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Stolz

Also eines ist in diesem Jahr definitiv passiert. Ich hätte nie, wirklich nie gedacht, dass ich mich mal trau, die Sachen, die ich selbst fabriziert habe, im Freien, so mit fremden Menschen, die mich sehen, zu tragen. Ursprünglich war da nur die Idee, etwas selbst zu produzieren, damit ich merke, wie lang sowas dauert, wie kompliziert das ist und wie oft ich dabei fluche. Dass ich wirklich tragbares Zeug produzieren würde, war zu Beginn zwar erwünschte Option, aber keine relevante Kategorie.

Heute in der Früh bin ich rausspaziert in meinem Mantel, einem selbstgestrickten Schal und einer selbstgestrickten Haube. Die selbstgenähte Tasche ist an einer Öse leider ausgerissen und musste daher gewechselt werden.

Und ich bin megastolz drauf, fühle mich wahnsinnig wohl in meinem Zeug.  Nie hätte ich das gedacht! Ich freu mich schon sehr auf den Nähkurs, den wir meiner liebsten Aniger zum Geburtstag geschenkt haben, denn da werd ich mir – hoffentlich mit viel Hilfe vom Nählehrer – ein Kleid nähen, das zu der Kombi ganz wunderbar dazupasst.

Dieser Part des Projektjahres ist wahrscheinlich der, der in mir am meisten bewegt hat. Lustig, wo rundherum auch so wahnsinnig viel passiert ist, bewegt es mich am meisten, dass ich selbst (wieder) gelernt habe, zu gestalten.

Foto wird nachgeliefert!

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Mütterliche Schiunterwäsche

Was das Ausmisten sonst noch so bringt: Ein unglaublich schlechtes Gewissen. Es gibt so Teile in meinem Kleiderschrank, da höre ich meine Mutter förmlich neben mir stehen und sagen: „Was, das willst du weggeben? Das ist aber echt noch in Ordnung!“ oder „Den Rock hat dir extra die Schneiderin genäht, damals, als du 13 warst!“ oder „Geschenkt hab ich dir die Schiunterwäsche, und nie hast sie angehabt!“

Schiunterwäsche, ernsthaft?! In meiner gesamten Familie bis hin zur entfernten Urstrumpftante bin ich bekannt als die, die sich als Kind wie ein kleiner Berserker gegen das Schifahren gesträubt hat. Die in Schikurse gesteckt wurde und dort vier Stunden durchweinte. Die Panikanfälle bekam, sobald man sie in Schischuhe steckte. Keine schönen Erinnerungen, und meine Lust aufs Schifahren ist auch in den vergangenen 25 nicht gewachsen. Mein einziger Kontakt mit Schiern findet auf meinem Sofa statt, wenn ich bei der Abfahrt traditionell den Norwegern (hach, Lasse forever..) und mein Vater den Österreichern die Daumen hält und wir beim Starthaus schon wetten, wo es den Läufer streuen wird.

Aber nein, die Schiunterwäsche, die grundelt seit einer zweistelligen Anzahl an Jahren in meinem Kasten herum. Hellblau und weiß, fürchterlich. Und bei keiner einzigen Ausmistaktion in den vergangenen Jahren habe ich es übers Herz gebracht, mich von ihr zu trennen, immer war die mütterliche Stimme im Kopf einfach zu vorwurfsvoll.

Diese Stimme ist aber regelmäßig auch sehr praktisch, Ausmisten fällt mir schwer, die Mama ist die perfekte Ausrede… Aber die Schiunterwäsche, die kommt jetzt weg, Schlussausende. Nur der Rock, der mir mit 13 geschneidert wurde, der wird wohl nochmal in einer „kann ich noch nicht so ganz weggeben“-Kiste landen, der kriegt noch eine Runde.

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Ja guten Tag, lange nicht gesehen!

