And he did it again: „Nachhaltiger“ – oder was der Textilschwede dafür hält

Spannend. Die Conscious Collection ist noch schlechter, als ich gedacht hätte – und ein Bilderbuchbeispiel, wie man es schafft, Konsumentinnen vorzugaukeln, sie würden jetzt was Nachhaltiges kaufen, und dabei teilweise stinknormale Produktion unterzujubeln. Sie schreiben „more sustainable materials“ – es sind keine nachhaltigen Materialien, es sind nachhaltigere Materialien. Und ich sitz wieder da und frag mich: Nachhaltiger ALS WAS?! Mein Fahrrad oder Mamas Auto? Und außerdem frag ich mich: Bin ich die Einzige, die sich das fragt?

Abgesehen von der Tatsache, dass sie mal wieder nicht auf der Homepage angeben, WO die Kollektionsteile produziert werden, sind auch die Materialien in einigen Fällen nichts, was mit Nachhaltigkeit zu tun hat:

  • In vielen Teilen ist Seide. KONVENTIONELLE Seide, nix Bioseide, wohlgemerkt. Das heißt, ein Seidenkleid oder eine Seidenhose, konventionell in einer Fabrik, die sie nicht angeben, produziert, läuft unter Conscious Collection und gilt als nachhaltig. Da wäre ein Kauf eines Seidenkleides aus einer anderen texilschwedischen Kollektion ehrlicher – und wahrscheinlich auch billiger.
  • In der Kollektion ist unglaublich viel Plastik drin: Lurex, Polyamid, Polyester. Gut, das ist jetzt Geschmackssache. Aber je häufiger ich in solchen Nachhaltigkeitskollektionen die zwei Worte „recycled Polyester“ lese, desto lauter schrei ich. Die KollegInnen könnens bezeugen. Und der Oberhammer: Teilweise wird sogar eine Mischung mit stinkfurznormalem neuproduzierten Polyester verwendet! Das! ist! nicht! nachhaltig!
  • Tencel, Rayon, Viskose. Sind alles Viskosearten, nur eine davon wird im geschlossenen Niedrigenergie- Wasser- und Chemiekreislauf hergestellt, Tencel nämlich. Die anderen sind sehr energie- und chemikalienintensiv. Und alles andere als nachhaltig. Nichtmal nachhaltiger. Knurr.
  • Konventionelle Baumwolle. Ja, kommt auch vor. Konventionelle Baumwolle in einer Kollektion, die als nachhaltiger gilt, und von der wir nicht wissen, wo unter welchen Umständen sie produziert wird. Eines muss man den Textilschweden lassen, Eier haben sie. Bei einem Hochzeitskleid nennen sie konventionelle Baumwolle jetzt „traditional cotton“. Klingt auch viel besser, nüm?
  • Und fast mein Favorit: Bitte was sind „conscious leather details“? 😀 Wörtlich übersetzt sinds „bewusste Lederdetails“. Aha. Hä?

Ich weiß und kanns nur immer wieder wiederholen: Als Greenpeace mögen wir den Textilschweden. Weil die im Chemikalienmanagement, und genau darauf bezieht sich die Detox-Kampagne, wirklich gut unterwegs sind. Aber dieses Chemikalienmanagement ist eben nur ein Teilbereich. Als ichkaufnix-nunu machen mich die anderen Teilbereiche ein bissl wuggi. Weil: Klar, ich bin Nerd, ich les mich da ein, ich versuch, mich auszukennen, was Textil angeht, ich frag schlaue Menschen. Aber das tun nicht alle! Im Gegenteil, 99% aller Kundinnen denken sich doch nur: Super! Jetzt brauch ich beim Shoppen beim Textilschweden kein schlechtes Gewissen mehr haben!

Mich machts echt wahnsinnig. Das ist Verarsche. Aber kaum jemand denkt über den Tellerrand.

Auch ganz allgemein zum Textilschweden: Die machen einen auf nachhaltig. Tschulligung, nachhaltigER. Aber solange sie die Jeans um 10 Euro im Angebot haben und damit den KonsumentInnen vermitteln, dass es völlig in Ordnung ist, wenn Jeans 10 Euro kosten, nehm ich ihnen jeglichen Zug zum Tor der Nachhaltigkeit nicht ab.

Mit diesem Beitrag schneid ich mir wahrscheinlich ins eigene Fleisch, weil viel Kommunikation wirds da wohl nicht mehr geben, aber irgendwer muss das ja mal sagen, oder? Konventionelle Seide, Baumwolle und recycletes Plastik. NachhaltigER. Unglaublich dreist.

3 Gedanken zu „And he did it again: „Nachhaltiger“ – oder was der Textilschwede dafür hält

  1. aurelia1968 sagt:

    Da möcht man echt ausflippen bei so viel merkwürdigen Wortschöpfungen die sie einem als Nachhaltig unterjubeln wollen *Haare rauf…….

    Dann bin ich doch lieber für die Wahrheit die auch klar nachvollziehbar ist wo der Kram herkommt und wie er hergestellt wird. Da kann ich dann nämlich sagen nö das will ich nicht ich kauf nix. Aber die Wahrheit ist unbequem für die, weil sie ja unbedingt ihre Gewinne ankurbeln wollen und das geht wohl zur Zeit am besten mit den Schlagworten, Nachhaltig – Öko – Vegan usw. und weil die Verbraucher immer mehr hinterfragen und nicht mehr alles einfach so kaufen, brauchen sie halt diese Lügen.

    LG
    Aurelia

  2. Das letzte Teil was ich dort gekauft habe war eine Umstandshose. Meine Tochter wird bald vier. Miese Qualitaet und miese Verarsche. Es gibt ein Leben ohne die.

  3. […] draußen, Menschen dafür angestellt, und ihr HÄTTET soooo eine Marktmacht. Aber dann haut ihr konventionelle Stoffe in eure Conscious Collection und bietet weiterhin Jeans um 10 Euro an, anstatt ihren wahren Wert zu bepreisen. Das alles find […]

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