Archiv des Autors: nunette

All you knit is love

Der Zpagetti-Pullover ist fertig. Also, die Einzelteile. Zusammengenäht werden muss er noch. Die vier Teile – vorne, hinten und die zwei Ärmel – haben insgesamt lockerflockige zwei Kilogramm. Bin ja mal gespannt, ob mir die Schultern weh tun, wenn ich das Teil dann mal anhaben sollte.

Weg von den 20er-Nadeln (von einer Bekannten liebevoll als Geräte „in futuristischer Sex-Toy-Optik“ bezeichnet) habe ich mich nun feineren Dingen zugewendet. Dünne Nadeln, dünnes Garn, und ich versuche mich im Zopfen. Bin gespannt, ob ich den dann fertigen Schal jemals tragen werde, habe meinem persönlichen Geschmack nach nämlich locker 30 Maschen zuwenig angeschlagen – a.k.a.: Ist mir viel zu schmal, das Teil. Gibts Interessenten?

(c) nunette colour

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Die zweite Welt

….das ist die von Lea. Lea habe ich auf der feinen Mühlenfeier von Lady Grey kennengelernt. Lea hat den Edelsteinhandel ihres Vaters übernommen und verkauft hochexquisiten Schmuck. Als ich gestern vorbeischaute bei ihr und beim Umschauen meinte, dass da sowieso alles viel zu teuer für mich wäre, aber dieser eine Ring da, der mit dem blauen Stein…hach…, da meinte sie nur trocken: „Ach, der ist zum Beispiel gar nicht schlimm. Wart, ich hol ihn dir mal.“ Und schwupps, hatte ich einen Ring am Finger, der nur unwesentlich billiger war als mein gesamtes Monatseinkommen.

Aber was Lea sehr sehr sehr sympathisch macht: Sie tickt so, dass sie locker auch hätte auf der Ressourcentagung sprechen können. Sie will keine neuen Steine kaufen, sondern erstmal die Vorräte ihres Vaters „aufbrauchen“, sie legt sehr großen Wert auf fairen Handel (der im Edelsteinhandel wahrschienlich noch seltener ist als im Textilhandel, selbst wen mans quantitativ vergleichbar macht), und sie will nix Neues kaufen, wenn das Alte noch funktioniert. Letzteres hat jetzt eher mit ihrem privaten Wertesystem zu tun, wirkt sich aber auch auf ihre Arbeit aus. Also, sollte ich schwerreiche Damen mit einer Leidenschaft für wirklich wertvolles Blingbling zu meinen Leserinnen zählen: Wenn, dann bitte zu Lea. Sie arbeitet auch Steine aus nicht mehr gefallendem Schmuck in neue Stücke um.

Spannend bleibt für mich dennoch die Diskussion, ob die ökofaire Diskussion wirklich bereits in der Oberschicht angekommen ist, ob sie dort richtig verstanden wird, und was das eigentlich bringt…

 

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Zwei Welten….ein Wertesystem

Gestern war ich in zwei verschiedenen Welten zu Besuch. Zunächstmal – ich weiß, ich verweise in letzter Zeit etwas viel auf die Seite, aber sie ist einfach mein Lieblingsprojekt im Job – war ich gestern auf der Ressourcentagung von REdUSE. Und dort hielt auch Didrot Nguepjouo, dessen Nachnamensaussprache ich schon wieder vergessen habe, einen Vortrag. Didrot ist Mitarbeiter von Friends of the Earth Cameroon. Ich hatte ja schon vorher das Vergnügen, ihn kennenzulernen und mit ihm über den Baumwollanbau in Kamerun und sonstige interessante „African Facts“ zu reden. FOE Kamerun kampagnisiert zum Thema Baumwolle. Dort ist nämlich das Problem nicht unbedingt der soziale Faktor (wobei, die Kinder werden dort auch statt in die  Schule zum Baumwollpflücken geschickt), sondern der gesundheitliche, sowohl für die Menschen als auch für die Böden. Die Pestizide landen in riesigen Mengen auf den Feldern, die Behälter werden nachher zum Trinkwasser holen (!) weiterverwendet.

Und wenn Didrot dasteht und sagt: „Kauft weniger! Ändert euer Kaufverhalten! Überlegt zweimal, bevor ihr euch ein neues Teil kauft, ob ihr es wirklich braucht! Re-Use and refashion for yourself. Tragt durch bewussten Kauf dazu bei, dass es mehr Biobaumwollanbau und Fairtrade gibt. Respektiert kleine Farmerfamilien.“

…dann geht das ganz  tief rein. Weil Didrot das nicht sagt, weil er „neidisch“ auf das Konsumverhalten der Europäer ist, sondern weil durch eine Verringerung der Nachfrage nach Baumwolle auf den Feldern wieder Gemüse angebaut werden könnte, das der Kamerunschen Exportwirtschaft zwar herzlich wenig bringt, den Einwohnern aber wieder mehr zu essen gibt. Das sitzt, oder?

