Schlagwort-Archive: Fast Fashion

Primark: Been there, done that, eeeew.

Primark. Oft hab ich schon drüber geschrieben, noch nie war ich bei einem. Glaube ich jedenfalls. Ich bin mir nicht ganz sicher, was das für ein Laden damals 2002 in Irland war, wo ich mir mein Fleecepyjama gekauft habe, ein noch schlimmerer Liebestöter als die Verhütungshose. Aber jedenfalls, seit der Primark-Trend um sich gegriffen hat, war ich nie in einem. In Wien gibt es die derzeit (zum Glück) auch nur am Stadtrand in Einkaufszentren – und weder das G3 noch die SCS haben mich jemals derartig angezogen, dass ich unbedingt hin musste.

In Köln hatte ich heute dann etwas Zeit, bevor mein Zug zurück nach Wien ging. Und sah am Neumarkt: Primark. Da musste rein. Schließlich reg ich mich so oft drüber auf, das will ich mit eigenen Augen gesehen haben. Gedacht, getan.

Drinnen: Voll. Und stinkend. Nach Kunstfaser, nach Lösungsmitteln, nach Menschenschweiß. Aber im ersten Moment war ich gar nicht so schockiert. Sah auch nur aus wie ein etwas größerer Textilschwede, so auf den ersten Blick. Und es hingen sogar ein paar ganz nette Teile herum.

Kurz wunderte ich mich über mich selbst, warum ich nicht gleich in einem Anfall von Ekel und Abscheu den Laden wieder verließ (gut, in der Schuhabteilung, in der es nach Lösungsmitteln stank, als ob ich mitten auf einer Sondermülldeponie wäre, war mir kurz danach). Im Gegenteil, ich sah sogar das eine oder andere Stück, das gar nicht so übel aussah – rein optisch. Besonders ein Pulloverkleid mit einem langen Zippverschluss am Rücken um 15 Euro löste in mir sogar ganz kurz einen „Soll ich?“-Effekt aus. Aber sorry, ein Teil von Primark kaufen: Ausgeschlossen. Angegriffen waren die Sachen alle einfach nur grauslich. Leider nicht fotografiert: Ein Wollmantel, auf dem „enthält Wolle!“ draufstand – der Blick aufs eingenähte Label zeigte: 87% Acryl, 10% Polyester, DREI PROZENT Wolle. Und mit den drei Prozent machens Werbung…. und wieder zeigte sich: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

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Nett“ auch die Kleider, die in Dutzenden da hingen: Gleich mal komplett zerrissen. Hammerqualität. Wirklich die Augen haute es mir bei den Jeansgilets raus: DREI EURO? Für ein Jeansgilet?!?! Und vor allem: Hey! Jetzt nur drei Euro! Statt vorher….drei Euro!! Ich wage jetzt mal die Theorie: Es gibt Leute, die auf sowas wirklich reinfallen. Unfassbar.

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Ich fing ziemlich schnell an, mehr auf die Leute als auf die Produkte zu schauen. Und ja, Leute waren echt genug da. Mit riesigen von Primark zur Verfügung gestellten Einkaufssäcken oder -wägen. Was sich mir zeigte: Eine Art des Einkaufens, wie ich sie eigentlich nur von Lebensmitteldiskontern kenne. Den Wagen vollmachen, das Zeug ist eh so billig. Die Quantität steht hier im Vordergrund, weitaus ärger, als es bei Textilschwede und Co. der Fall ist. Die Umkleidekabinen: Abgedunkelt. Das Angebot: Maaaaassseeennweise. Die Leute: Von Hartz 4 bis Audi A4 war alles vorhanden.

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Mein Fazit: Es ist gar nicht so sehr die Optik oder das Angebot von Primark, das ich so abstoßend finde. Es ist die Einkaufsphilosophie, die sich hier zeigt. Kleidung kann man nicht so schnell verbrauchen wie Lebensmittel, Kleidung ist einfach kein Wegwerfprodukt!!

