Schlagwort-Archive: Fast Fashion

Neon – oh nee…

Der Neon-Wahn hat Wien erreicht – und zwar direkt ins billigste Billigsegment. Das hat jetzt nix mir fair und öko zu tun (dass solche Neonfarben niemals und nimmer auf umweltverträgliche Weise hergestellt werden könnten, sollte auf der Hand liegen), sondern einfach nur mit meiner persönlichen Abneigung: Wahnsinn, wie hässlich!!!

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Oha, der Textilschwede will mich verführen

Es ist doch gemein. Die meiste und beste Inspiration hol ich mir an Freundinnen und/oder Frauen, die ich auf der Straße sehe. Und seit ich eine entfernte Bekannte vor einigen Wochen im Wienerwald getroffen hab, geht mir ein überdimensionierter grauer Sweater als Kleid nicht mehr aus dem Kopf. Hab seither immer wieder recherchiert, aber auf der biofairen Ebene nix entdeckt. Immer wieder überlegt, ob ich vielleicht mal ins Caritaslager schau, vielleicht find ich ja irgendeinen riesigen Herrensweater, den ich mir ein bißchen schmäler nähe.

Am Wochenende eine alte Bekannte des Liebsten getroffen. Und auch sie hatte genau so ein Teil an. Ich so: „Maaah, so einen hätt ich so gern, wo ist denn der her?“

Fehler, großer Fehler.

Ich muss lernen: Nicht fragen. Man will die Antwort ja eh nicht hören.

„Vom Haundemm!“

„Aber sicher schon älter, oder?“ Das war sowas wie der Versuch eines Abwehrmanövers im letzten Moment. Aber leider nicht erfolgreich:

„Na, vor einer Woche gekauft. Cool, oder?“

Verdammt. Das erste Mal seit Monaten (Jahren!) auf die Website in den Webshop geschaut. Und da ist er. Und gleich noch ein ähnlicher, auch saucool. Der eine fünfzehn, der andere 20 Euro. Und ich denk mir: „Nein. Neinneinnein. Fuck. Genau so. Nein. Neinneinnein.“

Aber ich bin immer noch von der WearFair und den vorhergehenden Einkäufen gesättigt. Ich brauch ihn nicht. Und die Feststellung, dass ich immer noch nicht immun bin gegen den Textilschweden, ärgert mich grad massiv. Aber mei, wenigstens weiß ich: Ich werd jetzt ein paar Tage raunzen und mir den Pulli wünschen und mit mir kämpfen, aber ich werd ihn mir nicht kaufen.

Caritaslager am Samstag anyone? 🙂

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Und das Perverse – neulich haben mir sogar Schuhe von Nike (!) plötzlich uuuurgut gefallen. Nike! Das sind die hier, best of Böse! Und was lernen wir daraus? Die Verführungen werden niemals weniger – aber die Konsequenz ist immer noch da. Ich kauf doch den Nikes keine Schuhe mehr ab, pfft, soweit kommts noch 🙂

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Minimale Verbesserungen in Bangladesch

Ich wurde bereits mehrfach auf folgenden Artikel hingewiesen, und habe bisher davon abgesehen, darüber zu schreiben, da ich lieber erst auf Ergebnisse warten würde. Heute früh hab ich mir den Beitrag nochmal genauer durchgelesen – und finde es unglaublich, wie sehr in einem einzigen Artikel gleichzeitig Hoffnung geschürt und zerstört wird. Die Anhebung ist ein guter Plan und erfreut wahrscheinlich nicht nur mein Herz (und sei es nur, um auf internationalen Druck zu reagieren). Die Anhebung auf immer noch über 20 Euro weniger als gefordert, und warum sollen nur fünf bis 15 Prozent weitergegeben werden an die Unternehmen – wenn die anscheinend sogar sich positiv über eine Lohnsteigerung äußern?

