Schlagwort-Archive: Fast Fashion

Don´t mind the Gap!

Ok, eigentlich wollt ich auf die neue Conscious Collection vom Textilschweden eingehen, aber das heb ich mir noch ein bissl auf. Ich bin nämlich gestern über eine Geschichte gestolpert: Es gibt eine neue Liste für die Ethischsten Unternehmen der Welt. Erstellt von Ethisphere, einem in Selbstdefinition unabhängigen Forschungszentrum. Gut, wiedermal ein Ranking, also.

Die Liste für die ethischsten Unternehmen in Sachen Kleidung beinhaltet folgende Top 3:

3) Levi`s (die reduzieren übrigens weltweit fünf Prozent der Stellen, ist heute bekannt geworden)

2) H&M

1)  – und jetzt festhalten – GAP.

GAP! Ich mein…hallo? GAP?  Die GAPs, die sich in Sachen Detox genau keinen Zentimeter bewegen und die Interventionen von Greenpeace ein bissl wie ein Wimmerl am Arsch behandeln – unangenehm, aber mei, wird auch vergehen?

gap

Die GAPs, deren Kleidung bei Rana Plaza, aber auch bei anderen Firmenkatastrophen gefunden wurden – die nämlich in den miesesten, kaputtesten, unsichersten Fabriken überhaupt produzieren lassen? Die GAPs, die sich bis heute beharrlich weigern, das internationale Brandschutzabkommen für Bangladesch zu unterzeichnen? Die GAPs, die den Public Eye Award kassiert haben, weil sie genau nullnixnada dazu beitragen, dass sich in der konventionellen Textilindustrie was ändert?

What the what?!?!?

Echt jetzt, was soll denn das bitte?!?!?!

Echt, auch die sollt man ignorieren. Statt „Mind the Gap“ mal einen auf „Don´t mind the Gap“ machen 🙂

Getaggt mit , ,

Der Textilschwede ist mal wieder nachhaltig

H&M hat seine neue Conscious Collection rausgebracht. Bevor ich jetzt irgendwas dazu kommentier, macht ihr das bitte mal. Mal schauen, was eure ersten Eindrücke sind.

Via twitter.com

Via twitter.com

Getaggt mit , , ,

Eine kleine Webschau

Nachdem das Wochenende etwas durchwachsen und anstrengend war, gibts heute mal einen kurzen Link-Überblick.

  1. In Köln fand die größte Messe für Handarbeit statt – dazu ein Artikel über Schnellstrickerinnen und strickende Männer
  2. Von einer Leserin geschickt bekommen: Der VfL Wolfsburg lässt seine alten Sportdressen upcyclen. Coole Idee.
  3. Der Frühling bricht aus. Plötzlich gefallen mir blumengemusterte Beine. Nachdem ich aber weiß, dass das eine saisonale Geschmacksverirrung sein kann, bin ich grad froh, dass es solche Blumenstoffe derzeit weder in Bio noch beim Müller gibt. Und mein Kleiderschrank is eh grad so schön rund und fertig und geschmacksverirrungsfrei.
  4. Was mich im Büro gerade sehr beschäftigt – blöde Konzerne, blödes Freihandelsabkommen.
  5. Was werde ich in den kommenden Monaten meine Nähmaschine vermissen. Der Rock ist so cool, und ließe sich eigentlich watscheneinfach aus einem bestehenden schwarzen Rock von mir schneidern. Ja, ich habs mit bunten Zippverschlüssen.
  6. Interessantes Interview über Dreieuroshirts und Arbeitsbedingungen.
  7. Auch andere Menschen können nicht ohne ihre alte Jeansjacke. So schöne Inspiration für Kombis aus meinem fertigen Kleiderschrank.
  8. Ich hab einen alten Wollpulli, der leider vor ein paar Jahren schon ein paar Motten ganz gut geschmeckt hat. Jetzt weiß ich, was ich mit ihm machen werde.
  9. Am ersten April ist wieder Strickfilm! Der erste, der ohne mich stattfinden wird 😦
  10. Modepalast ist auch wieder. Ob ichs dorthin schaff, ist auch dahingestellt.
  11. Pharrell Williams macht nicht nur ohrwurmige Musik.
  12. Offtopic, aber mir sehr wichtig. Samstagabend erfahren und seither eigentlich durchgehend sehr traurig und betroffen: Mein Lieblingsprofessor auf der Uni ist ganz plötzlich gestorben. Er war einer von den wirklich Guten, sowohl fachlich als auch menschlich, viel zu jung und einer der wenigen, bei dem ich sagen kann: Ich hab in seinen Vorlesungen zwar nix für meine späteren beruflichen Tätigkeiten gelernt, aber ich HABE gelernt bei ihm. Und ich hatte die lustigste Diplomprüfung überhaupt bei ihm. Bei einer kompletten Basic-Erstsemester-Frage hats mich aufgeschmissen, worauf er grinsend meinte: „Frau Kollegin, gemeinsam schaffen wir das“, mir dann so lange Stichwörter zugeworfen hat, bis bei mir der Knoten aufging und ich losplappern konnte, und das ganze mit einen „Sehen Sie, sie wissen es ja doch! Ich geb ihnen ein Sehr gut für diese Prüfung. Und mir übrigens auch.“ quittierte. Sehr sehr sehr sehr traurig und betroffen.
rock

