Schlagwort-Archive: Konsumwahnsinn

Warum ich die neue Textilschwedenkollektion gut und schlecht finde

Ich bin eine schlechte Bloggerin. Ich hab mich nämlich immer noch nicht auf anständige Recherchegrundlage für diesen Post begeben, dabei hab ich ihn schon so lang versprochen. Und dann das – da geh ich kurz mal ins Printa, weil die die neue Kollektion vorstellen, alles Upcycling, alles fair, alles superhübsch, und will um acht zuhause sein, und dann wackel ich um halb elf zuhause an, bring dafür in mir drin zirka achtzehn Glas Rose mit.

Via twitter.com

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Darum mein Feedback auf die neue Textilschwedenkollektion in Kurzaufzählung.

  1. Ich finds gut, dass der Textilschwede  mit seiner internationalen Macht ressourcenschonende Mode thematisiert.
  2. Ich frag mich, wie ressourcenschonend die Mode ist, wenn sie für die Filialen weltweit produziert wird und nicht regional angepasst ist.
  3. …Was eigentlich wurscht ist, weil eh alles in Fernost produziert wird.
  4. Und damit hätten wir den Haken. Faire Produktion? Fehlanzeige. Ich find die ökologischen Ansätze gut, keine Frage, aber wer näht die Sachen?
  5. Ich habe dem CEO von H&M seinen schwachsinnigen Vorschlag, er wolle ein eigenes Fairtrade-Label, das weltweit gültig sein soll, gründen, immer noch nicht verziehen. Warum? Weils das schon gibt, himmelnochmal! Nicht eigene Regeln schreiben, sondern an bestehende Regeln halten!
  6. Die Kritik mehrerer, dass die Sachen nicht alltagstauglich sind, teile ich nur bedingt. Ja, das rosefarbene oder das schwarze Kleid sind nicht alltagstauglich (aber saufesch, das muss man zugeben!), aber sie sind fashion forward. Und das ist der Vorwurf, den faire Mode immer wieder kassiert, dass sie nicht avantgarde, nicht fashion forward ist. Da tut der Textilschwede schon einen großen Schritt, den ich anerkenne.
  7. Ich finds übrigens echt spannend, dass einige Leserinnen in den Kommentaren doch nur auf die Optik der Teile eingegangen ist und nicht auf den Hintergrund. Im Endeffekt ist es dann halt doch das in der Mode, was zählt. Wenns nicht geil ausschaut, kanns zwanzigmal fair und öko sein, oder eben nicht. Kein Vorwurf, ich finds einfach spannend, und es bestätigt mein Bestreben: Weg von der Jutesackmode, aber schnell!
  8. Ich bin also echt halbehalbe. Eine wirklich trendige Kollektion, ressourcenschonend produziert, soweit der Textilschwede das auch kann. Und der Textilschwede hat seeehr viel Marktmacht. Wenn der jetzt ernsthaft so auf Öko tut, dann lassen wir ihn das tun. Und schauen ihm auf die Finger, ob er das auch wirklich öko macht, oder ob er uns verarscht. Aaaaaaber leider gibts da noch ein Argument, dass es für mich ein bissl ins Negative wackeln lässt:
  9. Der Textilschwede ist bekannt dafür, dass man bei ihm Jeans um 10 Euro bekommt, Basics um fünf Euro, und auch ansonsten kosten trendige Teile selten mehr als 25 Euro, machmal 40, aber das muss dann schon seeehr leiwand sein. Diese Kollektion bewegt sich zwischen 60 und 399 Euro. 399 für ein Teil beim Textilschweden, das hätten sich die Kassiererinnen dort wohl auch nie gedacht, oder? Leider bestätigts ein Vorurteil: Ökomode ist ja soooo teuer. Ehrlich: Wenn man Mode sucht, die ihrer Zeit voraus ist, dann sucht man bei kleinen Designern, und da kostet ein Teil mal schon so viel. Aber das erwartet man nicht beim Textilschweden. Und dort ist man über solche Preise schockiert, und schon bestätigt sich das Vorurteil wieder. Und das ärgert mich. Weil die Leute, die sich genau gar nicht mit Ökomode (ich will dauernd faire Mode schreiben, aber das ist es ja nicht) beschäftigen, die denken sich: Pfoah, soooo viel teurer als die „normalen“ Sachen. Und die, die sich auskennen, denken sich: Preislich o.k., aber nur öko, nicht fair. Und jetzt?
  10. Nein, ich hab bei keinem der Teile ein Habenwollengefühl. Das hab ich bei einem der neuen Maronskiteile. Dem Gelben, aber in Graugrün. Ich hatte es schon an. Ich bin verliebt. Sehr. Sehr sehr sehr.