Es dauert zwar noch zwei Monate, aber ich wünsch mir jetzt mal was vom Christkind: Gebt den ArbeiterInnen 75 Euro (oder mehr!!!) im Monat, und lasst die Unternehmen, die jahrelang profitiert haben von diesen miesen Löhnen, zu mindestens 30 Prozent dafür brennen. Bitte. Und bitte, ich war dieses Jahr sooo brav, darf ich mir bitte eine neue Überarbeitung der Importbedingungen der EU wünschen?

Hier der Artikel:

Bangladesch: Textil-Mindestlohn soll deutlich angehoben werden

23. Oktober 2013, 11:57
  • Besonders schwer war das Unglück in der Nähe der Hauptstadt Dhaka im April. Bei dem Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes waren damals über 1.130 ArbeiterInnen in den Trümmern ums Leben gekommen.
    foto: ap

    Besonders schwer war das Unglück in der Nähe der Hauptstadt Dhaka im April. Bei dem Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes waren damals über 1.130 ArbeiterInnen in den Trümmern ums Leben gekommen.


Arbeitgeber stellen Erhöhung um 50 bis 80 Prozent in Aussicht – Internationale Modefirmen, die vor Ort produzieren lassen, sollen zur Kasse gebeten werden

Dhaka – In Bangladesch zeigen die Proteste von TextilarbeiterInnen für einen höheren Mindestlohn Wirkung. Die ArbeitgeberInnen stellten am Montag eine Anhebung um 50 bis 80 Prozent in Aussicht. Um die dafür anfallenden Kosten zu decken, wollen sie jedoch internationale Modefirmen und Bekleidungsmarken, die vor Ort produzieren lassen, zur Kasse bitten.

Das weltweit zweitgrößte Exportland für Textilien hofft damit auch den internationalen Druck zu mildern, seine Arbeitsbedingungen zu verbessern. Denn nach einer Serie schwerer Unfälle und dem Einsturz eines Fabrikgebäudes, bei dem im April mehr als 1.130 Menschen ums Leben kamen, war Bangladesch in die Kritik geraten. Noch am Montag wollte sich das zuständige Gremium zu Beratungen treffen, bevor der Lohnvorschlag dann an die Regierung übergeben wird.

Monatlicher Mindestlohn bei 28 Euro

Der monatliche Mindestlohn für Beschäftigte der Textilwirtschaft liegt in Bangladesch bei umgerechnet 28 Euro. Zuletzt war er 2010 nach monatelangen Protesten angehoben worden. Die Textil-Beschäftigten fordern nun eine Erhöhung auf rund 75 Euro. Mit zahlreichen Protestaktionen untermauerten sie zuletzt ihren Anspruch, ein Fünftel der Produktionsstätten war davon im vergangenen Monat betroffen.

Die Fabrik-BetreiberInnen hatten zunächst einen Mindestlohn von monatlich rund 34 Euro angeboten. Reuters erfuhr von ihnen, dass damit gerechnet werde, dass die zuständige Tarifkommission nun zwischen 42 bis 52 Euro vorschlagen werde. Fünf bis 15 Prozent der Kostenerhöhung sollten auf den Einzelhandel umgeschlagen werden. Ob damit aber auch ein Ende der Streiks zu erreichen ist, bleibt offen. Viele ArbeiterInnen haben bereits angekündigt, weiter zu protestieren, sollten ihre Forderungen nicht umgesetzt werden.

Vor allem Frauen sind in der Branche beschäftigt

Die Textilindustrie ist die wichtigste Branche des asiatischen Landes. Sie steht für 80 Prozent des Jahresexports. Vor allem Frauen sind in dem Bereich beschäftigt. Wegen der extrem niedrigen Löhne und der günstigen Zollbestimmungen für Lieferungen in die westlichen Industrieländer lassen fast alle großen Modefirmen und Bekleidungsmarken in Bangladesch produzieren. Beliebter ist bei den Unternehmen derzeit nur noch China.