Ausmisten lässt alte Schätze auftauchen. So zum Beispiel eine locker zehn Jahre alte Hose, die mir damals sehr groß war, und die ich vor allem aufgrund des Schnittes – weiter Bootcut und exakt die richtige Länge – damals heiß liebte. Jeansstoff mit Samt überzogen, der sich nach und nach abwetzte. Das klingt jetzt sehr nach den Neunzigern, aber irgendwie wars schon auch sehr cool. Diese Hose landete jedoch für locker acht Jahre in diversen Kisten (trag ich nicht mehr, mag ich aber nicht weggeben). Und wurde gestern auf der Suche nach einem Pulli, den ich einer Arbeitskollegin schenken wollte, wieder ausgegraben.

Mutprobe aufs Exempel: Sie passte! Und zwar genau! Und der Schnitt war immer nochso wunderbar…. lediglich am Popsch ist sie schon sehr abgewetzt, doch das ließ sich mit einem Rock drüber (früher mein Standardoutfit) locker lösen.

(c) nunette colour

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Und oh Wunder,  oh Wunder, sogar die Farbe gefiel mir, dieses undefinierbare Rostaltrosalachsblau – sie schaut wirklich nicht so arg „kamma nicht mehr tragen“ aus, wie man glauben könnte. Find ich halt. Und bisher ist auch noch kein Kollege und keine Kollegin bei meinem Anblick aus den Latschen gekippt…

(c) nunette colour

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Manchmal zahlt es sich eben doch aus, Dinge nicht wegzugeben…. Hosen mit dem richtigen Schnitt sind einfach Gold wert. Ich überlege sogar, mit dieser Hose zu den Gebrüdern Stitch zu gehen und sie mir nachschneidern zu lassen aus normalem Jeansstoff…

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Anleitung zum Lesen von Nachhaltigkeitsreports

Heute ist gestern, spätabends, und ich habs bis jetzt nur geschafft, die Zusammenfassung dieser Studie zu lesen, über die der ORF gestern, also heute, berichtet hat. Aber schon diese zwei Seiten sind wirklich fabelhaft. Im Grunde liefern sie nämlich eine Anleitung, wie man die diversen Nachhaltigkeitsreports großer Unternehmen, auf die jene ja sooo stolz sind, kritisch liest (mein persönliches, nerdiges Hobby…).

Also. Die meisten großen Unternehmen orientieren ihre Berichterstattung an der GRI, der Global Reporting Initiative. Was an sich als System gedacht ist, die freiwilligen (!) Nachhaltigkeitsreports der Unternehmen transparent und international vergleichbar zu machen, ist – sorry – im Grund ein unglaublich billiges System, das Unternehmen als nachhaltig darzustellen, selbst, wenn es das nicht ist.

Weil? Die GRI gibt einen Kriterienkatalog vor, von denen man über eine gewisse Anzahl berichten muss. Das heißt, aus über 100 Kapitelüberschriften wählt man ein Drittel aus, schreibt ein bissl was drunter und schwupps, nachhaltig. Und der Überhaken: Es bleibt den Unternehmen überlassen, wie genau sie berichten wollen. Und: Welche Kriterien sie auswählen (was so ganz nebenbei dazu führt, dass selbst ein Atomkraftwerk einen Nachhaltigkeitsreport nach GRI vorweisen kann, sie gehen auf die Themen Wasser oder Life Cycle einfach gar nicht ein, müssen sie ja nicht!)

De facto heißt das: Die Unternehmen können schreiben, was sie wollen. Sie müssen nichtmal prozentuale Angaben in den Gesamtkontext stellen – wie bei H&M geschehen, sie schreiben von 15.000 Tonnen verarbeiteter Biobaumwolle, geben aber nicht an, dass das im Grunde der  Dreck unterm Fingernagel im Vergleich mit dem Gesamtbaumwollverbrauch des Unternehmens ist.