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Hart, aber fair!

Heute gibts wieder einen kleinen Tipp, diesmal fürs TV – und auch meine deutschen LeserInnen haben etwas davon: Meine liebe Kollegin Kirsten Brodde wird heute in „hart aber fair“ in der ARD mitdiskutieren. Das Thema: „Der Kick der kleinen Preise – wie billig darf Kleidung sein?“

 

Ich bin gespannt!

 

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Die fünf Wahrheiten, die uns die Modeindustrie nicht wissen lassen will

Bei der Jasmin bin ich heut über einen Beitrag in der Huffington Post gestolpert, den ich gekürzt und übersetzt hier wiedergeben will. Einfach, weils so wahr ist. Nichts davon ist mir und LeserInnen dieses Blogs neu, dennoch, gehen wirs mal an, was die Huffington Post da so schreibt. Achtung: Das ist keine wörtliche Übersetzung dieses Beitrags, sondern auch von mir ein bissl in freien Worten kommentiert.

Also.

Die fünf Wahrheiten, die die Fast Fashion – Industrie uns nicht wissen lassen will

  • Die Modeindustrie hat das Ziel, dass du dich nach einer Woche bereits „out“ fühlst. Früher gabs mal zwei Saisonen, Frühling/Sommer und Herbst/Winter. Jetzt gibt’s einmal die Woche eine neue „Mikro-Saison“ – mit dem Ziel dahinter, dass die KundInnen so viele Kleidungsstücke so oft wie möglich kaufen. Ich hab da grad so eine kleine Beobachtung auf der Website des Textilschweden laufen. Echt fast täglich neue Stücke drauf.
  • „Sonderangebote“ sind selten wirklich welche. Das gilt besonders für die USA, wo es Läden gibt, die Fetzen mit Designerlabels drin um quasi kein Geld verkaufen. Doch haha, das Zeug ist noch nie vorher in einem Laden gehangen und einfach nicht gegangen, sondern sind oft gaaaanz wo anders produziert als die restlichen Stücke der jeweiligen Designer. Der Kniff: Sogenannte Outlet Broker (Halsabschneider nach dem Vorbild der Börsen) BEZAHLEN Designer dafür, dass sie deren Labels in sturzbillig produziertes Zeugs nähen können. Da wundert mich das potthässliche Michael-Kors-Kleid, das ich mal in Phoenix gesehen hab, echt gar nimmer.
  • Es sind immer noch Blei (!) und gefährliche Chemikalien WEIT über der Nachweisgrenze in Kleidung vorhanden. Jo eh, das ist jetzt wirklich nix neues – und mein Job, sowas aufzudecken.
  • Kleidung ist entworfen, um auseinanderzufallen. Eh klar, wenn das einzige Ziel der Fast Fashion Unternehmen die Maximierung der Verkaufszahlen ist. Dann produziert man halt so, dass die Teile nach ein, zweimal Tragen auseinanderfallen, und schon muss der/die KundIn was Neues kaufen. Und das Ergebnis sind irre Müllberge und noch irrerer Verbrauch von endlichen Ressourcen. In dem Artikel steht mal wieder eine neue Zahl: Der Durchschnittsamerikaner wirft pro Jahr durchschnittlich 68 Pfund (fast 31 Kilo) an Textilien weg. Und da sind jetzt Stücke, die an Kleidersammlungen oder Charity o.ä. gehen, nicht mit einberechnet, sondern nur das, was wirklich auf den dortigen Deponien landet.
  • Aufgenähte Perlen- oder Paillettenmuster sind ein Zeichen von Kinderarbeit. Ist so. Je mehr blingbling hier in Mode ist, desto beschissener für die kindlichen ArbeiterInnen in den Billiglohnländern. Es gibt zwar Maschinen, die das leisten können, die sind aber meist so teuer, dass sie die diversen Arbeitskräfte nicht aufwiegen.

