So schaut anders NICHT aus: Ein Geständnis

Was für ein super Übergang vom letzten Beitrag….. ich muss nämlich was gestehen. Ich habe unfair gekauft. So richtig. Ich habe ein famos schlechtes Gewissen, aber andererseits bin ich happy. Weil ich endlichendlichendlich, nach eineinhalb Jahren Suche, DIE Jeans gefunden habe. Ich habe es nicht geschafft, diese Hose in „fair“ zu finden.

Die von Sey Jeans passte nicht.

Eine Selbstgemachte von den Gebrüdern Stitch ist für mich unfinanzierbar, sorry. Custom Made sind dann gleich 350 Euro. So toll deren Idee und Konzept und auch deren Umsetzung ist: Die Kohle hab ich nicht.

Zweimal hab ich welche getauscht. Die eine ist mir inzwischen viel zu groß, die andere war zu eng und wurde weitergegeben.

Ich bettelte Sina an, bei manomama eine Glockenjeans ins Programm zu nehmen. Sagte sie: „Nö. Geht nicht. Weil die Dinger nur gut ausschauen, wenn sie oben eng sind, so richtig. Und dafür braucht man Stretch. Viel Stretch. Und für viel Stretch braucht man Elasthan. Verwend ich nicht.“

Ein Selbst-Glocke-in-gerade-Jeans-einnäh-Versuch ist fulminant in die Hosen gegangen (ha! Wortspiel! Unabsichtlich! Schön!).

Und dann sah ich diese Jeans. In einer Auslage. In einer kleinen Boutique in Innsbruck. Keine Ahnung, was da in mich gefahren ist, aber ich musste sie anprobieren. Sie passte. Sie hatte diese wunderbare Glocke. Endlich, endlich, ENDLICH keine Skinny, in der ich Ähnlichkeiten mit einem Elefanten hab, wenn ich sie nicht aufkrempel. Und immer nur Hochwasserhosen NERVT. Ich wusste: Jeans, 60€, unfair produziert, oioioioioioioi. Und in einer Größe, von der ich vor einem Jahr nur träumen konnte. Boah, ey. Und lang genug. Und dunkel, keine blöden Waschungs-Flecken (ok, das ist wenigstens auch aus ökosozialer Sicht ein Miniminiminivorteil).

Nach ein paar Sport-Tops vor zwei Jahren und einer inzwischen schon wieder meier-seienden Hose ausm Stor ist das meine dritte Sünde in viereinhalb Jahren. Klingt nach nicht viel, aber wenn ich mich schon so als Shopping-Vorbild exponiere, isses peinlich. Nur mit meinem Gewissen noch viel weniger vereinbar, das nicht auch zuzugeben. Vor allem, wenn ich groß töne, dass fair so gut wie immer möglich ist: Ich bin da wirklich an eine Grenze gestoßen.

Ich hab keine Ausrede. Ich hab da Mist gebaut. Ganz klar. Aber ich hoffe, zumindest durch meine Tragegewohnheiten diesen Mist sehr, sehr, sehr, sehr intensiv zu nutzen.

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Immerhin ist der Rest an mir ok aus Ökosozialer Sicht: Die Schuhe sind meine heißgeliebten weißen Ethletics, der Gürtel geschenkt, das Top getauscht, die Bluse etwa zehn Jahre alt und zeit ihres Lebens noch nie von mir gebügelt worden (lieber Crash-Look als die Hacken, obwohl ich weiß, dass gebügelt besser aussehen würd…), und sogar der Ring und eine der Ketten sind vom Flohmarkt.

Bitte zerlegts mich jetzt nicht in den Kommentaren, tut mir eh voll leid.

13 Gedanken zu „So schaut anders NICHT aus: Ein Geständnis

  1. Michaela sagt:

    Kleiner Tipp: Wenn du sie irgendwann „nachproduzieren“ lassen willst – Emens bzw. Naturfaser Fölser (beide in OÖ) kopieren dir deine Lieblingsjeans und sind bei weitem billiger als die Stich-Brüder.

    • nunette sagt:

      Ich weiß, aber die haben auch keine Stretch-Materialien und ich kenn einige, die bereits recht entäuscht waren von den Nachschneiderungen…

  2. Lisa sagt:

    Ich kann es so gut verstehen, dass du dich gleichzeitig freust und ärgerst über die perfekte neue Hose. Toll finde ich es, dass du so authentisch bist und hier dazu stehst. Vielleicht hast du dir selbst den Beweis geliefert, dass fair eben eventuell doch nicht immer geht, wenn man wie du sehr spezielle Vorstellungen hat?