Soooooo cool! (c) Fashioning Change

 

Getaggt mit , , , , , , , , , ,

Schnell mal sechstausend Leute entlassen.

Gestern bin ich über diesen schon etwas älteren Nachrichtenbeitrag gestolpert: In Bangladesch wurden zwei aneinander angrenzende Fabriksgebäude wegen gravierender Baumängel geschlossen. Gut, soweit mal eine positive Sache – die NäherInnen sind nicht mehr in Gefahr.

Doch dann hab ich mich beim Lesen fast an meinem Frühstück verschluckt: In den beiden Fabriken arbeiteten insgesamt 6000 Leute. SECHSTAUSEND. In Österreich gabs gerade neue Kollektivverhandlungen für die Textilbranche. Da handelt es sich INSGESAMT um bissl über 8000 Leute. In Bangladesch kommen auf zwei Fabriken sechstausend. Und diese sechstausend Leute wurden einfach so entlassen. Zack, fertig, morgen brauchst nimmer kommen, das Haus fliegt nämlich bald zamm.

Ohne Entschädigung, ohne gar nix. Gut, so wie ich das bisher mitbekommen habe, ist es in Dhaka für NäherInnen nicht gar so schwer, schnell was neues zu finden (es sei denn, man war bei Rana Plaza dabei, gilt als „gestört“ und ist auf einer roten Liste, die die Fabriksbetreiber untereinander weitergeben – sie wollen keine Traumatisierten aufnehmen). Aber sechstausend auf einen Schlag? Das ist komplett illusorisch, dass die alle schnell wieder unterkommen. Vor allem, dort ist es nicht so, dass man schnell mal mit der Ubahn in einen anderen Bezirk zu anderen Fabriken fährt – alles, was per Fußmarsch erreichbar ist, ist realistisch, alles weitere nicht.

Mir hauts echt bei den Relationen, wie mit menschlicher Arbeitskraft umgegangen wird, immer wieder den Vogel raus.

Getaggt mit , ,

Aber ich bin noch nicht fertig!

Für die, die sich veilleicht insgeheim gefreut haben, dass ich mit einem fertigen Kleiderschrank auch endlich aufhöre, täglich so viel Blabla von mir zu geben (dass der Bezirksvorsteher vom siebten Bezirk meinen Beitrag mit einem „like“ markiert, hat mich diesbezüglich etwas nachdenklich gemacht 😀 „Endlich gibts a Ruah!“, oder wie?): Da muss ich euch leider enttäuschen. Denn da draußen gibt es erstens noch viel zu viele Dinge, die man wissen sollte, und aus denen man Konsequenzen ziehen sollte, und auch noch superviele Menschen, die nicht den konventionellen Weg gehen, sondern auf bio und fair setzen, und die ich hier vorstellen möchte.