In den Lohnverhandlungen geht es jetzt darum, einen Kompromiss zwischen den AuftraggeberInnen aus den Industrieländern, darunter Konzerne wie Wal-Mart oder H&M, den Fabrik-Eigentümern mit guten Kontakten zur Politik und den protestierenden ArbeiterInnen auszuloten. Im vergangenen Jahr hatte die Regierung in Bangladesch nicht auf die Streiks reagiert. Doch dann kam es zu mehreren Unfällen in Fabriken. Besonders schwer war das Unglück in der Nähe der Hauptstadt Dhaka im April. Bei dem Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes waren damals über 1.130 ArbeiterInnen in den Trümmern ums Leben gekommen. Hinweise der Stadtverwaltung auf Risse waren offenbar ignoriert worden. Das Gebäude war nach offiziellen Angaben auf sumpfigem Boden und ohne die erforderlichen Genehmigungen gebaut worden. Nur zwei Wochen später war es in Dhaka in einer Textilfabrik zu einem Brand gekommen, bei dem acht Menschen starben.

Wal-Mart und H&M offen für Gehaltssteigerungen

Wal-Mart und H&M zeigten sich offen für Gehaltssteigerungen. „Löhne sind ganz oben auf unserer Agenda, um für Verbesserungen in der Textilwirtschaft zu sorgen“, sagte Helena Helmersson, die bei H&M für das Ressort Nachhaltigkeit zuständig ist. Wal-Mart ermuntere die Regierung in Bangladesch, die Löhne an die Bedürfnisse der Arbeiter anzupassen, sagte ein Firmensprecher. ArbeiterInnen in Bangladesch bekommen in etwa die Hälfte des Lohnniveaus von Vietnam oder Kambodscha. Im Vergleich zu China ist es sogar nur ein Viertel. (APA, 23.10.2013)

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1000e km und 6 Monate weit weg – ganz nah

Der heutige Tag war – und das ist keine Anspielung auf meine Magenprobleme  – ein Schlag in ebenjenen. Zumindest ein Moment.

Der Moment kam, als ich bei Kollegin Christina von Südwind saß und wir etwas WearFair-Nachbearbeitung betrieben. Am Boden vor mir lag ein Plastiksack. Ich hob ihn auf, um nicht mit dem Bürosessel drüber zu rollen, und legte es auf den Tisch. Erkannte es. Und mir wurde schlecht. Rana Plaza. Tausende Kilometer und sechs Monate weit weg, plötzlich direkt vor mir auf dem Tisch.

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Die Shirts, die in dem Plastiksack waren, hat Christina bei einem Lokalaugenschein auf dem Gelände von Rana Plaza gefunden. Die Kärtchen (KiK, Verona Pooth) waren schon dran – staubüberzogen und zerknickt. Ich kann nur sagen: Das geht rein. Gänsehaut und tief ins Herz. Die Menschen, die diese Shirts genäht haben, sind entweder tot oder schwer traumatisiert, weil über ihnen ein achtstöckiges Gebäude zusammengebrochen ist. Es gibt Filmmaterial, das Christina beim Einsammeln der Shirts zeigt – bis kommenden Montag online.

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Bei dieser Gelegenheit: DANKE für die tolle Zusammenarbeit in den letzten Monaten, liebe Christina! Du machst einen tollen Job!

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Dreifach kritisch, dreifache Freude

In den letzten Tagen habe ich eine interessante Beobachtung gemacht – es ist zwar schon öfter vorgekommen, dass ich auf shopping/Fast-Fashion-kritische Beiträge von überraschender Seite gestoßen bin, aber noch nie bin ich innerhalb von 24 Stunden auf ganze drei derartige Artikel gestoßen.

Darum gibts heut ein paar Lesetipps:

1) Vienna Wedekind, eine Wiener Fashionbloggerin, war Zuhörerin bei der von mir moderierten Podiumsdiskussion am Fashioncamp. Einige der Zahlen, die ich dort präsentiert habe, dürften sie beeindruckt und zum Nachdenken gebracht haben. Was mich sehr freut – mein Wunsch, dass sich Fashionbloggerinnen über ihre Vorbildwirkung bewusst(er) werden, ist in diesem Fall in Erfüllung gegangen. Schön, und vielen Dank, Vienna Wedekind!  Danke an Maria für den Hinweis, übrigens!

