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Jauch war nicht nur schlecht

Und wieder was gelernt. Ich habe mir gestern die Diskussion bei Jauch zum Thema Bangladesch gegeben. Sowohl von Teilnehmerinnen (Sina Trinkwalder) als auch von Zuschauerinnen (Kirsten Brodde) aus unterschiedlichen Gründen gewaltig kritisiert, fand ich die Diskussion nicht nur schlecht. Ich beschäftige mich jetzt seit eineinhalb Jahren auf täglicher Basis mit dem Thema Fast Fashion vs. Faire Produktion.

Und zugegeben, über sehr weite Strecken habe ich gestern nichts Neues erfahren.

Gut, man kann auch wirklich einiges kritisieren: Weiterlesen

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Bildboykott

Melde mich gehorsamst aus dem Kurzurlaub samt Funkloch zurück!

Nicht, dass die Bildzeitung ein Blatt für die Intelligenzia des Landes ist, aber wenn sogar die das Boykottthema aufnehmen, dann hat wirklich bald niemand mehr die Ausrede der Unwissenheit, oder?

Und was ich noch viel spannender finde: So wirklich eine Antwort auf die Frage „Boykott oder nicht“ haben sie auch nicht, oder? Ich tu mir immer noch schwer damit: Ich weiß, dass es in Bangladesch selbst heißt, dass ein Boykott kontraproduktiv ist. Aber nach all den Dingen, die ich in den letzten eineinhalb Jahren mitbekommen habe, vom Brand über Massenohnmachten bis hin zum Gebäudeeinsturz mit über 1100 (!!!!!) Toten – sorry, aber ich KANN einfach nicht mehr zu Zara, Mango und Co. gehen! Geht einfach nicht! Ich habe mich da eh schon ein paarmal wiederholt: Das Argument, nicht zu boykottieren, ist brandgefährlich im wahrsten Sinne des Wortes – weil so viele es einfach als Ausrede nutzen könnten, um genauso weiterzumachen wie bisher.

Ich bin WIRKLICH schon gespannt auf für die ArbeiterInnen merkbare Auswirkungen des nun von so vielen großen Unternehmen unterzeichneten Brandschutzabkommens….

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Freuen! Jetzt! 31mal!

Ich hock mal wieder mit Halsentzündung zuhause, und bin derartig müde, dass Gedanken, die sich in ganze Sätze formen, grad eher schwer möglich sind – also deren Umsetzung ins Schriftliche. Aber es gibt etwas zu feiern – ich übergebe hiermit der Clean Clothes Kampagne das Wort:

Wir haben es geschafft! 31 Unternehmen unterzeichnen das Sicherheitsabkommen für Bangladesch

Wien, 16.05.2013 – Vor Ablauf der Frist, gestern Mitternacht haben 31 Firmen das Abkommen für Gebäudesicherheit und Brandschutz unterzeichnet. Mehr als 1.000 Fabriken in Bangladesch sind damit Teil des Verbesserungsprogramms.

Wir möchten uns bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern bedanken! Nur durch den großen öffentlichen Druck war dieser Erfolg möglich!

Das Abkommen ist ein Meilenstein für die bangladeschische Bekleidungsindustrie. Die Firmen unterzeichnen damit ein transparentes, rechtlich bindendes Abkommen, das die lokalen Gewerkschaften einbindet und die Unternehmen finanziell an den Sanierungen der Fabriken beteiligt.

Mit Ende des gestrigen Tages haben 31 Unternehmen unterschrieben: H&M, Inditex, C&A, PVH (Calvin Klein, Tommy Hilfiger), Tchibo, Tesco, Marks & Spencer, Primark, El Corte Inglés, Hess Natur, jbc, Mango, Carrefour, KiK, Helly Hansen, G-Star, Hofer, New Look, Next, Mothercare, Loblaws, Sainsbury’s, Benetton, N Brown Group, Stockmann,  WE Group, Esprit, Rewe, Lidl, Switcher und Abercrombie&Fitch.

