Ich will faire Mode für ALLE.

So, mir brennt mal wieder was auf der Brust, das ich niederschreiben möchte. Ich beschäftige mich in den letzten Wochen ganzganz intensiv mit „was ist eigentlich schön“, „wer gibt uns eigentlich vor, was wir schön finden sollen“ und „warum zur Hölle finden sich 96% aller Frauen nicht schön?“ Ich selbst hab mir meinen eigenen Schönheitsbegriff in den letzten Monaten massiv weit aufgemacht – mit dem Ergebnis, dass für mich inzwischen so gut wie JEDE Frau schön ist. Jeder Körper ist schön. Jede Frau hat das Recht, sich selbst schön zu finden – aber jede Frau hat auch das Recht, sich selbst fair anzuziehen. Es wurde in den vergangenen Jahren von Leserinnen, aber auch von mir selbst immer wieder thematisiert: Wo gibts eigentlich faire Mode für große Größen?

Ich freu mich ja wirklich massiv, dass derzeit sogenannte Curvy Models immer erfolgreicher werden, und dass in der Modewelt endlich wahrgenommen wird, dass es eben nicht nur Größe superschlank gibt da draußen in der echten Welt. Denn dass es da einen großen Haken in der Wahrnehmung gibt, wenn bei Mango die Plus Size Mode bei Größe 40 anfängt, die deutsche (und wohl auch österreichische) Durchschnittsgröße jedoch bei 42 liegt, ist nicht schwer zu verstehen, oder? Ich selbst trage 42 und fühle mich pudelwohl, rund und doch schlank.

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Heute hab ich mal die neue Maxima durchgeblättert – eigentlich hab ich den Frauenzeitschriften ja abgeschworen, aber mir war heute nach Badewanne und Zeitschrift, nachdem der Neffe mich am Sonntag mit seinem Husten und entzündeten Hals angesteckt hat (das nächste Mal darf der Kerl wieder in seine eigene Hand husten, und nicht meine nehmen, weil sie grad da ist). Und da ist wunderbarerweise ein Artikel genau darüber drin: Wie rundere Models gerade die Laufstege erobern, und wie super das nicht ist für unser aller Selbstbewusstsein. Und wie es sich gehört für ein kleineres Magazin wie die Maxima, stehen auch Tipps drin, wo man tolle Mode für große Größen bekommt. Da stehen Marken wie Navabi, Asos, Stylefully, aber auch die üblichen Verdächtigen wie der Textilschwede oder Zara. Inklusive der großen Freude, dass die Auswahl größer wird. Ja. Eh.

Aber.

Aaaaaber.

Haben Frauen ab Größe 44 (oder im Fall von Mango: 40 – das is echt so lachhaft…) nicht auch das Recht, sich gleichzeitig modisch und trendy, aber auch öko und fair zu kleiden? Gut, was Stoffe angeht, hats mir die Gaby mal erklärt: Man braucht für große Größen andere Schnitte, und auch andere Stoffe. Ein hauchdünner Baumwollfetzen (wie zum Beispiel die Longsleeves von Armed Angels, an sich mag ich die sehr gern, aber sie sind wirklich sehr fein) zeigt jedes Röllchen und fällt einfach nicht schön. Bei Kurven brauchts schwerere Stoffe, viel Stretch im Stoff und so weiter. Ok, seh ich ein, da wirds wohl teilweise schwer mit Biostoffen. Wers schon schafft, ist die Göttin des Glücks, die haben immer wieder Modelle, die weit raufgehen, aus GOTS-zertifizierter Baumwolle sind und fair produziert. Nur halt: richtig wenig. Kleines Label, noch kleinere Auswahl.

Aber tschulligung: Wieso ist es nicht möglich, Mode für große Größen fair zu produzieren? Ich weiß nicht, wo Navabi, der Textilschwede, Asos oder Zara produzieren – aber ich kann euch trotzdem eines garantieren: Vorzeigefabriken sind das sicher alles keine. Warum muss der Kampf um faire Mode wieder von vorne losgehen, nur weil es um andere Schnitte und ein bissl mehr Stoff geht?

Ich will faire Mode, für ALLE.

