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Textile Logik ist nicht gleich textile Logik

Eine Leserin hat mir kürzlich diese Dokumentation von 3sat mit den Worten „Ich weiß primark steht für billig, aber es wird ja alles gleich hergestellt egal ob billig oder teuer. Ist das dann nicht ehrlicher bei den günstigen einzukaufen? Denn meiner Meinung nach ist das einzige was mit dem Preis steigt der Gewinn der Firmen“ auf meine Facebookseit gepostet. Zunächst mal: Ja, ich kann diesen Frust und diesen Gedankengang nachvollziehen. Dieses „Wenns doch eh genau gleich produziert ist, wieso sollt ich dann so deppert sein und das Teure kaufen, da fall ich doch nur aufs Marketing der Firmen rein“. Ich denk mir das manchmal bei verpackten Lebensmitteln oder Elektronika. Ich will telefonieren, brauch ein bissl Internet und will fotografieren. Ob mein Handy per Fingerabdruck entsperrt und ich es auch auf der Rückseite entsperren kann, dass ist mir doch bitte herzlich dulli. Da will ich nicht mehr bezahlen. Ist doch eh die gleiche Produktion.

Aber. Aaaaaaaaaaaaaber. Und ich werd wirklich immer noch nicht müd, das zu schreiben. Der Preis sagt NULL über die Produktionsweise aus. Da stimmt die Logik der Leserin soweit. Aber was ist denn die Konsequenz? Einfach sagen, dass wenns eh nichts bringt, kauf ich halt das für meine Börse leistbarste? Oder kann ich nicht doch überlegen: Moment, es ist doch absurd, dass die Produktionskosten eines Shirts sich im Centbereich bewegen, und dafür Arbeiterinnen leiden, nicht ausreichend bezahlt werden, vergiftet werden, und unsere Umwelt obendrein noch mehr als massivst belastet wird? Das alles in Ländern, die wir nichtmal im Urlaub besuchen würden, selbst wenn wirs gern exotisch und asiatisch mögen? Nein, bitte diese Müllberge wollen wir da nicht sehen, sondern lieber das Infinity-Pool mit Blick aufs Meer, und lieber einen Gin Tonic als einen White Russian, man weiß ja nie bei den Milchprodukten (jaaa, sorry, übertrieben formuliert, aber mir gehen Menschen, die es sich leisten KÖNNEN, und zwar mehr als nur das, aber sagen, sie finden ein Shirt für 15 Euro teuer, einfach massiv auf den Socken. Und damit meine ich NICHT die Leserin, die mich drauf hingewiesen hat, bevor die jetzt stinkesauer den Computer mitten im Lesen abdrehen will).

Also. Zurück zum Text. Wenn man wirklich verhindern will, dass Umwelt und Arbeiterinnen für die Produktion eines Shirts leiden, dann ist nicht der Preis das Kriterium, sondern die Produktionsweise. Gütesiegel wie GOTS oder Fairtrade, oder Produktion im eigenen Land (mit den entsprechenden Arbeitsgesetzen). Darauf muss man schauen. Und da sollte auch die Bepreisung eine ehrliche sein. Da zitiere ich immer wieder gerne die Manomama-Homepage, wo die klare Ansage steht: „Der Preis eines manomama-Textils ist das, was ihr bezahlen müsst, wenn ihr wollt, dass jeder in gleichen Teilen in der Wertschöpfungskette von seiner Arbeit leben kann. “

Ach ja, und Firmen, die so handeln, es aber nicht kommunizieren, wird es kaum geben. Warum? Weil die Sachen natürlich etwas teurer sind als bei Primark und Co., und um diesen Preisunterschied den KonsumentInnen klar zu machen, wird eben auch darauf hingewiesen. Auch das find ich nur fair  – den Traum von einer Welt, in der in der Produktion alles fair zugeht und wir davon ausgehen können, dass nix Böses passiert in der Lieferkette, den hab ich sowieso schon lang aufgegeben…

Optische Entdeckung auf der Meidlinger Hauptstraße. Was für ein Relikt. Eigentlich sollte man in diesem Zentrum ganz viele biofaire Produkte verkaufen :)

Optische Entdeckung auf der Meidlinger Hauptstraße. Was für ein Relikt. Eigentlich sollte man in diesem Zentrum ganz viele biofaire Produkte verkaufen 🙂