Ja, so ist das alles. Nicht mehr neu, aber immer wieder aufs neue schockierend. Ich hab beschlossen, mir viiiiiiel mehr selbst zu nähen. Erstens, weil Übung den Meister macht, und zweitens, weil dann wenigstens nur ich leide. Gestern hab ichs, blöder Zippverschluss am Tascherl.

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Fetzen, Fetzen, Fetzen

Gestern war blöd. Gestern hab ich fulminant verschlafen, mein Handy zeigte mir um 09.21h an, dass die App „Wecker“ abgestürzt sei und fragte, ob ich sie schließen oder doch warten wolle. Schließen, blödes Teil, du. Jedenfalls bin ich fast zwei Stunden nach meiner normalen Aufstehzeit aufgewacht. Und diesen zwei Stunden bin ich gestern den gesamten Tag nachgelaufen, daher auch kein Blogbeitrag, keine Zeit. Und zu berichten hatte ich eigentlich auch nicht viel. Gestern Abend war ich nochmal auf einer kleinen Tauschparty mit viel Essen (blubb) und leider vielen Sachen in sehr kleinen Größen -mit Ausnahme einer Bluse, die mir sehr taugt, und die ich demnächst mal bei einer Art Tausch-Haul präsentieren werde.

Was mir allerdings in den letzten Tagen mal wieder wirklich aufgefallen ist, ist das schlechte Gewissen, das andere Leute mir gegenüber haben. Folgendes Gespräch ereignete sich beispielsweise am Montagabend:

ich: „Schönes Outfit!“ zu einer Frau in coolen Boots, Lagenlook, buntem Schal und grünem Parka. Eh das klassische Herbstoutfit. Aber es gefällt mir einfach sehr gut.

sie: „Ja, aber du wirst mich hassen für das Outfit, das ist alles H&M und Zara.“

Nein, nein und nochmal nein. Ich hasse niemanden für die Art, wie man sich kleidet. Ich mein, sorry, aber es wird doch wohl niemand absichtlich zu Primark und Co. gehen, damit er oder sie auch wirklich sichergehen kann, das auf alle Fälle ein paar Leute für die Herstellung der Kleidung leiden mussten, und auch bitte mindestens ein Fluss in China komplett vergiftet wurde. Als ob das ein Einkaufskriterium wäre.

Aber ich will auch nicht missionieren. Ich will informieren. Der Groschen muss bei jeder/m selbst fallen. Das hab ich ja auch bei mir gemerkt. Dass da bei der Textilproduktion was nicht so ganz korrekt zugeht, naja, im Hinterkopf hab ichs eh immer gehabt. Aber erst durch meine Shoppingdiät und meinen sehr bewussten Umgang mit dem Thema hat in mir erst so richtig dieser Paradigmenwechsel stattgefunden, der mich inzwischen seit über zweieinhalb Jahren erfolgreich davon abhält, die Filialen von Textilschwede und Co. zu betreten.

Also bitte, liebe Leute, nehmt mein (fast) tägliches Geblubbere bitte nicht als Gebot hin – und glaubt nicht, dass ich was Besseres bin (oder zu sein glaube). Was ich absolut und sowas von nicht bin – jede/r hat Schwächen, meine liegen wahrscheinlich im Ernährungsbereich, da bin ich manchmal ganz schön schludrig. Sondern seht diesen Blog einfach als Portal, auf dem es zu einem großen Teil monothematisch dahingeht – Fetzen, Fetzen, Fetzen, aber bitte in fair und öko. Mehr will ich doch gar nicht 🙂

PS: Nein, das heißt nicht, dass ichs jezt super finde, dass Leute sich mit fairer Mode beschäftigen und trotzdem zum Textilschweden rennen, aber ich werfe es niemandem vor!! Das ist ein Unterschied: Jede/r hat selbst ein Gewissen und ein Hirn und die Entscheidungskraft, sein/ihr Geld und damit seine/ihre Macht bewusst einzusetzen.