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Gaby ist übrigens wirklich die löblichste aller Ausnahmen, ihre eigene Kollektion entsteht nämlich zuerst an ihr selbst in ihrem Geschäft im achten Bezirk und geht dann bei der Näherei der Volkshilfe im vierten Bezirk in (Klein-)Serienproduktion. Von dort schnallt sie sich die Kleider aufs Fahrrad und fährt damit in ihren wunderbaren Laden in der Strozzigasse, wo sie sie verkauft. Und glaubt mir: Diese Kleider sind schwerst leiwand. Ich durfte zweimal für sie modeln: Damals, und damals. Herrliche Teile!

 

8 Gedanken zu „Ich will faire Mode für ALLE.

  1. K sagt:

    Ich trage selbst Gr. 46-48 und kann es nur bestätigen: es ist quasi unmöglich, sich öko und fair einzukleiden. Gabys schönen Laden und ihre Kollektion kenne ich, nur leider sind die Modelle nicht für Frauen wie mich gemacht: Ich habe fast all meine Zusatzkilos an Po und Beinen. Ich brauche weite Sachen unten und eher Figurnahes oben. Gabys Kollektion geht (so zumindest mein Eindruck) von schönen, wohlgeformten Beinen aus und hat dafür weitere Oberteile. Leider nichts für mich, so schade. 😦 Aber schön, dass es deinen Laden gibt, Gaby!!! Ich würde mich sehr über mehr faire Mode für große Größen in Wien freuen.

  2. Anna-Sophie sagt:

    Liebe Nun,

    ich bin eben erst auf deinen Blog gestoßen und habe dein tolles Buch entdeckt. Wow!
    Ich bin begeistert von deiner Shoppingdiät. Seit Anfang August kaufe ich keine neue Kleidung. Der Vorsatz: Erst einmal mit Begrenzung auf ein halbes Jahr.

    Mal sehen, wie es läuft. 🙂

  3. Meike sagt:

    Hallo Nunu, lese gerade dein tolles Buch und frage mich wo es den Sockenpullover gibt?

  4. Luna sagt:

    Hm, da stimme ich den ersten Kommentar zu. „Dick“ ist ja nicht gleich „dick“. So wie jede andere Frau auf eine andere Art „dünn“ (Ich setze das alles in Anführungszeichen, weil : wo fängt denn dünn und dick denn an? und so weiter) sein kann, es gibt ja nicht nur eine Form davon.
    Außerdem gibts auch ein sehr schönes Youtubevideo wo eine eher mollige Frau „Plus Size“ Klamotten trägt die ihr viel zu groß und schwabbelig sind. Weil eben der wohlgemeinte größere Schnitt manchmal auch daneben ist.
    Ich wäre also generell für mehr Maßarbeit und faire Kleidung für alle! 😀

    Die Maxima find ich gar nicht mehr so schlimm, aber auch nur wenn ich sonst keine andere Zeitschrift lese (nach einer feministischen Zeitschrift wandert die Maxima natürlich auch gleich in den Müll).. und ich finde, sie hat in diesem Plus Size Beitrag auch schön herausgearbeitet, dass alles, was unter plus size gelabelt wird, eigentlich normal-mensch-größe ist (eben größe 40-46). und dass dieser größenwahnsinn immer reinspielt, egal wie man versucht den zu umgehn.
    eigentlich voll arg.

  5. Ina sagt:

    Hess Natur bis Größe 50, fällt jedoch sehr klein aus. Maas ebenso und noch kleineres Sortiment. Deerberg und Sjöden gehen teilweise bis 3xl, also so bis 52/54, beide sind aber sehr intransparent was daran wie und wo produziert wurde. Zu Navabis Eigenmarke kann man ssgen, dass Verarbeitung und Materialien teils sehr hochwertig und langlebig sind aber auch hier keinerlei Angaben über Produktionsbedingungen, was eine klare Aussage ist. Manomama hat große Größen, das ist toll, sonst ist nur Kleiderkreisel eine gute Möglichkeit bis Größe 54.

