Frustrierend. Nicht nur, dass mich das dauergraue Wetter schon ziemlich ankotzt, nein, ich muss es jetzt auch noch bewusster registrieren als sonst – der Allwetterschal muss wachsen.
Wäh. Foto auch wäh, weil die Handykamera nach ihrem Bad in meinem ausgeronnen Deo noch nicht ganz wiederhergestellt ist.
Ich hab ein schlechtes Gewissen, ganz groß und gewaltig. Und ich schreib das jetzt nicht, um mir von den LeserInnen die Absolution zu holen – ich fühl mich verpflichtet, das mitzuteilen, um nicht irgendwann im Freundeskreis ein „ahaa, du tust nur so!“ zu hören.
Meine letzte dicke braune Strumpfhose hat gestern den Geist aufgegeben. Sie hat mich seit Monaten genervt, weil sie ums Äutzerl zu kurz und dadurch nicht wirklich angenehm zu tragen war, aber sie war eben meine braune Strumpfhose und daher extrem wichtig. Braun ist das neue Schwarz und so, gell?
Jedenfalls hat sie gestern im Büro dann an eine eher unangenehmen Stelle „ratsch“ gemacht. Und ich noch einen Termin vor mir. Verdammt. Mein erster Gedanke war: Wo krieg ich bitte jetzt Strumpfhosen her, die meiner neuen Einkaufsmoral entsprechen? Das Muso Koroni war leider in komplett entgegengesetzter Richtung zu dem Ort, wo ich hin musste. Also, hüstelhüstel, ab in den Gerngroß und dort zu den Strumpfhosen.
Ich schwöre, ich hab brav nach Bioqualität gefragt, aber sie hatten keine. Also eine klassische gekauft, aber eine mit ordentlicher Qualität, die ich wenigstens lange habe (meine anderen Strumpfhosen dieser Marke waren seit Jahren in power-use, und haben erst diesen Herbst – super Timing so nebenbei – den Geist aufgegeben). Direkt dort auch gleich umgezogen.
Wie die schwarze Strumpfhose (immerhin mit Ökotexsiegel, auch wenn das kaum was wert ist) dann auch noch im Sackerl gelandet ist, ist mir ein Rätsel (könnte daran liegen, dass mein Bestand an schwarzen Strumpfhosen in etwa so durchlöchert ist wie mein Bestand an schwarzen Leggings).
Und jetzt ist genau das eingetreten, was ich befürchtet habe: Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen.
Tirili, mir ist doch wieder was eingefallen! Ich hab wieder ein Alljahresprojekt – jedoch nix, was man irgendwie mit dem Kaufnixprojekt vergleichen könnte. Das will ich auch gar nicht, denn alles, was darauf folgt, wäre jetzt ein müder Abklatsch. Das Jahr ist vorbei, ich finds fast schade, aber ich hab nicht vor, mich selbst jetzt noch zu toppen.
Aber ich freu mich sehr, dass ich doch etwas gefunden habe, was ich ein Jahr durchziehen will: Ich stricke einen sogenannten Sky Scarf. Das Rezept ist einfach und schwierig zugleich: Man besorge sich Wolle in vier bis fünf Grau/Blau-Tönen, und dann strickt man je nach Wetterlage zwei Reihen. Soweit, so einfach. Das Schwierige: Jeden Tag. Und das noch Schwierigere: Ich fluche schon nach drei Tagen, weil das Fäden auseinanderdröseln länger dauert als das Stricken selbst.
Ich hab absichtlich recht blasse Farben gewählt, weil mir die im Internet zu findenden Beispiele mit Blitzblau und so nicht so gut gefallen. Ich hoff, mir wirds nicht zu blass werden. Hier mal meine Farbwahl, allerdings: Das Foto machts noch grauer. Das in der Mitte ist ein helles Babyblau, das für gaaaaanz schönes Wetter stehen wird. Wenn ich noch ein etwas strahlenderes, aber dazupassendes Blau finde, werd ichs auch noch einstricken.
(c) Nunu Kaller
Besser zu sehen ist das ganze auf der neuen Seite dieses Blogs, wo ich regelmäßig updaten werde.
Ich weiß, saublöder Widerspruch, weil meine neuen Stiefel konventionell hergestellt wurden. Das Spannende ist: Konventionelle Mode, also von den diversen Textilketten, ist für mich dennoch inakzeptabel geworden. Bei Schuhen muss ich wohl noch ein paar Meter am Weg in die Richtung gehen…
Der Widerspruch, vor dem ich immer öfter stehe, je mehr ich mich damit beschäftige: Einkaufsboykotts von Fast-Fashion-Marken mag den Unternehmen VIELLEICHT wehtun (wenn viele auf einmal boykottieren), aber den Näherinnen, denen tut das WIRKLICH weh. Weil die ihren Job verlieren. Andererseits: Das sind derart schlecht bezahlte und gefährliche Jobs, dass es keine Entscheidung zwischen „Haben sie ihren Job“ oder „haben sie ihren Job nicht“ sein darf, sondern eine klare Forderung nach „sie müssen einen sicheren, gutbezahlten Job haben“ sein muss.