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Stark angefangen, stark nachgelassen

Die DPA hat eine eigene Umfrage in Auftrag gegeben – es ging ums Kaufverhalten. Bei der TT kann man den gesamten Artikel nachlesen. Der Artikel fängt fantastisch an:

Bei einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der dpa sagten fast neun von zehn befragten Verbrauchern, für sie seien faire Produktionsbedingungen in der Textilbranche „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“. Fast jeder Dritte Befragte sagte, er würde auf keinen Fall ein T-Shirt, eine Jacke oder ein Kleid kaufen, von dem bekannt sei, dass es unter unmenschlichen Produktionsbedingungen herstellt worden sei. Weitere 49 Prozent gaben an, ein solches Produkt „eher nicht“ kaufen zu wollen.

Doch dann gehts bergab:

Bei einer vor einigen Monaten veröffentlichen Umfrage des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels gaben jedenfalls nur sieben Prozent der Händler an, dass sich die Kundenanfragen nach den Produktionsbedingungen deutlich verstärkt hätten. Viele Konsumenten halten offenbar den Preis des Produkts noch für das zuverlässigste Signal in Sachen Herstellungsbedingungen. Gut die Hälfte der aktuell befragten Verbraucher meint, ein T-Shirt solle mindestens zehn Euro kosten. Weitere 29 Prozent meinten, mindestens 5 Euro seien angemessen.

Und wirklich traurig wirds am Schluss:

Einfacher haben es natürlich jene Konsumenten, denen die Herstellungsbedingungen egal sind. Besonders unter jungen Leuten sind das gar nicht so wenige. Immerhin jeder vierte Befragte im Alter zwischen 18 und 24 Jahren gab an, die Frage der Produktionsbedingungen sei beim Shoppingbummel für ihn ohne große Bedeutung.

Gibt nicht viel Hoffnung für die Zukunft – und fühlt sich in etwa so an wie das Wetter da draußen. Wäh. Ich wünsch mir mal gscheiten, aber realistischen Ethik-Unterricht an den Schulen anstelle des „Herr Fesser, kömma bitte an Film schauen“-Religionsunterricht wie ich ihn damals erleben „durfte“.

 

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Ich hab die Größten übersehen!

Taaaagelang hab ich jetzt gesucht. Echt jetzt. Ich wollte wissen, wer von den ganzen Textilanbietern in Österreich eigentlich der Größte ist. Ists der Textilschwede oder doch der KiK? Und wie sehr spielen da Anbieter wie der Hofer rein? Und überhaupt, da gibts ja auch noch Pimkie. Pimkie ist ja ein Phänomen, find ich. Nicht groß, man denkt sich: Hui, von denen gibts sicher nicht viele – und dann findet man in jeder Kleinstadt einen Pimkie.

Dann wurde ich dank eines Bekannten endlich fündig. Und was da an erster Stelle der Läden in Österreich stand, überraschte mich ordentlich: NKD.

Wie? Wer? Was? NKwie? Mir waren die überhaupt kein Begriff. Dann stellte ich fest: Ok, fünf Minuten mit dem Fahrrad ist einer entfernt. Und wui, es gibt zirka fünfmal so viele NKDs in Österreich wie Pimkies. Irgendwie ist diese Kette komplett unter meinem Radar geblieben – dabei sind sie mit Abstand die Größten in Österreich! Ganz ehrlich, ich kannte die nicht! Macht mich das jetzt zu einer elitären Tusse oder zu einem blinden Maulwurf oder zu einer viel zu sehr in ihrer eigenen Zielgruppe und -sparte Gefangenen? Keinen blassen Schimmer, aber ich habe definitiv Aufholbedürftnis.