Der Generalsekretär von IndustriALL Global Union, Jyrki Raina begrüßt ebenso die Entscheidung der unterzeichnenden Unternehmen und ergänzt: “Wir werden die Tür auch nach dem Ablauf der Frist einen Spalt weit für weitere Unternehmen offen halten. Wir beginnen aber jetzt mit der Umsetzung. Nachzügler haben keinen Einfluss auf die bereits getroffenen Entscheidungen. Es geht nun um die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen, die mit einem Mindestlohn von rund 30 Euro im Monat ihr Leben riskieren, wenn sie zur Arbeit gehen.”

Das Abkommen umfasst unabhängige Sicherheitsinspektionen, verpflichtende Reparaturen und Renovierungen, Möglichkeiten Geschäftsbeziehungen mit den Fabriken zu beenden, wenn diese notwendige Sicherheitsmaßnahmen ablehnen, sowie die Involvierung der betroffenen ArbeiterInnen und ihrer Vertretungen, der Gewerkschaften. Ein Kernstück des Abkommens ist die Kostenbeteiligung. Die unterzeichnenden Markenunternehmen verpflichten sich dazu für Instandhaltungskosten in ihren Zulieferbetrieben aufzukommen und damit die Arbeitsplätze sicherer zu machen. Das Abkommen garantiert den ArbeiterInnen das Recht gefährliche Arbeit zu verweigern, wie es die ILO Konvention 155 vorsieht.

Und wer sich wirklich dafür interessiert: HIER gehts zu dem Abkommen, das die Firmen unterzeichnet haben. Ich hoffe wirklich, dass es jetzt schrittweise in Bangladesch zu massiven und schon lange gebrauchten Verbesserungen kommt – und danach sind dann Pakistan, Indien und all die anderen weiteren Billiglohnländer dran….? Bangladesch ist sicher das Land mit den schlimmsten Zuständen, dem geringsten Mindestlohn und und und, aber es ist nicht das einzige Land, in dem unfair produziert wird…

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Gespannt wie ein Pfitschipfeil

Und nochmal gute Neuigkeiten, die auf dem bitteren Unglück mit über 1100 Toten basieren: Der Textilschwede, C&A und Inditext haben endlich die schon so lange geforderte Unterschrift unter das Brandschutzabkommen gesetzt. Wenn ich das richtig verstanden habe, verpflichten sie sich damit unter anderem, die Fabriken, in denen sie produzieren, finanziell dabei zu unterstützen, dass Brandschutzmaßnahmen und weitere Sicherheitsvorkehrungen eingebaut werden.

Auch das klingt gut, auch das lese ich mit etwas verhaltener Freude. Kann es wirklich sein, dass sich aus Sicht der Kritiker in mittelgroßen (aber schönen!!), für die Konzerne riesigen Schritten was ändert?

The factory safety agreement calls for independent, rigorous factory safety inspections with public reports and mandatory repairs and renovations underwritten by Western retailers. It also calls for retailers to stop doing business with any factory that refuses to make necessary safety improvements, and for workers and their unions to have a substantial voice in factory safety.

Und:

“H&M’s decision to sign the accord is crucial,” said Scott Nova, executive director of the Worker Rights Consortium, a Washington-based factory monitoring group backed by 175 American colleges and universities. “They are the single largest producer of apparel in Bangladesh, ahead even of Wal-Mart. This accord now has tremendous momentum.”

Ich bin gespannt wie ein Pfitschipfeil, wie sich das alles entwickelt!

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Höhere Löhne…

Eine der schon lange formulierten Forderungen scheint einzutreten: Die Regierung von Bangladesch will die Mindestlöhne erhöhen. Schade, das dafür erst so unfassbar viele Menschen sterben mussten.