PS. Ja, und ich denke grad intensiv drüber nach, ob mein nächstes Handy zumindest mal ein Fairphone ist. Und ob meins noch so lang lebt, dass es bis zur Lieferung eines Fairphones hält 🙂

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Vom Weltschmerz zum Kulturschock

Zugegeben, es hat mir gut getan, mir da gestern die Überforderung von der Seele schreiben zu können. Wie viele Leute mir da zugestimmt haben, hat mich fast erschreckt – und mich dazu gebracht, meine Motivation wieder zu finden. Was bringt es uns, uns gegenseitig zu bestätigen, dass alles scheiße ist und die Welt sowieso bald untergehen wird? Mein Bruder hat schon recht: Dieser Blog hat eine gewaltige Reichweite erreicht, genauso wie das Buch in meinen Augen echt eingeschlagen hat, weitaus mehr, als ich mir das jemals gedacht habe. Und ich habe Menschen dazu gebracht, umzudenken und ihr Einkaufsverhalten mal kritisch zu betrachten. Eine Tatsache, die ich immer noch unglaublich finde.

Na gut, dann mach ich halt weiter damit, euch immer wieder zu erzählen, wie wichtig es ist, ökologisch und fair zu konsumieren, zu tauschen, selbst zu produzieren, und euch außerdem zu vermitteln, wie viel Spaß das machen kann. Gern. Das Thema hat sich so sehr zu meinem persönlichen roten Faden entwickelt, dass ich eh nimmer anders kann. Damit trage ich meinen Teil dazu bei, dass sich im Kleinen doch was bewegt. Denn wenn alle Kleinen sagen, sie können ja eh nix tun, dann wird sich auch nix ändern.

Apropos Kleine. Bei dieser Kleinen würd ich mir wohl dennoch die Zähne ausbeißen. 12 Jahre alt, Shopaholic, 300 Pfund (knappe 380 Euro) Taschengeld. Pro WOCHE.

Screenshot (c) Metro.co.uk, Copyrightangabe unter dem Foto: (c) Channel 5

Screenshot (c) Metro.co.uk, Copyrightangabe unter dem Foto: (c) Channel 5

Ich hab grad versucht, in mich reinzuhorchen, um draufzukommen, was mich am wirklich dran stört? Ist es Neid, weil die Kleine in fünf Wochen mehr Geld ausgeben kann, als ich verdiene (jetzt fangts grad zum Rechnen an, oder? 🙂 ). Nein. Wirklich nicht. Ist es dieses nagende Gefühl, das ich seit der zynischen und trockenen Aussage einer Verwandten („Hochkulturen gehen unter. War schon immer so.“) nicht mehr los lässt? Naja, vielleicht. Was es ganz sicher ist: Stinkende, rauchende Wut auf Eltern dieses Kindes. Die Kleine tut mir eigentlich nur leid.

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Verschiedenste Webtipps

Nachdem mich eine Gastroskopie samt Wuggiwuggisein plus Magenschmerzen danach grad recht lahm legt, heut nur mal ein schneller Überblick an aktuell spannenden Links:

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Warum ich Primark schlimmer finde als den Rest

Primark hin, Primark her, sobald ich was zu Primark schreibe, gehts ab hier am Blog. Und neben American Apparel ist Primark eine der wenigen Marken, die ich wirklich namentlich nenne am Blog. Es ist echt unglaublich, wie stark gerade dieser Anbieter emotionalisiert. Und genau deshalb fand ich die Aktion mit den Labels auch so fantastisch. Mich führt die Primark-Diskussion jedoch immer wieder auf eine Metaebene dessen: Soll man Fast Fashion boykottieren oder nicht? Oft und vor allem von Seiten der Gewerkschafterinnen aus Bangladesch heißt es: Nein, bitte nicht, so haben wir wenigstens einen Job. Die Diskussion ist uralt und ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren noch nicht wirklich eine Antwort darauf gefunden. Also eine Antwort in Bezug auf meine Einstellung dazu. Meine Handlungen dazu sprechen schon eine klare Sprache: Ich war seit zweieinhalb Jahren in keinem Textilschweden (mit ein oder zwei erfolgreichen Selbsttestausnahmen), bei keinem bunten Spanier, und auch nicht bei den deutschen zwei Buchstaben. Es interessiert mich einfach nicht mehr. Dennoch verstehe ich beide Seiten, sowohl die „bitte weiterkaufen“ als auch die „boykottieren“ – und konnte bisher keinen allgemeingültigen Rat dazu geben. Nun bin ich so weit. Ich hab mich klar für eine Seite entschieden (und ich weiß, dass einige Aktivistinnen das jetzt nicht gerne lesen werden, aber für mich ist es einfach inzwischen der einzig gangbare Weg):

JA.