Screenshot (c) nkd.com

Screenshot (c) nkd.com

Na gut, dann mal ein bissl Recherche! „Wir machen es günstig, gut, schön und mit Herz.“ – das steht als Leitsatz auf der Website. Aha. Sagt jetzt noch nicht wirklich rasend viel aus. Könnte jetzt eigentlich bei einem Friseur, einem Handy-Reparateur oder auch einem Chirurgen drüberstehen. Ich klicke mich weiter zu den Informationen über den Einkauf, da steht das selbe Blabla dann etwas ausführlicher: „Vom Hauptsitz des Unternehmens in Bindlach bei Bayreuth aus findet die Planung aller Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene statt. Dazu gehört auch der gut durchdachte und an die Wünsche unserer Kunden angepasste Einkauf unserer Produkte. Unsere Spezialisten aus der Abteilung Einkauf setzen im Alltag unser Motto „Wir machen es günstig, gut, schön und mit Herz.“ in reale Artikel um, die es dann in unseren NKD-Filialen und im Onlineshop auf nkd.com zu kaufen gibt – natürlich zu einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Hmpf. Das riecht echt danach, dass NKD ganz weit vorne ist, was die Nichtbeachtung sozialer und ökologischer Standards angeht.

Hübsch auch der Satz zur Qualitätssicherung: „Auch wer auf günstige Preise achtet, kann qualitativ hervorragende Produkte erwarten. Darauf können sich unsere Kunden verlassen. Das Schlüsselwort heißt Qualitätssicherung. Produktionskontrollen bei unseren Lieferanten gehören ebenso dazu wie Qualitätskontrollen direkt bei uns im Haus. Hier arbeiten wir mit international tätigen Prüfinstituten und -Laboren zusammen.“ Einkaufsbedingungen und Lieferantenhandbuch sind dann gleich mal passwortgeschützt – ok, na gut, seh ich irgendwo ein bissl ein, aber von Transparenz ist da sowieso nicht viel zu sehen.

Arg! Ein Anbieter, der aber sowas von komplett unter meinem Radar ist, ist mit ich glaub über 300 Filialen der mit Abstand größte in ganz Österreich. Etwas versteckt finde ich dann Hinweise, dass NKD auch Biobaumwolle anbietet, ja sogar GOTS-zertifizierte Produkte! Was ich nicht herausfinden konnte: Wie groß der Anteil am Gesamtangebot ist. Aber nirgendwo auf der gesamten Homepage steht was von Verantwortung, von sozialen Standards. Echt, das ist denen anscheinend wirklich pfeifegal! Unglaublich! Nichtmal das allgemeine Nachhaltigkeitsverantwortungsblabla (gut, das sonst mal echt nervt) haben sie wo stehen! Wobei, eigentlich ist das schon wieder straight: Wir haben Fast Fashion, wir pfeifen drauf, wir habens nicht. Punkt.

Straight auch eine Pressemeldung im vergangenen Jahr: NKD expandiert enorm (vor allem haben sie in den vergangenen Jahren viele Schlecker-Filialen übernommen), und einige Mitglieder der Geschäftsführung fanden das wohl nicht so leiwi. Erster Satz des Artikels: „Anlass sind unterschiedliche Auffassungen über den weiteren Expansionskurs des Unternehmens.“

Ja, das ist gradaus. Und die sind echt gradaus an mir vorbei. Hui, spannend, die werd ich mal im Auge behalten!

 

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Chinas Flüsse – ein Alptraum

Mir ist schlecht.

Von null (= hey, schöner Tag heute, juhu, liebe Kollegin endlich ausm Urlaub zurück) zu kotz.

Warum?

Deshalb.

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Bangladesch, Lidl und die Polizei

1) Der Fabrikschef mit den zweifelhaften moralischen Ansätzen (sich durch Nichtbezahlung der Löhne von 1500 Näherinnen aus dem Gefängnis herauserpressen) scheint es geschafft zu haben: Er ist frei. Bezahlt hat er bisher trotzdem noch nicht.