 

Liebe Bannerbagsverlosungsteilnehmerinnenundergebniserwarterinnen: Kommt noch. Heut noch. Versprochen.

 

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Don´t mind the Gap!

Ok, eigentlich wollt ich auf die neue Conscious Collection vom Textilschweden eingehen, aber das heb ich mir noch ein bissl auf. Ich bin nämlich gestern über eine Geschichte gestolpert: Es gibt eine neue Liste für die Ethischsten Unternehmen der Welt. Erstellt von Ethisphere, einem in Selbstdefinition unabhängigen Forschungszentrum. Gut, wiedermal ein Ranking, also.

Die Liste für die ethischsten Unternehmen in Sachen Kleidung beinhaltet folgende Top 3:

3) Levi`s (die reduzieren übrigens weltweit fünf Prozent der Stellen, ist heute bekannt geworden)

2) H&M

1)  – und jetzt festhalten – GAP.

GAP! Ich mein…hallo? GAP?  Die GAPs, die sich in Sachen Detox genau keinen Zentimeter bewegen und die Interventionen von Greenpeace ein bissl wie ein Wimmerl am Arsch behandeln – unangenehm, aber mei, wird auch vergehen?

gap

Die GAPs, deren Kleidung bei Rana Plaza, aber auch bei anderen Firmenkatastrophen gefunden wurden – die nämlich in den miesesten, kaputtesten, unsichersten Fabriken überhaupt produzieren lassen? Die GAPs, die sich bis heute beharrlich weigern, das internationale Brandschutzabkommen für Bangladesch zu unterzeichnen? Die GAPs, die den Public Eye Award kassiert haben, weil sie genau nullnixnada dazu beitragen, dass sich in der konventionellen Textilindustrie was ändert?

What the what?!?!?

Echt jetzt, was soll denn das bitte?!?!?!

Echt, auch die sollt man ignorieren. Statt „Mind the Gap“ mal einen auf „Don´t mind the Gap“ machen 🙂

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Der Textilschwede ist mal wieder nachhaltig

H&M hat seine neue Conscious Collection rausgebracht. Bevor ich jetzt irgendwas dazu kommentier, macht ihr das bitte mal. Mal schauen, was eure ersten Eindrücke sind.

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Mein Kleiderschrank ist fertig.

Pfuh. Erster freier Tag seit zwei Wochen, und der hat sich ganz schön anstrengend gestaltet. Wohl auch, weil über uns gerade die Wohnung renoviert wird und der Handwerker um SIEBEN in der Früh (Samstag!) begonnen hat, am Balkon schräg über unserem Schlafzimmer etwas zu sägen. Das wars dann mit Ausschlafen.

So, fertig mit Raunzen. Der Tag wurde nämlich besser.

Zunächst mal, weil ich auf Hinweis von der Frau Fröhlich zu diesem Flohmarkt hin bin. Und es war fantastisch. Ich war noch nichtmal richtig drinnen, fand ich schon eine semitransparente dunkelblaue Bluse um heiße fünf Euro – eine ähnliche in Schwarz war mir vor ein paar Wochen mal in einem Shop ins Auge gestochen, aber neunzig Euro waren mir für ein Teil, das ich nicht brauche, aber stylingtechnisch gerne hätte, dann doch zu viel. Passte sie mir? Ja. Wollte ich sie? Ja. Brauchte ich sie? Dehnbares Ja, ich hab kein einziges vergleichbares Teil im Schrank, finde den Stil aber sehr schön. Und fünf Euro, und das auch noch Second Hand, das war dann schwer ok. Dunkelblau passt super!

Dann die Frau Fröhlich aufgesucht – die verkaufte an ihrem Stand nämlich nicht nur eigenes Altes, Getragenes, sondern auch Dinge aus ihren früheren Kollektionen, fröhliche Reststücke, so quasi. Und dann hing es da, das Teil, das mir vor eineinhalb Jahren schon auf der Edelstoff so gut gefiel, als ich sie an ihrem Stand besuchte. Weiterlesen

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75% der Österreicher kaufen mindestens viermal im Jahr neue Mode

Unfassbar, und doch so realistisch und vorstellbar – eigentlich bin ich grad künstlich schockiert, meinergleichen, also von mir, wie ich früher war, war weitaus mehr als vier Mal pro Jahr shoppen. Trotzdem ist dieser Artikel ein tolles Beispiel, wie Zahlen wirken. Drei Viertel. Bistdudeppert.