Die Entwicklung hin zu höheren Löhnen ist zwar positiv, aber ich warte erstmal ab, was die wirklich beschließen. NGOS sprechen von einer Verdopplung der Löhne, damit die ArbeiterInnen menschenwürdig in Bangladesch leben können. Sollte das stattfinden – welches Billiglohnland bleibt den Textilriesen dann, wo sie hinsiedeln können? Und: Soll ich die Zynismuskeule wieder einstecken?

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Ebbe

Irgendwie fallen mir gerade unzählige Blogthemen ein. Zum Beispiel die verhaltensoriginelle Firmenpolitik von Abercrombie, the Bitch…, die Tatsache, dass es bereits über (nicht fast) 1000 Tote bei Rana Plaza sind, dass 18 Fabriken geschlossen wurden, dass die bestellte schwarze Hose nicht passt (yey, Geld gespart!), dass ich wieder einen Haufen ausgemistet habe, und dass das ein angenehmes Gefühl ist, dass ich eine Schneiderin suche, die mir aus grünem Leinenstoff eine Hose nach bereits bestehendem Vorbild näht (Ena wars doch zu kompliziert, seh ich komplett ein).

Aber irgendwie hab ich für nichts grad einen Kopf. Ich hab auf der FH gerade verdammt viel zu tun – bitte um Entschuldigung! Wahrscheinlich küsst mich in wenigen Minuten sowieso wieder die Muse, aber derzeit…. Ebbe. Sorry.

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Unterschriften, die wirken

Auf meine Überlegungen letztens, wie wir als KonsumentInnen hier uns wirkungsvoll für die NäherInnen in Bangladesch und Co. einsetzen können – Boykott oder nicht und wenn nicht, was dann – hat mich lobenswerterweise eine Leserin auf die Macht des Internets und seinen Petitionen hingewiesen. Schöner Bauchfleck für mich 🙂

Ich stehe solchen reinen Unterschriftensammlungen ob ihrer Schlagkräftigkeit eigentlich eher kritisch entgegen (obwohl ich selbst immer wieder brav unterzeichne), doch seit wir im Büro diese Kampagne gelauncht haben, denke ich anders. Unglaublich, was sich auf Facebook und Twitter und in den Medien abspielt – mit über 200.000 Unterschriften (and counting) hätten wir nie gerechnet.

Was ich als linke Zecke im Herzen jedoch echt nett finde, sind Shitstorms – die im Optimalfall sogar ganze Server lahmlegen. Ich weiß, wenn unser Mister IT das liest, wird er böse mit dem Zeigefinger wacheln, weils für Leute wie ihn einen A… voll Arbeit bedeutet, aber sorry: Ich finde das wirkungsvoll. Damit ärgert man sie wenigstens ein bißchen, „die da oben“.

Doch zurück zum Kernthema: Bangladesch und die dortigen Arbeitsbedingungen: Die international agierende Clean Clothes Kampagne setzt gerade beide Tools ein.

Zu den Fabriksbränden von letztem November gibt es eine Mailing-Aktion, zur aktuellen Katastrophe (es werden jeden Tag mehr Tote gefunden, inzwischen ist man bei über 600 angelangt) eine Petition. Beides habe ich unterzeichnet. Ihr auch?

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Primark – akut richtig, latent falsch

Die beiden Fotos in diesem Beitrag sind Screenshots von der Website von Primark. Ich war noch nie bei Primark, und ich habe nicht vor, dorthin zu gehen – zu billig erscheinen mir die Preise, zu unsozial die Strukturen – trotz einer sehr ausführlichen Ethical-Trading-Seite von Primark. Ich habe diese Seite durchgeklickt – und beispielsweise beim Thema „Audits“ kein einziges Mal gefunden, welche ISOs, SAs und sonstige Richtlinien überprüft werden, oder beim Thema „Baumwolle“ zwar dauernd das Wort „nachhaltig“, aber nie das Wort Biobaumwolle. Hmpf. Ich bin mehr als nur misstrauisch, ich glaub denen nicht. Die scheinen ein bißchen zu tun, das sehr ausführlich zu kommunizieren, und wirklich viel ist nicht dahinter.

