Ein Modehersteller, der sich wie ein venezianischer Händler nennt (Schummeln erlaubt, im Fotolink stehts), launchte im März eine sehr interessante Kampagne: Es wurde hochexklusiv und limitiert eine Kollektion vorgestellt, die aus zehn Teilen besteht. Die Grundaussage der Gschichte war: „Diese zehn Teile braucht man, um gut angezogen zu sein.“
Erster Impuls, als ich davon las: Find ich spannend. Eigentlich gute Idee.
Zweiter Impuls: Wie schauen die Teile aus? Wie gesagt, Stil ist etwas so derartig Individuelles, dass ich keinen Schimmer habe, was man wirklich als wichtige Basics bezeichnen kann.
Ich machte mich auf die Suche nach Bildern, fand online jedoch immer nur das Gleiche. Eine Anfrage bei der PR-Abteilung verlief zunächst recht unbefriedigend (ich fragte nach Fotos, bekam jedoch nur einen Absatz PR-Text geschickt. Aber hey, immerhin bekam ich eine Antwort. Ja, der bunte Spanier hat immer noch nicht geantwortet….trotz Nachfragen. Grumml.). Im zweiten Anlauf schickten sie auch ein paar Fotos. Lobenswert!
Dazwischen jedoch lag dieses Wochenende im wunderschönen Berlin (hab ich schon erwähnt, dass ich Berlin einfach nur super finde?)… und weil der Liebste in ein Geschäft am Kurfürstendamm wollte, stand ich plötzlich direkt vor einer riesigen Filiale der Modekette. Bin rein und fragte direkt nach der Kollektion und nach Bildern dieser Kollektion. Die Verkäuferin rührte sich nichtmal einen Schritt zur Seite, griff nach einer Werbezeitschrift neben der Kasse, schlug die Mitte auf, und tadaaa, da waren sie!

10 Pieces by Marco Polo / Foto (c) Nunette Colour
Ich muss sagen: Ich bin ein bißchen enttäuscht. Ok, die Streifenshirts sind hübsch, und auch das Kleid hat einen hübschen Schnitt, aber sorry, das gleiche Kleid zweimal für eine Kollektion aus zehn „Basics“? Und nicht eins, nicht zwei, sondern gleich DREI gestreifte Shirts? Auf die Tatsache, dass da nix bio oder Fairtrade ist, geh ich ausnahmsweise mal gar nicht ein.
Mein höchstpersönliches Urteil: Da hat mal wieder das Marketing über Design gewonnen. Die Teile passen zueinander und sind vom Design her alle stimmig (no na net bei drei gestreiften Teilen, was kann man da falsch machen?), aber dieses Spiel mit der Unsicherheit der Frauen nervt. Da wird Frauen, die das Gefühl haben, keinen klaren Stil zu haben, und die sich unsicher sind, was ihnen steht und wie sie „sophisticated“ oder „stylish“ wirken (und ich habe den leisen Verdacht, das ist eine gar nicht so kleine Zielgruppe), einfach nur was eingeredet. Schade. Hätten sie die Teile einfach nur als stinknormale Kollektion gebracht: Schön. Nur eh klar, dann hätten sie die ganze mediale Aufmerksamkeit nicht und hätten -. oh Horror! – vielleicht einzelne Teile der Kollektion gar nicht gut verkauft. Die Pressesprecherin in mir sagt: Leute, schlau gemacht. Hat auch mich neugierig gemacht. Die Frau in mir sagt: Leute, bitte vera….ts wen anderen und spielts nicht mit klassischen weiblichen Schwächen. Danke.
Übrigens: Bin natürlich gleich wieder raus aus dem Laden. Erstens war der auch vorm Shoppingboykott nicht ganz so verführerisch, zweitens – und das war echt spannend – hab ich mich extrem unwohl gefühlt, umgeben von fein sortierter Kleidung in parfümierter Atmosphäre. Mir ist vorher ehrlich nie aufgefallen, dass diese Läden null Individualität erlauben….