2) Maria selbst hat sich auch zu dem Thema geäußert, und zwar auf kräftige Weise, mir haben beim Lesen die Ohren geschlackert. Toller Beitrag! Mehr davon bitte! 🙂

3) Auch Modejournalistinnen gehen gedanklich den Weg zur Reduktion. Und auch wenn sich in den Kommentaren einer über ihre Abneigung zum Second-Hand-kaufen aufregt – ich kann es bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen und verurteile sie deshalb nicht. Der gedankliche Ansatz ist trotzdem gut.

 

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Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke!

Ich habs natürlich nicht lassen können und bin vorhin gerade rein in die gestern eröffnete Filiale von Ernstings Family bei mir ums Eck. Und ich hab wiedermal eine neue Entdeckung gemacht: Wenn man wirklich, WIRKLICH lange nicht in dementsprechende Geschäfte geht – zur Erinnerung: In den letzten eindreiviertel Jahren war ich genau zweimal beim Textilschweden drin, einmal heiße drei Minuten, dann flasht es einen auf überraschende Weise.

Ist euch schon mal aufgefallen, wie unglaublich es stinkt in diesen Filialen? Instant-Kopfschmerzen, diese Mischung aus seltsamen künstlichen Gerüchen, allem vorgelagert Polyestermief und Formalin. Unglaublich, wie ungewohnt das ist, wenn mans lange nicht erlebt hat. Die Verkäuferinnen tun mir leid.

Wusstet ihr, dass es Studien gibt, die den starken Pestizideinsatz bei Schnittblumen mit schweren Erkrankungen von Blumenverkäuferinnen in Zusammenhang bringen? Ich vermute und bin überzeugt, dass Verkäuferinnen, die tagein. tagaus in so einer Textilfiliale arbeiten, ebenfalls unbekannten gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt sind….

Tut mir leid, vielleicht übertreib ich jetzt, aber hat die Evolution uns unser Riechorgan nicht mal entwickelt, damit wir für unseren Körper Schlechtes als unangenehm riechend identifizieren? Schon klar, es gibt stinkende Sachen, die sind fantastisch, wieder Ziegenhartkäse, der mir grad den ganzen Kühlschrank vollstinkt, aber so rein grundsätzlich müsste man sich doch auf seine Nase verlassen können. Wieso finden wir dann Formalin- und sonstige Lösungsmittelgerüche nicht alarmierend?

Bin gespannt, ab wann es in der Filiale nur noch nach synthetischen Düften riecht. Die übrigens auch gesundheitsgefährdend, tw. mit krebserregenden Inhaltsstoffen, sind.

 

Mir stinkts.

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Grüne Enttäuschung

Ich mag sie, die Grünen, und ich habe sie auch diesmal wieder gewählt. Nach den Wahlen gab es selbstkritische Stimmen, was falsch gemacht wurde. Ja, find ich gut. Sowohl, dass es solche selbstkritischen Äußerungen gibt, und auch, was und wie kritisiert wurde.

Doch was ich bei Klaus Werner-Lobo las, schockierte mich:

Das ließen wir uns in Marktforschungen abtesten, kommunizierten in einem eigens definierten sogenannten Markenkanal (als Vorbild für die Notwendigkeit, die Grünen zu einer Marke zu machen, nannte man uns unter anderem die Hautcreme Nivea), zogen uns hellgrüne Softshelljacken (26 Euro, made in China) an, die besonders Fleißigen kauften sich sogar hellgrüne Uhrbänder und hellgrüne iPhone-Hüllen, und verteilten tausende „Bio macht schön“-Sackerln namens Sieglinde (made in India, trotz Billigstpreis von ca. ein Euro Fairtrade), die uns das Subproletariat am Viktor-Adler-Markt mit einer Intensität aus den Händen riss, dass wir diese Wahlen einfach gewinnen mussten.