Wer wirklich will, soll auch bei den klassischen Textiketten einkaufen gehen. Aber bitte nicht auf diesen Fast-Fashion-alle-drei-Wochen-shoppen-gehen-Wahn reinfallen. Been there, done that. Nix gut. Aber einen Haken hat die Sache in meinen Augen: Kauft man bei jenen Ketten, steht man direkt in der Verantwortung derer, die die Stücke produzieren (wir wissen, dass sie nicht fair bezahlt und gut behandelt werden, sondern dass unser Geld in der Werbung der Konzerne landet, oder?). Klingt naiv, und wirklich helfen geht von hier aus schwer, denkt man da schnell. Ein Schritt hier wäre, den Ketten zu beweisen, dass man bereit ist, für faire Mode mehr zu zahlen. Ein Euro pro Shirt mehr, und die Gehälter in Bangladesch würden signifikant steigen. So eine internationale „Bitte ich will mehr bezahlen“-Petition fänd ich angebracht (oder gibts die schon? Clean Clothes arbeitet in die Richtung, aber nicht mit dem Claim, wenn ich mich richtig erinnere). Weg von dieser „ich bin doch nicht blöd“ und „Geiz ist geil“-Mentalität…
Aber was wirklich jeder kann: Teilt das Video, ob auf Facebook oder sonst wo. Dass öffentlicher Druck einiges bewirken kann, beweist sich mir auch in meinem Job immer wieder. Je mehr Menschen Druck auf die Verantwortlichen machen, dass sich die Zustände in den Fabriken der Billiglohnländer ändern müssen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich langsam, sehr sehr langsam, aber doch etwas bewegt für die (größtenteils) Frauen, die unsere Kleidung nähen. Ich mag den Gedanken nicht, dass ich Kleidung trage, die in sklavenartigen Situationen entstanden ist – und diese Kleidung wird hierzulande auch einfach nicht wertgeschätzt, nach einer halben Saison weggeschmissen. Das muss doch verdammtnochmal auch anders gehen! Himmelnochmal! So kann man Menschen doch nicht behandeln!
Gestern Abend hab ich sie abgeholt, meine neuen Babies, auf die ich mich seit Ende April gefreut hatte: Meine neuen Stiefel. Endlich neue Stiefel. Sie haben genau den Schnitt, den ich schon an meinen Lieblingsstiefeln so heiß liebe (no na net, sonst wärens ja net meine Lieblingsstiefel), und das allertollste: Das Foto, anhand derer Markus sie bestellte (dankedankedankedankedankedankedankedankedankedankedankedankedankedankedanke!!!!), war NICHT farbecht! Nein, sie sind heller als auf dem Foto – was ausnahmsweise wirklich saucool ist. Insgeheim hatte ich nämlich genau das gehofft.
Und oleoleole, hier sind sie!
(c) Nunu Kaller
Sind sie nicht ein Traum? Ich bin einfach nur glücklich, und es fühlt sich weniger nach „Junkie-nach-dem-ersten-Schuss-nach-einem-Jahr-clean-sein“ an, und mehr nach „Lange-gewünscht-und-endlich-erfüllt“. Und sowas fühlt sich wirklich wirklich gut an. Das mach ich jetzt öfter, mir etwas gaaaaaaaaaaaaaanz lang wünschen, und mich dann belohnen. Hin und wieder. Nicht zu oft, sonst nützt sich das Gefühl ab.
Sie sind so perfekt…
(c) Nunu Kaller
Und damit man das wunderschöne Braun (übertreib ich grad ein bißchen? Egaaaaal 🙂 ) auch schön sieht, mussten sie auch auf dem türkisfarbenen Badezimmerteppich abgelichtet werden:
Es wird doch noch Neues geben, zusätzlich zu den Stiefeln: Der Pulli für Anita ist fast fertig, es müssen nur noch die Fäden vernäht werden (oh wie ich diese Arbeit hasse…). Und liebe Lady Grey: Bei deinem fehlt nur noch der vordere Teil, allerdings warte ich händeringend auf die Wollnachlieferung, die mir Filati seit Wochen verspricht…
Lustig, jetzt schreib ich immer noch täglich – aber es ergeben sich derzeit einfach immer wieder so nette Themen 🙂
Der Berg an aussortierter Kleidung ist groß, und wird kommende Woche nochmal wachsen, habe ich mir vorgenommen. Nur am Samstag, da ist er wieder kleiner geworden.