BOYKOTT.

Kein Neukauf bei Fast Fashion Anbietern. Warum? Weil sich sonst in der Branche überhaupt nix tut. Man kann nicht so weitermachen wie bisher und fordern, dass sich was ändert. Das ist wie mit dem inneren Schweinehund. Den kenn ich momentan gut. Ich weiß, dass ich dringend mehr Sport machen muss, weil mein Rücken schon seit Wochen permanent und leider unüberhörbar S.O.S. schreit, aber das denk ich mir immer, wenn ich grad am Sofa eine schmerzfreie Position eingenommen hab. Dass es davon nicht besser wird, ist mir auch klar. Und auch diesen Vergleich werden mir jetzt einige um die Ohren hauen: Jaaa, ich weiß, dass man den Beruf einer Näherin nicht mit meinem Rücken vergleichen kann. Aber mein Gedankengang dahinter kommt raus, oder?

Sobald Firmen Gewinneinbrüche haben und klar von Konsumentenseite kommuniziert wird, warum das so ist, gibt es Chancen auf sehr schnelle Veränderungen (wie die Detox-Kampagne so schön beweist). Und gerade bei den Iren besteht da wirklich gerade die Möglichkeit, so viele Leute sind derzeit wütend und betroffen aufgrund der eingenähten Labels. Die Aufregung rund um die Labels ist um die ganze Welt gegangen, aus kampagnentechnischer Sicht ein Geniestreich (und die, die sagen, dass das kontraproduktiv sei, weil die Leut jetzt nur sagen, dass das ja nur fake war, die haben es – tschulligung – einfach nicht verstanden). Viele Menschen haben es aber verstanden. Den Näherinnen wurde eine Stimme gegeben. Und viele Menschen wurden nachdenklich. Die Demo am Alexanderplatz war ein Zeichen dafür.

Warum ich persönlich Primark als schlimmer als einige der anderen, sonst von mir kritisierten Firmen einsortiere? Weil die das Konzept von „Fast Fashion“, also schnell mal ein Shirt um zwei Euro kaufen und nach dreimal Tragen wegwerfen, weils hinüber ist aufgrund der anscheinend oft miesen Qualität (ich hab mich persönlich noch nie davon überzeugt), wirklich nochmal an die Spitze getrieben haben. An den blauen Schriftzug denkt man und hat sofort Bilder von „unglaublich viel Aussuchen können, nicht entscheiden müssen zwischen zwei Teilen, sondern einfach beide nehmen, kostet ja nix, Säckeweise einkaufen und am Schluss 80 Euro zahlen für 12 Kleidungsstücke, herrlich, KAAAUFRAAAUUUSCH!!!“ im Kopf. Und das macht Primark in meinen Augen schlimmer als andere. Die anderen dürfen sich jetzt jedoch alles andere als aus der Schusslinie wähnen. Die haben nur den Weg geebnet. Ohne Textilschwede wäre kein Primark hier möglich heutzutage. Aber lasst es mich mal so sagen: Den Textilschweden find ich immer noch bäh, andere find ich streckenweise wirklich scheiße, aber das Konzept von Primark ist für mich, die nicht will, dass Näherinnen leiden und unsere Gewässer vergiftet werden, nur verachtenswert. Dieses Fastest-Fashion-Konzept hinterlässt bei mir ein ähnliches grausliches Gefühl im Bauch wie der „Genuss“ von fettigen Pommes von MacDo.

Und übrigens machen die Sachen hässlich, wie so schön in diesem sehr empfehlenswerten Artikel steht.

hufeisen

 

PS: Ach ja, und bevor ich da jetzt falsch verstanden werde: Liebe Leute, einfach NUR nichtkaufen geht nicht. Laut sein! Protestieren! Kampagnen unterstützen, in welcher Form auch immer! Den ArbeiterInnen aus Bangladesch HIER eine Stimme geben! Einfach nur statt nix tun gar nix tun isses nicht. Aber ich denk, ihr wisst, was ich meine 🙂

PS2: Primark hat sich zu den DETOX-Zielen von Greenpeace bekannt. Das mit den vergifteten Flüssen wollens also in den Griff kriegen. Jetzt bitte noch die Situation der ArbeiterInnen. Jetzt.