Taschen Fairtrade, Jacken nicht? Und kommt mir jetzt nicht mit dem Kunstfaser-nicht-zertifizierbar-Argument. Es geht um die Fertigung.

Echt, leider, bin enttäuscht.

Und ja, trotz allem: Ich bin auch überrascht.

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Clean Clothes: Ein Spaziergang der etwas anderen Art

Bei der Clean Clothes Kampagne, deren GLOBAL 2000-Vertreterin ich bin (wieder so ein schöner Schicksalswink, der sich gegen Ende meines Projektjahrs ergab), gibt es ein paar Neuigkeiten: Von 21.-27. Oktober findet die Aktionswoche Existenzlohn statt. Denn: Ein existenzsichernder Lohn ist ein Menschenrecht. Wir diskutieren da was von Mindestsicherung usw –  Menschen, die für uns arbeiten, sind weit entfernt davon.

In Österreich gibt es einige Aktionen dazu, vom Kamingespräch in Wien mit Michaela Königshofer von der CCK und Lisa Muhr von der Göttin des Glücks bis zu einem Bericht meiner höchstgeschätzten und sehr gerngehabten Pressekollegin Christina Schröder (Südwind) in Linz, die im August einige Tage in Bangladesch verbrachte (und nicht zum ersten Mal dort war). An alle LinzerInnen: Hört euch an, was sie zu sagen hat. Mir ist es bei ihren Erzählungen eiskalt den Rücken runtergeronnen…. Das gesamte Programm der Aktionswoche findet ihr hier.

Und bei einer dieser Aktionen habe ich die Ehre, dabei sein zu dürfen.

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Ich präsentiere: Der Stadtrundgang der etwas anderen Art:

Stadtrundgang: Clean Clothes
Diese Stadtführung anderer Art lässt herkömmliche Sehenswürdigkeiten links liegen. Im Zentrum stehen Geschichten über Mode, Produktion und Konsum. Exklusiv für die Aktionswoche existenzsichernde Löhne haben SOL, Jugend Eine Welt, die katholische Frauenbewegung, GLOBAL 2000 und Südwind einen Stadtrundgang der modischen Art zusammengestellt.
Termin: Dienstag, 22. Okt., 17.00-19.00 Uhr
Ort: Wien, Treffpunkt: Humanic, Mariahilfer Str. 1b, 1060 Wien
Veranstalter & Kontakt: SOL, simon.buechler@nachhaltig.at (Anmeldung erbeten)

Liebe Leute, meldet euch an, ich freu mich auf euch – ich darf nämlich die Station „Baumwolle“ moderieren und euch ganz viel über Wassereinsatz, Pestizid(miss)brauch und Baumwollmüllberge erzählen – als eine von sieben Stationen, von denen eine spannender ist als die andere, ich freu mich selbst schon sehr auf die Erzählungen meiner KollegInnen.

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Böse Produzenten und bunte Wolle

Bin heute mal wieder mit dem 13A durch die Gegend gegurkt, und habe gesehen, dass Ecke Neubaugasse/Richtergasse wohl bald ein COS aufmacht, diese etwas teurere Marke vom Textilschweden. Erster Impuls: Na die schau ich mir an, die sind sicher gschissen, und dann schreib ich drüber, die gschissen die sind, und dass die Mehrkosten sicher nicht bei der Produktion landen, sondern nur im Marketing.

Aber ehrlich gesagt: Irgendwie nervt mich das grad. Nonanet wird eine Textilschwedenmarke jetzt nicht superpipibiofairfein sein.