So hab ich das bisher auch noch nicht gesehen. Noch so ein Aspekt, der zeigt, das alles zusammenhängt. Dass jede einzelne unsere Kaufentscheidungen einen Rattenschwanz an Konsequenzen mit sich zieht. Über diese Initiative muss ich Didrot demnächst noch befragen, dazu war dann keine Gelegenheit mehr.

Moralkeule fertig, und zur zweiten Welt komm ich später.

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Pelz! Nackt!

Dieser Beitrag ist unvermeidlich. Seit Beginn dieses Projekt steht für mich fest, dass ich mich einmal über Pelz auslassen werde. Kurzfassung: Pelz geht gar nicht. Punkt.

Längere Fassung: Es regt mich jedes Jahr aufs Neue auf, dass vor allem die Luxusdesigner es einfach nicht kapieren, dass Pelz nicht Luxus, sondern Tierquälerei ist. Ja, weich, warm, super. Toll. Bereits als ich ein kleines Kind war, hörte ich von den bösen Sprayern, die den Pelzträgerinnen ihre Mäntel ruinierten (ja, die Tonalität dieses Satzes lässt darauf schließen, wie vor allem die Frau Oma dazu steht).

Ich finde es schrecklich. Der beste Pelz, den es geben kann, ist der einer Katze – an ihr dran. Gestreichelt werdend, schnurrend, so soll Pelz. Nicht als Kragen auf der neuen Daunenjacke, im „Optimalfall“ ist die dann auch noch aus Lebendrupf-Daunen hergestellt – und das ganze wird dann um 800 Euro aufwärts als höchste Qualität und überhaupt exquisit und leiwi verkauft. Wäh.

Die Vier Pfoten Deutschland haben dazu eine echt süße Online-Kampagne aus dem Boden gestampft: Die Parade gegen Pelz. Ein bisschen erinnerts zwar an die „rather go naked than wear fur“-Gschicht von Peta, aber dennoch: Süße Idee – jeder kann zum Nackerbatzl werden und so gegen den Einsatz von Pelz bei diversen bekannten Designern protestieren. Außerdem kann man direkt an die jeweiligen Pelzdesigner auch noch böse Emails schicken, die Adressen sind ganz öffentlich auf der Page gemacht.  Ich finds ja besonders witzig, da ich mal bei den Pfoten gearbeitet habe und jetzt anhand der Nackerbatzl eifriges Ex-KollegInnen-Raten mache 🙂

Ps: Aber diese Geschichte hab ich den Pfoten noch nicht so ganz verziehen…. das find ich einfach blöd, ein Tierschutzlabel auf totes Tier draufzutun. Weil selbst zu Tode gestreichelt ist …. tot.

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Das Leben eines Shirts

Ich mag Infografiken. Was für eine hübsche Zusammenfassung eines nicht so hübschen Themas. Nur der Wasserverbrauch stimmt nicht ganz, der liegt nämlich bei knapp 2700 Litern, real und virtuell. Hier steht genaueres.

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Die persönliche Archillesferse

Gestern Abend, nach mehrstündigem Kinder-zum-Lachen-und-direkt-ins-eigene-Ohr-kreischen bringen (es gibt nichts besseres für die seelische Gesundheit als die Dreckslache einer gut gelaunten Fünfjährigen), musste ich nochmal den Kopf durchlüften und ein bissl spazieren gehen. Also beschloss ich, meinen Selbsttest vom Jahresanfang zu wiederholen.

Das Ergebnis war fast das Gleiche. Die Kleidung war mir komplett wurscht, egal, ob Textilschwede, C&A, Vero Moda, New Yorker oder oder oder. Stattdessen zwei neue Impulse: Erstens, das von mir favorisierte Wunschoutfit stand exakt wie von mir beschrieben in der Auslage von New Yorker, was meine Lust an dem Outfit wieder ziemlich ordentlich absenkte. Zweitens waren in der Auslage vom Textilschweden ein paar Sachen, die mich dazu inspirierten, sie selbst nachzunähen. Sollte sowas nicht eignetlich andersrum funktionieren? Sich inspirieren lassen, um es dann billiger nachzumachen? Eine Selbstproduktion wird auf alle Fälle teurer als ein einfacher Kauf mein Textilschweden. Is mir aber wuuuhuuurscht. Zu stark ist der Gedanke beim Anblick der Sachen, wer das wohl produziert hat, und wie. Wäh.

Aber eine Ausnahme gab es. Wieder waren es Stiefel, und wieder im selben Geschäft wie damals. Grau, mit Strickstulpe. Ich hab irgendwie den leisen Verdacht, dass das mit dem Schuhekaufen nächstes Jahr sehr streng kontrolliert werden muss. Stiefel sind einfach meine persönlich Archillesferse…

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Einmal in den A… beißen – auf speziell fesch

Die meisten, die sich auch nur ein biiiiissslll für DIY//Indie//das Gegenteil von Massenproduktion interessieren, werdens schon kennen: den FESCH’markt.

Fesche Sache!

Fesche Sache!