Screenshot Primark.at

Screenshot Primark.at

Wie man auch jetzt wieder gemerkt hat. Beim Fabrikseinsturz in Bangladesch – mit inzwischen über 400 Toten und immer noch 100 Vermissten – hat man gesehen, wie einzelne Firmen auf die Tatsache, dass Produkte von ihnen in den Trümmern gefunden wurden, reagieren.

Diese Agenturmeldung hat mich wütend gemacht:

„Nach dem Gebäudeeinsturz in Bangladesch hat die Kleidermarke Primark Hilfe für die Opfer zugesagt. Mango und Benetton haben sich dagegen von der früheren Zusammenarbeit mit der illegal geführten Fabrik distanziert.“ (Quelle)

Liebe Mangos, liebe Benettons: Das ist mies, niederträchtig und verachtenswert. In dem Moment, in dem es mehr als nur ein Verdacht ist, dass man dort produziert hat, muss man reagieren, nicht sich gleich mal wehleidig distanzieren. Schon klar, wenn da wirklich keine Aufträge mehr waren, muss man das auch sagen. Ich finde leider die offizielle Stellungnahme von Mango nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass die wirklich null Konsequenzen ziehen werden. Dumm. Sorry. Die KiKs haben sich auch zuerst distanziert, und jetzt? Hoppala! Produkte gefunden! Ui, Blöd. Bin neugierig, ob das den Mangos auch noch passiert.

Primark – und ich bleibe bei meinem zweifelnden, ablehnenden Zugang zu denen – hat folgendermaßen reagiert: Am 26.4. veröffentlichten sie folgende Pressemeldung:

Das Unternehmen ist erschüttert und tief betrübt über den entsetzlichen Zwischenfall in Sabhar bei Dhaka und spricht allen Betroffenen sein Beileid aus.

Primark bestätigt, dass einer seiner Lieferanten im zweiten Stock des achtstöckigen Gebäudes untergebracht war, in dem mehrere Lieferanten der Textilindustrie Kleidung für verschiedene Marken herstellten.

Primark engagiert sich seit einigen Jahren mit NGOs und anderen Anbietern in der Überprüfung des Umgangs lokaler Produzenten mit Fabrikstandards in Bangladesch. Primark wird darauf drängen, die Integrität der Gebäude in diese Überprüfung mit einzubeziehen.

In der Zwischenzeit arbeitet das Ethical Trade Team von Primark daran, Informationen zusammenzutragen, die Herkunftsgemeinden der Arbeiter zu ermitteln und Unterstützung zu leisten wo möglich.

Da sind mal viele Versprechen und Verpflichtungen drinnen. Und drei Tage später gab es schnell noch einen Seitenhieb an die anderen:

Das Primark Team in Bangladesch hat Sofortmaßnahmen und langfristige Hilfe für Opfer dieser Katastrophe initiiert.

In Partnerschaft mit einer lokalen Nichtregierungsorganisation kümmern wir uns um die dringenden Bedürfnisse der Opfer, darunter auch Notfallrationen von Lebensmitteln für die betroffenen Familien. Diese Arbeit hat begonnen, sowie das Ausmaß der Katastrophe klar wurde.

Primark wird auch Entschädigungen für die Opfer der Katastrophe zahlen, die für seinen Lieferanten gearbeitet haben. Das schließt langfristige Hilfen für Kinder ein, die ihre Eltern verloren haben, sowie finanzielle Hilfen für Verletzte und Zahlungen an Familien von Verstorbenen.

Wir werden unser Engagement laufend überprüfen, um sicher zu stellen, dass wir dem Bedarf der Opfer über den gesamten Verlauf der Tragödie gerecht werden.