Nein, ich werde nicht müde, böse Produktion anzuprangern. Aber ein COS-kritischer Beitrag, weil COS grad in Wien aufmacht, wär einfach zu aufglegt. So aufm Silbertablett mag ichs auch nicht…

Stattdessen was Positives: I did it! Ich habe heute mein Lieblingswollgeschäft betreten, um zwei zuviel gekaufte Knäuel zurückzugeben, und habe es geschafft, keine weitere Wolle zu kaufen. Obwohl ich die da schon wunderschön find. So ein bunter Schal zu einem schwarzen Outfit und der grauen Lederjacke…..das könnt was! Neinneinnein, ich hab einen so einen bunten Schal und bin jetzt eh mal damit beschäftigt, meine von Danis Mama und meiner Oma geschenkte Wolle „abzustricken“. Die von der Oma ist in D-Mark-Preisen angeschrieben, keine Ahnung, warum sie die Wolle in Deutschland gekauft hat. Aber sie war runtergesetzt…. immerhin.

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(Fast) Fashion Hero – alles andere als heroisch

Gestern Fashion Hero geschaut. Erwartungshaltung: Ich steh auf die Kreativität, die bei Project Runway vorgeführt wird. in einer von zehn Challenges geht es darum, etwas für den Massenmarkt zu produzieren, ansonsten gibt es immer wieder witzige  Herausforderungen und tolle Ergebnisse. Der Preis: Die finanzielle Möglichkeit, eine eigene Linie als Designer aufzubauen. Und nicht sich an Massenanbieter verkaufen. Mich inspirieren die Designs, aber nicht zum direkten Nachkaufen, sondern zu Überlegungen, wie ich was nachnähen könnte.

Die Hoffnung: Dass das genau sowas auf deutsch wird.

Das Fazit: BOAH. Was für ein konsumistischer Scheissdreck.

Ein sehr seltsames Konzept: Designer führen ihre „Signature Styles“ vor, und die EinkäuferInnen dreier großer Modehäuser schlagen zu – oder eben nicht. Dazwischen sitzt Claudia Schiffer mit zwei ansatzweise exzentrisch aussehenden Statisten und sagt: „Wow!“ und „Aaah“ und „Ich liebe diese Hose!“.

Es geht nur darum, was sich in Masse produzieren lässt, die ganze Show ist gesponsert von den drei Modemarken, die da „einkaufen“ um horrende Summen (ok, diese Summen sind vielleicht gar nicht so unrealistisch), und alles geht nur um schnellschnellschnell. Vor Monaten aufgezeichnet, heißts „Morgen in den Läden!“ Die sogenannten „Experten“: Staffage, die hin und wieder Senf abgeben.

Die Sendung ist eine Werbesendung für Massenproduktion. Sagt die Einkäuferin von asos (die mir übrigens mal eine Kooperationsanfrage geschickt haben…ich finds immer noch witzig), dass sie 70.000 Euro in zwei Teile eines Designers investiert, denk ich mir: Und die Näherin in Bangladesch/Pakistan/China/wurschtwo, die dieses hässliche Teil jetzt nähen darf, würde bei dieser Zahl in Ohnmacht fallen – und weiterhin 30 Euro im Monat für einen Job, bei dem nicht mal ihre Sicherheit gegeben ist, bekommen. Vielleicht.

Für die Unternehmen ists grandios – die Onlineshops binnen Minuten ausverkauft, bieten sie gleich noch jede Menge zusätzliche Produkte zu den Gewinnerdesigns an. Praktisch.

Ganz ehrlich? Weder asos noch Karstadt noch S.Oliver nehme ich auch nur die kleinsten Schritte Richtung Nachhaltigkeit ab. Das, was sie da abliefern, ist das Gegenteil. Yey Fast Fashion. Ich könnte kotzen. Von so einer Sendung erwartet man sich logischerweise und treppenlustigerweise kein erhöhtes Sendungsbewusstsein, aber so derartig ins Gegenteil umschlagen und nur auf kaufenkaufenkaufen gehen, ist wirklich verachtenswert.

Screenshot Karstadt Onlineshop drei Minuten nach der Sendung

Screenshot Karstadt Onlineshop drei Minuten nach der Sendung

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