Ich habe bisher zwei solche feschen Märkte beehrt, einmal wirklich sehr knapp nicht einen sehr leiwanden Pulli gekauft, den man zur Tasche umbauen konnte, und beim zweiten Mal permanent diese wirklich coolen Ohrringe, diese gewissen, einen…. Wahnsinn. Cool waren die. Ich konnte natürlich nicht widerstehen. Und ich garantiere: Es wird jede so ein Teil dort finden, so ein „lässt mich nicht mehr los muss ich haben und zwar jetzt sofort weils nicht nur unglaublich super ausschaut, sondern weil auch die Verkäuferin gleichzeitig die Produzentin ist und boah die ist ja voll nett und wahnsinn, ich mag auch ab jetzt nur noch Ohrringe machen“-Teil. Oder so.

Tja, mal wieder so eine Veranstaltung, bei der ich nicht einkaufen darf, obwohl die persönlichen Einkaufsfaktoren wirklich passen würden – nächstes Jahr halt.

Aber. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaber. Die sind ja nicht blöd, die vom FESCH’markt. Die haben sich auch was für mich überlegt. Und zwar mein Spezialgebiet: Ein Tauschevent. Samt karitativem Saufen. Perfekte Kombi für mich. Ich zitiere die Spielregeln:

Nachdem wir unser Büro für ein Wochenende in die Brauerei verlagern, ist genug Platz um sich hier die Fetzen um die Ohren zu schlagen…

ALSO:

1) Kleiderschrank: alles von Unten und Hinten wird mitgenommen2) Im FESCH’office abgewogen und gegen einen Kilobon getauscht (Tauschgebühr 5€)3) dann wird richtig gewühlt und der Bon gegen die neuen Schätze eingetauscht4) am Abend bei der FÊTE’FESCH in neuer Robe getanzt

Wer erschöpft von Tauschen ist, gar nicht tauschen will oder Ute Bock unterstützen möchte, holt sich an der Bar einen leckeren PUNSCH.

Der Erlös durch den Punsch und die übrigen Kleidungsstücke werden an den „Flüchtlingsverein Ute Bock“ gespendet und können vor Ort auch direkt gespendet werden.

Ich freu mich auf rege Beteiligung und rufe auch hiermit entgegen meiner sonstigen Gewohnheit wirklich zum Kaufen auf – selbstgemachtes von jungen DesignerInnen ist. es. wert. Plus ist die Location einfach sehenswert, bin immer wieder gern in den Hallen der Brauerei. Ihr auch?
PS: Falls euch dieser Beitrag allzu positiv vorkommt: Ja, ich wurde von einer der Organisatorinnen um einen Beitrag gefragt. Aber wär ich nicht wirklich überzeugt von dem Konzept, würd ich gar nix schreiben. Und ich find den FESCH’markt einfach seit Jahren geil. Also – gern gemacht!
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Heute ausnahmsweise geschlossen

Es müssen Kindergeburtstage gefeiert werden, da hat nix anderes Platz. 😉 Schönen Sonntag!

Vorfreude, riesengroß

Die Halloweenparty am Mitwoch war super. Hab ich eh schon geschrieben. Sie war sogar so super, dass die Gastgeberin leidergottes ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr viel davon mitbekam und obendrein sich am nächsten Tag nicht an alles erinnern konnte. Darum gab es gestern für sie ein Reenactment der Party, und ich war eine brave Reenacterin und trank mal wieder brav Gin Tonic – nicht so viel wie am Mittwoch, aber trotzdem genug, um zuhause nicht gleich einschlafen zu können.

Und was mach ich stattdessen? Ich suche nach Shoppingmöglichkeiten in Amsterdam. Wenn schon Belohnung, denn schon. Und gefunden habe ich das hier:

Amsterdams bekanntester Concept Store in Sachen ökofairer Mode. Ich bin seeeehr gespannt drauf. Zum Beispiel auf Boeji: „Unique, revolutionary and sustainable: that’s what defines Boeji. This fashion label gives discarded materials a second lease on life and by doing so creates products with an interesting story. They produce jackets, shoes and bags using old ship sails. This way you’re guaranteed that each and every garment is totally unique.“

Oder Pants to Poverty: „Using underwear to end poverty? The underwear label Pants to Poverty makes it happen! They produce trendy boxers and briefs using biological cotton and by doing so they support farmers and factory workres in development countries. They also generate “underwearness” for the battle against poverty that is far from over.“

Die Händlerliste bei Nukuhiva hat für mich übrigens abgesehen von einem nur neue Labels gebracht. Man muss nur ein bißchen schauen, schon findet man ökofaire Designs in Hülle und Fülle. Ich freu mich schon sehr auf Amsterdam, tirili! Gar nicht so sehr auf die Möglichkeit, dass ich mir dann wieder Kleidung kaufen kann, sondern einfach auf die Tatsache, dass ich mir die ganzen Labels anschauen werde und mir dabei denken werde: „Hey, ich könnte! Ich habe die Auswahl!“ Und jetzt: Zurück zum Stricken. Die Sucht hat mich wirklich sehr fest im Griff.

 

 

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