PS3: Nein, die von mir so oft ziterte alleinerziehende teilzeitarbeitende sprichwörtliche Supermarktkassierin braucht sich jetzt nicht auf die Zehen getreten fühlen. Manche brauchen einfach Billiganbieter, weil sie sich teure Kleidung nicht leisten können. Für diese Personen wünsch ich mir jedoch eine funktionierende Tausch-Secondhand-Kette a la Buffalo Exchange.

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Mode und Nachhaltigkeit – ein unlösbarer Widerspruch?

So, dieses Wochenende ist Pause, aus vielerlei Gründen. Hauptsächlich deshalb, weil ich Party gemacht hab wie mit 18. Nur, dass ich nicht mehr 18 bin. Ächz.

Ich sag ja immer, der ökologische Gedanke ist bereits bis in höchste Designkreise vorgedrungen, und als Beispiel nenne ich immer Stella McCartney. Doch sogar sie sagt: Mode und Nachhaltigkeit, das geht sich nicht aus. Und ich muss ihr recht geben.

Hier das komplette Interview:

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Primark: Weitere Labels aufgetaucht!

Nur schnell, weil ich gleich mit Eddie Vedder (Pearl) Jammen gehe: Es sind anscheinend weitere Kleidungsstücke aufgetaucht, die zusätzliche Labels beinhalten.

1) Ein weiteres Kleid, in dem ein sehr ähnliches Label eingenäht ist (eindeutig der/die gleiche HerstellerIn), das „degrading sweatshop conditions (herabwürdige Zustände im Sweatshop)“ besagt. Ich glaube inzwischen auch eher an die Theorie, dass sie von AktivistInnen eingenäht wurden, aber wie gesagt: Es ist eigentlich eh scheißegal. Hauptsache, man wird sich der unzweifelbar miesen Produktionsbedingungen von Primark bewusst. Besagtes zweites Kleid stammte eigentlich aus einer Verkaufsschiene von vor einem Jahr und war kürzlich im Ausverkauf. Primark meint, es sei seltsam, dass es gerade jetzt auftauche. Dennoch: Gut, dass drüber geredet wird, danke für die Labeleinnäher.

2) Gleichzeitig hat sich eine dritte Shopperin gemeldet, in deren Hose von Primark eine Notiz steckte, die um einen Ausweis eines Gefangenen gewickelt war. Sie war chinesisch geschrieben und besagte, dass die Person auf dem Ausweis, zu menschenrechtswidrigen 15stündigen Arbeitszeiten gezwungen wurde. Setzt sich ein bissl ab von den anderen „Zwischenfällen“ und schockiert mich fast am meisten. Wörtlich stand auf der chinesischen und von Amnesty International übersetzten Notiz:

“SOS! SOS! SOS!

“We are prisoners in the Xiang Nan Prison of the Hubei Province in China. Our job inside the prison is to produce fashion clothes for export. We work 15 hours per day and the food we eat wouldn’t even be given to dogs or pigs. We work as hard as oxen in the field.

“We call on the international community to condemn the Chinese government for the violation of our human rights!”

Übersetzen tu ich das ein anderes Mal, mir geht grad die Zeit aus.

Ich finde es sehr spannend, was da gerade passiert und werde weiter die Situation beobachten. Bin gespannt wie ein Gummiringerl, was da wohl so rauskommen wird.

Und was die Zeichen unserer Zeit angeht: Dieser Kommentar wurde soeben auf meiner Facebookseite abgegeben: „Und ist mir doch Scheins egal ob die sklavenarbeit machen deswegen werde ich trotzdem nach wie vor meine Klamotten nur dort einkaufen.“

Leute, es gibt noch viel zu tun 😉

 

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Das Primark-Kleid: Der Tag danach