Primark stellt fest, dass sein Lieferant das Gebäude gemeinsam mit den Lieferanten anderer Anbieter teilte. Wir sind uns unserer Verantwortung absolut bewusst. Wir fordern die anderen Anbieter auf, auch ihrerseits Verantwortung zu übernehmen.

Komplett abgesehen von der Tatsache, dass sie per se von Produktionsweisen in Bangladesch profitieren, keine ökologischen Standards einhalten und auch ansonsten sehr sehr blaaah sind und sich damit null von anderen Textilkonzernen abheben, die verbal und aus Imagegründen einen auf nachhaltig machen – SO reagiert man auf eine solche Katastrophe. Man distanziert sich nicht. Man sagt Hilfe zu.

Was sie nur leider nicht machen werden: Sich überlegen, wie man ökologische und sozial faire Produktion in der gesamten Lieferkette durchsetzen kann. Das interessiert die nämlich genau gar nicht. Dabei sind die so groß, die haben zumindest das Potential dazu. Aber nicht, wenn man sich zum Ziel setzt, Kindershirts um zwei Euro und Bikinis um vier Euro zu verhökern. Damit erreicht man genau das Gegenteil. Verdammte Geiz-ist-Geil-Mentalität.

Screenshot Primark.at

Screenshot Primark.at

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Der gordische Knoten

Auf Facebook hat sich gerade eine spannende Diskussion entwickelt, die ich gerne auch am Blog spiegeln würde. Ich habe den hervorragenden ORF.at-Artikel gepostet. User M.D. postete:

Wenn wir Konsumenten mit Kauf-Boykott von Kleidung aus Bangladesh reagieren, nehmen wir den Textil-ArbeiterInnen dort ihre einzige Verdienstmöglichkeit. Die Textilindustrie in Bangladesh erzielt nahezu 80% der Export-Einnahmen des Staates und bietet 4 Millionen ArbeiterInnen eine Arbeitsstelle mit geregeltem Einkommen am Ende des Monats. 80% dieser ArbeitnehmerInnen sind Frauen – Menschen, die in ihren Dörfern überhaupt keine Perspektiven vorfinden. Im Gegenteil: ohne die Möglichkeit, eigenes Geld in der Stadt zu verdienen, sehen sich Frauen mit früher Heirat (oft schon mit 12J) konfrontiert, was eine solide Ausbildung verhindert und den Wohlstand verhindert. Ausserdem unterstützen gerade diese jungen Frauen, die in der patriarchalen Gesellschaft Bangladeshs noch immer als ‚Bürde‘ betrachtet werden, ihre Familien finanziell, wodurch ihre Brüder und Schwestern die Schule besuchen können… Wir Konsumenten sollten Druck auf die Textil-Multis ausüben und sie zur Einhaltung ihrer Versprechungen zwingen, die arbeitsbedingungen ihrer Zulieferer verbessern zu wollen !!