Ich habe ein doppellagiges Shirt vom Textilschweden. Weil es mir so gut gefiel damals, kaufte ich es mir sicherheitshalber gleich doppelt und in zwei Größen, man weiß ja nie (dachte ich damals. Heute klatsch ich mir ans Hirn bei solchen Gedankengängen). Bereits kurz nach dem ersten Tragen fiel mir auf, dass es sehr schnell an Form verlor und dann sehr unvorteilhaft wirkte, zumindest mal über der Jeans. Eines der Shirts landete auf dem Ausmiststapel, das andere ist sowieso bereits seit einiger Zeit verschollen – ich vermute es in der Kommode im schwiegerväterlichen Haus, aber was ich dort schon alles vermutet habe…
Nun gut. Am Samstag war mal wieder FH, und eine meiner wundervollen Studienkolleginnen betrat den Unterrichtsraum. Sie hatte ein unglaublich lässiges doppellagiges Kleid über grauer Strumpfhose und unter grauer Cardigan an. Wahnsinn, sah sie cool aus. Es dauerte fast den halben Tag, bis ich feststellte: Moment, ich habe genau dieses Kleid ja auch! Das ist mein Shirt, das ich ausgemistet habe! Die Frau sah genial drin aus – was allerdings auch daran liegen könnte, dass sie wahrscheinlich wirklich effektiv die Hälfte von mir wiegt (zur ansatzweisen Verteidigung: Und zwei Kopf kleiner ist).
Kaum zuhause am Samstagabend, suchte ich das Shirt heraus und probierte es in „ihrer“ Kombination an, wenn auch mit einem Rock drunter. Sonst wärs zu …. naja, halt einfach „zu“. Eh scho wissen.
Was soll ich sagen: Der Stapel ist doch wieder kleiner geworden.
Uiuiuiuiuiui, knappe Sache. Bei einem muss ich wirklich aufpassen: Beim Onlineshopping. Ich verbringe derzeit meine Abende (leider) auch oft vorm Laptop, und neben dem sowieso permanent offenen Tabs Blog und Facebook schwappt in mir regelmäßig die Versuchung auf, in Onlineshops herumzustöbern. Dieses „Ich könnte mir zur Belohnung doch was bestellen“ – das ist ein gaaaaaaaaaaaaanz gefährlicher Gedanke. Ich belohne mich doch sowieso schon doppelt, mit meinem Amsterdamwochenende mit meiner Lieblingsaniger und mit den Stiefeln – noch dazu belohne ich mich für etwas, das ich im Nachhinein gar nicht so als wirkliche Leistung betrachte (ok, gut, aufs fast tägliche Bloggen bin ich schon stolz, das war teilweise echt viel Arbeit).
Aber eines habe ich mir doch schon bestellt. Etwas, was ich brauche, weil ich so etwas nicht habe, und darüber hab ich mich dieses Jahr ein paarmal geärgert. Was genau es ist, präsentiere ich, wenns da ist. Ist mir nämlich ein bisschen peinlich. Da brauch ich noch Mut, um drüber zu schreiben. Wahnsinn, derzeit ist mir wirklich jede Kaufhandlung, die was mit Kleidung zu tun hat, ziemlich peinlich.
Meine Shoppinglust ist grade sehr gering. Gut, manchmal erwischt mich im Büro der Gedanke: Ich geh mir jetzt einfach in einem der tollen Shops was kaufen. Eine schöne Tasche zum Beispiel, weil vor allem meine graue Lieblingstasche langsam wirklich nicht mehr brauchbar ist. Aber irgendwie interessierts mich halt dann noch gar nicht, und ich bin froh, wenn ich nach der Arbeit direkt nachhause kann. Aber die Stiefel, die hol ich mir. Die sind grad irgendwo im 12., beim Bruder vom M. Der Oberschmäh ist jedoch, dass ich allerfrühestens am Montag dafür Zeit hab. Vielleicht. Das heißt, das shoppingfreie Jahr war dann 371 Tage lang. Und mir in meinem Anspruch kommts kurz vor. Naja, mal schauen, wie lang es dann bis zum nächsten Kauf dauert.. so ein paar Ideen hätte ich sogar, aber ich mag schlicht nicht gleich wieder losziehen. Seltsam. Bis vor ein paar Monaten hätte ich Stein und Bein geschworen: Am 17. Jänner allerspätestens bin ich mindestens 500 Euro ärmer. Nix ist. Angenehm fühlt sich das sogar an!
Vorgestern hat er begonnen, der Ausverkauf bei Anzüglich, einem fürcherlich netten Label aus Wien, die fair produzieren, und das mit Biobaumwolle. Auf facebook gibts eine schöne kleine Doku über sie, hier zu sehen (ich kanns leider nicht am Blog implementieren).
Also, liebe WienerInnen und UmgebungerInnen: Ab in den sechsten Hieb in die Theobaldgasse, solltet ihr Lust auf neue Kleidung verspüren. Ich verspüre es grad noch nicht so, was ich persönlich doch ziemlich überraschend finde…
Oder, um die werte Bawi, die Designerin hinter dem Label, zu zitieren: „Kommen Sie, Kommen Sie!“