Was mich beispielsweise in letzter Zeit beschäftigt, ist Sumangali. Dieser  so nett klingende Name steht für ein ganz schreckliches System im der Textilbranche: In Indien werden junge Frauen quasi an die Textilbranche verkauft. Sie werden mit dem Versprechen, Weiterlesen

Getaggt mit , , , ,

75% der Österreicher kaufen mindestens viermal im Jahr neue Mode

Unfassbar, und doch so realistisch und vorstellbar – eigentlich bin ich grad künstlich schockiert, meinergleichen, also von mir, wie ich früher war, war weitaus mehr als vier Mal pro Jahr shoppen. Trotzdem ist dieser Artikel ein tolles Beispiel, wie Zahlen wirken. Drei Viertel. Bistdudeppert.

Drei Viertel der Österreicher kaufen jede Saison neue Mode.

Fast drei Viertel der Österreicher kaufen jede Saison Mode nach den aktuellen Trends. Das hat eine Online-Umfrage im Auftrag des Internet-Marktplatzes eBay mit 500 Teilnehmern ergeben. Heuer sind demnach bei den Frauen flache Schuhe, leichte Stiefel und Kleidung mit Spitze besonders angesagt. Weiterlesen

Getaggt mit , ,

Wie Firmen die Kunden austricksen

Heute überlasse ich das geschriebene Wort ORF.at: „Wie Firmen die Kunden austricksen – Geplante Obszoleszenz

Sorry für die eigene Wortkargheit, mein Zeitkontingent reicht grad nicht fürn Blog aus….

Getaggt mit ,

Ich bin ein Weichei

Wahnsinn, bin ich ein Weichei. Diese Woche war arbeitstechnisch extrem anstrengend, aber auch wahnsinnig spannend. Ich bin in diversen Workshops gesessen, in denen es um meine neuen Arbeitsfelder ging. An sich super, aber: Samstag von neun bis 22 Uhr, Sonntag von zehn bis sechs. Gefühlt war ich aufgrund der Fülle an neuen Informationen und dem dichten Programm bereits Freitagfrüh braindead.

Heute am Heimweg dann die Erkenntnis: Weiterlesen

Getaggt mit , , , ,

Suchbild

Ich weiß, es sind automatisierte Werbebanner, und die zeigen dir genau das, was du dir kürzlich angeschaut hast (auf die Tour haben mich mal Sandalen wochenlang verfolgt), und ich hab mir die Overlock auf der Hoferseite angeschaut vor ein paar Wochen. Aber die Positionierung des dieswöchigen Angebotes auf einer Seite, die sich nur mit Eco Fashion beschäftigt, ist dann doch ein gröberes Hoppala, oder? Zynisch, aber ich musste grinsen.

hoferecouterre

Getaggt mit , , ,

Nachtrag zum Frustlesen

Ich möcht nochmal auf meine Nachdenkerei von vorhin eingehen: Ich hab dieses Frustgefühl hin und wieder. Aber was in dem Beitrag nicht wirklich herauskam: Ich bin überzeugt, dass wir alle was tun können – und dass kritischer Konsum wichtig ist. Nur wusste ich nicht, wie ich das richtig in Worte fassen kann.

Das hat Isabelle auf Facebook für mich übernommen:

Doch, der Kunde hat es in der Hand. Es mag etwas länger dauern, aber die Industrie will verdienen. Sie wird ihre Prokuktion ändern, wenn sie gezwungen wird. Es ist einfach zu sagen, wenn ich nicht konventionell einkaufe geht es den Menschen noch schlechter. Kurzfristig ja, langfristig nein. Bei Kinderarbeit wird meist genauso argumentiert: so hat die Familie aber genug Geld für Lebensmittel, usw. Kinder haben aber ein Recht auf Freizeit und Schulbildung. Die Näherinnen ein Recht auf eine angemessene Entlohnung und Sicherheitsstandards. Davon ab kann keiner die Welt retten, das ist leider so. Man kann sich nur bemühen, sie ein wenig zu verbessern.

Danke für diesen Kommentar.

Getaggt mit , , , ,