Das Thema ist so ziemlich das Schwierigste in dem gesamten Bereich: Einerseits denke ich – ja, ich als Konsumentin kann jeden Tag frei wählen, und mir jeder Konsumtätigkeit von mir ein (politisches?) Statement setzen. Dieser Gedankenweg führt einen direkt in Richtung Boykott der konventionellen Massenmodeanbieter. Logisch. Aber andererseits ist da die Argumentation von M.D., die dem irgendwo entgegensteht. Ja, es ist besser für die Frauen, irgendeinen Job zu haben als gar keinen. Aber wir als KonsumentInnen haben die Verpflichtung, uns für mehr Sicherheit und bessere Bezahlung für die Näherinnen einzsuetzen. Nur scheitert zweitere Überlegung von mir immer wieder an der Realität: Wie viele von uns gehen wirklich zur Verkäuferin in der Filiale und sagen „Ich möchte bitte bessere Zustände für die Näherinnen, kaufe aber gleichzeitig jetzt mal den Unterhosensonderpack um 10 Euro“. Oder noch unrealistischer: Wie viele kontaktieren die relevanten Player im Konzern mit den Worten :“Ich bin euere Kundin, will aber, dass sich was ändert!“? Das ist leider bereits eine Hürde, und außerdem ein Widerspruch. So lange es den Konzernen finanziell einfach nicht weh tut, werden die auch nix an der Situation ändern, im Gegenteil (ich finde es ja immer noch sowas von einem unmoralischen PR-Zug vom Textilschweden, den CEO brav zur Ministerpräsidentin von Bangladesch zu schicken, damit er ihr sagt, sie soll bitte höhere Mindestlöhne und mehr SIcherheit und was weiß ich einführen, und gleichzeitig munter zum Mindestlohn in hunderten Fabriken vor Ort weiterzuproduzieren. Die Aktion hat nix gebracht außer ein Foto, das um die Welt gegangen ist, und gezeigt hat, „wie engagiert“ die schwedischen Habschis nicht sind. KOTZ.) Außerdem denk ich mir oft: Konzerne wie der Textilschwede, die verstehen nur Zahlen. Also: Gewinnrückgang, Umsatzrückgang. Hoffentlich verstehen sie auch Zahlen wie 390 (Tote des letzten Unglücks). Es ist einfach eine Krux – mein Ansatz einer Lösung: Die, die es sich leisten können, wirklich mehr in ihre Kleidung zu investieren, die sollen bitte Textilschwede und Co. boykottieren – es gibt so viele, die sich auch hier schlicht nix Teureres als Kik oder so leisten können. Aber jenen Menschen muss man klar machen, dass sie zwar weiter kaufen können, aber bitte Verantwortung übernehmen sollen. So, und wie kommuniziert man das jetzt öffentlich? Das teilt dann die KonsumentInnen hier in zwei Klassen, was ich schwachsinnig finde. Und sorry, die breite Masse ist nun mal nicht politisch und schon gar nicht engagiert. Die schreien nur auf, wennst ihnen ihr Schnitzel und ihr Billigshirt wegnimmst.

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Trauerspiel Bangladesch

Ich melde mich doch aus meiner selbstauferlegten Pause zurück – ich muss da einfach auch meinen Senf dazu geben: In Bangladesch ist inzwischen die höchste Opferzahl seit Jahren zu melden, und was da jetzt abgeht, bringt mich zum Kochen. Die ArbeiterInnen und Angehörigen sind wütend, sehr wütend. Sie verweigern die Arbeit und protestieren stattdessen – und in diesem Fall verstehe ich sogar, dass die Protest teilweise gewalttätig wurden. Ganz ehrlich, wie würdet ihr reagieren, wenn ihr um einen Hungerlohn arbeitet, wenn ihr die Fabrikschefs bereits letzte Woche auf die Risse in der Wand aufmerksam gemacht hattet, und ihr nun trotzdem nur verletzt aus den Trümmern geborgen werdet? Und viele eure Kollegen gleich mal tot? Ich wär da auch rasend, definitiv. Und bei solchen Sätzen wird mir ziemlich schlecht: Ein TV-Team des „Channel 24“ erzählte, dass die Retter sich oft nur kurz im Gebäude aufhalten könnten, da der Gestank der Toten bereits unerträglich sei.

Wie gesagt, ich verstehe, dass die Arbeiter jetzt mal auszucken, sie tun das völlig zu recht. Allerdings hoffe ich, dass sich das Blatt nicht bald gegen sie wendet. Hier geht es um sehr viel, nicht nur um einen Aufstand, der von der Polizei niedergeknüppelt werden muss, damit wieder „Friede“ herrscht. Die Idee der ArbeiterInnen, Fabriken anzuzünden, ist eine weniger gute. Die Idee, in einem Gewerkschaftszusammenschluss in Streik zu gehen, ist hingegen eine sehr gute, meiner Meinung nach (überhaupt ist das Tool „Streik“ viel zu unterbewertet finde ich… wobei, wenn der ÖGB das Budget für Streiks in der Karibik verspekuliert, dann bekommt die Sache Schlagseite. Aber das ist eine andere Geschichte).