2) Verständlicherweise protestieren die sich sowieso schon in Hungerstreik befindlichen Näherinnen.

3) Und die Polizei geht gegen die Näherinnen vor, nicht gegen den Fabrikschef, der 1500 Arbeitsverträge (so er solche überhaupt ausgibt, was ich zu bezweifeln wage) wissentlich und willentlich bricht.

4) Aber Hauptsache, bei Lidl und Co. kommt es in der Lieferung zu keinen Unregelmäßigkeiten.

5) KOTZEN!

APA und Derstandard.at schreiben übereinstimmend (a.k.a. ident. a.k.a. copy/paste, a.k.a. was ich jetzt auch mache):

Tränengas in Textilfabrik in Bangladesch
7. August 2014, 16:47
Rund 400 Textilarbeiter wurden aus einer Fabrik vertrieben, in der sie für die Auszahlung ausstehender Löhne protestierten

Dhaka – Mit Tränengas und Schlagstöcken hat die Polizei in Bangladesch am Donnerstag nach Gewerkschaftsangaben rund 400 Textilarbeiter aus einer Fabrik vertrieben, in der diese für die Auszahlung ausstehender Löhne protestierten. „Sie haben uns gezwungen, die Fabrik zu verlassen“, sagte die Streikleiterin Moshrefa Mishu.

Die Näherinnen in der Fabrik waren ihren Angaben nach in einen Hungerstreik getreten, weil 1500 Arbeiterinnen der Tuba-Gruppe seit drei Monaten keinen Lohn erhalten hätten. Sie fordern demnach zudem Urlaubsgeld für die freien Tage rund um das islamische Fastenbrechen.

Der Inhaber der Tuba-Gruppe, Delwar Hossain, war im Februar ins Gefängnis gekommen, weil er mitverantwortlich sein soll für den Brand in einer seiner Textilfabriken im Jahr 2012, bei dem 111 Arbeiter starben. Hossain wurde in der vergangenen Woche gegen Kaution freigelassen.

Polizeichef M.A. Jalil wies die Vorwürfe der Protestierenden zurück. Die Polizei habe die Näherinnen zwar aus der Fabrik entfernt, doch ohne Gewalt. Tränengas und Schlagstöcke seien erst eingesetzt worden, als die Arbeiterinnen auf die Straße stürmten und dort Autos und Busse attackierten. (APA, 7.3.2014)

 

Fatal Downfall_07

(c) Clean Clothes Campaign

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Chinatown in Italien

Mannmannmann, da war ich ein paar Tage so ein bissl themenleer (abgesehen von meinem  übrigens bisher noch nicht geglückten Versuch, den kleinen süßen Marco an den Mann zu bringen – teilen des Marcobeitrag ist ergo gerne gesehen und erlaubt 🙂 ). Und seit gestern sprudeln die Themen leider wieder nur so. Leider? Ja, weil einfach grad so viele grausliche Sachen in meine Wahrnehmung gerülpst werden, dass mir eh schon ganz schlecht ist. Zuerst allgemeine Konsumkritik, dann die Sache mit Lidl und den verhungernden NäherInnen, und gestern stolperte ich auch wiedermal über einen Artikel über Prato.

Prato ist eine Stadt mitten in der Toskana, in denen Unmengen an (tw. illegalen) chinesischen Immigranten im Akkord nähen und „Pronto Moda“ (Fast Fashion auf italienisch) herstellen. Vor einigen Monaten kamen bei einem Brand einige ChinesInnen ums Leben, damals waren kurz mal alle Zeitungen voll von dem Thema. Und schneller, als man „Made in Italy“ sagen konnte, wars auch schon wieder vorbei.

