Wie versprochen der Lichtblick aus Las Vegas: Buffalo Exchange. Meine Leserin Michaela hat mich drauf aufmerksam gemacht, als ich über den Thrift Store in Los Angeles geschrieben hatte. Musste ich natürlich gleich testen, in Las Vegas gibts eine Filiale. Ein Thrift Store der besonderen Art, hieß es. Und ja, das ist er wirklich. Buffalo Exchange ist eine Kette mit Filialen in den ganzen USA. Das Prinzip: Man kann seine eigene Altkleidung dort hinbringen und zu ein bisschen Geld machen, und Buffalo Exchange verkauft sie weiter, etwas teurer als im Ankauf, um das Filialnetz zu finanzieren. Zusätzlich ist Buffalo Exchange eine „Green Company“ ohne Plastiksackerl und sonstigen Schmafu. Was mir besonders gefällt: Es gibt eine gewisse Vorauswahl, angekauft wird nur, was als wiederverkaufbar erscheint. Find ich als Konzept völlig ok, denn das Ergebnis: Dort hängen fast durch die Bank stylishe Sachen, überraschend viele mit Original-Hangtag. Und: Es riecht nicht nach Second Hand. Die Ware ist ordentlich gewaschen und mieft nicht. Für mich ein ganz ganz ganz großes Plus in Second Hand Läden. Buffalo Exchange unterscheidet sich sehr stark von bisher gesehenen Thrift Stores.
Kurz erinnerte ich ich an meine Kindheit, da gabs in der Sechsschimmelgasse, fast schon oben beim Gürtel, ein solches Geschäft. Meine Mama brachte nicht mehr Getragenes hin und bekam einen Einsatzschein, wenns verkauft wurde, bekam sie einen Teil des Ertrags. Oder die Besitzerin, ich hab leider ihren Namen vergessen, war sich so sicher, dass sie die Sachen loskriegen würde, dass sie es Mama gleich abkaufte. Ah, Frau Friedrich hieß sie, glaub ich, ich kann mich aber auch irren. In ihrem Laden wurde ich in meiner Kindheit quasi eingekleidet. Das verhasste Blumenkleid war von dort, aber auch eine recht nette Winterjacke, wenn ich mich richtig erinnere.
Wieso gibt es solche Läden eigentlich nicht mehr bei uns? Ist doch ein super System! Schon klar, tauschen und geldfrei und so ist moralisch gscheiter, aber sorry, wer wenig Kohle hat, ist froh, aus nichtgetragener Kleidung doch noch was rausholen zu können (a la Kleiderkreisel, nur halt …achtung, Modeabkürzung… IRL. In real life.), und diese Mode dann weiterverkaufen, daran find ich nix verwerfliches, solang man das ganze Konzept ordentlich aufbaut. Mode wird nämlich nach dem Erstbesitzer oder der Erstbesitzerin nicht wertlos. Und wenn man durch den Gewinn ein solches Verkaufskonzept weiter ausbauen kann, ist das ja nur gut, denn dann heißt das, dass immer mehr Leute Second Hand kaufen.
Kurz: Toller Laden. Ich wurde fündig in Form einer schwarzen Blusenjacke, cooler Schnitt, 6 Dollar, super mit meinen Kleidern zuhause kombinierbar, und einem grauen XL-Pulli (7 Dollar), unendlich weich und kuschelig, und in Anbetracht meines vergessenen Schlafgewands in Kombination mit am zweiten Tag hier ruinierten, weil durchlöcherten Leggings (nicht auf rauhen Gartenbänken sitzen in der Früh!) fast schon in die Kategorie „brauchich“ einzusortieren, und der Liebste fand sogar auch was, ein sehr cooles schwarzes Jeanshemd, zehn Dollar.

Mich lässt seit Tagen der Gedanke nicht los: Ich will sowas in Wien haben. Genau sowas. Sauber, stylish, modern, Second Hand. Ohne viel Chichi drumherum, ohne komplette Vereinnahmung durch irgendwelche Hipsters, die glauben, das ist Vintage und daher sooo in, sondern stinknormal, aber modisch. Für all die Fehlkäufe in unseren Kästen, die wir nie anhatten, aber auch nicht wegwerfen wollen. Ich stell mir das grad super vor, auch gleich als sozialen Treffpunkt aller möglichen Leute. Wichtig wäre halt die Auswahl, es sollt halt wirklich tragbare Mode sein. Leute, in mir brodelts. Mich juckts in den Fingern. Liebe Leute im Raum Wien: Wer mag mitmachen?
Ach ja, und sonst so: Los Angeles ist künstlich, der Weg nach L.A. ist erst künstlich, dann wüstig, und dann mitten in der Wüste Las Vegas, künstlicher gehts gar nimmer. Hier alles Plastik und billig und trashig und uff, wir knotzen schon den ganzen Tag im Hotelzimmer herum, das ist nämlich megagemütlich, und so ein Tag Pause ist auch mal nett. Freu mich schon sehr auf morgen, da gehts dann Richtung Nationalparks – wo es hoffentlich signifikant weniger Shoppingcenter und Konsumwahnsinn gibt 🙂 Dafür geb ich mir in zwei Wochen dann die Dröhnung, ich werde eine der größten Fashion-Malls der Welt besuchen, und dann berichten. Wobei, schlimmer als Las Vegas kann das auch nicht sein. 🙂