Was war denn da bitte los gestern?! Ich poste einen Beitrag, den es in englischer Form seit vier Tagen gibt, und er geht komplett viral – fast 100 mal auf Facebook geteilt. Ich hatte gestern doppelt so viele Klicks wie zu besten ORF.at- oder Spiegel.de-Verlinkungs-Zeiten. Und was mich unfassbar freut: Nicht, weil mein Projekt in einer „Oh wie kann man das nur schaffen“-Tonalität in einem bekannten Medium vorgestellt wurde (nicht falsch verstehen, ich hab mich über jeden dieser Beiträge gefreut und mich unglaublich gebauchpinselt gefühlt!), sondern, weil ich über eine Geschichte berichtete, die einer Britin passiert ist – sie fand in einem Kleid von Primark ein zusätzliches eingenähtes Label, auf dem „Forced to work exhausting hours“ stand. Eine Geschichte, die in einem einzigen Bild zeigt, welch unmenschliche Zustände bei den Billigstproduzenten für Fast Fashion herrschen. So gut, dass sie fast schon perfekt inszeniert wirkt.

Und dazu möchte ich echt nochmal dringend was feststellen: Wenn die Geschichte echt ist, dann sollen sich die, die sie anzweifeln, bitte erstmal eine Runde schämen und mal überlegen, warum wir eigentlich so zynisch geworden sind hier in Westeuropa. Wenn die Geschichte nicht stimmt, dann ist das aber bitte auch scheißegal. Warum? Weil sie gewirkt hat. Sie hat Tausende Menschen in ganz Europa zum Nachdenken gebracht. Wenn es also ein echtes Werk einer asiatischen Näherin ist, dann danke ich ihr aus vollstem Herzen. Sie hat mit einer kleinen Tat genau das Richtige gemacht. Wenn es das Werk einiger Aktivisten ist, dann danke ich ihnen ebenfalls. Weil sie einen Volltreffer gelandet haben.

And now to something completely different. Diese unfassbar vielen Klicks (das Zehnfache zum Durchschnitt!) haben mich dann auch ganz schön unter Zugzwang gebracht. Worüber schreib ich wohl am Tag danach? Ich kann mich nicht entscheiden. Im Angebot hätte ich eine (fast) neuentdeckte Teilzeitupcyclingdesignerin, mein neuestes Projekt mit Garn ausm Strickwerk, oder der spannende Artikel zu Kaufsucht auf gesund.at. Oder die Feststellung, dass ich inzwischen länger diesen Blog betreibe, als ich seit Unitagen durchgehend einen Job gehabt habe (es könnte sein, dass ich in Jobdingen so eine Art Zweijahres-rhythmus habe…) – und er sich immer noch nicht nach Arbeit anfühlt. Und mir glücklicher- und gleichzeitig erschreckenderweise immer noch nicht die Themen ausgegangen sind.

Aber morgen, da schreib ich nix. Da hab ich Geburtstag. Ja! Den ganzen Tag!

Bitte wie kann das sein, dass ich grad mal 25 Tage wieder da bin und schon wieder Fernweh hab? Oder anders formuliert: Warum liegt Wien eigentlich nicht am Meer? Würde meinen Geburtstag gern schwimmend- und schnorchelnderweise verbringen....

Bitte wie kann das sein, dass ich grad mal 25 Tage wieder da bin und schon wieder Fernweh hab? Oder anders formuliert: Warum liegt Wien eigentlich nicht am Meer? Würde meinen Geburtstag gern schwimmend- und schnorchelnderweise verbringen…. Foto: Kreta 2009. Hach, war das schön.

 

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Ein gruseliger Fund im neuen Kleid

Ich bin über das immer besser funktionierende Wiener Fair Fashion – Netzwerk gestern Abend über eine Geschichte gestolpert, bei der es mir kalt den Rücken runter geronnen ist. Eine Frau kaufte sich in England um zehn Pfund (12.5 Euro) bei Primark ein Kleid, und schaut am Abend mal nach der Waschanleitung, und findet ein eingenähtes Label, auf dem Folgendes steht:

„Forced to work exhausting hours“ („Gezwungen, erschöpfende Stunden zu arbeiten“)

Stellt euch mal vor, ihr kauft so ein Kleid (also die von euch, die noch zu Primark gehen 😉 ). Also mir würde eiskalt werden. Wurde der Dame auch.

