die Baumwolle der Better Cotton Initiative ist nicht bio, und obendrein sind die sogar noch stolz drauf, dass sie kein Problem mit gentechnisch veränderten Pflanzen haben. Die Bauern, remember? Den KonsumentInnen wird eingeredet, dass das bessere Baumwolle sei, und in Wahrheit ist es einfach nur ein Marketinginstrument, das konventionelle Baumwolle besser (better!) wirken lässt.

Also ich find sowas fast schon niederträchtig.

 

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Sprachlosigkeit

Gestern Stress pur. Arbeit, Ausbildung, Arbeit während der Ausbildung, Arbeit nach der Ausbildung, den Wau, der grad wieder bei mir auf Reha ist, pflegen, und was essen sollt ich auch noch. Und mitten in diesem ganzen Freitagsstress auf ORF.at über diese Meldung gestolpert:

Polizei befreite Hunderte Kindersklaven in Burkina Faso

Polizisten haben im westafrikanischen Burkina Faso mehr als 400 Kindersklaven aus Bergwerken und von Baumwollplantagen befreit. Wie die internationale Polizeibehörde Interpol mitteilte, wurden die Kinder bereits Ende Oktober gerettet. Interpol hatte die Befreiungsaktion geleitet.

„Wir haben sie in Bergwerken gefunden und aus sehr tiefen Löchern geholt“, bestätigte heute Patience Quaye, eine hochrangige Polizeibeamtin im Nachbarstaat Ghana. 73 Verdächtige wurden festgenommen. Ihnen wird unter anderem Menschenhandel zur Last gelegt. Die Kinder arbeiteten in den Bergwerken unter „extremen Bedingungen“, so Interpol.

Sie wurden demnach gezwungen, in engen, bis zu 70 Meter tiefen Schächten Gold abzubauen. Lohn erhielten sie nicht. Die Behörden in Burkina Faso versuchen nun, ihre Familien zu finden, sagte Quaye. Einige der Kinder stammten aus dem Niger, fügte sie hinzu. Bei den meisten der Opfer handele es sich um Jungen – die jüngsten von ihnen sind nach Angaben von Interpol sechs Jahre alt. Mädchen wurden zudem auch Opfer sexuellen Missbrauchs.

Sprachlosigkeit. In einem Nebensatz kommen die Baumwollfelder vor.

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Zwei Welten….ein Wertesystem

Gestern war ich in zwei verschiedenen Welten zu Besuch. Zunächstmal – ich weiß, ich verweise in letzter Zeit etwas viel auf die Seite, aber sie ist einfach mein Lieblingsprojekt im Job – war ich gestern auf der Ressourcentagung von REdUSE. Und dort hielt auch Didrot Nguepjouo, dessen Nachnamensaussprache ich schon wieder vergessen habe, einen Vortrag. Didrot ist Mitarbeiter von Friends of the Earth Cameroon. Ich hatte ja schon vorher das Vergnügen, ihn kennenzulernen und mit ihm über den Baumwollanbau in Kamerun und sonstige interessante „African Facts“ zu reden. FOE Kamerun kampagnisiert zum Thema Baumwolle. Dort ist nämlich das Problem nicht unbedingt der soziale Faktor (wobei, die Kinder werden dort auch statt in die  Schule zum Baumwollpflücken geschickt), sondern der gesundheitliche, sowohl für die Menschen als auch für die Böden. Die Pestizide landen in riesigen Mengen auf den Feldern, die Behälter werden nachher zum Trinkwasser holen (!) weiterverwendet.

Und wenn Didrot dasteht und sagt: „Kauft weniger! Ändert euer Kaufverhalten! Überlegt zweimal, bevor ihr euch ein neues Teil kauft, ob ihr es wirklich braucht! Re-Use and refashion for yourself. Tragt durch bewussten Kauf dazu bei, dass es mehr Biobaumwollanbau und Fairtrade gibt. Respektiert kleine Farmerfamilien.“

…dann geht das ganz  tief rein. Weil Didrot das nicht sagt, weil er „neidisch“ auf das Konsumverhalten der Europäer ist, sondern weil durch eine Verringerung der Nachfrage nach Baumwolle auf den Feldern wieder Gemüse angebaut werden könnte, das der Kamerunschen Exportwirtschaft zwar herzlich wenig bringt, den Einwohnern aber wieder mehr zu essen gibt. Das sitzt, oder?

So hab ich das bisher auch noch nicht gesehen. Noch so ein Aspekt, der zeigt, das alles zusammenhängt. Dass jede einzelne unsere Kaufentscheidungen einen Rattenschwanz an Konsequenzen mit sich zieht. Über diese Initiative muss ich Didrot demnächst noch befragen, dazu war dann keine Gelegenheit mehr.

Moralkeule fertig, und zur zweiten Welt komm ich später.

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Dirty White Gold – the Cotton Film

Ich hab ja vor einiger Zeit schon über die Selbstmorde indischer Baumwollbauern geschrieben. Filmemacherin Leah Borromeo ist dem nachgegangen. Sie verfolgt in einer Doku den gesamten Entstehungsweg von Baumwollkleidung.

Documentary journalist and troublemaker Leah Borromeo is making a film about fashion and its real victims. She is on a mission – she wants to make ethics and sustainability in the fashion industry the norm, not the exception, by making the supply chain transparent.  And she is on a journey to find out how to make this a reality. (…) The journey ends with us – and what we can do not just to look good, but do good. But this is not just another campaigning film. Leah’s a troublemaking Situationist journalist and friend to The Yes Men, Reverend Billy and the Space Hijackers. She never does things by halves and here, she has a naughty plan (shhhhh it’s a secret).So it won’t be a film that hits you with the worthy stick. It will be quirky, funny and have a subversive twist. Think Newsnight meets the Yes Men at a toga party…after they found the free tequila.