Und was diese Gschichten vpn wegen Sozialaudits bei den Lieferanten angeht, kann man den GRI komplett knicken. Ich zitiere:

Über die Ergebnisse ihrer Sozialaudits bei Lieferanten berichten die Unternehmen ebenfalls sehr unterschiedlich. Der Informationsgehalt des GRI-Indikators hängt allerdings davon ab, wie man die Aussagekraft von Audits bewertet. Der Indikator allein ist zu allgemein formuliert, als dass er wirklich eine hohe inhaltliche Aussagekraft haben kann, denn die Prüfung unter Menschenrechtsaspekten umfasst mehr als nur die Auflistung der Zahl von Audits und einiger Ergebnisse.

Also: Der GRI-Index gibt nur an, DASS ein Unternehmen sich die Bewertung antut, informiert aber eigentlich nicht. Und alle, wirklich alle orientieren sich an diesem Index.

Das, was eigentlich hergehört, ist erstens mal verpflichtendes statt freiwilliges Reporting, mit sehr klar definierten Kategorien, einer thematisch-inhaltlichen Verpflichtung (also dass das AKW über Life Cycle berichten MUSS und es für das AKW daher unmöglich wird, einen guten Nachhaltigkeitsbericht zu liefern – denn wenn Atomkraft eines nicht ist, dann nachhaltig. Wobei, genaugenommen schon. Nachhaltig strahlend…), und vor allem der Verpflichtung zur Vergleichbarkeit. Ich bin ja neugierig, ob es das noch irgendwann spielen wird. Und wie weit die Wertschöpfungskette zurückverfolgt werden muss. Weil dann würden all die großen konventionellen Textilunternehmen zwar genauso weitermachen wie bisher, aber sich wenigstens nicht grün und nachhaltig schimpfen. Das geht mir nämlich unfassbar am Arsch (tschulligung, musste sein)…

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Fortschritt, Fortschritt!

Puh, ein gedanklicher Meilenstein ist heute passiert. Also. Heut im Büro: So richtig anstrengend. Nicht arg stressig, aber hunderttausend verschiedene Dinge zu besprechen, planen usw. Nervig halt, und viel. Früher wär ich schnell am Heimweg ein paar Stationen früher ausgestiegen, so ganz zufällig auf der Einkaufsstraße.

Im vergangenen Jahr war der Boykott dann immer so ein Super-Selbstkontrollinstrument: „Hey, ich darf eh nicht. Die Peinlichkeit, das ganze zugeben zu müssen, die geb ich mir nicht. Dann halt doch direkt nachhause.“

Heute hats mich kurz ereilt, der Gedanke. Jetzt, wo das wieder shoppen können zum Greifen nahe ist – 8 Tage noch…. Und das tolle, also der Fortschritt: Es interessiert mich nicht! Es ist genauso ein Tag wie früher, der garantiert zu neuen Fetzen in meinem Kleiderschrank geführt hätte. Aber null, nix, nada, der Gedanke daran, nicht direkt nachhause zu fahren und dort die freie Zeit zu genießen, der ist der stressige grad!

Tja, ich werd wohl leider die Erwartungen mancher, dass mein Wiedereintritt in die Shoppingwelt ein Rückfall in die Minusbelastungen am Konto wird, nicht erfüllen können. Ätschibätsch!

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Leiwandeste Leggings

Wurscht, ob Leggings jetzt cool sind oder nicht – für mich sind sie der perfekte Strumpfhosenersatz, weil selbige mir sowieso immer als allererstes am großen Zeh aufgehen (anscheinend streck ich beim Gehen meine große Zehe immer extra nach oben, was im Schuh zwar nicht auffällt, die Strumpfhosen aber verlässlich ruiniert).

Und die da find ich leiwandest. Mit einem Haken: Nur in den USA bestellbar.

Ich zitiere, warum diese Leggings so leiwandest sind:

A snug and comfortable wardrobe staple, the Birch Legging is suitable for wear in any season. A little bit of Spandex is added to the Birch to give four way stretch to our Reparel™ fabric. A covered elastic waistband and unique stitching makes the Birch a year round staple.