Umso spannender jetzt der Artikel in der Zeit, der mal eine andere Perspektive einnimmt: Eine Chinesin als Mitglied der italienischen Mittelschicht. Ich finds gut, dass es in dem Artikel nicht mehr so intensiv um das „wir“ und „die“ geht – trotzdem lässt mich der Beitrag etwas verwirrt zurück. Ich finds gut, dass eine gewisse Form der Integration stattfindet, aber muss ich deshalb das System „Billige Arbeitskraft kommt nach Italien, um „Made in Italy“ bei chinesischen Arbeitsbedingungen produzieren zu können“ gut finden?

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Was Lidl mit verhungernden NäherInnen zu tun hat

Meine Fresse, mit manchen Leuten wirds wohl nix mehr. Der Besitzer der Tazreen-Fabrik, die vor eineinhalb Jahren abgebrannt ist und 112 NäherInnen aus dem Leben riss, versucht sich nun aus dem Gefängnis raus zu erpressen: Er zahlt in seinen verbleibenden Fabriken seit drei Monaten keine Löhne mehr – und hat durchblicken lassen, dass sich das in dem Moment ändern könnte, wenn er frei kommt.

Der Spiegel und die HuffPost schreiben, dass die Lage der NäherInnen immer verzweifelter wird – viele sind deshalb in Hungerstreik getreten. Es ist doch absurd: Ein Fabriksbesitzer will ausm Gefängnis, indem er den 1500 Näherinnen, die noch leben (!), keine Löhne zahlt. Mit der Ausrede, nur wenn er aus dem Gefängnis rauskomme, würde er den Kredit bekommen, den er für die Bezahlung der Löhne brauche. Das allein: Perfidität de luxe, der Typ hat null Schuldverständnis und sollte in meinen Augen allein für diese Tat gleich nochmal zehn Jahre sitzen. Und weil die unbezahlten NäherInnen sich nicht anders zu helfen wissen – von Gewerkschaften und Arbeitsrecht wahrscheinlich keine Spur – hungern sie. Um ihren Hungerlohn wieder zu bekommen.

Ja, mei, Rechtssystem in Bangladesch, alles übel, und in China ist ein Radl umgefallen. So in etwa kann man die Geschichte lesen. Doch ein einziges Wort holt die Geschichte wieder ganz nah her und zeigt unsere Verantwortung auf: LIDL. Die sind nämlich Auftraggeber dieses Fabriksbesitzers.

Mein Lieblingsabsatz aus dem Artikel der HuffPost:

Eine Lidl-Sprecherin sagte dem „Spiegel“, man verfolge die Situation aufmerksam. Bei der Tuba-Tochter, die die Firma beliefere, sei es zu keinen Unregelmäßigkeiten gekommen.

Ja träum ich? Die werden informiert, dass ihr Lieferant seine NäherInnen nicht bezahlt, die demnächst der Reihe nach verhungern werden – aber Hauptsache, es wird nach Plan und regelmäßig geliefert? Die Aussagen, die LIDL gegenüber Respact tätigt, wirken da sogar einfach nur noch wie blanker Hohn:

Wir sind uns der Verantwortung für Mensch und Natur bewusst und setzen uns kontinuierlich dafür ein, die Bereiche Umwelt und Klimaschutz, Mitarbeiter, Gesellschaftliches Engagement und Sortiment zu verbessern.

Die TAZ schreibt dazu auch noch was „Nettes“, Lidl ließ dort Trikots für die Fußball-WM produzieren:

Unklar bleibt, warum überhaupt so ein Kredit benötigt wird: Dem Financial Express zufolge nahm die Firma mit der Trikotbestellung ein Vielfaches der Summe ein, die sie den ArbeiterInnen schuldet.

Wann hört denn diese Wut in mir endlich mal auf? Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.

PS: Und weils mir durch einen Kommentar gerade aufgefallen ist: Was den Ecclestone die Freiheit kostet, würde drei Monatslöhne von VIERHUNDERTTAUSEND Näherinnen decken.

 

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