Drei Viertel der Österreicher kaufen jede Saison neue Mode.

Fast drei Viertel der Österreicher kaufen jede Saison Mode nach den aktuellen Trends. Das hat eine Online-Umfrage im Auftrag des Internet-Marktplatzes eBay mit 500 Teilnehmern ergeben. Heuer sind demnach bei den Frauen flache Schuhe, leichte Stiefel und Kleidung mit Spitze besonders angesagt. Weiterlesen

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Das nachhaltige Modemanifest

Fashion Editor at Large hat vorgestern ein Fashion Manifesto veröffentlicht, das ich in jedem Punkt unterstütze und dementsprechend euch nicht vorenthalten möchte (plus hab ich mich an einer Übersetzung versucht): Weiterlesen

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American Apparel boykottieren!

American Apparel hats wieder mal geschafft, einen Skandal zu produzieren. Same procedure as everytime: Frau = Sexobjekt. Hatten wir schon mal, mehrmals.  Doch jetzt, neu: Frau ist aus Bangladesch! Pfwuh, sind wir gleich doppel geschockt! Ich persönlich finds – wie so viel von American Apparel – einfach saublöd. Im Bildtext steht, sie trägt eine Jeans, die von US-Amerikanern ebendort fair gefertigt wurde. Warum sie obenrum nix anhat, wird nicht erklärt. Wahrscheinlich hat die Produktionskapazität der US-Firma nicht für ein Leiberl ausgereicht.

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Das ist sexistisches Schockieren um des Schockierens willen, eigentlich find ichs nicht nur saublöd, sondern auch langweilig. Ja, wui, nackte Haut. Simma eh schon gewohnt von American Apparel. Und ich finds auch ziemlich beleidigend für diejenigen, die sich auf der ganzen Welt für bessere Arbeitsbedingungen in Bangladesch einsetzen. Das tut American Apparel nämlich nicht – die konzentrieren sich nämlich darauf, in den USA zu produzieren, um genau an dem Thema nicht anzukommen.  Bei den dortigen Werbern muss der Weg zur Kampagne zirka so abgelaufen sein (ich stells mir grad vor, lauter hippe Bart- und Hornbrillenträger in Skinny Jeans, zerfetzt gekauften (!) Vans und Flanellkarohemden sitzen zusammen, einige lutschen an ihren Zigaretten, andere zapfen sich gerade einen Nespresso): Weiterlesen

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Wie Firmen die Kunden austricksen

Heute überlasse ich das geschriebene Wort ORF.at: „Wie Firmen die Kunden austricksen – Geplante Obszoleszenz

Sorry für die eigene Wortkargheit, mein Zeitkontingent reicht grad nicht fürn Blog aus….

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Hirnabschalten durch Modemagazine

Ist nur halb blogrelevant, aber ich tipp jetzt halt trotzdem drauflos. Ach. Mir war einfach danach: Ich habe mir gestern am Heimweg ganze drei Magazine gekauft, einfach nur, weil ich erstens Badewannenmaterial haben wollte zum Hirnausschalten, andererseits, weil ich einfach mal Blattkritik üben wollte – irgendwelche „WHAT THE….WHAT?“-Momente gibts da immer wieder.

Bei der Cosmo wars gleich das Titelblatt. Nein, es geht nicht darum, dass ich ein glücklicherer Mensch bin, wenn ich mehr Sex mit mehr Menschen habe und wie ich dabei am besten WIRKLICH zum Orgasmus komme. Sondern:

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Der Artikel ist dann nicht ganz so arg wie erwartet, sondern regt einfach dazu an, seiner Leidenschaft zu folgen, aber aufzupassen, dass das nicht zur Sucht wird. Dass im selben Beitrag eine Frau mit 600 Paar Sneakers vorkommt, ist halt dann doch wieder eine andere Geschichte (oder auch nicht).