Screenshot (c) metro.co.uk,  (Picture: Matthew Horwood © WALES NEWS SERVICE)

Screenshot (c) metro.co.uk, (Picture: Matthew Horwood © WALES NEWS SERVICE)

Ich bin WIRKLICH gespannt, wie es jetzt weitergeht. Primark will das Kleid unbedingt haben, um rausfinden zu können, wo es herkommt. Nun ja, brauchen sie es dazu wirklich, oder wollens nur sichergehen, dass die Dame damit nicht weiter an die Medien geht? Ich hoff, sie gibts ihnen nicht, ganz ehrlich. Primark muss imstande sein, auch durch ein abfotografiertes Kleid und deren Labels rauszufinden, wo es produziert wurde – sie habens schließlich in Auftrag gegeben, Himmelnochmal.

Sie selbst hat geschworen, das Kleid nie anzuziehen. Ich frag mich nur, ob sie sich stattdessen halt bei einem anderen FastFashion-Anbieter ein Kleid holt, und es stattdessen trägt, obwohls mit hoher Wahrscheinlichkeit unter ähnlichen Zuständen produziert wurde? Nur dass sie es besser verdrängen kann, weils ja im anderen Kleid nicht drin steht? Ich hoffe nicht. In ihren Zitaten wirkt sie sehr nachdenklich. Ergo darf da schon die Hoffnung keimen: Eine Person aus Bangladesch hat eine Person aus Großbritannien zum Umdenken gebracht. Schön, eigentlich. Und doch so wahnsinnig traurig.

Apropos Primark, apropos Metro: Einerseits schön, dass Primark es schafft, ein Shirt durch die gesamte Produktionskette laufen zu lassen, ohne dass jemandem auffällt, dass beatutiful statt beautiful draufsteht. Noch schöner: Metro haut in den zweiten Satz des Artikels ebenfalls einen Tippfehler rein (oder weiß wer, was afirfming heißt? Ich kenn nur affirming)

Edit: Einige vermuten einen Fake dahinter. Ich denke, selbst wenns einer ist: Es ist wirklich eine gelungene Aktion und schafft Aufmerksamkeit für die, die sonst immer ignoriert werden. 

 

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„No, we have never done that.“

Es ist eng verwoben mit dem aktuellen Report der Clean Clothes Kampagne: Die Erklärung von Bern, eine tolle NGO aus der Schweiz, fordert existenzsichernde, faire Löhne. Zeit wirds nämlich. Sehr spannend dazu auch die von der internationalen Clean Clothes Kampagne gestern gepostete Statusmeldung:

“No, we have never done that.”
— After explaining H&M’s roadmap to a fair living wage, Payal Jain, ’social sutainable responsible‘ from H&M admits H&M never attempted to calculate a concrete amount for a living wage since 1997.

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Ich soll ein EcoFashionVictim werden?!

Heut nur kurz (eigentlich ist gestern Abend), weil das Halsweh vom Vormittag inzwischen in Fieber übergegangen ist: Es gibt von Umweltberatung und Lebensministerium eine neue, 108-seitige Broschüre (108 Seiten! „Broschüre“!) über ökologische Mode. Ich bins heute überflogen,  und muss sagen: Definitiv übersichtlich und sehr informativ, aber auch definitiv nichts für Anfänger in Sachen Ökomode.

Ich finds super, dass da gerade soooo viel weitergeht und es bereits so viel Literatur zu dem Thema gibt, beleuchtet aus unterschiedlichsten Blickwinkeln (und juchui, Greenpeace Detox ist in der Broschüre mehrmals zitiert). Da passt diese Broschüre super rein.

Nur einen wunzikleinen Kritikpunkt hab ich. Bei dem Zwischentitel auf Seite 5 rollts mir die Zehennägel hoch (ich habe mir erlaubt, einen Screenshot vom PDF zu machen):

eco fashion victim

Wir sind hier keine Opfer. Und uns selbst zu welchen zu machen, ist im Vergleich mit denen, die die wahren Opfer in der Textilproduktion sind, bissl sehr unfair. Der Ausdruck „Fashion Victim“ ist verdammt apologetisch: „Ich bin halt so ein Opfer, ich kann nicht anders, ich muss shoppen gehen, ich bin der Mode verfallen“ (so interpretier ichs zumindest). Dem ganzen nur ein „Eco“ davorzustellen, find ich kontraproduktiv und … naja. Aber die gesamte Broschüre ist gut, ehrlich! Tolle Recherchegrundlage, um in einzelnen Bereichen tiefer ins Thema einzutauchen, und gleichzeitig selbst schon sehr ausführlich.

 

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