Was mir gerade wenigstens ein bißchen Hoffnung gibt, dass die Situation sich vielleicht ein bißchen ändern könnte, sind die Reaktionen der Massenmedien und der InternetuserInnen. Dass ein solcher Gebäudeeinsturz und die Folgen weltweit so thematisiert werden, ist ein Zeichen, dass das Thema „angekommen“ ist, es ist im Journalistensprech „a Gschicht“. Es scheinen sich nun doch schon etwas mehr Leute Gedanken darüber zu machen, dass diese Produktionszustände für ihre neuen Frühlingsoutfits nicht so ganz fair sind.

Auf Standard.at heißt es zum Beispiel:

Das ist ein Wahnsinn, so sieht Wirtschaft und Frieden nicht aus!! Einfach unglaublich, warum unternehmen hier internationale Organisationen nichts?!? Wieviel unserer aller Kleidung wird unter solchen Umständen produziert??? Welche Konzerne und Interessen stehen dahinter? Gibt es auch fair produzierte Kleidung aus Indien, Bangladesh, Viet-nam…?!?
oder:
 ….und schauen sie sich bitte die wahlergebnisse an. die grünen fordern z.b. eine gerechtere und sozialere welt. werden sie gewählt? ES IST AUFGABE des Konsumenten, den Vertriebsweg jedes produkts zu hinterfragen. und es WÄRE möglich, wenn mehr konsumenten sich bei den firmen beschweren. drohen sie, die waren von unternehmen, die die herkunft ihrer produkte nicht dokumentieren können, nicht mehr zu kaufen.
oder:
warum gibt es hier kein neues EU-Gesetz, dass nur noch Importe von zertifizierten (nach arbeits-/sozial-rechtlich kontrollierten) Produzenten zulässt!?! Solange die europäischen Textilketten (vor allem die Diskonter..) immer nur bei den billigst produzierenden Fabriken kaufen – und damit diese ja auch weiter unterstützen!!- wird sich wohl kaum etwas ändern können. So wie bei diesem Unglück wird man halt einfach auf die nächste Billigfabrik ausweichen, an dem Elend der dort arbeitenden Frauen kann sich also gar nichts ändern!! Man muss also auf der Kundenseite reagieren, und wenn es die Einkäufer der Handelsorganisationen oder auch die Konsumenten selbst nicht schaffen bewusster einzukaufen müsste man also die entsprechenden Rahmenbedingungen dazu schaffen!? Und wenn dadurch vielleicht die Preise für Importe in die Höhe schießen sollten, wäre doch eine Produktion in Europa die beste Lösung!

Was meine Hoffnung dann doch wieder schmälert: In Wahrheit haben die doch alle nix zu melden. Wenn es nicht endlich zu einem Zusammenschluss der großen Textilkonzerne kommt, die gemeinsam für eine Verbesserung der Sicherheit und Bezahlung der Billiglohnarbeiter eintreten, wird nichts passieren außer der Zusicherung, dass künftig mehr Fabriken auditiert werden. Obwohl ich mich gerade sehr viel mit ISOs und sonstigen Richtlinien beschäftige: Die Sicherheitsrichtlinien sind genau zum in die Haare einmagarieren, da kommt nix raus außer einem Stempel auf einem Zertifikat. Die Konzerne müssen gemeinsam auftreten und sagen: „Leute, wir ALLE haben beschlossen, nur noch unter diesen Bedingungen Aufträge zu verteilen.“ Nur so kann es zu keiner Konkurrenzsituation kommen, bei der einer der Konzerne als Preisdrücker fungiert.

Wahrscheinlichkeit dessen? Zero. Null. Nada.

Aber man wird ja noch in Utopien schwelgen dürfen. In denen die Herstellung unserer Kleidung nicht so derartig viele Leichen als Nebenprodukt ergibt.

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