Sehr hübsch auch die Myself, die ich – zugegeben – wirklich manchmal ganz gern lese. Ok: Durchblättere. Eine spannende Geschichte: Über die Zukunft des Shoppens. Seltsam: Mit der Google-Brille soll man zukünftig durch Augenblinzeln (!) einkaufen können. Klingt superfuturistisch und absurd – aber das waren Handys auch mal. Insofern nicht unwahrscheinlich, aber unglaublich creepy. Und:

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Also ich weiß nicht so recht … ich war immer am liebsten alleine shoppen, damit mir keine/r reinredet. Ihr nicht so? Das ist jetzt ganz und gar nicht kritisch gemeint, mich interessierts nur wirklich! Ich schreck vor diesen „Passt mir das?“-Fotos, die dann gleich mal im Internet veröffentlicht werden, noch etwas zurück.

Im Myself aber auch – offtopic mein Lacher des Abends: Man macht einen Test, ob man haartechnisch (!) der Vata, Pitta oder Kapha-Typ ist. Lebensenergien, Esoterik und so. Und dann bekommt man Tipps, welcher Haartyp wie mit seinen Haaren umgehen soll:

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Tja, wie oft sollt man Haarewaschen? 😀

Und auch die Joy – die kauf ich mir wirklich vielleicht einmal im Jahr – enttäuschte nicht. In einem Shopping-Extra die dümmste Geschichte seit langem gelesen.

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Und gerade, als ich dachte: Herrlich, hirnleer – starrte ich plötzlich mich selbst an. Ich schwöre, ich habs vergessen, dass da ja noch ein Interview offen war. In drei Tagen hätt ichs versäumt, da wär die neue Joy schon draußen gewesen. Komplett verschwitzt. Naja, Vergesslichkeit sorgt für lustige Momente! Nur das Kritisieren dieser auf Shopping und vor allem Hirnleere ausgerichteten Magazine (wobei ich die Hirnleere dabei sehr mag) ist im Nachhinein irgendwie dann doch so ein bissl schal…. 🙂

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Modeprotest!!

Ach, es gibt wieder eine feine, neue Modeaktion zum Mitmachen! So wie schon beim Uniform Project oder bei den Six items or less hat es wieder mit Reduktion zu tun – und damit mit einer Herausforderung der eigenen Kreativitätsmuskeln. Nur, dass die Zahl diesmal ein etwas größerer Spielraum ist:

Der erste Schritt in Richtung nachhaltigem Konsum ist weniger Konsum. Das gilt auch für die Klamotten im Kleiderschrank. Schaffst du es, deine Garderobe für sieben Wochen auf 50 Kleidungsstücke zu reduzieren? www.modeprotest.de

Ganz im Sinn von Slow-Fashion, bewusstem Konsum und Selbstreflexion stellen wir unser Selbstbewusstsein auf die Probe. Wir wollen testen, wie wir damit klarkommen, wenn wir uns dem Mode-Diktat nach Styling und kreativen Outfits widersetzen. Für mehr Freiheit und Selbstbestimmung! Und für weniger Zeit vor dem Kleiderschrank und verführerischen Einkaufsbummeln!

Die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bietet sich für diese Aktion an. Am Mittwoch, den 5. März geht es los! Trau dich, mach mit!

Find ich eine witzige Idee – die ich aber nur bedingt mitmachen werde. Im März kann ichs gern versuchen (und ehrlich gesagt erscheints mir nicht wie die größte Herausforderung. Bei sechs Teilen, da muss ich schon schlucken, aber fünfzig…. naja, wer weiß, vielleicht red ich ja jetzt groß), im April bin ich dann mit noch viel weniger Teilen unterwegs – derzeit hat meine Packliste 13 Teile drauf (exkl. Unterwäsche und zwei Schals). Ganz grundsätzlich ist das aber eine richtig, richtig gute Idee, nicht falsch verstehen! Mal rausfinden, wieviel man eigentlich wirklich braucht, durch diverse Stylingtricks draufkommen – he, da geht noch mehr, und ein Zeichen setzen, dass man den ganzen Fast Fashion- Wahnsinn nicht mehr mitmachen will. Daumen hoch!

klamottenkur klamottenkur2

Edit: Also ich hab das anscheinend anders verstanden als ihr: Da geht es ja nicht darum, den ganzen Rest wegzuschmeißen, sondern sich mal für einige Wochen auf einige, wenige Teile aus dem Kleiderschrank zu reduzieren! :) Bitte nix weghauen!

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