Klingt schon mal höchst sympathisch. Doch so eine Produktion bezahlt sich nicht von alleine – und sie ist noch nicht ganz ausfinanziert. Dabei helfen kann man hier – um 15 Pfund kann man sich den Film, sobald er fertig ist, bereits vorab runterladen. Find ich spannend, überleg grad, ob ich das machen soll… bin nämlich wirklich sehr neugierig auf den Film, und gegen meine Neugierde ist noch kein Kraut gewachsen.

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Baumwolle, Bio, weltweit

Seit neuestem gibt es eine weltweite Baumwollkampagne: Have you cottoned on yet? Ich bin ja eine alte NGO-lerin (na gut, so alt noch nicht…). Und mein berufliches Leben besteht zu einem großen Teil aus der Umsetzung oder Unterstützung von Kampagnen. Man kanns einteilen in Kampagnen, die ein ausdefiniertes klares Ziel verfolgen (zum Beispiel keine Käfigeier in Österreichs Supermärkten, kein Atomstrom in Österreichs Steckdosen usw..) auf der einen Seite und reine Bewusstseinskampagnen, bei denen man nicht nur diejenigen an der Macht anspricht, sondern einfach alle, auf der anderen Seite. Und solche Bewusstseinskampagnen sind – mit Verlaub – sauschwer: Da gibts keinen „Feind“, den man gemeinsam mit den BürgerInnen ansteigen kann, sondern da ist jede/r Einzelne gefragt, sein Verhalten zu ändern.

Ich halte aber viel von Bewusstseinskampagnen – oft sind es die NGOs, die es schaffen, Probleme und Ungerechtigkeiten so zu thematisieren, dass es nach einer Weile „common knowledge“ wird. Gutes Beispiel dafür ist das Thema Fleischkonsum. Vor ein paar Jahren wurde medial und öffentlich hauptsächlich von den unterschiedlichsten NGOs thematisiert, dass Fleischkonsum weder gut für die Umwelt noch für die Gesundheit ist, und es sich übrigens so nebenbei um totes Tier handelt. Inzwischen ist das sogar in der Kommunikation von Gesundheitsministerium und Co. angekommen.

Have you cottoned on yet ist eine extrem schöne Bewusstseinskampagne. Die Forderungen der Kampagne gehen an Otto Normalverbraucher – dem erklärt wird, warum Biobaumwolle die bessere Entscheidung ist. Power to the People, find ich gut.

Ich hoff, dass in vielen weiteren Köpfen ankommt, dass auch unsere Kleidung sich direkt auf Klimawandel, Wasserarmut, Boden- und Bauernvergiftung und den Schattenseiten der Globalisierung beiträgt. Und dass es sehr wohl positive Alternativen gibt. Beim Biogemüse haben wir das ja auch geschafft, das ist inzwischen sogar schon im Angebot von Diskontern selbstverständlich….und außerdem: yeeeeeeeeeeeeeeeesss, wie geil ist das denn, eine WELTWEITE BAUMWOLLKAMPAGNE! 😉

Informiert euch selbst: Sehr plakativ ausgedrückt, aber gefüttert mit viel Hintergrundinfo.

So, weltverbesserischer NGO-Sprech hiermit wieder beendet. Draußen ist das Wetter nicht so berauschend, aber ich muss trotzdem dringend weg vom Laptop, ich hab allerschwerstens Lust auf Onlineshopping und die Bücherwunschliste mal wieder aus purer Ersatzhandlung kräftig erweitert. Unter anderem damit…. tippen geht wieder, stricken noch nicht. Bäääääääääääh.

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Meine erste Sachgeschichte

Ich war heut vormittag wieder mal im neuentdeckten Buchgeschäft meines Vertrauens – dem Buchkontor. Wer war nochmal dieser Amazon? 🙂 Eigentlich war ich aus Geburtstagsgeschenkeinkaufsgründen dort, aber wie es immer, und ich betone, wirklich IMMER in Buchgeschäften mit mir ist: Ich verlasse den Laden nicht ohne den Kauf von mindestens einem weiteren Buch für mich selbst. Amen im Gebet. Atheistische Version.

Doch heute war ich nuuuuur aus Recherchegründen mehr Geld ausgeben. Unter anderem (ja, genau, unter ANDEREM) habe ich mir ein Kinderbuch gekauft.

(c) nunette colour

(c) nunette colour

Es ist ein wirklich gut gemachtes Kindersachbuch – genaue, aber kurz gehaltene Erklärungen und..

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Reine Baumwolle?

Bin immer noch alles andere als fit, drum zeichnen sich meine Beiträge derzeit durch Kürze und (oder statt) Würze aus…

Habe am Wochenende zwei unglaublich nette Frauen kennengelernt und bin mit ihnen auch über das ganze Rohstoff-Baumwoll-wasweißich-Thema ins Reden gekommen. Eine von ihnen hat mir dann eine Frage gestellt, die man eigentlich beim Unnützen Wissen von NEON einreichen könnte:

Wusstest du, dass Produzenten bereits bei einem Baumwollanteil von nur 60 Prozent auf das eingenähte Label „Reine Baumwolle“ schreiben dürfen?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das glauben kann – und scheitere schon wieder an der Recherche, irgendwie lässt Google mich in letzter Zeit im Stich… aber ich verspreche, ich bleib dran. Das wär ja echt die Höhe…

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