  6. Liebe Nunu,
    ich bin ja eine von denen, die öfter mal das Fehlen von Plus Size Mode in Fairer Qualität bemängelten. Inzwischen besitze ich drei Teile. DREI. Von einem ganzen Kleiderschrank. Und leider wieder nur Strickwaren. Zwei Pullis und eine leichte Strickjacke von Maas. Aber Businesswear finde ich immer noch nicht. Weil die Maas-Sachen eben Wolle sind und die zwei, drei Blazer und schlichte Tuchhosen daher zu dick fürs Büro.
    Du schreibst, dass Plus Size dickere Stoffe erfordert. Das aber ist gerade das, was ich nicht will. Ich will die dünnen Stoffe der dünnen Mädchen. Weil die dicken Stoffe sitzen wie ein Saunapanzer. Ich will die eleganten Schnitte, nicht Sack und Asche. Warum nicht andere Schnitte? Warum nicht geschickte Abnäher? Auch als übergewichtige Frau möchte ich nicht in dicken Stoffen schwitzen in der Heizungsluft oder wenn es draußen 30 Grad hat (und ich trotzdem korrekt gekleidet sein sollte). Tipp: eine zweite Lage Stoff am Bauch wirkt Wunder! Auch als übergewichtige Frau möchte ich mit Handgepäck verreisen. Und die Farben … diese Farben, die in Shops für Dicke herumgeistern, sind manchmal unsäglich. Es würde helfen, wenn jeder Hersteller eine schwarze Linie hätte. Uni, schlicht … businesstauglich. In LEICHTEN Qualitäten. Denn die tragen sich besser und reisen besser. Und die Schnitte … nun ja … Rocksaum oberhalb Knie ist nicht tauglich, wenn in einer Diskussionsrunde sitzend oder ähnliches. Blusen oder Tops brauchen überschnittene Schultern oder kurze Arme (und zwar nicht dünne Arme in dicken Größen!). Aber es braucht nicht den 17. Jerseysack bis zum Knie.

    Es sind wohl dicke Bretter, die da zu bohren sind in den Köpfen der ModemacherInnen und der Modeindustrie. Hin zu leicht, langlebig, nachhaltig, vielseitig und Business-tauglich. Aber wenn es so etwas gäbe, würden die Frauen ja viel weniger einkaufen … warum denn auch, wenn das perfekte Teil bereits im Schrank hängt. Und das wäre eigentlich mein Anspruch … ModemacherInnen, die mit Frauen zusammen eine „perfekte“ Kollektion entwickeln, das ganze in fair. Perfekt für die Frauen und ihre Lebenswelten. Ich stelle mir einen Designworkshop vor mit zehn Frauen unterschiedlichster Figur von Mager bis Plus-Plus-Plus und einem interessierten Modelabel, das ein Thema … z.B. Business-Grundgarderobe … vorgibt. Ein paar Grundideen der Designer, eine Stoffauswahl (leicht, bügelarm, bitte auch uni schwarz) und einige Schnittspezialistinnen. Und am Ende des Wochenendes hat jede Teilnehmerin ihre Grundgarderobe-Ideen eingebracht und ihr Outfit bestellt. Nach Fertigstellung eine Fotostrecke von jeder dieser sehr unterschiedlichen Frauen und Bestellmöglichkeit … ich denke, das könnte ein Riesenerfolg werden. Ich wäre direkt dabei und würde dafür auch nach Wien reisen.

    Dir, liebe Nunu, jedenfalls ganz herzlichen Dank dafür, dass du die Bretter immer wieder anbohrst.

    Herzlichst aus Deutschland
    Rollringelpiez

  7. Sven sagt:

    Liebe Nunu,

    bei meiner Arbeit für http://www.stylefully.de bin ich durch Zufall auf Deinen Blog und diesen tollen Beitrag gestoßen. Nach einer Weile des lesen, darf ich Dir schreiben, Dein Blog gefällt mir. Deine Kritik und Inspirationen in diesen und anderen Beiträgen nehme ich gerne auf. Vielleicht setze ich/wir was davon um, aber die(se) Entscheidung(en) wird/werden leider nicht nur von mir getroffen.

    Mach weiter so.

    Liebe Grüße
    Sven von Stylefully.de

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