Jersey Fabric made from 53% pre-consumer recycled colored cotton / 44% post-consumer recycled polyester / 3% spandex

All our products are made from our Reparel™ fabric. Comfort, versatility, durability, and sustainability…you’ll look great in our Reparel™ fabric, and you can feel good about them too.

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Facts, Facts, Facts

Ladies and Gentlemen, may I present das no net so ganz fertige Factsheet über die diversen Abgründe der konventionellen Modeproduktion. Ich wollt nur mal so sammeln, was mir so alles einfällt zum Thema „konventionelle Mode“. Einige Dinge sind noch nicht fertig ausformuliert, andere sicherlich verbesserungswürdig, aber tadaa, im Word sind es 17 Seiten, die ich da fabriziert habe. Einige Punkte muss ich noch bearbeiten – falls bei dem bereits Geschriebenen Fehler auftauchen, bitte um Email an ichkaufnixx@gmail.com und ich bearbeite das Factsheet.

Hier (und da oben im Menü unter FACTS) gibts das ganze nachzulesen. Das Jahr hat mir weitaus mehr gebracht als einfach nur 366 Tage Kontoschonung. All diese Tatsachen, die da aufgelistet sind, haben mir massiv zu denken gegeben. Vor allem die Tatsache, dass ich eigentlich ausm Ärmel geschüttelt auf sechzehn verschiedene Punkte gekommen bin, wo es im Griss um die Fetzen falsch oder halt in die falsche Richtung rennt.

Ich weiß nicht, ob für euch LeserInnen dieser Überblick was bringt oder nicht zu trocken ist – für mich ist es eine passende Abrundung dieses Blogs. Ich kann nämlich auch auf ernsthaft. Manchmal.

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Er ist infiziert!

Folgender Anblick bot sich gestern nach dem Tatort auf unserem Sofa:

(c) nunette colour

(c) nunette colour

Ich am stricken, der Liebste am Pimpen von einem alten Pulli. Angewandtes DIY-Spießertum. Wie herrlich.

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Aha-Erlebnis, eineinhalb Jahre zu spät

Ich hab wieder was entdeckt, was ich eigentlich schon vor eineinhalb Jahren entdeckt habe – nur wusste ich damals, prä-stricksüchtig, noch nicht, was ich da entdeckt habe. Ich hab mich im New York-Urlaub einfach nur so sehr über den Namen abgehaut, dass ich das Schild des (geschlossenen) Geschäfts fotografieren musste:

(c) nunette colour

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Jetzt weiß ich, was das eigentich für eine saucoole Sache ist: Ein Woll-Laden (oh Überraschung), in dem man auch „DIY“ bestellen kann, also fertige Sets mit Wolle, Nadeln und Anleitung. Diese Kits reizen mich schon sehr, nächstes Jahr möchte ich das mal testen..

Irgendwie lässig finde ich dieses Teil hier mit absichtlichen Laufmaschen – dens leider nur fertig zu bestellen gibt, wie ich grad festgestellt hab…

(c) WATG

(c) WATG

Hach, New York. Coole Stadt. Mit tollen Wortspielen.

(c) nunette colour

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WATG haben auch einen Blog mit lauter schönen Fotos. Klick!

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Die Erleichterung

Langsam gehts los: Die ausgeborgten Kleiderstangen sind aufgebaut, alle verfügbaren Kleiderhaken sind benutzt, weitere Kleiderhaken kommen nächste Woche.

Voila, das schaut ja langsam schon nach was aus, so ausmisttechnisch!

(c) nunette colour

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Allerdings: Da fehlt noch viiiiel – und die ganz  Aufhängerei hat mir grad noch mehr Lust auf Ausmisten gemacht!

Dieser Berg muss noch „abgearbeitet“ werden..

(c) nunette colour

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