    Hast du schonmal daran gedacht, deine geliebten Glockenjeans einfach selbst zu nähen? Ich weiß, ich weiß, man denkt OMG – ich kann doch keine Jeans nähen! Aber in der Nähbloggerszene nähen sich jetzt viele Mädels ihre Jeans selbst und ich glaube, so schwer ist das eigentlich nicht (und notfalls könntest du dir bestimmt Hilfe suchen)
    Die Schnittmuster gefallen dir bestimmt gut:
    http://www.basteandgather.com/shop/birkin-flares
    http://store.closetcasefiles.com/collections/consumer-goods/products/ginger-flare-jeans-pattern-expansion?variant=13982943430

    Nur so als Denkanstoß! Viele Grüße, dein Blog ist und bleibt toll und lesenswert!
    Lisa

  3. Marika sagt:

    Hallo,
    es geht ja auch um einen wertschätzenden Umgang mit den Dingen. Es ist sicher auch nicht nachhaltig Jeans zu kaufen und sie dann nicht zu tragen, weil man sie einfach nicht mag. Aber ich denke, wenn man schon so ein Teil kauft, sollte man sich bewusst sein, dass der ökologische Fußabdruck sicher größer und die Arbeitsbedinungen schlecht sind und daher umso mehr darauf schauen und es lange nutzen. Aber da braucht man sich bei dir keine Sorgen zu machen 🙂 du bist dir dessen eh bewusst.
    Liebe Grüße und viel Freude mit deiner neuen Jeans

  4. Patricia sagt:

    Liebe Nunu, bitte geh doch nicht so hart selbst mit dir ins Gericht! Du bist bisher immer so wahnsinnig konsequent gewesen und hast einen unglaublichen Wandel zu einer nachhaltigen, bewussten Konsumentin geschafft. Das bewundere ich sehr – ich lasse mich leider immer noch zu sehr von „konventionellen“ Bekleidungsmarken in Versuchung führen, auch wenn das ein oder andere faire Teil es schon in meinen Kleiderschrank geschafft hat und ich insgesamt viel bewusster konsumiere.
    Du hast das perfekte Teil für dich gefunden und hast hoffentlich lange Freude daran. Die Suche ist damit beendet und möglichen Fehlkäufen vorgebeugt. Ich denke, das ist vollkommen vertretbar. Dass deine damalige Shopping-Diät und dein Wandel zur nachhaltigen Konsumentin andere Menschen beeindruckt, merke ich schon daran, dass ich seit einem Jahr versuche, dein Buch in der Bibliothek zu erwischen und es immer, wirklich IMMER, direkt am Tag der Abgabe schon wieder verliehen ist. 😀
    Daumen hoch, dass du deinen vermeintlichen Fehler hier öffentlich machst, das macht dich so authentisch 🙂

    Viele Grüße von einer Frau, die selbst über 1,80m groß ist und weiß, wie wahnsinnig schwer es ist, passende Hosen zu finden. 😉

  5. gruscha sagt:

    wir zerlegen dich doch für ein kleines sündlein nicht, bist doch vorbild genug! 🙂

  6. Ruhrstyle sagt:

    Liebe Nunu,

    ich kann mich hier nur anschließen. Du machst so so viel vorbildliches und ich denke, du solltest dich für diesen kleinen Ausrutscher nicht schämen. Du wirst die Hose sicher bis zum auseinanderfallen tragen und nicht nach einem Monat verscheuern um dir das nächste Teil zu gönnen. 🙂

    liebste Grüße
    Rebecca

  7. Julia sagt:

    Liebe Nunu, du bist eine bewusste Konsumentin und Neukleidung gibt es bei dir nur in fair. Bei der Jeans hattest du kein Glück – die fairen passen dir alle nicht. Also hast du eine konventionelle Hose gekauft. Ich glaube, ich habe die Frage schon mal auf dem Blog gestellt und stelle sie schmunzelnd noch mal, ich kanns mir einfach nicht verkneifen: was würdest du denn einer sehr kleinen 43kg Frau raten, der NICHTS von der fairen Mode passt? 🙂 Also auch keine Oberteile, Jacken, Hosen, Röcke…

    • nunette sagt:

      Ich glaub das einfach nicht – es gibt doch inzwischen so viele Marken, die in xs produzieren. Die Auswahl in dieser Größe ist wesentlich größer als in meiner. Blätter dich doch mal durch den Fashionguide, ich bin 100%ig sicher, du findest was!

  8. Julia sagt:

    Nix für ungut, aber XS entspricht einer „normalen“ 34, und nicht einer 30/32 Größe 🙂 Ist ja bei konventionellen Marken auch nicht anders.

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